Invizimals - Das verlorene Königreich

Genre
Action-Adventure
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2014.02
Systeme
Playstation 3
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Enttäuschender Ableger der Invizimals Reihe ohne Augmented Reality
Gruppenleiter
Dirk Poerschke
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Invizimals" ist eine Computerspielreihe von Novarama und Sony Computer Entertainment, die mit Hilfe der Go!Cam für PlayStation Portable seit 2009 die spannenden Möglichkeiten von Augmented Reality (Erweiterte Realität) in ein Spiel aufgenommen hat. Virtuelle Phantasietiere namens Invizimals erschienen im Verlauf der Spiele auf dem Bildschirm pseudo-holographisch im realen Raum des eigenen Kinderzimmers. Diese Technik findet in unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens inzwischen begeisterte Anhänger. Gut erklärt wird Augmented Reality in einer Kampagne des Möbelhauses IKEA, die in einem ihrer Kataloge die Visualisierung der Möbelwünsche ihrer Kunden im heimischen Ambiente anbot.
Beim Thema Augmented Reality schlug die Phantasie meiner Tester natürlich Purzelbäume und alle haben sich auf den Titel "Invizimals – The Lost Kingdom" gestürzt, um dann nach einer kurzen Spielzeit ernüchtert feststellen zu müssen, dass dieses tolle Feature dem Spiel für die PS3 leider fehlt. Dafür fanden sich die Tester in einer Mischung aus Jump&Run und Action-Adventure wieder.

Pädagogische Beurteilung:
Hoffnungsvoller Start
Zu Beginn des Spiels wird der Spieler durch einen kleinen Film in die Geschichte eingeführt. Dieser wurde mit echten Schauspielern in einer Blue Screen Kulisse gedreht und provozierte die erste Diskussion bei meinen Testern, ob das hier schon die Spielgrafik wäre oder nicht. Wenn ja, wäre es spektakulär. Ein Junge namens Hiro findet in dem Film ein seltsames Artefakt, das Monster heraufbeschwört. Vor denen flüchtet er nach einer kurzen Jagd durch den Dschungel in eine Höhle und damit in ein verstecktes Labor. Dort übergibt er das Artefakt einem Wissenschaftler, der ihm dafür wiederum eine Jacke schenkt, welche ein Portal in eine andere, nämlich die Spielwelt, öffnet. Trotz der sehr mäßigen schauspielerischen Leistungen im Film wirkt dieses Intro vor allem für jüngere Kinder bedrohlich und düster und überlagert so einen positiv motivierten Zugang zur eigentlichen Spielwelt.

Filmriss
Hinter dem Portal endet die Filmsequenz und beantwortet auch die erste Frage: Der Film entspricht nicht der Spielgrafik. Hiro ist eine ganz normale Computerspielfigur, die man in der Third-Person-Perspektive durch eine farbenfrohe und eigentlich stimmige 3D-Welt steuert. Ein untergegangenes Königreich steht mit seinen Ruinen im Dschungel und wird inzwischen von Lianen, Farnen und Blumen überwuchert. Dies ist die zerstörte Heimat der Invizimals in diesem Spiel. Die Steuerung des Spielhelden ist einfach und leicht zugänglich. Die Tester zerstörten ein paar Kisten, blinkende Batterien oder leuchtende Blumen, die dort herumstanden und bekamen dafür Erfahrungs- und Lebenspunkte. Ein freundlich gesinnter Invizimal erklärte uns außerdem, wie Hiro sich selber in einen Invizimal verwandeln kann, um gegen die Feinde dieses ehemals wunderschönen Königreichs zu bestehen. Hiro klettert in schlauchartigen Leveln über ein paar Ruinen, hangelt sich an Lianen die Wände hinauf, sammelt Punkte und trifft schnell auf die ersten Gegner- Roboter, gegen die zu kämpfen ähnlich herausfordernd ist wie Blechbüchsen werfen mit einer unbegrenzten Anzahl von Bällen. „Wenn jetzt nicht noch etwas kommt, ist das total öde!“ bemerkte der spielende Tester, während sich die ersten weiteren Tester anderen Spielen zuwendeten.

Jetzt wird es nochmal spannend, oder?
Nach einigen Kletterpartien und wenig spannenden Kämpfen gegen Blech- und Flugroboter trafen die Tester im Spiel auf weitere Invizimals, die sich Hiro nach einem kurzen Kampf anschlossen und von den Testern an besonders kniffligen Abschnitten zum Weiterkommen im Spiel eingewechselt werden konnten. Einige dieser Invizimals können besonderes gut tauchen, fliegen, klettern oder rammen mit ihren Hörnern Hindernisse beiseite. Insgesamt stehen 16 unterschiedliche Invizimals für sechs abwechslungsreiche Spielwelten mit unterschiedlichen Stärken zur Verfügung. Die kniffligen Abschnitte, in denen sie zum Einsatz kommen, sollten aber nicht verwechselt werden mit der Herausforderung an die taktische Planung des Spiels. Es ist eigentlich immer schnell klar, welcher Invizimal zum Einsatz kommen sollte, und eine neue Herausforderung stellte dieser Faktor ebenfalls nicht dar. Spätestens hier hatten sich auch die anderen Tester verabschiedet. Das Spiel motivierte eigentlich nur noch den Jüngsten (8 Jahre) in der Testergruppe. Ständige Kämpfe, Punkte sammeln, martialische, aber nicht unsympathische Tierfiguren namens Invizimals und die kindliche Heldenfigur sprechen eher die Zielgruppe jüngerer Kinder an - zumindest solange, bis ein Manko hinzukam, bei dem auch dieser Tester den Controller aus der Hand legte.

Der Kameramann streikt
In manchen Abschnitten des Spiels kommt man zudem nur mit einiger Erfahrung weiter, weil der Kamerawinkel schräg hinter der Spielfigur fixiert ist und die Sicht auf den nächsten Kletterpunkt versperrt und Hiro immer wieder einmal „ohne“ ersichtlichen Grund abstürzt. Dazu kamen noch einige Designfehler, die auch diesen Tester wütend machten. „Hiro stürzt immer wieder an dieser Kante ab. Ich musste immer zur nächsten Kante springen. Ich muss dann immer wieder von vorn anfangen. Das geht nicht!“ (Tester 8 Jahre). In dem Falle verlangte das Spiel, dass der Spieler in dem Falle auf einmal nicht von Kante zu Kante springt, wie im restlichen Spiel, sondern durch einen Busch geht, der genau zwischen den beiden Kanten lag. Dies war auch der Punkt, an dem der letzte Tester streikte.

Fazit:
Selten habe ich in einer Testergruppe die Differenz zwischen der Erwartungshaltung und dem Frust über das tatsächliche Spielerleben so schnell wachsen sehen. Die Spielserie "Invizimals" ist bekannt geworden durch die Einbindung von Augmented Reality in ein Spiel. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der Gruppe.
"Invizimals – The Lost Kingdom" bietet das leider nicht an. Es gibt zwar einen Onlinemodus, der kompatibel ist mit "Invizimals- Das Bündnis" für PlayStation Portable und Go!Cam, wir konnten uns allerdings in der Testergruppe nicht vorstellen, dass dieser Aufwand dem Spiel noch Tiefe verleihen könnte. Die Vermarktung des Namens "Invizimals" für diesen Titel unterstreicht wieder einmal die Notwendigkeit, sich über Computerspiele im Vorfeld gut zu informieren. 

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Spieletester
Game On/Two Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass