Kinect Adventures

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Microsoft
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Hinweis(e)
Kinect Sensor erforderlich
Kurzbewertung
Innovative, wenig durchdacht wirkende Spielesammlung mit zeitlich begrenztem Spielspaß
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 5

Spielbeschreibung:
„Kinect Adventure“ wird im Bundle gemeinsam mit dem Kinect-Sensor angeboten und findet somit automatisch den Weg ins ‚kinetische’ Wohnzimmer. Die innovative Minispielsammlung soll, ähnlich wie seinerzeit „Wii Sports“ bei der Wii-Konsole, zeigen was in der bewegungssensorischen Kamera steckt und welcher Weg damit eventuell beschritten wird.
Microsoft versucht sein Vorzeigeprodukt mit dem Bundlespiel „Kinect Adventures“ variantenreich in Szene zu setzen. Ob rasant bei abenteuerlichen Lorenfahrten oder Raftingtouren, schwerelos im Weltall, tauchend am Tiefseegrund oder aktiv in Sporthallen, für eine bunte und abwechslungsreiche Mischung scheint gesorgt. Die fünf, nicht nur äußerlich grundverschiedenen Minispiele können jeweils von bis zu zwei Spielern frei zugänglich angegangen werden.
Der Kinect Sensor registriert dabei jeden Spieler, sobald dieser sich ins Bild begibt. Ist beispielsweise zunächst nur ein Spieler registriert und es kommt ein zweiter hinzu, wird das Spielfeld für diesen kurzerhand erweitert und gleichzeitig ein weiterer Avatar auf den Bildschirm gebannt. Platz wird dabei reichlich benötigt, denn einige Minispiele verlangen eine enorme Bewegungsfreiheit von mehr als 3 Metern. Möbel und ähnliche Dinge sollten daher zwangsläufig auf die Seite geschoben werden und ein relativ geräumiges (Wohn)Zimmer erscheint Pflicht.
Bei ‚Flusssause’, dem Minispiel welches dem einen oder anderen bereits in der TV-Werbung für Kinect begegnet sein könnte, muss man sich in einem knallroten Gummiboot auf reißenden Flüssen durch vegetativ üppig bewachsene Felsschluchten hindurch schlängeln. Läuft man dabei nach links, so verlagert sich das Gewicht auf dem Boot und es schwappt in dieselbe Richtung und das ganze natürlich umgekehrt. Zudem hüpft das Boot in die Luft, wenn man selbst hüpft, wodurch Sprungschanzen sowie höher gelegene Plattformen zu erreichen sind. Tore und einzusammelnde Medaillen sollen dabei für einen weiteren Ansporn sorgen.
Bei ‚Rallye-Ball’ gilt es, einen Ball nach vorne zu schleudern, um verschiedene Ziele, Kisten und Blöcke, zu treffen. Dabei kommen teilweise, je nach getroffenem Ziel, gleich mehrere Bälle zurück, die man im Idealfall alle wieder zur Wand zurückschlagen sollte, um möglichst schnell das Level abzuschließen. Dabei fühlt man sich nicht nur optisch ein wenig an Squash erinnert - auch das Spielprinzip weckt Erinnerungen, wenngleich bei ‚Rallye-Ball’ der gesamte Körper als Schläger dienen kann.
Kritiken von Videospielen, die den Zockern gemeinhin zu wenig Bewegung vorwerfen, werden wohl spätestens mit ‚Reflex-Bergkamm’ eines Besseren belehrt. Man befindet sich hier auf einer Art Lorenfahrt und muss unterschiedlich schnell diversen Objekten geschickt aus dem Weg gehen. Mal werden Balken übersprungen, mal muss man geschickt unter diesen durchkrabbeln und mal muss man ihnen seitlich aus dem Weg gehen. Jede Hüpfbewegung beschleunigt dabei auch noch die Lore, so dass immer mehr Geschick und Schnelligkeit erforderlich ist. Mit zunehmender Spieldauer nehmen die Hindernisse zu, so dass man nach einer Runde das Gefühl hat, gerade einen 100m-Sprint hingelegt zu haben. Je besser die Zeit dabei ist und je mehr Medaillen man eingesammelt hat, umso höher sind die erreichten Punkte.
Bei ‚Raumknall’ befindet man sich in einem schwerelosen Raum und muss schnellstmöglich Blasen zerplatzen lassen, indem man sie berührt. Um abzuheben, schwingt man dabei seine beiden Arme wie ein Vogel und kann dadurch nahezu frei schwebend auch höher gelegene Blasen erreichen. Sobald man aufhört zu schwingen oder sobald man seine Arme an den Körper anlegt geht es wieder in Richtung Boden. Mit einem Schritt nach vorne oder eben nach hinten positioniert man seinen Avatar im Raum und lässt ihn so gezielter auf Ballonjagd gehen. ‚Raumknall’ zeigt damit die Fähigkeit des Kinect Sensors die Bewegungen auch im dreidimensionalen Raum zu erfassen.
Wie fähig die Kamera in diesem Bereich sein könnte, wird uns dann bei ‚20.000 Lecks’ vor Augen geführt. In einem Glasquader unter Wasser sitzend muss man sich vor der Kamera im Raum bewegen um gefährliche Risse wie auch Lecks zu stopfen. Ob Kugelfische, Piranhas oder Haie, die Meeresbewohner, so scheint es, können das Glas nicht sehen und schwimmen ständig mit einem ordentlichen Tempo dagegen. Jeder Zusammenprall hinterlässt dabei seine Spur, die es gilt zu beseitigen. Dafür hält man entweder seine Hände vor die Löcher oder tritt mit seinen Füßen darauf - selbst mit dem Kopf verhindert man den Wassereintritt. Teilweise muss man, ähnlich wie beim Spieleklassiker ‚Twister’, sogar alles gleichzeitig einsetzen und sozusagen die richtige Pose zeigen. Klar, dass die Kinect-Kamera meist in den unmöglichsten Posen Fotos schießt, welche dann lokal auf der Festplatte gespeichert, oder direkt online der ganzen Welt präsentiert werden können.

Pädagogische Beurteilung:

„Innovativ, aber nicht fehlerfrei“
Die kinecttypische controllerlose Steuerung wirkt auf den ersten Blick wie ein Wunderwerk der Technik. „Wie hieß dieser alte Film da von dem Tom Cruise da?“ - man fühlt sich tatsächlich zeitweise kurz an die Zukunftsvisionen in „Minority Report“ erinnert. Selbst kleinste Bewegungen werden vom Kinect Sensor erfasst und auf den Bildschirm übertragen - dies kann mitunter eine ungeahnte Faszination ausüben. So wird man im Solomodus auf den ersten Blick bei einem gros der bei „Kinect Adventures“ versammelten Minispiele auch keine Koordinationsschwierigkeiten haben und kaum Kritikpunkte finden, wenngleich die Grafik bei allen Spielen selten das wahre Potential der Xbox 360 ausschöpft. Einzige Ausnahme stellt dabei die ‚Flusssause’ dar, welches durch eher untypisches Detailreichtum in punkto Grafik besticht. Auf den zweiten Blick springen einem jedoch, nicht nur vorhandene grafische Mängel oder die weniger abwechslungsreiche Sounduntermalung ins Auge. Die Steuerung entpuppt sich nach etwas längerem Spiel und im Mehrspielermodus als, vorsichtig formuliert, recht ungenau. Beispielsweise bei ‚Rallye-Ball’ werden die Bewegungen einfach nicht schnell genug erfasst und umgesetzt. Diese Verzögerung führt dazu, dass man den Ball nur selten mit bewussten Aktionen wieder zurückschleudern kann - und das, obwohl man neben beiden Armen auch den Rest seines Körpers verwenden darf. Letztlich wird das Spiel dadurch meist auf Zufälligkeiten reduziert. Die Umsetzung der sensorischen 3-D-Raumerfassung bei ‚20.000 Lecks’ und ‚Raumknall’ erweist sich ebenfalls als wenig gelungen. Zwar erfasst der Kinect Sensor durchaus die Bewegungen nach vorne oder hinten, aber ob man nun ein oder zwei Schritte durchführt oder sich gar nur vorbeugt spielt kaum eine Rolle. Die jeweiligen Bewegungen werden einfach zu wackelig und verzögert umgesetzt. In ‚Reflex-Bergkamm’ wiederum ist die Erfassung und Umsetzung der Bewegungen als durchaus gelungen zu bezeichnen, wohingegen in diesem Fall die Spielmechanik erhebliche Mängel aufweist. Zur Beschleunigung der Lore bzw. Plattform muss man ständige Hüpfbewegungen durchführen, was wiederum dazuführt, dass man nur bedingt parallel dazu auch noch diversen Hindernissen durch z.B. Ducken oder eben Hüpfen aus dem Weg gehen kann. Diese Mängel in der Spielmechanik oder in der Steuerung fallen besonders gravierend auf, da das Minispiel ‚Flusssause’ eindrucksvoll zeigt, was eigentlich möglich gewesen wäre, denn hier werden die vollzogenen Bewegungen schnell und erstaunlich genau umgesetzt. Die ‚Flusssause’ kann als einziges Minispiel auch im Mehrspielermodus ein ähnliches Niveau halten, wenngleich man sich zu zweit gut absprechen muss, um möglichst gleichmäßige Bewegungen durchzuführen. Alle anderen Minispiele hingegen verfallen im Zweispielermodus durch ihre Ungenauigkeiten etwas zu stark dem Zufallsprinzip.

„Himmelhoch jauchzend, zu(m) Tode betrübt“
Anfangs wurde „Kinect Adventures“ in unserer Testergruppe als der einzige wahre Stern im Spielehimmel gefeiert. „Unglaublich!“, „Geil!“ oder „Das is viel besser als Wii!“ waren da noch die weniger pompösen Attribute. Nach etwa einstündigem Spielgenuss verwandelte sich der Stern dann jedoch recht schnell in eine Sternschnuppe und ließ den unerfüllten Wunsch nach mehr Bewegungsgenauigkeit und vor allem nach einem klassischen Spielprinzip zurück. Die feierlichen Attribute wichen eher ernüchternden Reaktionen: „Wie geht’s da denn jetzt weiter?“ und „Mann, der macht das viel zu spät!“. Wahrscheinlich wird nahezu jeder Erstspieler von „Kinect Adventures“ einen ähnlichen Prozess durchlaufen. Die unpräzise Steuerung fällt zunächst einfach nicht ins Gewicht, da sie mit Innovativität glänzt. Hat man sich jedoch an diese controllerlose Steuerung erstmal gewöhnt, will man sich, wie bei jedem anderen Spiel eigentlich auch verbessern. Dies ist aber leider nur bis zu einem bestimmten Grad möglich, da man recht schnell registriert, dass sich die technischen Mängel in punkto Bewegungserfassung in dieser Hinsicht allzu negativ auswirken. Eine Langzeitmotivation wird dadurch kaum geweckt.
Wenig förderlich ist in diesem Zusammenhang auch die Gleichartigkeit der verschiedenen Level in den jeweiligen Minispielen. Ob man nun Level 1 oder Level 5 der ‚Flusssause’ spielt, erscheint nebensächlich, da die Level sich aneinander einfach zu stark ähneln. Ein spielerischer Fortschritt ist dadurch letztlich kaum erkennbar.

Fazit:
Gemeinhin wird in den üblichen Minispielsammlungen Masse oder Klasse geboten. Microsoft verzichtet bei „Kinect Adventures“ einfach mal ganz innovativ auf beides, wenngleich man beim Minispiel ‚Flusssause’ zumindest den Ansatz von Klasse geboten bekommt. Ansonsten wirken die Spiele recht wenig durchdacht und eher wie eine erste Spieledemo, an der vor allem in dem Bereichen Spielmechanik und -prinzip, sowie Bewegungserfassung gearbeitet werden muss. Durch eine kaum vorhandene Langzeitmotivation erschöpft sich der Spielspaß bei allen Spielen recht schnell, aber vielleicht sollte man die Erwartungen an ein ‚Gratisspiel’ auch nicht allzu hoch ansetzen. Nichtsdestotrotz ist „Kinect Adventure“ jedoch eine herbe Enttäuschung, vor allem im, zugegeben etwas unfairen, Vergleich mit der ersten Faszination, die sich bei „Wii Sports“ einstellte.

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Ü12 Gemeinschaftshauptschule Bernburger Straße Düsseldorf
Bewertung Spielspass