Key of Heaven

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2006.03
Systeme
Playstation Portable
System im Test
Playstation Portable
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Geradliniges Action-Adventure im fernöstlichen Gewand
Gruppenleiter
Andreas Gloge
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das Spiel „Key of Heaven“ spielt in einem asiatisch-mythischen Land, das zwischen fünf Clans aufgeteilt ist. Der Seiryu-Clan wurde in einem Krieg mittlerweile fast vollständig ausgerottet, nur die blutjunge Tsuirin und der ausgestoßene Shinbu haben überlebt. Der Spieler übernimmt die Rolle des Jungen, der sich auf die Reise durch das entzweite Reich macht. Er muss die Techniken der anderen vier Clans erlernen, um so gegen seine Feinde bestehen zu können und der Welt den Frieden zurück zu geben.
So geht es im Spiel hauptsächlich darum, neue Kampftechniken zu erwerben und immer stärkere Gegner in immer schwierigeren Schwertkampf-Duellen zu besiegen. Zwar gibt es auch Rollenspielelemente, doch treten diese hinter den Kampfsequenzen deutlich zurück.

„Key of Heaven“ wurde speziell für die PSP entwickelt und nutzt hierfür auch die WLAN-Funktion, so dass - wenn gewollt - auch zwei Spieler sich auf diese Weise heiße Duelle liefern können. Zudem können sich die Spieler mit neuen Fertigkeiten, exklusiven Waffen oder anderen speziellen Gegenständen gegenseitig versorgen und so die Überhand gegen immer stärkere Gegner behalten.

Pädagogische Beurteilung:
Erschaffe deinen eigenen Schwertkampfstil
Auf den ersten Blick erwartet einen mit „Key of Heaven“ ein gewöhnliches Action-Rollenspiel, in dem man die Welt in unzähligen Schwertkampfgemetzeln vor dem Untergang bewahrt. Auf den zweiten Blick aber offenbart das Spiel eine ungewöhnliche Besonderheit: der Spieler bestimmt nämlich den eigenen Kampfstil und kann ihn in Eigenregie weiterentwickeln. Es gibt hierzu im Laufe des Spiels mehr als 150 Schwertkampf-Stilrichtungen und 15 Quigong-Kampfsportarten zur Auswahl. Man kann daraus eigene Schwertkampftechniken entwickeln und auf Wunsch über den Mehrspielermodus auch mit einem Mitspieler austauschen.

Willkommen im mythologischen Asien
Der unverkennbare Anime-Stil fügt sich schön in die asiatischen Bilderbuchlandschaften und fremdartig wirkenden Kreaturen und sorgt bei uns Europäern für ein exotisches Flair. Das wiederum passt natürlich hervorragend zu den actionreichen Kampfkunst-Arien, die wir aus Kung-Fu- und Martial-Arts-Filmem kennen: die meiste Zeit über kracht es ordentlich und die aufzudeckenden Rollenspiel-Elemente, wie beispielsweise Intrigen der anderen Clans aufdecken u.ä., lassen sich ebenfalls nur durch letztendliche Schwertduelle auflösen.
Wer sich indes für asiatische Mythologie begeistert, dem bietet „Key of Heaven“ durchaus Futter für die grauen Zellen, denn die Traditionen des Fantasyreichs Ouka orientieren sich an der Geschichte Chinas und Japans und wurden dementsprechend in Bild und Thematik detailliert ausgearbeitet.

Ein guter Hieb sagt mehr als 1000 Worte
Ach, ließen sich nur alle Konflikte so einfach lösen wie bei „Key of Heaven“: Wie schnell wären wir alle Retter der Welt und wie cool wären vor allem die starken Jungs, die ihre verletzlichen Herzensdamen vor üblen Schurken retten?! Derlei stereotype Charakterzeichnungen und Geschlechterrollen porträtieren den Prototyp des autonomen, männlichen Beschützertypus. Raus mit dem Schwert und den fiesen Gegner flott in mehrere Teile zerhackt, schon jubeln einem die Ladies zu. Solche simplen und vielversprechenden Aussichten machen bei Jungs in der Pubertät natürlich mächtig Eindruck. Zudem übt sich hier das klassische Kräftemessen und Triumphieren anhand archaischer Gut-gegen-Böse-Szenarien und das immer wiederkehrende Triumphieren in den zahllos erscheinenden Kämpfen. Hier Held zu sein fällt nicht schwer.
Wie wird man sein eigener Held?
Im Kampf muss man eigentlich nicht viel mehr tun, als die Fieslinge durch einfaches Knopfdrücken in ihre Einzelteile zu prügeln. Natürlich spritzt dabei kein Blut, sondern Lebenskraft in entsprechenden Barometern und Zahlenwerten wird reduziert, bis der Gegner am Boden liegt. Es entstehen also keine Gewaltorgien, sondern eher abstrakt-mathematische Berechnungen, wann wer erledigt ist.

Mit der Zeit lernt man dazu und kann sein Schwert auch nach den Feinden schleudern, führt Chi-Angriffe aus oder bringt Gegenstände zum Einsatz. Damit wären dann alle vier Aktionstasten belegt, während man mit den beiden Schultertasten durch das Inventar schaltet und zwischen den Schriftrollen hin und her wechselt, auf denen die gelernten Angriffe unterschiedlich kombiniert sind. Wer Lust und Muße hat, kann somit später eine ganze Serie von Hieben choreographieren, um seine Gegner damit in Schach zu halten.

Die Idee hält nicht das, was sie verspricht
Das alles klingt im Grunde mega-spannend - ist es aber leider nur selten. Das Spiel besteht fast ausschließlich aus Kämpfen mit vereinzelten Rollenspielfäden, um die Schauplätze miteinander verbinden. Die Kämpfe indes lassen sich mit etwas Erfahrung alle nach demselben Schema lösen: Statt mit dem Schwert voranzustürmen, nutzt man einfach seine unglaublich mächtigen Chi-Kräfte. Diese sind so etwas wie Zaubersprüche, die man nach und nach erlernt und jederzeit zum Einsatz bringen kann. Man feuert also aus der Entfernung seine Chi-Attacke ab, läuft kurz davon, um seine Kräfte wieder aufzuladen, und feuert dann die nächste Chi-Attacke ab, läuft wieder etwas davon, lädt sich wieder auf und... ja, genau, erraten. Diese monotonen Auseinandersetzungen rauben dem Spiel sehr schnell seinen Charme: „Ist irgendwie immer gleich, wenn man erstmal das und das kann.“ (Spieler, 12 Jahre)

Die Computergegner agieren zudem extrem berechenbar und bleiben oftmals an Hindernissen hängen oder stehen apathisch in der Gegend herum, während man selbst seinen nächsten Angriff überlegen und planen kann. Nervenzerreißende Hochspannung sieht anders aus.

Dramaturgisch ist „Key of Heaven“ ein straff inszeniertes Abenteuer, das einen ohne Umschweife vom Anfang ans Ende der Geschichte führt. Doch falls man einen Hinweis aus einem der Dialoge vergisst oder übersieht, so irrt man mitunter ohne Kenntnis des eigenen Ziels durchs Land und hat keine Chance nachzusehen, was der eigentliche Auftrag und nächste Schritt ist.

Bilder hui, Dialoge pfui
Die Hauptfigur Shinbu lässt bei jedem Chi-Angriffe stets denselben Spruch ab. Das ist ebenso einfallslos wie nervig. Auch sonst zwingen einen die etwas albernen und sehr pathetischen Dialoge immer wieder zum Fremdschämen.

Dabei braucht sich die akustische Begleitung ansonsten wahrlich nicht zu verstecken: Fernöstliche Instrumente untermalen die phantastischen Reisen und bringen die tollen Landschaftsbilder richtig zur Geltung – von bombastischen Tempelanlagen über wunderschöne Reisfeldern bis hin zu beeindruckenden Berglandschaften. Das Auge isst bekanntlich mit und wird durchaus satt.

Fazit:
„Key of Heaven“ bietet für ein PSP-Spiel sehr schöne Bilder und einen wunderbaren Soundtrack.
Für den erfahrenen Spieler wird es aber schnell öde, da sich alle Gegner relativ simpel mit dem Schema-F der zauberähnlichen Chi-Attacken ausschalten lassen und der geradlinige Spielverlauf sich doch sehr ähnelt.
Auch der Gimmick, seinen eigenen Kampfstil zu entwickeln stößt nicht bei allen Spielern auf Wohlgefallen, da viele Spieler lieber auf ihre Geschicklichkeit mit dem Gamepad vertrauen als auf vorprogrammierte Hiebfolgen. Das ist sicherlich Geschmackssache und wird je nach Spielertypus ganz unterschiedlich empfunden.

Mit knappen 20 Stunden Spielspaß bekommt man ca. eine Stunde pro investiertem Euro. Ob das Spiel danach erneut in die PSP geschoben wird, darf bezweifelt werden, dafür bietet es einfach nicht genügend Abwechslung im Gameplay. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren ist pädagogisch sinnvoll, da es hauptsächlich ums Kämpfen und Töten geht, wenn auch in abstrakter Form ohne Blutvergießen.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass