Assassin's Creed - Brotherhood

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Mac
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
abwechslungsreiche Action auf Blockbuster-Niveau
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Assassin's Creed" hat sich innerhalb weniger Jahre als eine der beliebtesten aktuellen Spieleserien etablieren können. Und Publisher Ubisoft arbeitet beharrlich an deren weiteren Aufstieg. In den letzten drei Jahren sind so neben den beiden vollwertigen Hauptspielen verschiedenste Ableger erschienen: für Sony's Handheld PSP und Nintendo's DS, für Facebook und das iPhone. Drei Animations-Kurzfilme und die Realverfilmung in Planung - und kein Ende in Sicht.
Mit "Assassin's Creed - Brotherhood" (im folgenden "Brotherhood" genannt) ist nun sozusagen Teil 2.5 erschienen, der direkte Nachfolger des zweiten Assassinenabenteuers. Nach dessen wendungsreichem und offenem Ende erfährt der Spieler also endlich wie es weitergeht mit Desmond Miles und seinen Vorfahren. Die Geschichte um Desmond Miles bildet dabei die Rahmenhandlung der Spiele. Im Jahr 2012 wird dieser von Templern entführt. Mithilfe der so genannten Animus-Machine soll Miles die Erinnerungen seiner Vorfahren, der Assassinen, durchleben und so ein wertvolles Artefakt finden. In der Rolle des Meuchelmörders Ezio Auditore da Firenze erkundete Miles in "Assassin's Creed 2" unter anderem das Florenz und Venedig der Renaissance, bevor die Handlung in Rom schließlich ihr vorläufiges Ende fand. Und hier startet "Brotherhood".
Zum weiteren Verständnis des Spielinhalts sei an dieser Stelle auch auf die Tests der Vorgänger "Assassin's Creed" und "Assassin's Creed 2" verwiesen, denn Neuerungen sind in "Brotherhood" nur geringer Natur. Der Spieler schlüpft wieder in die Figur Ezio und begibt sich auf die Suche nach den Verschwörern. Diesmal erfährt er jedoch Unterstützung. So kann der Spieler nun Assassinen anheuern und ausbilden, die ihm in seinem Kampf kurzfristig zur Seite stehen.
In Verbindung hierzu steht die zweite Ergänzung: der Mehrspielermodus. In abgegrenzten Gebieten muss der Spieler inmitten zahlreicher gleich aussehender computergesteuerter Charaktere einzelne Mitstreiter töten. Gleichzeitig steht er selbst auf der Opferliste anderer Assassinen.

Pädagogische Beurteilung:

Rom, offene Stadt
Offenheit, Handlungsfreiheit ist für manchen Spieler ein zweischneidiges Schwert. "Brotherhood" hingegen nimmt den Spieler ausreichend an die Hand, gibt ihm Aufträge, gibt ihm Richtung vor. Gleichzeitig bietet es aber eine Illusion von Freiheit und regt den Entdeckertrieb an. Die Vielfalt an Haupt- und Nebenmissionen, die frei begehbare und belebte Stadt, lädt zum Erkunden ein. Grafisch eindrucksvoll und detailverliebt und bis zu einem gewissen Grad auch historisch korrekt abgebildet, wartet das Rom Brotherhoods nur darauf, erklettert und bestaunt zu werden. So ist es im Test oft vorgekommen, dass sich die Spieler vor der nächsten Aufgabe erst mal auf auf die Suche nach dem höchsten Turm mit der schönsten Aussicht auf den malerischsten Sonnenuntergang begeben haben. Wieder runter vom Turm unterstreicht die stimmungsvolle Akustik das Treiben auf den Straßen.
Ein paar der Jugendlichen, die schon mal einen Ausflug nach Rom gemacht haben, konnten sich auch bestens an die Schauplätze erinnern. So waren das Forum Romanum, die Engelsburg oder das Kolloseum besonders beliebte virtuelle Reiseziele. Für sie war die Kenntnis um das reale Rom ein zusätzlicher Anreiz, die Spielwelt zu erkunden und Erlebtes Revue passieren zu lassen.

Im Auftrag der Gerechtigkeit
Aber "Brotherhood" ist kein „Rom-Simulator“. Kern des Spiels ist schließlich die Aufdeckung der Verschwörung, die Suche nach den Mördern, denen Ezios Vater zum Opfer fiel. So frei wie die Stadt dem Spieler präsentiert wird, ist der Wille Ezios jedoch nicht. Die Mittel der Wahl heißen Attentate verüben, flüchten, verstecken. Letztlich steuert der Spieler doch einen Auftragsmörder. Dessen Taten werden dabei vom Spiel nicht wirklich reflektiert, die klare Einteilung von Gut und Böse scheint Ezios Rachefeldzug zu rechtfertigen. Den jugendlichen Testern fiel dabei auf, dass die Figur noch blasser als im Vorgänger erscheint. Seine Motivation ist weniger greifbar, weniger nachvollziehbar. Hier liegt es am Spieler, die Handlung zu reflektieren und einzuordnen.
Trotz dieser Eindimensionalität versteht die Handlung es, den Spieler zu motivieren. Das in anderen Spielen beliebte Überspringen von erläuternden Zwischensequenzen entfiel im Test. Die Jugendlichen wollten wissen, wie die Geschichte sich weiterentwickelt und welche Auswirkungen ihr Handeln auf die Stadt und ihre Bevölkerung hat. Entgegen des Anspruchs, die Spielwelt optisch realistisch darzustellen, ist diese erzählte Geschichte jedoch rein fiktiver Natur. Der Kampf gegen die Borgia oder den Templerorden kann jedoch dazu anregen, sich mit den tatsächlichen Ereignissen auseinanderzusetzen.

Alter Wein in neuen Schläuchen
"Brotherhood" ist eindeutig an jene gerichtet, die den Vorgänger "Assassin's Creed 2" kennen. Nach einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse muss sich der Spieler alleine zurechtfinden. Die ohne Tutorial recht komplexe Steuerung ist dabei nur ein Hindernis, das diejenigen erwartet, die den ersten Teil nicht gespielt haben. Ohne Kenntnis der Geschichte ist es nicht nur kaum möglich, die weitere Handlung nachvollziehen zu können, sondern vor allem auch uninteressant. Spielmechanik, Grafik und Sound können zwar auch dann noch motivieren, ein großer Reiz des Spiels geht jedoch von der zugrundeliegenden Story aus.
Dementsprechend hat sich auch am Grundkonzept in "Brotherhood" wie bereits beschrieben nur wenig geändert. Die ein oder andere Waffe ist hinzugekommen und dem Charakter des Ezio wurden ein paar weitere Kampftechniken spendiert. Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, Assassinen anheuern zu können. Diese lassen sich auf potentielle Opfer ansetzen und unterstützen so die Hauptfigur. Jedoch wird hierdurch der teils als zu leicht bemängelte Schwierigkeitsgrad nochmals herabgesetzt.
Diese zusätzlichen Assassinen stellen auch die spielbaren Charaktere im neuen Mehrspielermodus dar. Bis zu acht Spieler begeben sich in die Rolle je eines Assassinen. Jeder erhält den Auftrag, einen anderen Mitstreiter zu töten. Die Karten auf denen diese Katz-und-Maus-Spiele stattfinden, sind weiterhin bevölkert von den Assassinen gleichenden nicht-menschlichen-Charakteren. Es gilt also zunächst, herauszufinden, wer das eigentliche Opfer ist. Tötet man den falschen Spieler oder computergesteuerte Figuren, gibt es Punktabzüge. Aus dieser Komprimierung der Kernelemente ergibt sich ein kurzweiliges, schnell zu spielendes Scharmützel. In der Testergruppe kam jedoch auch die Frage auf, ob sich dieses Prinzip möglicherweise schnell abnutzen könnte. Der Multiplayer-Modus wurde eher als Bonus zum Hauptspiel betrachtet, welcher aber auch nach kurzer Zeit in Vergessenheit geraten mag.

Fazit:
Die wenigen Erweiterungen können bemängelt werden. Doch das Grundgerüst der Reihe ist auch in "Brotherhood" noch immer spielenswert. Obschon nur noch eine Stadt zu erkunden ist, leidet die Abwechslung darunter nicht. Die Größe Roms, die Vielfalt an Haupt- und Nebenaufgaben, die dynamischen Wechsel des Spieltempos und nicht zuletzt die spannend erzählte Geschichte sorgen durchgehend für Motivation.
Spieler ab 16 Jahren, die den Vorgänger im besten Falle bereits gespielt haben, werden sich auch im neuesten Teil gut unterhalten fühlen. In diesem Alter ist in der Regel auch die notwendige Rahmungskompetenz hinreichend ausgebildet, um die Handlung des Spiels in Verbindung mit dem fiktiven Kontext betrachten und verarbeiten zu können.

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Spieletester
Ü16 Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass