FIFA Street

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
EA Sports
Erscheinungsjahr
2012.03
Systeme
Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Gelungenes Straßenfußballspiel mit ‚neuem‘, realistischerem Gameplay
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
„Ein echter Straßenfußballer!" - gemeinhin werden technisch begabte und am Ball virtuose Fußballer gerne als Straßenfußballer bezeichnet. EA versucht in „FIFA Street" diesem Mythos gerecht zu werden. Bereits zum vierten Mal (Test von FIFA Street 3) erscheint die Straßenfußballausgabe der großen FIFA-Reihe (Test FIFA 11). Überraschenderweise orientiert sich die Neuauflage allerdings nur bedingt an seinen Vorgängern (Test vom ersten FIFA Street ), sondern eher an seinem großen Bruder FIFA (Test von FIFA 10). Grafik, Gameplay und Soundkulisse kommen dabei ebenso realistisch daher, wie Trick- und Spielerepertoire.
Natürlich steht Tricksen nach wie vor mit im Vordergrund des Spiels, gibt es doch so genannte ‚Style-Punkte' für gekonnt ausgeführte Tricks. Aber absurde Tempodribblings mit doppelter Salto-Einlage und anschließendem Auerbachersuperschuß gehören der Vergangenheit an. Angesagt sind nun eher realistischere Tricks wie etwa Übersteiger, Tunnel oder gefühlvolle Heber. Betonparkplätze, abgezäunte Hart- und Kunstrasenplätze, Basketballfelder oder schlicht klassische Turnhallen - verteilt über die ganze Welt erwarten den Spieler 35 Spielstätten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wie bei EA üblich kann der Titel mit etlichen Lizenzen, darunter die wichtigsten europäischen Fußballligen und die Top-Nationalmannschaften, aufwarten. Mit Sammy DrechselsElf Freunde müsst ihr sein" hat „FIFA Street" allerdings nicht mehr viel gemein - zwei bis sechs Spieler pro Team oder teilweise editierbare bis kaum vorhandene Fußballregeln bestimmen hier das Geschehen. Off- wie Online tritt der Spieler in verschiedenen Spielvarianten mit vier einstellbaren Schwierigkeitsgraden gegeneinander an. Dabei kann er gewissermaßen sein eigenes Spiel kreieren und Spieleranzahl, Regelwerk, Austragungsort und somit die Bodenbeschaffenheit selbst bestimmen. Orientiert wird sich oft an reell existierenden Vorbildern wie beispielsweise „Futsal" - ein von der FIFA anerkanntes Hallenfußballspiel mit klassischen Regelelementen wie Fouls, Tor- und Seitenaus, oder „Panna" - einer Art Trickfußballspiel, mit kniehohen Toren bei dem es mehr um erfolgreiche Tricks, vornehmlich Tunnels, denn um Tore geht. Vor allem für Einzelspieler bildet der „World-Tour-Modus" das Herzstück des Spiels. In dieser, zumindest bei Fußballspielen, etwas neuartigeren Variante des ‚Karrieremodus' gilt es sich ein Team aus No-Names zu Recht zu basteln. Als vermeintliches Amateurteam startet der Spieler dabei natürlich zunächst in seinem eigenen Dorf oder Städtchen auf lokaler Ebene und spielt sich über insgesamt 16 Turniere von kleineren Städten in die landesweiten Finals. Ziel ist es aus fußballerischen Tellerwäschern, anerkannte Größen der internationalen Straßenfußballbühnen in London, Paris oder Rio de Janeiro zu formen. Nach und nach verbessern sich dabei im Idealfall nicht nur seine eigenen Fähigkeiten, sondern auch diverse Elemente seiner Hobbykicker wie etwa individuelle Spielerausrüstung oder -attribute.

Pädagogische Beurteilung:
Angepasste FIFA-Steuerung
Der ‚Weg zum Ruhm' wird zumindest bei vorliegender Version für die Xbox360 fast wie die FIFA-Reihe gesteuert. Die sonst bei der Street-Reihe übliche Steuerung wird ersetzt durch eine etwas realistischer anmutende Steuerungsform. Und die ist bereits mit den, für ein Fußballspiel unabdinglichen, drei basalen Eingabemöglichkeiten - Laufen, Passen, Schießen - einfach und schwer zugleich. Für jeden Kenner einer der beiden EA-Ableger gewiss keine große Hürde auf dem Weg zum ‚Fußballgott', aber Laien, vor allem jüngere, stellt diese klassische Steuerungsform bereits vor schier unüberwindbare Hindernisse. An diverse andere Befehle, wie etwa Tempodribbling, Steilpass, Flanke oder eben Tricks, ist als Spielanfänger dabei erst gar nicht zu denken. Bereits die grundlegendsten Elemente eines Fußballspiels bedingen vom Spieler ein gewisses Koordinationsvermögen und bei mangelnder Videospielerfahrung auch einiges an Geduld. Dies gilt natürlich schon für das große „FIFA", aber bei „Street" fast noch mehr, denn kleine Felder, noch kleinere Tore, spürbares Unter- bzw. Überzahlspiel sowie teils gewöhnungsbedürftige Regelauslegungen in Kombination mit einer realistischeren Steuerungsform sind nicht auf Anhieb jedermanns Sache. Beim Test störten sich, vor allem erfahrenere Spieler, an der sich bei manchen Spielformen automatisch verändernden Tastenbelegung. Die Programmierer haben sich wohl gedacht, wenn es per Regel keine Fouls im Spiel gibt, müssen wir den Knopf auch nicht belegen. Dies mag zunächst einleuchten, widerstrebt aber letztlich dem propagierten Anspruch an Realismus: „Also, wenn ich auf der Straße kicken bin, habe ich eigentlich fast immer 'ne Schürfwunde.".

„Voll konkretes" audiovisuelles Gewand
Schürfwunden gibt es bei „FIFA Street" zwar leider keine zu bestaunen, aber dennoch kann sich das Spiel durchaus sehen lassen, wenngleich es zu keinem Zeitpunkt an die ‚Bildgewalt' des großen Bruders heranreicht. Gewohnt gelungene, flüssige Bewegungsabläufe der Spieler und realistisches Ballverhalten lassen zwar zunächst keinen Unterschied erkennen, aber ein zweiter, genauerer Blick zeigt, dass zeitweise eine Art Schleier über dem Bildschirm liegt. Die Spielergesichter, die Zuschauer und auch die Umgebung rund ums Spielfeld wirken teilweise schwammig und etwas lieblos programmiert. Diese wirklich kleinen grafischen Mängel stören das Spielgeschehen letztlich kaum, wohingegen die Akustik des Spiels Raum für Spekulationen lässt. Was genau EA mit einer derartigen Audioabmischung erreichen wollte, bleibt zumindest offen. FIFA-übliche Stadionatmosphäre, Hits und ein sich ab und an wiederholender Kommentator, können bei „Street" aufgrund des Straßencharakters natürlich nur schwer übernommen werden. Besser wäre es, trotz des unrealistischeren Charakters, aber wahrscheinlich gewesen, denn das bei „FIFA Street" Gehörte ist mitnichten „voll konkret". Einen „voll coolen" Kommentator, der statt Spielernamen und Fußballphrasen von sich zugeben, gelungene Aktionen und Tricks auf „voll nervige" Art kommentiert, gab es leider schon bei den Vorgängerversionen. Diesmal will diese „Yippi-Ya-Yeah"-Stimmung aber zu keinem Zeitpunkt funktionieren. Der immerhin etwas zurückhaltender agierende „Coolio" beißt sich einfach zu sehr mit der ansonsten realistischen Fußballatmosphäre des Spiels. Gelungene Soundeffekte, wie etwa Zurufe von der Trainerbank, kurz aufkommendes, leises Fangegröle oder gar quietschende Schuhe auf Hallenboden, gehen dank der eingebauten „Möchtegern-Stimmungskanone" leider meist unter - immerhin lässt sich die ‚Kanone' abstellen.

Ton aus, Spaß an
Wie bei EA und „FIFA" üblich hält das Spiel mit vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und sich zum Teil überraschend stark unterscheidenden Spielmodi bereits für jeden fußallaffinen Einzelspieler einige Tage, Wochen oder gar Monate Spielspaß bereit. Hinzu kommen ein gelungener Mehrspielerbereich, bei dem es, vor allem aufgrund der geringen Anzahl der zu bewegenden Spieler, mehr als jemals zuvor auf die Fähigkeiten des Partners ankommt, und die Möglichkeit sich online mit Millionen anderer ‚Straßenfußballer' zu messen. Die vergleichsweise schwache Spielintelligenz des Computers trübt den Spielspaß wiederum ein wenig. Insbesondere das Defensivverhalten der Computermitspieler samt teils haarsträubenden Torwartfehlern lässt dabei zu wünschen übrig. Auch die angesprochenen, etwas anderen Regeln bei „FIFA Street" schwächten des Gesamtbild beim Test, denn während man „auf der Straße schubst und drückt, darf man in der Halle einen nicht mal berühren". In der Tat mag es so sein, dass insbesondere in der Halle eher Basketballregeln gelten, aber wie die Entwickler auf die „Schnapsidee" kamen, Fouls auf der Straße gänzlich abzuschaffen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Fest stand jedenfalls in unserer Testergruppe, dass „das Streetding schon voll cool ist, aber das ‚normale' FIFA schon irgendwie besser".

Fazit:
„FIFA Street" wandelt im Gegensatz zu seinen Straßenfußball-Vorgängern eher auf etwas realistischeren Pfaden. Fast wäre es auch geglückt eine der ursprünglichen FIFA-Reihe wirklich ebenbürtige Alternative zu kreieren. Viele positive Elemente, beispielsweise Spielemöglichkeiten und Gameplayansätze, werden jedoch von weniger gelungenen Aspekten, wie etwa einem zeitweise nervtötenden Kommentator oder einer eigenwilligen KI (Künstliche Intelligenz auf Wikipedia) leicht überschattet.