Gran Turismo 5

Genre
Rennspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
Playstation 3
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Umfangreiches und forderndes Autorennspiel, dass so manche Stunden verstreichen lässt
Autor
Kadir Yilanci
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Es gibt Spiele, die sind untrennbar mit einem Konsolen-System verbunden. Bei Nintendo sind das natürlich „Super Mario“ und „Zelda“. Wer „Halo“ und „Fable“ spielen möchte, der benötigt eine Xbox von Microsoft. Die PlayStation, ganz gleich welche Generation, wird mit den „Metal Gear Solid“ Spielen und den nun 5. Teil von „Gran Turismo“ in Verbindung gebracht, einem der umfangreichsten und erfolgreichsten Autorenn-Simulationen auf dem Markt.

Nachdem die Entwickler von Polyphony Digital aus Japan die Fangemeinde fast 5 Jahre warten ließ, zwar zwischendurch 2 kostenlose Fahrlevel und mit einer, mehr als abgespeckten Vorversion, Kasse machte, hat endlich das warten ein Ende und auf der Nordschleife des Nürburgrings können endlich Träume auf vier Rädern über den Asphalt gejagt werden.

Pädagogische Beurteilung:

Spielprinzip mit Sogwirkung
Die Gran Turismo Reihe war nie ein typisches Auto-Rennspiel, das für das Spiel zwischendurch taugte. Um Spielerfolg und Spielspaß zu haben, war der Spieler gezwungen sich tief und intensiv mit dem Spielprinzip auseinander zusetzen, also mit einem kleinen Startkapital eine alte Möhre kaufen, an kleineren Rennen teilnehmen und das gewonnene virtuelle Geld in das Aufmotzen seines Autos oder in den Kauf von neuen und besseren Autos zu investieren. Aber damit nicht genug, um die richtig interessanten und schnellen Karren in entsprechenden Rennen zu fahren, musste der Spieler diverse zum Teil sehr fordernde Fahrprüfungen absolvieren, um erforderliche Rennlizenzen zu erwerben. Dieser Karriere Modus war und ist das Herzstück von „Gran Turismo 5“ (und eines jeden Sportgenres). Für den Spielspaß zu zweit gibt es einen Modus mit geteiltem Bildschirm. Aber die richtig große Herausforderung liegt in dem Online-Spiel gegen menschliche Gegner. Und hier haben die japanischen Entwickler sich etwas besonderes einfallen lassen. Dazu später mehr.

Rennen fahren, Autos aufmotzen, neue Autos kaufen, Rennen fahren. Was nach einem einfachen Spielprinzip klingt, kann sich allerdings schnell zu einer Sogwirkung für Jung und Alt entwickeln. Ähnlich wie bei einem Rollenspiel möchte der Spieler natürlich besser werden, um die wirklich interessanten Herausforderungen zu meistern. Statt neue Abenteuer in düsteren Dungeons, erwarten den Spieler in diesem Fall die Teilnahme an speziellen Rennen auf bekannten Rennstrecken mit noch bekannteren Autos. Darin liegt eine Kernmotivation des Spiels. Dazu haben sich die Entwickler an das Prinzip der Erfahrungslevel von Rollenspielen (wenn auch weitaus weniger ausgeklügelt) orientiert und in das Spiel implementiert. Durch Siege bekommt der Spieler Erfahrungspunkte. Bestimmte Herausforderungen, Strecken und Autos sind nur ab einem vorgegebenen Level möglich. Bspw. wird das (rudimentäre) Schadensmodell erst ab Stufe 20 freigeschaltet. Und die richtig schnellen Autos sind erst ab bestimmten Erfahrungsstufen erhältlich.

Hinzu kommt, dass ähnlich wieder bei einem Rollenspiel, die Sammelleidenschaft des Spielers angeworfen und intensiv angesprochen wird. Statt magischer Gegenstände wie Ringe, Steine etc. sammelt der Spieler exotische Autos und demonstriert diese virtuellen Items, als wären es reale Modellautos, gerne seinen Freunden. „Gran Turismo 5“ ist streng genommen eine digitale Variante von Sammelkarten. Verstärkt wird dieser Gedanke mit der Möglichkeit, die Autos Online mit seinen Freunden tauschen zu können.

Besonders bei jungen Spielern könnte das motivierende Spielprinzip dafür sorgen, dass schnell die Umwelt vergessen wird und der Spieler sich lange, vielleicht zu lange mit dem Spiel beschäftigt. Die richtige Zielgruppe sind aber vermutlich Spieler an der Grenze zur gesetzlichen Vollmündigkeit und darüber hinaus mit eigenem Führerschein. Für Motorsportfans ist „Gran Turismo 5“ sowieso der Heilige Gral. Übrigens ist aus der Wirkungsforschung, wie bei der Wirkung von virtueller Gewalt, der negative Einfluss von Rennspielen auf den realen Straßenverkehr strittig. Hier ein Artikel zu einer Studie der Ludwig-Maximilian-Universität München. [Stand. 19. 06. 2011]

„Gran Turismo 5“ hat von der USK keine Altersbeschränkung bekommen, aber das fordernde und anspruchsvolle Spiel, das zudem technisches Grundverständnis beim Tunen der Autos voraussetzt und dem Umstand geschuldet, dass es die Sammelleidenschaft anspricht, sollte aus pädagogischer Sichtweise von Kindern erst ab 10 Jahren gespielt werden.

Jungs spielen mit Autos und Mädchen spielen mit Puppen
„Gran Turismo 5“ wurde zwar nicht im Rahmen einer Spielertestergruppe unter die Lupe genommen, aber die bisherigen Erfahrungen mit Rennspielen in den Jugendgruppen der „daddelBIB“ in der Stadtbücherei Neukirchen-Vluyn (Projektbericht hier) haben zu einigen interessanten Beobachtungen geführt, was den Inhalt der Überschrift so nicht bestätigt. Auch Mädchen spielen gerne Autorennspiele, allerdings solche, in denen der Simulationsaspekt, ein physikalisch korrektes Fahrverhalten oder das Aufmotzen von Autos keine große Rolle spielt. Besonders bei Fun-Racer wie „Mario Kart“, „TrackMania“ oder „Pure“ konnte beobachtet werden, das Mädchen auch gerne die typischen Rennspiele für Jungs gespielt haben. Bei „Pure“ und „TrackMania“ haben sich die Mädchen sogar gerne mit den Jungs im Netzwerkspiel gemessen und hatten sichtlich Spaß. Sobald aber die Spiele zu realistisch wurden und eher in Richtung Simulation gingen, wie beispielsweise „RaceDriver: Grid“, verloren die Mädchen schnell das Interesse am Spiel.

Monatelanger Spielspaß für Anfänger und Profis
Bei „Gran Turismo 5“ bekommt der Spieler viel Videospiel für sein Geld und kann sich monatelang alleine mit dem Karriere Modus inklusive den Lizenzprüfungen beschäftigen. Dabei steigt die Lernkurve langsam an, so dass auch Anfänger mit dem Spiel nicht überfordert werden und das Frustrations-potenzial gering ausfällt. Zudem stehen viele aktive und passive Fahrhilfen zur Verfügung, die bei Bedarf an- und ausgeschaltet werden können.

Ein Arcade-Modus für den schnellen und unkomplizierten Fahrspaß alleine oder zu zweit ist für das Genre obligatorisch. Der Karriere-Modus wurde schon erwähnt. Für eine Dauermotivation haben sich die japanischen Entwickler aber weitere Besonderheiten einfallen lassen. Zunächst sind die Spezial-Herausforderungen zu nennen. Hier muss der Spieler an unterschiedlichen und mehrstufigen Disziplinen wie Kart-Rennen, Nascar oder Rally teilnehmen und besondere Aufgaben meistern. Bspw. Streckenabschnitte der Nordschleife unter Zeitvorgaben absolvieren, an einer Schweiz-Italien-Rally vorbei an malerischen Orten von Nord nach Süd teilnehmen, oder ein witziges aber auch schweres Rennen mit laaangsamen VW-Busse auf der Test-Strecke der bekannten BBC Autosendung „Top Gear“ gewinnen. Erfüllte Bedingungen spülen viel Geld in die Schatulle der Fahrerkarriere, die für das Tunen und den Erwerb von besseren Autos genutzt werden können. Um die Motivation aufrechtzuerhalten, sind einige der Aufgaben nur ab einem bestimmten Erfahrungslevel zugänglich.

Hinzu gefügt wurde mit einem zwischenzeitlichen Update sogenannte saisonale Veranstaltungen. An bestimmten Terminen und für eine kurze Dauer werden Renn-Veranstaltungen gegen menschliche Gegner angeboten, die wieder frisches Geld und Erfahrungspunkte bringen. Sowieso ist der Online Modus, in dem sich der Spieler gegen die besten Fahrer der Welt messen kann ein besonders motivierender Aspekt des Spiels. Um diese Motivation zu nutzen hat Sony die GT Academy ins Leben gerufen, wo virtuelle Bestzeiten, sogar reale Rennen möglich machen. Volljährige Spieler mit Führerschein können sich dazu auf der Homepage des Spiels für die GT Academy registrieren. Anschließend nehmen die Fahrer mit den 20 besten Rundenzeiten ihrer Region an einem Finale teil. In der überregionalen Phase werden wiederum die besten 12 Spieler ermittelt, die dann an einem Profi-Renn-Training im englischen Silverstone teilnehmen. Nach Gesundheitschecks steigen die Gewinner in reale Autos, wo virtuell erworbene Fähigkeiten in der Realität ausgeübt werden können. Dem Sieger wird dann die Möglichkeit in Aussicht gestellt, an einem 24 Stunden Rennen in Dubai teilzunehmen. So belegte 2008 ein spanischer GT Academy Sieger im 24 Stunden Rennen von Le Mans den 2. Platz (Artikel auf GamingXP Stand: 15.06.2011). Eine sehr interessante Symbiose aus virtuellen und reellen Autorennen. Zudem natürlich ein erfolgreiches Marketing-Vehikel für das Spiel und ein Automobilhersteller.

Komplettiert wird das Angebot an Möglichkeiten sich mit „Gran Turismo 5“ zu beschäftigen mit einem einfachen Strecken-Editor, einem Foto-Modus, um die edlen Karossen ins rechte Licht zu rücken, sowie dem hauseigenen Online TV-Kanal Gran Turismo TV, mit dem Sendungen zum Thema Auro heruntergeladen und angeschaut werden können. Neben kostenlosen Angeboten werden allerdings für viele Sendungen 2.99 Euro verlangt, die zudem nur 1 Jahr lang betrachtet werden können. Schon seit längerem versuchen Spiele-Hersteller mit sinnvollen (Level) und unnötigen (Kostüme, Videos) Zusatzinhalten Kasse zu machen. Ob die Videos ihr Geld wert sind muss jeder selber entscheiden, aber die Shop-Anbindung innerhalb des Spiels ist aus pädagogischer Perspektive kritisch zu betrachten, weil eine zusätzliche Kaufhürde abgeschafft wird und so Kostenfallen entstehen können. Fairerweise muss jedoch angemerkt werden, dass bisher hierzu kein Zusammenhang publik geworden ist.

Was steckt unter der Haube?
Neben dem motivierenden Spielprinzip, ist die Serie bei Fans sehr beliebt aufgrund den real gestalteten Autos, den wunderschönen Strecken und der Fahrphysik, die am besten mit einem Force-Feedback-Lenkrad erfahren werden sollte. Diese Lenkräder übertragen mit Servomotoren Fahrbahnunebenheiten und Fliehkräfte auf das Lenkrad und vermitteln ein realistisches Spielgefühl. Aber auch mit einem normalen Stick lässt es sich gut lenken und spielen. Dabei sollte die Standard-Einstellung, das Lenken mit dem linken und das Gasgeben mit dem rechten Stick beibehalten werden. Ein Wechsel auf die Triggertasten R1 und R2 des Controller sorgte nach kurzer Zeit für verkrampfte Hände.

Die Autos gefallen sehr, obwohl nur ca. 200 der über 1000 im Spiel enthaltenen Autos aufwendig mit Cockpit und Interieur gestaltet sind. So können auch nur diese Autos über die Cockpit-Sicht gesteuert werden. Auch das Übergewicht an japanischen Modellen trübt ein wenig das Herz des europäischen Autofans, zumal viele gleiche Modelle mit unterschiedlichen Varianten vorhanden sind. Die zahlreichen Strecken sehen aber fantastisch aus und gehört mit zu den Schlüsselreizen, sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Es macht großen Spaß die bekannten Rennstrecken und insbesondere die Stadtkurse wie Rom, Madrid und London zu befahren. Zudem besitzen einige (wenige) Strecken ein dynamisches Tag und Nacht-System sowie wechselndes Wetter. Wenn die Strecken etwas lebhafter gestaltet wären, sähe das Spiel der Realität schon sehr ähnlich aus. Allerdings trüben unschöne Schatten und vor allem die langen Ladezeiten den Spielspaß ein wenig.

Fazit:
Für Motorsportfans sowieso und für alle anderen, die ein Faible für Autorennspiele haben ist „Gran Turismo 5“ sehr zu empfehlen und verspricht sehr langen Spielspaß. Von einem Suchtpotential kann zwar nicht gesprochen werden, aber das Spiel sorgt dafür, dass Spieler, ganz gleich ob Jung oder Alt, schnell die Zeit vergessen. Eltern sollten daher ein Auge auf die Spielzeiten des Sohnes werfen. Schön wäre es natürlich, wenn auch die Tochter (und die Eltern selber) mitspielen würden.