Dance Central 2

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Microsoft
Erscheinungsjahr
2011.10
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Kinect Sensor erforderlich
Kurzbewertung
Technisch gelungenes Tanzspiel - sehr hoher Schwierigkeitsgrad für jüngere Spieler
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Es gibt nur wenige Spieletitel, die sich mit nur einem Wort zusammenfassen lassen. "Dance Central 2" ist einer dieser Titel: Tanzen. Tanzen im ursprünglichen Sinne - ganz ohne teils störende Hilfsmittel wie etwa Controller oder Matten - schlicht Tanzen durch möglichst rhythmische Bewegungen des eigenen Körpers, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Die Entwickler aus dem Hause Harmonix, die sich ihrem Namen entsprechend auf harmonische, sprich musikalische Titel spezialisiert haben, liefern mit "Dance Central 2" den Nachfolger des wohl besten Lach- und Tanztitels für Microsofts bewegungserfassende Kinect-Kamera.

Über 40, zumindest zum Releasezeitpunkt (Oktober 2011), meist aktuelle Lieder haben es auf die Tanzfläche von "Dance Central" geschafft. Was alle Songs darüber hinaus gemeinsam haben, ist zum einen, dass sie allesamt ‚tanzbar' sind und zum anderen die Tatsache, dass sie einmal den Sprung in die internationalen Charts geschafft haben. So darf sich der Spieler zu Musik von beispielsweise Lena, David Guetta, Lady Gaga, Justin Bieber oder Rihanna bewegen. Ein zumindest nicht allzu altes Zielpublikum scheint bereits durch diese chartlastige Titelauswahl vorprogrammiert.

Spiel einlegen, Spielmodus und Song wählen: den Bewegungen des ‚Vortänzers' folgend lostanzen - auch wenn es dem Spiel nicht ganz gerecht wird, lässt sich "Dance Central 2" durchaus auf diese simple Beschreibung reduzieren.

Spätestens beim letzten Schritt lostanzen wird man jedoch recht schnell registrieren, dass die Tanzzentrale mitunter nicht gar simpel so aus der Hüfte kommt. Unzählige Tanzschritte, laut Hersteller über 1700 (!) gilt es auf Anhieb korrekt auszuführen. Dies ist unerlässlich, sofern man im Spiel vorankommen will - nur richtige ausgeführte Bewegungsabläufe geben Punkte. So erwarten den Hobbytänzer neben den klassischen Varianten, ‚normaler Tanz' und ‚Fitnessmodus', auch ein umfangreicher Übungsmodus, in welchem man sich jedes Lied und somit jeden Bewegungsablauf nach und nach aneignen kann. Um vor allem Solotänzer bei Laune zu halten, warten zudem durch Filme à la „Step Up" unglaublich angesagte ‚Tanz-Battle'. In diesem Modus geht es darum mit seiner Tanz-Crew andere Gruppen zu besiegen. Je nach ‚Karrierestatus' kann dies mitunter sehr, sehr schwierig werden und nach etlichen Anläufen fühlt man sich mitunter an einen Videospielern wohlbekannten ‚Bosskampf' erinnert. Mit bis zu zwei Spielern lassen sich die verschiedenen Modi in drei Schwierigkeistgraden, meist gleichzeitig, offline angehen.

Pädagogische Beurteilung:
Einfach und doch unglaublich schwierig
"Dance Central 2" verlangt von jedem Spieler auch im Einfachmodus vollen Körpereinsatz. Arme, Hände, Beine und manches Mal sogar die Hüften gilt es im Rhythmus der Musik kreisen zu lassen. Klingt einfach, ist es aber mitnichten.
Hat man das Spiel das erste Mal eingelegt und vollführt kurz darauf seine ersten Tanzchoreographien, bekommt man zunächst das Gefühl, dass wirklich gekonnte Moves gar nicht vonnöten sind, denn man bekommt „ja sogar im Sitzen fast gleich viel Punkte" wie sein Gegenüber. Spielt man das Spiel jedoch nur ein klein wenig intensiver, wird einem recht schnell deutlich, dass die erste Einschätzung vollkommen daneben lag und die ersten Punkte, ob im Stehen oder Sitzen, wohl schlicht Zufallsprodukte waren. Die unzähligen Bewegungen, die zwar Tanzlaien recht schnell als „fast die gleichen Moves" einordnen, bedingen eine hohe Präzision. Ohne Talent, Rhythmusgefühl und vor allem ohne Übung gestaltet sich der Einstieg in den Zweispielermodus dennoch irgendwie einfach, da im Test beide Spieler zunächst mit der gleichen Unkenntnis ausgestattet waren. Miss man sich jedoch mit dem Computer und verliert anfangs wirklich jedes Duell, wird einem der Schwierigkeitsgrad der dargebotenen Choreographien recht schnell deutlich und man kommt zu der Erkenntnis, dass man „schon auf die Schritte achten muss".

Kinect-Steuerung at it's best
Dieser, bereits im Einfach-Modus, hohe Schwierigkeitsgrad, sowie die Genauigkeit des Bewegungsablaufs bedingen jedoch nicht nur einen fähigen Spieler, sondern auch eine ausgereifte Bewegungserfassung durch den Kinectsensor. Und die ist tatsächlich meist gegeben. Es scheint, dass die Möglichkeiten des Sensors, wie schon im ersten Teil, durch die Entwickler von Harmonix hier nahezu perfekt ausgereizt wurden. Nicht nur, dass die Bewegungen wirklich nahezu exakt erfasst werden, auch die Spielererkennung funktioniert unglaublich gut. Man kann problemlos ohne die übliche Kinect-Menüführung zwischen dem Einzel- und Zweispielermodus hin- und herwechseln. Will man nur noch alleine tanzen, muss Spieler Zwei nichts weiter tun als die Tanzfläche zu verlassen. Will man wiederum wieder einsteigen, betritt man die Tanzfläche, hebt beide Hände und wird vom Sensor postwendend zum Tanz eingeladen. "Dance Central" kann jedoch leider die üblichen Tücken Kinects nicht komplett umgehen, so erweist sich die Menüführung zum Beispiel in der Songauswahl nach wie vor als, mild formuliert, gewöhnungsbedürftig. Hat man einen Song angewählt, muss man wahlweise mit seiner rechten oder linken Hand nach links wischen. Rätselhafterweise wird diese simple Bewegung jedoch meist erst nach mehrfachen Versuchen, wenn überhaupt korrekt erkannt und das ist „voll komisch, weil doch der Rest so gut klappt". Zwar soll man das Menü, laut Herstellerangaben, auch durch eine Sprachführung navigieren können, was in unserer Testergruppe jedoch partout nicht gelingen wollte. Im Zweispielermodus fällt die Bewegungserfassung in etwas kleineren Räumen wiederum ebenfalls stark ab, da die körperliche Nähe der Spieler zueinander scheinbar den Sensor ‚überfordern'.

Zweckmäßiges Gewand
Wer bei "Dance Central 2" audiovisuelle Highlights, wie etwa Detailreichtum in puncto Grafik in Form von liebevollen Hintergrundanimationen, oder pompöse Soundeffekte, erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Das Spiel kreiert mit seinem stets bunten, etwas schrill anmutenden Gewand einen eigenen Stil. Das komplette Spiel lässt sich in gewisser Weise wie eine Mischung aus einem VIVA-Musikvideo, einem modernen Tanzfilm und einem klassischen Anime verstehen. Wie man dann dieses Konglomerat wahrnimmt ist objektiv betrachtet nur schwer zu erfassen. Die chartlastige Musik und das verspielte grafische Gewand wurde zumindest in unserer Testergruppe als „total genial", „voll geil", aber eben auch als „total nervig" eingeordnet. Selten war wohl die Einschätzung des Spiels so sehr geprägt vom subjektiven Musikgeschmack eines jeden Testers. So sangen und tanzten bei einigen Liedern sogar viele der vermeintlich passiven Zuschauer mit, wohingegen bei anderen Liedern einige „voll die Kopfschmerzen" bekamen.

Partyspaß!?
Die Tanzzentrale hinterließ beim Test einen sehr gespaltenen Eindruck. Von subjektiven Musikgeschmack und der damit verflochtenen Wahrnehmung des Spiels abgesehen, konnte es die Gruppe, bis auf ein zwei talentierte Ausnahmen nur kurzzeitig begeistern. Wer den dargebotenen Tanzschritten möglichst genau folgen will, muss einen gewissen Enthusiasmus für den Tanzsport an sich mitbringen und wird viel Zeit im Training verbringen. Betrachtet man die Komplexität der gezeigten Bewegungsabläufe, lässt sich das Spiel deshalb im Grunde mit etwa acht bis zehn Jahren kaum richtig ‚tanzen', es sei denn man ist ein oder entdeckt sein tänzerisches Naturtalent. "Dance Central 2" ist somit kaum für Spontantänzer.
Dennoch hielt der Spielspaß im Zweispielermodus durchaus etwas länger an, auch wenn man sich, zumindest in unserer Gruppe, teilweise überwinden musste der Choreographie zu folgen, weil das doch „voll peinlich" ist. Hat man sich jedoch einmal überwunden, bereitet der Versuch den Bewegungen zu folgen, dieses „ständige Hinterherhecheln" durchaus Freude, wobei letztlich das beim Spielen Zuschauen am meisten „Bock gemacht hat". Mit mehreren Spielern fällt auch die Komplexität des Spiels wiederum kaum ins Gewicht, da sich die ‚Tänzer' auf Augenhöhe „blamieren".
Letztlich muss man wohl tanzen mögen, um "Dance Central 2" länger als zwei bis drei Stunden zu spielen. Das Spiel bietet von sich aus, außer der Verbesserung der eigenen Tanzfähigkeiten dann doch zu wenig motivierende Elemente, wie etwa die Möglichkeit Songs freizuspielen (zumindest kann das Songrepertoire gegen Echtgeld erweitert werden) oder die Möglichkeit sich mit anderen ‚richtigen' Tänzern online zu messen.

Fazit:
"Dance Central 2" ist ein technisch kaum zu bemängelndes Tanzspiel. Zu keinem Zeitpunkt blechern klingende, aus den Charts wohlbekannte Erfolgssongs treffen auf einen grafischen Anime-Musikvideo-Genremix. Eine genaue Bewegungserfassung durch Kinect lässt zudem die Möglichkeiten des Sensors erahnen und hinterlässt die vage Hoffnung auf weitere ähnlich reife Kinect-Spiele. Die Komplexität der nach zu tanzenden Choreographien frustrierte jedoch viele. Während man dadurch als Einzelspieler ein wahrer ‚Tanzfan' sein muss, um am Ball zu bleiben, funktioniert die Tanzzentrale im Mehrspielermodus durchaus als Partyspiel Vereinfachend könnte man sagen, Kenner und Könner tanzen "Dance Central 2", Laien spielen nur ein weiteres, ordentliches Partyspiel.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass