Import Tuner Challenge

Genre
Rennspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2006.10
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Durchwachsenes Rennspiel für Auto-Tüftler
Gruppenleiter
René Gehrmann
Bürgerzentrum Deutz
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Spielbeschreibung:
Die Welt der Rennspiele teilt sich vornehmlich in zwei Lager. Auf der einen Seite eher simpel gehaltene Arcade-Racer wie "Need for Speed", auf der anderen Seite anspruchsvollere Simulationen wie GTR. Im eher spärlich besiedelten Mittelfeld versucht sich "Import Tuner Challenge" anzusiedeln und einfache Bedienung, realistisches Fahrgefühl und umfangreiche Aufrüstungsoptionen zu kombinieren. Der Entwickler Genki ist bereits bekannt für seine ähnlich ausgerichteten Spiele auf älteren Konsolen wie etwa die "Tokyo Highway Battle"-Serie. 
Hintergrund für das Geschehen in "Import Tuner Challenge" bildet das Verschwinden des Tokioter Champions illegaler Straßenrennen: King Speed. Der Platz für einen neuen Champion ist frei und so liefern sich die Fahrer Tokios rasante Rennen um die Krone. Der Spieler steigt als Neuling in diese Szene ein und trägt Duell um Duell mit seinen Rivalen aus und gewinnt dabei immer mehr Geld und Ansehen. Mit einem Startkapital kann er sich ein Auto kaufen, z.B. einen Mazda, Nissan oder Toyota. "Import Tuner Challenge" basiert komplett auf japanischen Marken, typische Rennspiel-Modelle von etwa BMW, Porsche oder Ferrari sucht man hier vergebens. Eines der Hauptmerkmale von "Import Tuner Challenge" - der Name verrät es bereits - ist das Tunen der Autos. Nach gewonnenen Rennen gegen die ersten Konkurrenten und somit steigenden Gewinnen kann sich der Spieler Zusätze oder Umbauten für seinen fahrbaren Untersatz leisten, angefangen von einfachen dekorativen Aufklebern, über neue Felgen, Spoiler oder Rennsitze bis hin zu kleinsten Armaturenbrett-Details. Dies wiederum verschafft ihm Respekt innerhalb der Raser-Szene. Manche Fahrer akzeptieren den Spieler z.B. nur bzw. treten gegen ihn an, wenn er ein hochaufgerüstetes Fahrzeug besitzt. Das Aufrüsten beschränkt sich jedoch nicht nur auf optische Schnörkeleien. Ebenso lassen sich etwa das Fahrwerk, die Bremsbalance oder die Feder- und Dämpfereinstellungen verändern und beeinflussen so das Fahrverhalten der Wagen. Mit den ausgerüsteten Boliden geht es dann in gewohnter Rennspielmanier auf die Straßen Tokios. "Import Tuner Challenge" verfügt dabei über vier unterschiedliche Spielmodi. Neben der Kampagne, in der der Spieler versucht, den bislang von King Speed besetzten Champion-Titel zu ergattern, stehen einfache Zeitrennen, Duelle mit einem weiteren menschlichen Spieler im Splitscreen-Verfahren (mit geteiltem Bildschirm), sowie ein Online-Modus zur Auswahl.


Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg ins Spiel gestaltet sich für Rennspiel-Erfahrene recht intuitiv. Ein ansprechendes Auto wird ausgewählt, eventuell schon die ersten Aufrüstungen montiert, dann folgt die Streckenwahl. Auch ohne Tutorial oder Handbuch kamen die Tester damit gut zurecht, auch wenn sich der ein oder andere eine deutsche Übersetzung gewünscht hätte. "Import Tuner Challenge" ist nur in englischer Sprache erhältlich, das Handbuch hingegen liegt in Deutsch vor. Gerade in den leicht überfrachteten Tuning-Menüs war manchem Spieler nicht direkt klar, wie die englischen Begriffe ins Deutsche zu übersetzen sind. Verwirrend sind vor allem die Geschwindigkeits- und die Reststreckenanzeige, denn diese werden dementsprechend nicht in Kilometern, sondern in Meilen angegeben. Nichtsdestoweniger können auch dem Englischen nicht mächtige Spieler das Spiel verstehen, da die Anweisungen und Spielfunktionen im Normalfall selbsterklärend und auch rein visuell zu erfassen sind.

Die Beschränkung auf Wagen aus dem Land der aufgehenden Sonne stoß auf wenig Begeisterung. Die Jugendlichen wünschten sich hier bekannte amerikanische oder europäische Marken. Mit einem Subaru oder Mitsubishi die Pisten unsicher zu machen bot ihnen nur wenig Anreiz. Erst das spätere Tunen besänftigte ein wenig. Die vielfältigen Möglichkeiten die Autos optisch interessanter zu gestalten und immer schneller werden zu lassen wurde ausgiebig genutzt und war zumindest kurzzeitig motivierend. Vorraussetzung für den Kauf von im Spiel spürbaren Verbesserungen sind jedoch Gewinneinnahmen durch das Absolvieren etlicher Rennen. Nach dieser anfänglichen Durststrecke stieg der Spielspaß bei manchen Testern, andere verloren schon früher die Motivation und erlebten diesen erst gar nicht, andere fühlten sich durch die mannigfaltigen Tuning-Möglichkeiten erschlagen und wussten mit Differenzialsperre, Traktionskontrolle oder Getriebeübersetzung nicht umzugehen. 
Auf der Rennstrecke waren diese Bedenken jedoch erstmal vergessen, denn es offenbarten sich andere Probleme. Wohl einer der wichtigsten Punkte für ein Rennspiel ist die Steuerung und das Fahrgefühl. Die Steuerung der Wagen in "Import Tuner Challenge" fühlt sich jedoch beizeiten äußerst unbalanciert an: teils extrem schwammig und träge, teils übersensibel und kaum kontrollierbar. Selbst Spieler, die Rennspiele zu ihren Lieblingsgenres zählen, hatten Schwierigkeiten ihr Fahrzeug zu beherrschen. Abseits von einem fehlenden Gefühl des Mittendrin-Seins und von Geschwindigkeit führte dies dazu, dass sich vor allem zu Beginn kaum Erfolgserlebnisse einstellten. 

Der Ablauf des Hauptspielmodus von "Import Tuner Challenge" senkte die Motivation noch weiter. Der Spieler fährt auf kaum befahrenen Straßen umher, bis er einen Duellpartner trifft. Diesen kann er dann per Lichthupe zu einem Eins-gegen-Eins Rennen auf immer noch kaum befahrenen Straßen herausfordern. Dies wird nach kurzer Zeit zu einer schnell langweilenden Routinearbeit; immer gleiches Aufsuchen, gleiche Strecken, gleiche Gegner. Selbst der Online-Mehrspieler-Modus bietet lediglich Rennen für maximal zwei Spieler und verschenkt dadurch viel an Potenzial. Neben der fehlenden Abwechslung bemängelten die Tester vor allem den Schwierigkeitsgrad. Teils konnten sie ihren Gegnern innerhalb der ersten Sekunden davonfahren und waren uneinholbar, andere hingegen schienen fast unmöglich besiegbar zu sein. 
Grafik und Sound konnten nicht positiver stimmen. Schon früh zu Beginn wurde innerhalb der Gruppe lautstark gefordert, die Musik abzuschalten oder zumindest die Lautstärke zu senken. "Import Tuner Challenge" strapaziert die Nerven der Spieler ungemein mit japanischen Technoklängen von eher bescheidener Qualität, welche sich zur Freude aller Anwesenden abschalten ließ. Die Grafik kann dieses Niveau zwar überbieten, bleibt dabei jedoch immer noch unterdurchschnittlich. Das größte Problem der Grafik ist dabei, dass sie direkten Einfluss auf die Spielerfahrung hat. Trotz einer Grafik, die wie aus der Zeit einer vergangenen Konsolengeneration wirkt, ruckelt diese. Teilweise so stark, dass die Tester mitunter nicht mehr in der Lage waren ihr Vehikel auf der Spur zu halten. All dies mündete darin, dass zwischenzeitlich nur Gelächter in der Gruppe zu vernehmen war: "Das beste an dem Spiel ist noch, dass man sich darüber kaputtlachen kann, wie schlecht es ist." (Tester, 16) 

Fazit:
In der Spieletestergruppe des Bürgerzentrum Deutz stoß "Import Tuner Challenge" auf wenig Gegenliebe. Durch die Beschränkung auf japanische Automarken, Mankos bei Steuerung, Grafik und Sound und schließlich die schnell aufkommende Routine und Monotonie auf den Straßen Tokios konnte es die Jugendlichen kaum begeistern. Auch die Mehrspielermodi konnten nicht überzeugen. Ganz ohne Reiz scheint das Spiel jedoch nicht zu sein, wie die kleine Fangemeinde rund um die Spiele des japanischen Entwicklers beweist. Selbst die warnen jedoch in Internet-Foren unbedarfte Neueinsteiger vor einem unüberlegten Kauf des Spiels. Insgesamt bleibt "Import Tuner Challenge" also eher ein Nischen-Produkt für Hobby-Bastler, Japan-Auto-Liebhaber und Schmerzunempfindliche. Aufgrund der möglichen Frustrationsgefahr ob des teils hohen Schwierigkeitsgrades, der unausgereiften Technik und der Vielfalt an Optionen, sollten diese aber zumindest 12 Jahre alt sowie möglichst des Englischen mächtig sein.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass