Gewinner des Deutschen Computerspielpreises 2016

Gewinner DCP2016 (Copyright: Gisela Schober/Getty Images)

Am 07.04.2016 wurde der Deutsche Computerspielpreis 2016 verliehen. Wir ziehen ein Fazit über die Gewinner.

Von Jan Scheurer

Erstmals gab es in der Kategorie Bestes Kinderspiel zwei Gewinner, die mit jeweils 30.000€ ausgezeichnet wurden. Die Gewinner der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept wurden außerdem mit insgesamt 75.000€ dotiert. Die großen Gewinner des Abends waren "The Witcher 3: Wild Hunt" des polnischen Studios Projekt Red mit drei Preisen sowie Shift Happens des Münchener Entwicklerstudios Klonk mit zwei Preisen.

 

Anno 2205 (Blue Byte) - Gewinner in der Kategorie Bestes Deutsches Spiel

"Anno 2205" (Bericht unserer Jugendredaktion) ist bereits das zweite Anno, das die imperialistische Thematik des Spiels von der Vergangenheit in die Zukunft befördert. Auch hier müssen wieder Siedlungen errichtet, Warenkreisläufe optimiert und neue Rohstoffe erschlossen werden. Neu ist ein ausgeprägteres Kampfsystem als noch in den Vorgängern. Dabei ist das Spiel gewohnt einsteigerfreundlich gestaltet und zeichnet sich durch eine angenehme Lernkurve aus. Interessant ist das Spiel vor allem für Jugendliche und Erwachsene, die sich in mit dem zunehmend komplexer werdenden Spielgeschehen zu Recht finden und die Produktionsabläufe bis ins kleinste Detail einstellen wollen. 

Fiete Choice (Ahoiii Entertainment) - Gewinner in der Kategorie Bestes Kinderspiel

"Fiete Choice" unterhält vor allem die jüngeren Spieler, die hier in kurzen Zeitabständen unterschiedliche Gegenstände zwischen mehreren gleichaussehenden Gegenständen erkennen und auswählen müssen. Der Schwierigkeitsgrad steigt zwar mit der Spielzeit, bleibt aber immer auf einem, für Kinder, angenehmen Niveau. Die Präsentation gibt sich hell und fröhlich und rundet die App für iOS und Android optimal ab.

 

One Button Travel (The Coding Monkeys) - Gewinner in der Kategorie Bestes Jugendspiel

Die Coding Monkeys sind vielen Spielern spätestens seit Umsetzungen wie Carcassonne oder Spielen wie Rules! für mobile Endgeräte ein Begriff. Das neue Spiel "One Button Travel" ist eigentlich gar kein Spiel per se, sondern würde eher in die Kategorie interaktives Buch fallen. Die Geschichte rund um Zeitreisen und einen virtuellen Chatraum fesselt schnell und regt zum Nachdenken an.


The Climb
(Crytek) - Gewinner in der Kategorie Beste Innovation

Wer schon immer mal an steilen Felsklippen entlangklettern wollte, sich aber vor den gefährlichen Höhen bisher gescheut hat, der ist bei "The Climb" richtig aufgehoben. Der Spieler wird in die Rolle eines Bergsteigers gesteckt, der sich an beeindruckenden Landschaften entlanghangelt. Die Immersion erfolgt dabei hauptsächlich durch die Nutzung einer Virtual Reality-Brille, die das Geschehen angemessen simuliert. Damit ist "The Climb" bisher das einzige Spiel dieser Art und erscheint als Exklusivtitel für die Oculus Rift Mitte 2016.

Typoman (Brainseed Factory, Headup Games) - Gewinner in der Kategorie Beste Inszenierung

Vom Stil her errinnert "Typoman" stark an das düstere Limbo. In einer schwarz-weiß gehaltenen Umgebung muss der Spieler es in klassischer Jump'n'Run-Manier zum Levelende schaffen. Der Unterschied zu konventionellen Titeln ist aber der Einsatz von den kniffligen Rätseln. So müssen diese durch die Neuanordnung von Buchstaben überwunden werden. Kleines Beispiel: Regen (im englischen "Rain") hat eine kleine Pfütze zum unüberbrückbaren See anwachsen lassen. Die Lösung: dem Wort "Rain" ein "D" hinzufügen. Jetzt heißt es "Drain" (zu deutsch: "trockenlegen") und augenblicklich hört der Regen auf und der kleine See trocknet aus und gibt dem Spieler so den Weg frei. Das ist so innovativ und geht gleichzeitig so leicht von der Hand, dass" Typoman" über die Spieldauer stetig interessant bleibt und motiviert.

Professor S. (LudInc) - Gewinner in der Kategorie Bestes Serious Game

"Professor S." baut eine Zeitreisemaschine - und braucht die Unterstützung tatkräftiger Kinder und Jugendlicher. Das Spiel verwebt geschickt Videosequenzen mit Lösungsansätzen, die Schüler mit Hilfe von Lehrern entwickeln. So wird durch dieses Projekt versucht, pädagogisch wertvolle Informationen spielerisch zu vermitteln. "Professor S." wurde in Kooperation mit Schulen entwickelt und kommt auch dort bereits zum Einsatz.


Path of War 
(Envision Entertainment, Nexon M) - Gewinner in der Kategorie Bestes Mobiles Spiel

Das Multiplayerspiel "Path of War" lässt sich ausschließlich auf mobilen Plattformen spielen, bietet allerdings trotzdem ein ungewöhnlich tiefes und ausgeprägtes Spielerlebnis. Hier muss der Spieler selbst Städte und Armeen hochziehen, um sich mit anderen Spielern zu messen. Zwischen einer Vielzahl ähnlicher Spiele sticht "Path of War" aber mit einigen durchdachten Innovationen hervor, die auch auf lange Sicht zu andauernder Spielmotivation führen. Kritisch zu betrachten ist lediglich die Funktion, optionale Spielinhalte mit Echtgeld zu kaufen. Im Gegensatz zur Konkurrenz sind diese Erweiterungen aber zum größten Teil komplett kosmetischer Natur und haben, bis auf wenige Ausnahmen, keinen Einfluss auf das tatsächliche Spielgeschehen und werden nicht benötigt, um zu gewinnen.

Shift Happens (Klonk) - Gewinner in der Kategorie Bestes Gamedesign, Gewinner in der Kategorie Bestes Kinderspiel

Auf den ersten Blick wirkt "Shift Happens" wie ein klassisches Jump'n'Run, bei dem entweder ein oder zwei Spieler die beiden Figuren Bismo und Plom steuern müssen. Dahinter steckt aber ein ausgeklügeltes Rätseldesign und das Kernelement: Shiften. Mit einem Tastendruck kann das Gewicht der einen Figur in die andere übertragen werden. Damit müssen verschiedene Rätsel gelöst und gefährliche Passagen überwunden werden. Das geht zunächst zwar leicht von der Hand, fordert im späteren Verlauf aber die komplette Aufmerksamkeit des Spielers und macht trotz komplizierter Level immer Spaß.

Splatoon (Nintendo) - Gewinner in der Kategorie Bestes Internationales Multiplayer-Spiel

Wem Shooter zu gewalttätig sind, wer aber den kompetitiven Spielgedanken liebt, der ist bei "Splatoon" richtig aufgehoben. In dem kunterbunten Titel für die Wii U versuchen zwei Parteien sich mit Hilfe von Farbkanonen gegenseitig auszuschalten - und färben dabei das Spielfeld in ihren Teamfarben ein. Das Team, das am Ende prozentual am meisten Fläche eingefärbt hat, gewinnt. Das klingt simpel, fordert aber gehörig heraus und macht auch auf lange Sicht Spaß.

The Witcher 3: Wild Hunt (CD Projekt RED, Bandai Namco) - Gewinner in der Kategorie Bestes Internationales Spiel, Beste Internationale neue Spielewelt, Gewinner des Publikumspreises

Mit "The Witcher 3: Wild Hunt" geht die packende Geschichte rund um den Hexer Gerald in die finale Runde. Das vielschichtige Spiel begeistert nicht nur durch zahlreiche Storywendungen, sondern auch durch ein gut durchdachtes Spielsystem. Dabei ist "The Witcher 3" aber vor allem eins: ein durch und durch erwachsenes Spiel. An Beleidigungen und expliziten Darstellungen wird ebenso wenig gespart, wie an nachvollziehbaren und tiefschichtigen Charakteren und deren Problemen.


Indie Arena Booth
- Gewinner des Sonderpreises der Jury

Indie Arena ist ein gemeinschaftliches Netzwerk unabhängiger Spiele-Entwickler. Die Indie Arena verbindet selbstständige Entwickler und kleiner Entwicklerstudios und regt zum kreativen Austausch an. Auch auf der gamescom ist die Indie Arena vertreten und ist auf jeden Fall einen Blick wert. 

Cubiverse (Media Design Hochschule München) - Gewinner in der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept, 1. Platz

"Cubiverse" beruft sich in seinem Leveldesign auf den Rubik's Cube und kombiniert den Drehmechanismus mit cleveren Rätseln rund um eine sympatische Figur, die man ans Ziel schleusen muss.

 


Lost Ember
 (HAW Hamburg) - Gewinner in der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept, 2. Platz

Mit "Lost Ember" schlüpft der Spieler in die Rolle eines Wolfes, der sich mit seinen besonderen Fähigkeiten durch eine packende Landschaft bewegt. Das Spiel ist in mehrere Episoden eingeteilt und erzählt die Geschichte von einer untergegangen Zivilisation.

 

Leaves (TH Köln) - Gewinner in der Kategorie Bestes Nachwuchskonzept, 3. Platz

Die Faszination des Waldes soll durch "Leaves" digital vermittelt werden. Angepasst an eine junge Zielgruppe gibt es hier allerlei einfache Rätsel auf schön inszenierten Umgebungen zu lösen.