Full Auto

Genre
Rennspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Sega
Erscheinungsjahr
2006.02
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
Packende Straßenschlachten für zwischendurch
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das Rennspiel-Universum hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten kaum verändert. Grafisch sind gegenüber den ersten Pixelrasern natürlich Quantensprünge zu verzeichnen. Doch inhaltlich – und das liegt in der Natur der Sache – gliedert sich das Genre immer noch in die drei altbekannten Gattungen: Die um Realismus bemühte Rennsimulation, das actionlastigere Arcade-Rennspiel und den unkomplizierten Fun-Racer, der bewusst sämtliche Regeln der Physik auf den Kopf stellt. Das getestete Spiel, "Full Auto", gehört zur letzten Kategorie. Denn wenn die Gegner mit der bordeigenen MG von der Piste gefegt und ganze Straßenzüge per Raketenwerfer in Schutt und Asche gelegt werden, ist klar, dass hier keine Formel 1 Träume, sondern eher Zerstörungsphantasien bedient werden. In der Beziehung lässt es "Full Auto" richtig krachen. Satte 21 Fahrzeuge vom Oldtimer bis zum Jeep können bis an die Zähne bewaffnet werden. Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Als erster über die Ziellinie kommen und dabei möglichst viel Zerstörung in den Reihen der Gegner anrichten. "Full Auto" bietet dazu vier Spielmodi: Für ein schnelles Einzelrennen mit freier Streckenwahl gibt es die Arcade Option. Der Karrieremodus hingegen sorgt mit knapp 100 Rennen in 17 Serien für längerfristige Unterhaltung. Hier kann der Spieler nach und nach neue Fahrzeuge, Waffen und Strecken freischalten. Doch auch spannenden Mehrspielerduellen steht bei "Full Auto" nichts im Wege. Entweder in der 2-Spieler-Splitscreen-Variante oder in Online-Rennen mit bis zu acht menschlichen Teilnehmern aus aller Welt. Hierfür ist allerdings der kostenpflichtige "XBOX Live"-Zugang erforderlich.

Pädagogische Beurteilung:
Die Einführung in die Spielwelt von "Full Auto" ist auf das Nötigste beschränkt. Anstelle eines Tutorials steht lediglich ein Bildschirm, der in groben Zügen die Tastenbelegung erklärt. Unsere Tester hat das allerdings nicht gestört. Die Steuerung ist intuitiv genug und ermöglicht einen direkten Einstieg mit schnellen Erfolgserlebnissen. Ein rennerprobter Spieler (13) bemerkte zwar, dass die Lenkung zu leichtgängig sei, gab dann aber zu, dass dies bei den meisten Fun-Racern der Fall sei. Kritik gab es auch für das Zielen mit dem rechten Analogstick des XBOX-Gamepads. Es mag realistisch sein, dass man bewegliche Ziele bei Vollgas nur sehr schwer trifft, doch bei den Testern sorgte das eigenwillige Fadenkreuz in regelmäßigen Abständen für Frustration.
"Hast du gesehen, wie der durch die Scheibe geflogen ist?" (Tester, 12) Der Testergruppe hat es sichtlich Spaß gemacht, ihr Spielgeschick in den 2-Spieler-Duellen unter Beweis zu stellen. Dass in diesem Spiel der Adrenalinschub eines Rennspiels durch die allgegenwärtige Zerstörung noch erhöht wird, fand in der durchgängig männlichen Gruppe hohen Zuspruch. Doch "Full Auto" ist weniger chaotisch, als man zunächst denken mag. Schnell ist den Testern aufgefallen, dass unkontrolliertes Demolieren von Autos und Umgebung zwar optisch eindrucksvoll erscheint, jedoch letztendlich nicht zum Sieg führt. Der Einsatz der Waffen will genau so gut geplant sein, wie die Zündung der Nitros (Kurzzeitbeschleunigung). Denn "Full Auto" ist immer noch ein Rennspiel und keine Gewaltorgie. Da mag das Blechchaos grafisch noch so schön in Szene gesetzt sein. Im Vordergrund stehen neben Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen auch Taktik und vorausschauendes Fahren.
Während unsere Tester im 2-Spieler Modus der Action den Vorzug gaben, lernten sie im Karriere Modus die taktischen Aspekte von "Full Auto" kennen. Denn um hier als erster über die Ziellinie zu fahren, reicht Höchstgeschwindigkeit allein nicht aus. Der Spieler muss im Angesicht des gegnerischen Kugelhagels sowohl die eigene Panzerung, als auch den Status der Reparaturanzeige im Blick haben. Die so genannte "Reparatur" wurde leider etwas unglücklich übersetzt (engl. "unwreck") und bezeichnet hier die Möglichkeit, nach einem Totalschaden oder einem missglückten Fahrmanöver die Zeit zurückdrehen zu können. Anfänglich hielten die Tester dies für eine nette Spielerei. Doch bereits nach einigen Rennen im Karrieremodus bemerkten sie, dass die Beherrschung dieser Funktion einen wichtigen Bestandteil des Spiels darstellt. "Coole Idee, eigentlich", wertete ein Tester (12). Neben dem hohen Maß an Konzentration, dass einem ein Hochgeschwindigkeitsspiel dieser Art abverlangt, gilt es bei "Full Auto" zusätzlich die eigenen Ressourcen zu verwalten und strategisch zum Teil mehrere Runden im voraus zu planen. Die Kinder wussten diese Herausforderung zu schätzen. Ohne Schwierigkeiten meisterten sie auch die Rennen, bei denen es nicht genügte, einfach nur als erster durchs Ziel zu kommen. So mussten z.B. in einigen Missionen "Wreckpunkte" gesammelt oder bestimmte Gegner gezielt ausgeschaltet werden. Doch leider erschöpft sich damit auch schon der Abwechslungsreichtum des Karrieremodus. Den Testern fiel schnell auf, dass die individuellen Storyhintergründe der einzelnen Rennwettbewerbe nur sehr oberflächlich ausgearbeitet waren. "Gerade war ich Agent, jetzt bin ich Gangster. Da gibt es überhaupt keine richtige Story", bemerkte ein irritierter Tester (13). Ausgehend davon wurde den Spielern schnell klar, dass die schiere Masse an Fahrzeugen und Rennen nicht über den Mangel an Abwechslungsreichtum hinwegtäuschen. Im Kern wiederholen sich die immer gleichen Anforderungen. Spätestens nach der dritten Renn-Serie klagten die Tester über die Eintönigkeit des zunächst so vielseitig erscheinenden Spiels. Das mag zunächst merkwürdig erscheinen. Schließlich erwartet man von einem Rennspiel nur ein limitiertes Abwechslungspotential: Schneller als die anderen durchs Ziel kommen. Doch "Full Auto" fehlen entscheidende Zutaten, um langfristig motivieren zu können. Bei einer echten Rennsimulation sind dies die originalen Wettbewerbe und das gestufte Erlernen und Beherrschen der komplexen aber realistischen Fahrphysik. Bei Arcade- und Fun-Racern sind es Atmosphäre, Story und eine gut ausbalancierte, variationsreiche Auswahl an verschiedenen Spielmodi. Bei "Full Auto" scheint gerade in den letztgenannten Punkten noch viel Entwicklungsbedarf zu bestehen. Anders ist nicht zu erklären, dass die Tester überraschend schnell das Interesse am Karrieremodus verloren und zu den kurzweiligeren Zweispielerduellen zurückkehrten.

Fazit:
"Full Auto" ist ein grafisch beeindruckendes Rennspiel für Jugendliche ab 12 Jahren. Auch wenn das Spielkonzept mehr Wert auf Action legt, als vergleichbare Vertreter der Konkurrenz, sind die vermittelten Inhalte für die genannte Altersgruppe absolut unbedenklich. 
Der Einzelspielermodus enttäuscht leider aufgrund fehlender Langzeitmotivation. Dafür entschädigt die Mehrspieleroption mit spannenden Duellen für zwei oder mehr Spieler.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass