Driver: San Francisco

Genre
Rennspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2011.09
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Wii
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Fesselndes Rennspiel mit filmischer Atmosphäre
Gruppenleiter
Andreas Gloge
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 5

Spielbeschreibung:
„Driver: San Francisco“ ist ein neuer Ableger der weltweit über 14 Millionen Mal verkauften Driver-Reihe. Der Spieler schlüpft mal wieder in die Rolle von Detective John Tanner und wird in eine unerbittliche Autorennjagd in den Straßen der weltberühmten Stadt San Francisco verwickelt.

Von einem Rennspiel mit Action-Fokus darf man keine tiefgründige Story erwarten. Dementsprechend überrascht es nicht, dass der Hintergrund auch beim neuen „Driver“ nur als Rahmen fürs wilde Durch-die-Gegend-Rasen dient. Ausgangspunkt ist der Ausbruch des verurteilten Gangsters Jericho, den John Tanner und dessen Partner daraufhin verfolgen, bis es zu einem Unfall kommt und Tanner ins Koma fällt.

Danach wird die weitere Handlung recht unkonventionell und ein wenig übernatürlich weitergesponnen, denn Tanners Geist nimmt nun vom Krankenhausbett aus an den weiteren Ermittlungen und Rennen teil, und kann körperlos von Auto zu Auto hüpfen und deren Fahrer übernehmen. Dieses brandneue Feature wird im Spiel „Shiften“ genannt und geschieht auf Knopfdruck. Dieser unkonventionelle Vorgang beschenkt dem Spiel seine ganz besondere Note, denn nun kommt es grundlegend nicht mehr nur darauf an, möglichst schnell und fehlerfrei durch die Straßen zu heizen, sondern auch das Shiften möglichst sinnvoll einzusetzen. Hierbei kann Tanner (also der Spieler) jeden Wagen in den Straßen San Franciscos übernehmen - egal, ob es sich dabei um Busse, Tanklaster, Streifenwagen, Taxen oder eines der vielen lizenzierten Modelle handelt, wie einen Alfa Romeo Mito, einen Ford Gran Torino oder gar brandneue Supersportwagen wie den McLaren MP4-12C.

Im Missionsmodus gibt es dann immer wieder Aufträge für Tanner, die möglichst schnell erledigt werden müssen. So dürfen gerne mal Bomben unter fahrenden Trucks entschärft werden, Verdächtige sind mit einem Sicherheitsabstand zu verfolgen, oder einem Kamerateam sollen spektakuläre Stunt-Aufnahmen beschert werden. Als wäre das noch nicht genug gibt es neben den üblichen Räuber-und-Gendarme-Rennen auch die Optionen aufs Zeitfahren und normale Wettrennen. Diese werden dabei in nette kleine Geschichten passend zur Hauptrahmenhandlung verpackt, sodass der Verlauf langfristig motiviert.

Abgerundet wird das Ganze durch animierte Filmszenen und die Möglichkeit, eine der vielen Werkstätten aufzusuchen, um sich dort Belohnungen für abgeschlossene Missionen und tolle Rennaktionen abzuholen, d.h. den eigenen Wagen mit netten Upgrades zu verbessern.

Im Multiplayer-Modus kann man miteinander die Schurken jagen oder gegeneinander fahren, entweder im Split-Screen-Modus oder per Internetverbindung über zwei Konsolen.

Pädagogische Beurteilung:
Der Hintergrund rückt in den Hintergrund
„Driver: San Francisco“ wartet mit einer klassischen Gangsterjagd auf, die immer wieder durch Filmsequenzen erklärt und weitergesponnen wird. Hier zeigt sich schnell, dass die Spieler der Testergruppe daran eigentlich kein großes Interesse haben. Sämtliche Clips wurden einfach sofort weggeklickt, denn den Spielern (alle 12 Jahre) kam es ausnahmslos auf den Fahrspaß und die Rennmissionen an und nicht auf die Storyline. „Das Gerede ist doch öde. Ich will durch die Stadt fahren und was erleben“ hieß es da mehrfach. Der Spielspaß resultiert also nicht so sehr aus dem Adventure-Teil, sondern aus der Action und dem Gefühl, schnelle, große, abgefahrene Autos möglichst wild und möglichst gut zu steuern.

Autorennen: Der Reiz des (noch) Verbotenen
Autorennen üben auf männliche Jugendliche so gut wie immer einen großen Reiz aus, zum einen weil sie konstante Action und gegenseitiges Kräftemessen bieten, zum anderen, weil Jugendliche im realen Leben eben noch keine Autos fahren dürfen. Hier wird also virtuell erlaubt, was real verboten ist und sanktioniert werden würde.
Zudem kann man sich coole Designs aussuchen, funkige Musik hören und nach eigenem Gutdünken alle Verkehrsregeln der Welt brechen. Diese Freiheit steht vor allem bei Jungen für eine ganz spezielle Form des Erwachsenwerdens und der sich entfaltenden Selbstbestimmung.

Auch wenn die eigenen Wagen zu Schrott gefahren werden und mit der Zeit immer mehr Beulen und herausgebrochene Scheiben präsentieren, so steht das nicht für das Versagen der eigenen Fahrkunst, sondern vielmehr für den Abenteueraspekt eines Autorennens und wird somit als positiv empfunden.

Die Steuerung ist die größte Herausforderung
Die Steuerung verlangt dem Spieler durchaus einiges ab. Mit einer Taste rammt man per Anlauf, mit einer weiteren benutzt man den Turbo, im Shift-Modus kann herumgezoomt werden und nebenbei muss ja auch noch das jeweilige Gefährt durch den Straßenverkehr und die Menschenmengen gesteuert werden. Koordination und Konzentration sind hier gefragt, sonst gerät das Rennen schnell zu einem unübersichtlichen und hektischen Chaos. Dem Action-Aspekt ist auch geschuldet, dass die besagten Schäden so gut wie keine Auswirkungen auf das Fahrverhalten haben (stark beschädigte Boliden fahren hat nur etwas langsamer) und man so immer weiter üben kann, ohne dass einem das eigene Fahrzeug irgendwann abschmiert.

Die KI ist nicht ganz ausgereift
Leider stehen den Spielern keine unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Während einige Missionen kinderleicht von der Hand gehen, haben es andere wirklich in sich, was im Extremfall zum x-maligen Spielen derselben Szenarios führt und damit zu einiger Frustration.
Die Computergegner (KI) sind in einigen Missionen derart stumpf eingestellt, dass man eigentlich gar nicht mehr von einem echten Rennen sprechen kann. So rasen Führende gerne mal unbedrängt in einen riesigen Bus hinein, nur damit man als Spieler wieder aufholen darf. Das trübt die Spannung dann doch ein wenig. In anderen Missionen wird man alle zehn Sekunden von Computergegner gerammt, sodass gar kein echtes Autogefühl mehr aufkommt, sondern denkt, man sitze in einem Auto-Scooter auf dem Jahrmarkt. Auch das kann schnell zu Frustration führen und zu Aussagen wie „Mann, das nervt total, können wir nicht wieder einfach nur mal wieder ein bisschen Auto fahren?“.

Ein braves Spiel für die USK
Die USK ab 12 wird sicherlich dadurch erklärt, dass zwar die Wagen massenweise zu Bruch gehen, die Stadt ramponiert wird, aber niemals Personen sichtbar zu Schaden kommen. Wie von Zauberhand schaffen es alle Fußgänger stets, sich mit Sprüngen und dergleichen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Der Spieler kann sein Fahrzeug auch nicht verlassen und die Stadt zu Fuß erkunden. Ebenso besitzen die Polizisten und Gangster keine Feuerwaffen und ein Einsatz von Waffen ist somit nicht existent.

Generell wirkt die Stadt mit ihrem vielen Verkehr und den unzähligen Passanten auf den Gehwegen relativ lebendig, doch reagiert niemand groß auf Hupkonzerte, Sirenengeheul oder ausscherende Fahrzeuge (es sei denn, um diesen bei Bedarf auszuweichen). Das wirkt natürlich unrealistisch und unterstreicht den Anspruch des Spiels, in erster Linie ein Autorennen zu sein und kein wirkliches Adventure (trotz der vielen Filmszenen und der allseits präsenten Hintergrundgeschichte).

Zudem herrscht im virtuellen San Francisco eigentlich immer nur Tag und Sonnenschein bis auf eine angedeutete Dämmerung hier und da - einen echten 24-Stunden-Zyklus oder Witterungswechsel mit Regen und Schnee o.ä. gibt es leider nicht, was natürlich dadurch wenig das Fahrverhalten stört, allerdings auf Dauer für anspruchsvollere Spieler auch für optische Langeweile sorgen kann.

Fazit:
Wer wilden Fahrspaß sucht und dank des innovativen Shiftens gerne ständig die Wagen wechselt und sich so auf den Straßen mal richtig austoben will, der ist mit „Driver: San Francisco“ gut beraten.

Unfälle und Crashs verlaufen ohne Ausnahme harmlos (bis auf die Blechschäden), sodass eine Gewaltverherrlichung nicht besteht.

Bei „Driver: San Francisco“ kommt es wirklich nur aufs prima inszenierte Renngefühl an, was dem Spieler jedoch ein hohes Maß an Koordination mit dem Controller abverlangt. Die pädagogische Altersempfehlung stimmt daher mit der USK „ab 12 Jahren“ völlig überein.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass