Der Pate 2

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2009.04
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Übermäßig brutales, eintöniges Gangsterdrama
Autor
Matthias Reitzig
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4
Siehe auch

Spielbeschreibung:
Wer kennt ihn nicht, den wohl berühmtesten Mafiafilm der Geschichte des Kinos: "Der Pate" sorgte bei seinem Erscheinen 1972 für wahre Lobeshymnen und zog zwei Fortsetzungen nach sich. Der mit Marlon Brando, Al Pacino, Robert DeNiro und anderen großen Schauspielern hervorragend besetzte Film des Starregisseurs Francis Ford Coppola erzählt die Geschichte der Mafiafamilie Corleone in New York City und gewann seiner Zeit drei Oscars.
Bereits 2006 erschien mit "Der Pate" eine recht gelungene Videospielumsetzung der Filme. "Der Pate 2" nun versucht, an diese anzuknüpfen und ermöglicht es dem Spieler, selbst bis zum Don aufzusteigen.

Pädagogische Beurteilung:
Zunächst orientiert sich das Spiel recht eng an der filmischen Vorlage. Als "Soldat" der Familie gelangt man zusammen mit Michael Corleone (im Film gespielt von Al Pacino) über Kuba nach New York City, wo man dann auch gleich zum Don, also zum Oberhaupt einer Mafiafamilie, befördert wird. Hier endet dann auch schon die Gemeinsamkeit mit der cineastischen Vorlage. Als Familienoberhaupt hat man nun die Aufgabe, den eigenen Einflussbereich in der Stadt auszudehnen und gleichzeitig den der anderen Mafiakartelle in der Stadt zu reduzieren. Am einfachsten lässt sich dies durch "feindliche Übernahmen" bewerkstelligen – für das Spiel bedeutet dies nichts anderes, als ein Geschäft einer gegnerischen Familie anzugreifen, alle Wachtposten zu töten und den jeweiligen Besitzer so effektiv einzuschüchtern, dass er der eigenen Familie Gefolgschaft schwört und dafür ihren Schutz erhält, natürlich gegen Bezahlung. Als Geschäfte werden hier alle möglichen Etablissements bezeichnet; der Bogen reicht von Bars über Glücksspielhöllen bis hin zu Striptease-Lokalen. Gelingt es dem Spieler, alle Geschäfte eines Geschäftszweiges zu übernehmen, so wird er mit spezifischen Boni belohnt und erhält beispielsweise Zugriff auf kugelsichere Westen oder Schlagringe, die die eigene Effizienz in Nah- oder Fernkämpfen erhöhen.
Apropos Kämpfe: "Der Pate 2" ist ein überaus gewalthaltiges Spiel. Natürlich konnte man dies bei der Umsetzung eines Mafiafilms in gewissem Rahmen durchaus erwarten; das Spiel zelebriert die Gewalt jedoch, während sie im Film auch als kritische Gesellschaftsstudie präsentiert und hinterfragt wird. So gibt es im Spiel nicht nur Schießereien und brutale Nahkämpfe im Minutentakt; die Entwickler haben auch einen besonders brutalen Exekutionsmodus eingebaut. Kommt man nah genug an einen Gegner heran und schwächt diesen ausreichend, so ist es möglich, diesen mit einer einzigen Aktion spektakulär zu töten. Er wird so beispielsweise mit einem Fußtritt zu Boden geworfen und dann mit einem Kopfschuss aus einer Schrotflinte getötet oder im Nahkampf gewürgt, bevor ihm das Genick gebrochen wird. Zwar gibt solche oder ähnliche Szenen auch in den Filmen, sie wirken jedoch vollkommen anders, nämlich als erschreckende Beispiele der Brutalität des organisierten Verbrechens. Im Spiel sind sie nur Mittel zum Zweck und ein überaus effektives Vorgehen zum schnellen Ausschalten eines Gegners. Auch das "Überzeugen" eines Geschäftsinhabers der eigenen Familie beizutreten ist überaus brutal inszeniert. In der Regel wird die betreffende Person so lange zusammengeschlagen, bis sie aufgibt. Andere Herangehensweisen gibt es nicht; Gewalt ist hier der einzige Weg, der zum Ziel führt.
Zu erwähnen ist, das Zivilisten in der deutschen Fassung des Spiels, anders als in der internationalen Version, nicht das Ziel von Angriffen sein können. Während Gangster (und auch Polizisten, die nach einiger Zeit am Ort einer Schießerei auftauchen)erschossen, überfahren, erschlagen oder sonstwie getötet werden können, ist dies bei Zivilpersonen nicht möglich, sie erweisen sich als immun gegen jegliche Angriffe. Dies mag nicht sonderlich realistisch wirken, mindert den Gewaltgrad jedoch etwas, auch wenn es merkwürdig erscheint, dass neben anderen Gangstern auch Polizisten ohne große Konsequenzen getötet werden dürfen. Auf jeden Fall ist "Der Pate 2" ein Spiel, das auf keinen Fall in die Hände von Kindern oder Jugendlichen geraten sollte.
Abgesehen von den zahlreichen Kämpfen und feindlichen Übernahmen hat man auch die Möglichkeit, in die sogenannte "Don-Ansicht" zu wechseln, in der man strategische Entscheidungen, wie beispielsweise die Einteilung von Wachen für übernommene Geschäfte oder Überfälle auf Etablissements unter feindlicher Kontrolle, treffen oder sich einen allgemeinen Überblick über die Geschäftslage und die eigenen Finanzen verschaffen kann. Der spielerische Wert dieser Ansicht hält sich jedoch in Grenzen, da es meist sinnvoller ist, selbst die Überfälle zu spielen, denn die Intelligenz der spielgesteuerten Charaktere hält sich in sehr engen Grenzen. Häufig gelingt es Nichtspielercharakteren, die den Spieler bei seinen Einsätzen begleiten, nicht einmal in ein Auto einzusteigen oder dem Spielercharakter durch eine Tür zu folgen – ganz klar ein Aspekt des Spiels, der dringend nachgebessert werden sollte.
Abgesehen vom Einzelspielermodus lässt sich "Der Pate 2" auch online mit bis zu 16 Spielern spielen, die dann untereinander ermitteln können, wer der kompetenteste Mafiagangster ist. In verschiedenen Spielmodi, in denen es zum Beispiel darum geht, die meisten feindlichen Gangster zu töten oder gegen den Widerstand einer gegnerischen Familie einen Safe zu knacken, kann man sich so mit anderen Spielern messen.

Zum Erscheinungsbild des Spiels bleibt noch zu sagen, dass sich "Der Pate 2"  ganz ähnlich wie die Titel der "Grand Theft Auto"-Reihe spielt. Genau wie beispielsweise in "GTA 4" steuert man den Protagonisten aus einer "Über-die-Schulter-Perspektive", so dass man ihn stets von hinten sieht, ganz ähnlich wie in einem Film, in dem die Kamera dem Protagonisten folgt. Die Grafik des Spiels entspricht leider in keiner Weise modernen Ansprüchen und sieht zumeist recht altbacken aus. Wie bereits erwähnt wird die Gewaltdarstellung stark zelebriert und wirkt, auch wenn die Grafik nicht mit heutigen Ansprüchen mithalten kann, überaus brutal. Soundtechnisch leistet "Der Pate 2" recht gute Arbeit; zu ordentlichen Effekten gesellt sich ein ansprechender Jazz-Soundtrack, der gut in das 60er Jahre Szenario passt.

Fazit:
"Der Pate 2" ist ein Spiel, dass sich als Lizenztitel der Filmreihe ein großes Ziel gesetzt hat – es erreicht dieses jedoch leider nicht einmal annähernd. Während man zu Beginn durchaus filmnah in die Geschichte eingeführt wird, wandelt sich die Handlung schnell zu einem sich immer wiederholenden Bandenkrieg um die Vorherrschaft in New York City, der immer wieder darauf hinausläuft, dass das eine oder andere Geschäft überfallen oder verteidigt werden muss. Wirkliche Abwechslung von diesem Thema sucht man leider vergeblich. Die gezeigten Inhalte machen das Spiel zudem für Kinder und Jugendliche komplett ungeeignet, doch auch erwachsene Spieler, die in der Lage sind, mit der brutalen Darstellung umzugehen, seien gewarnt: "Der Pate 2" ist einfach ein langweiliges Spiel.