Bayonetta 2

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2014.10
Systeme
Wii U
System im Test
Wii U
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Actionfeuerwerk rund um eine Hexe im japanischen Stil
Redaktion
Daniel Heinz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4Screenshot 5

Spielbeschreibung:
"Bayonetta 2" ist ein Actionspiel, das exklusiv für die Wii U veröffentlicht wurde. Das verwundert zunächst ein wenig, ist doch diese Konsole eher für niedliche Spiele und Familienunterhaltung bekannt und nicht für derartige Action-Feuerwerke. Wie gehabt dreht sich das Spiel um die namensgebende Hexe. Auf einer vorweihnachtlichen Shopping-Tour wird sie plötzlich von streitsüchtigen Kreaturen angegriffen. Eine Schlacht beginnt, die Ereignisse überschlagen sich und ein böser Drachendämon reißt die Seele der Waffenschwester Jeanne hinab in die Hölle. Die Rettungsaktion entpuppt sich als temporeicher und skurriler Trip von Kampf zu Kampf, der immer wieder durch ruhige Erkundungsphasen, Gespräche und Zwischensequenzen unterbrochen wird. 

Pädagogische Beurteilung:
Präsentation
Die Handlung knüpft an die Geschehnisse des Vorgängers an. Eine gewisse Vorkenntnis ist nicht vorausgesetzt, aber durchaus hilfreich, um der stellenweise etwas wirren Geschichte folgen zu können. Präsentiert wird sie teils durch filmische Sequenzen in Spielgrafik, teils durch Standbilder in einer Comicbuchaufmachung. Wie auch im Vorgänger finden Kenner zahlreiche popkulturelle Anspielungen, was einen Spielanreiz darstellen kann. Die Szenarien sind abwechslungsreich und mehr als ungewöhnlich. So wehrt sich Bayonetta z.B. auf einem fliegenden Düsenjet, dem Dach einer Eisenbahn, herabstürzenden Wolkenkratzern und in der Hölle gegen die Widersacher. Auffällig ist, dass die Bewegungen sehr homogen wirken und sich durch einen einzigartigen Stil kennzeichnen. Deutlich von der japanischen Kultur geprägt ist die Musik, die ebenso überzeichnet ist wie die Handlung selbst. Die poppigen, skurrilen Beats, teils mit Gesang unterlegt, bewegen sich abseits dessen, was man für gewöhnlich im deutschen Radio hört.

Knöpfchen drücken
Die Hexe wird aus der Verfolgerperspektive durch eine 3D-Landschaft gesteuert. Mit Schießereien sowie rasante Tritt- und Schlagkombinationen wehrt sie sich gegen zahlreiche Gegner. Ähnlich eines Beat em Ups gilt es auch hier zur richtigen Zeit die passenden Knöpfe in einer bestimmten Reihenfolge zu drücken. Aus unterschiedlichen Kombinationen entstehen jeweils andere Attacken. Nur wer diese geduldig auswendig lernt und zeitkritisch ausführen kann, kommt auf höheren Schwierigkeitsgraden zu Erfolgen. Außerdem müssen Spieler die Gegner beobachten, ihre Schwachstellen analysieren und diese dann mit Kalkül ausnutzen. So bedürfen goldene Roboter, Zentauren mit Masken, entstellte Engelskrieger und Endgegner wie haushohe Giganten jeweils eine ganz eigene Taktik, um sie besiegen zu können. Stellenweise blinkt auch eine bestimmte Taste auf dem Bildschirm auf, die es dann blitzschnell zu betätigen gilt. Ein weiteres Spielelement ist die Hexenzeit, welche durch genau abgestimmtes Ausweichen aktiviert wird. In dieser wird die Bewegung des Gegners stark verlangsamt, wodurch zahlreiche Angriffe ohne Gegenwehr ausgeführt werden können. 

Gewaltdarstellungen
Trotz einfacher Rätseleinlagen und zahlreichen Erkundungsreizen ist das Szenario von actionreichen Kämpfen bestimmt. Auf der Bildebene werden Gegner von Grabsteinen erschlagen, durch Nagelwalzen gedreht oder sie landen in einer eisernen Jungfrau. Die Brutalität solcher Folterinstrumente wird dabei von bunten Effekten begleitet. Die herumfliegenden Blütenblätter und pinken Schmetterlinge wirken dabei wie ein Stilbruch, der das fiktionale Setting unterstreicht. Auch abseits dessen finden medienerfahrene Jugendliche ab 16 Jahren entlastende Inhalte. So ist der Bildschirm zeitweise derart mit Effekten überfrachtet, dass es dem Spieler i.d.R. schwerfällt, sich gänzlich auf einzelne Details zu konzentrieren. Die Handlung läuft rasant weiter und lässt kaum Raum für die Reflektion des Gesehenen. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren können diese Szenarien allerdings unter Druck setzen. 

Geschlechterdarstellung
Unter dem Schlagwort #Gamergate (vgl. Weibliche Geschlechterrollen in Games) wurde und wird noch immer die Darstellung von Frauen in Games diskutiert. Und auch die Hexe Bayonetta wird sexuell aufreizend dargestellt. Ihr scheinbar hautenges Gewand besteht oftmals hauptsächlich aus ihren Haaren. Benutzt sie diese als Waffe, wirbelt sie beinahe nackt herum. Auch die Kameraführung schwenkt in den Actionszenen in ihren Schritt oder auf den Po, während die Beine im Spagat durch die Luft wirbeln.
Auf der anderen Seite wird Bayonetta als starke Frau inszeniert, die sich in einer (sonst beinahe ausschließlich männerdominierten) Actionwelt schlagkräftig durchsetzt und sich stets zu wehren weiß. Gerade im Umgang mit männlichen Figuren wird sie sowohl als intellektuell als auch körperlich überlegen dargestellt. Sie ist unabhängig, weiß, was sie will und lässt sich die „Butter nicht vom Brot nehmen“. Ihre körperlichen Reize setzt sie bewusst ein, um andere von sich einzunehmen. So räkelt sie sich selbstbewusst und lasziv auf einem Tresen, lutscht dabei einen Lolli und zieht die Augenbraue hoch, während sie sich mit einem Mann unterhält. In einer Branche, in der Frauen oft nur ein Accessoire darstellen und als hilfsbedürftig charakterisiert werden, haben solche Charakterzeichnungen eher Seltenheitswert.
Ist dieses Spiel ein Schritt in die richtige Richtung? Oder geschmackloser Sexismus, der die Frau zum Sexsymbol degradiert? Dies liegt wohl im Auge des Betrachters. Hier können Sie sich selbst ein Bild machen. 

Fazit:
Ein buntes, skurriles und völlig überzeichnetes Actionfeuerwerk, in dessen Mittelpunkt die namensgebende Hexe steht, die mit ihren körperlichen Reizen nicht geizt und sich schlagkräftig in einer Actionwelt durchsetzt. Um die an Prügelspiele erinnernden Kämpfe zu gewinnen, wird Hand-Auge-Koordination, Reaktionsschnelligkeit und Taktik gefordert. Abseits dessen gilt es Rätsel zu lösen und abwechslungsreich gestaltete Umgebungen zu erkunden. Das Spiel ist zwar sehr kampfbetont, die Darstellungen sind allerdings stark überzeichnet und werden von Rätselpassagen und Erkundungsreizen aufgelockert. Auf die (ausschließlich männlichen) Spieletester wirkten die Gewaltpassagen sowie die sexuellen Posen stark überstilisiert und das Geschehen wie ein gewollter Tabubruch. Um dies einzuordnen bedarf es der Fähigkeit zur Reflektion und Medienerfahrung, die i.d.R. ab 16 Jahren vorausgesetzt werden kann.

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Spieletester
Ü16 Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass