Kinect Sports

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 4 Jahre
Vertrieb
Microsoft
Erscheinungsjahr
2010.11
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Hinweis(e)
Kinect Sensor erforderlich
Kurzbewertung
Leicht zugängliches, gelungenes Sportpaket mit leichten Tücken in der Bewegungserfassung
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Es scheint, Entwickler von bewegungssensorischen Spielen verfolgen ein einfaches, wie vermeintlich erfolgreiches Prinzip: ohne eine hauseigene Sammlung von diversen Sportspielen ist eine Markteinführung nicht möglich. Nintendo (Wii) machte es vor Jahren mit Wii Sports vor, Sony (Playstation Move) und Microsoft (Kinect) machen es mit Sports Champions bzw. "Kinect Sports" nach.
Microsoft setzt dabei in Zusammenarbeit mit dem einst exklusiv für Nintendo arbeitenden Entwicklerstudio Rare auf sechs Sportarten: Leichtathletik, Beach-Volleyball, Fußball, Tischtennis, Boxen und Bowling. Ersteres stellt wiederum selbst eine Ansammlung mehrerer Einzeldisziplinen dar: 100m-Sprint, Speer- und Diskuswurf, Weitsprung sowie 110m-Hürdenlauf. Und wie schon bei den entsprechenden Sporttiteln der Konkurrenz werden die jeweiligen Sportarten mit möglichst realitätsnahen Bewegungen gespielt.
Die Steuerung der einzelnen Sportspiele erklärt sich dabei im Grunde von selbst. So muss man in den Leichtathletikdisziplinen springen, hüpfen oder werfen, beim Volleyball springen, britschen oder schlagen, beim Fußball passen, schießen oder als Torwart parieren, beim Tischtennis retournieren, beim Boxen schlagen oder blocken und beim Bowling den Arm schwingen, um die Kugel zu werfen. Die mal relativ authentischen, mal eher spaßigen Umsetzungen sind zwar allesamt recht gut spielbar, klingen jedoch zunächst wenig innovativ und eher etwas lahm.
Im Gegensatz zu Nintendos Sportspielen für die Wii oder Sonys Pendants für Playstation Move hat Kinect jedoch einen großen Vorteil: der Sensor erkennt Fußbewegungen. Und so simpel diese Feststellung zunächst anmutet, so groß ist letztlich der Effekt auf ein Sportspiel. Während man beispielsweise den Wii-Remote- oder Move-Controller nur im richtigen Moment schwingen oder bewegen muss, legen nahezu alle Spiele von "Kinect Sports" auch wert auf die Fußbewegungen. So muss man beispielsweise beim Tischtennis oder beim Bowlen einen Schritt nach links oder nach rechts machen, um den Ball oder Pin zu treffen. Gleiches gilt beim Fußball oder Volleyball, welche in der Form auf den Konkurrenzkonsolen gar nicht erst möglich gewesen wäre. Rumrennen muss man nicht, aber die Art, wie das Spiel bedient wird - mit kurzen Schritten in die erforderliche Richtung - oder die Entscheidung mit welchem Bein oder mit welchem Arm man die Bewegung ausführt, hat immensen Einfluss. Eine analoge Umsetzung der Leichtathletikdisziplinen durch die Konkurrenz ist ebenfalls nahezu undenkbar, muss man doch wirklich, wenngleich auf der Stelle, sprinten oder springen. Lediglich Boxen unterscheidet sich im direkten Vergleich zur Konkurrenz nicht merklich. Nahezu alle Schwachpunkte wurden dabei überraschenderweise übernommen. Insbesondere die leicht verzögerte Bewegungsumsetzung macht einen ‚richtigen’ und realitätsnahen Kampf unmöglich. Vielmehr verkommt das Boxen bei "Kinect Sports" zu einem unkontrollierten und wirren Rumgefuchtel. 

Pädagogische Beurteilung:
Anfängliche Schwächen
Vor dem eigentlichen Start von "Kinect Sports" muss, wie nahezu bei jedem Kinect-Spiel, das Spielfeld eingerichtet werden, d.h. im Einzelspieler- möglichst zwei Meter und im Mehrspieler-Modus etwa drei Meter Platz zwischen sich selbst und dem Fernseher bzw. Kinect Sensor herstellen. Mit einem Wink in den Sensor wird dieser aktiviert und der entsprechende Avatar begrüßt einen in einem gut gefüllten Stadion. Rare hat sich hierfür einen witzigen und zugleich beeindruckenden, wenn auch kurzlebigen Start in das Spiel ausgedacht. Durch verschiedene Bewegungen werden die Zuschauer im Startmenü bis hin zu einer ‚La Ola’ animiert. Durch das Ausstrecken eines Arms wählt man dann einen der folgenden Spielmodi: Partyspiel, Wettkampf oder Minispiele. An dieser Stelle macht sich allerdings bereits eine erste Ernüchterung breit, bevor man überhaupt in eine der sechs Sportarten eintaucht. Trotz der Sensorkalibrierung reagiert der Cursor bei der Menüführung durch Handbewegungen nur mit einer gewaltigen, wie nervraubenden Verzögerung. Der Zeiger in Form einer kleinen Minihand neigt dazu, über den Bildschirm zu huschen, was eine genaue Auswahl durchaus erschwert. Glücklicherweise reagieren die einzelnen Menüpunkte erst nach etwa 10 Sekunden, sodass man wenigstens nicht ständig Korrekturen vornehmen muss. Die Umsetzung der Bewegungen in den einzelnen Sportarten erweist sich hingegen Gott sei Dank als weitaus weniger fehlerhaft.

Kinderleichte Steuerung mit kleinen Tücken
Allen Sportspielen ist ein kinderleichter Einstieg gemein. Vorkenntnisse in den jeweiligen Sportarten bzgl. der grundlegenden Regeln und Bewegungsabläufe sowie gewisse motorische Fertigkeiten sind zwar förderlich, aber kein Muss. Jede einzelne Disziplin wird in einem einfach gestalten Tutorial audiovisuell nähergebracht. Ein vorgelesener Text erklärt dabei die auf dem Bildschirm detailliert gezeigten Bewegungen. Die jeweiligen Tutorials kann man zwar abschalten oder überspringen, aber durch die oben erwähnten Tücken der Menüsteuerung ist man mehr oder minder gezwungen, sich die Erklärungen immer wieder aufs Neue anzuschauen und „das nervt tierisch“.
Mit einer mitunter generell recht langsamen Erfassung der Bewegungen durch den Sensor hat "Kinect Sports" ebenfalls zu kämpfen. Der zeitliche Unterschied zwischen Bild und Reaktion fällt bei genauerer Betrachtung dann doch gewaltig auf. Zum Teil ist dieses augenscheinliche Manko wohl eine reine Gewöhnungssache und wird mit der Zeit wahrscheinlich ausgeglichen werden. Insbesondere Spiele wie Boxen oder auch zeitweise Tischtennis werden in einem hohen Tempo jedoch zur ungenauen Geduldsprobe: „Ey, da wollt ich den gar nicht hinhaben!“, „Weiß jemand wie man schmettert?“ oder „Der fuchtelt doch nur rum!“ sind Äußerungen unserer Testergruppe, welche nur bedingt für die Genauigkeit der Kinectsteuerung sprechen.

Abwechslungsreich und doch begrenzt
"Kinect Sports" bietet eine durchaus beachtliche Auswahl an Sportarten und Spielmodi, jedoch lassen sich diese nicht wirklich variieren, was sich nach etwas längerer Spieldauer als äußerst unglücklich erweist. So mussten die Tester, wenn sie beispielsweise im Wettkampfmodus gerne den Diskus oder den Speer werfen wollten, zunächst die übrigen Leichtathletikdisziplinen durchlaufen. Auch eine Kombination der einzelnen Sportarten ist nicht möglich. Auf den ersten Blick mag dies weniger unerfreulich erscheinen, aber will man kurz die einzelnen Spiele anzocken oder eben ‚nur’ seine Favoriten spielen, muss man zwangsläufig durch mehrere Runden oder Sportarten und dies begrenzt den Spielspaß durchaus. „Wieso gibt’s nicht einfach nur Speerwurf zur Auswahl?“, „Nein, wir spielen jetzt kein Bowling - das dauert ewig!“ - in der Tat erscheinen die Kombinationsmöglichkeiten als verbesserungswürdig. Wünschenswert für die Tester war auch eine Konzentration auf die besonders gelungene Leichtathletikumsetzung, sodass man in einem entsprechenden Ableger die Wunschdisziplinen spielen kann.

Atmosphärisch dicht und trotzdem teils nervig
Bereits beim Startmenü wird man bei "Kinect Sports" mit einer ansprechenden Stadionatmosphäre empfangen. Diese atmosphärische Dichte wird in nahezu allen Sportarten dann erhalten und teilweise sogar noch gesteigert. So erklingt nach einer Weltrekordweite im Weitsprung oder nach einem Strike im Bowling zum Beispiel Queens „We Are The Champions“ untermalt von Jubelarien seitens der Zuschauer. Hat man allerdings zum wiederholten Mal einen Erfolg zu feiern, kann dies durchaus etwas weniger faszinieren. Die Ohren werden allerdings durch den nicht ausschaltbaren Kommentator, insbesondere beim Fußball, weitaus aufdringlicher malträtiert: „Was labert der da?“ Wenig mitreißende, zu euphorische und teils komplett unpassende Kommentare drängten den Testern zwangsläufig den Wunsch auf, dem Kommentator einfach den Ton abzudrehen. Die Grafik wiederum erscheint in einem zweckmäßigen, aber für XBox-Verhältnisse etwas mauen Gewand. Die doch recht aufdringliche Werbung auf dem Bildschirm wirkt zudem gelinde gesagt störend und fehl am Platz. Typisch für die Spiele aus dem Hause Rare ist sie zudem äußerst bunt gehalten. Anscheinend versucht man hier mit den Kinectspielen in die bunten Fußstapfen der Wii zu treten. 

Video-Feature
Ein besonderes und erwähnenswertes Feature von "Kinect Sports" stellt die Videofunktion des Kinectsensors dar. Dieser filmt den Zocker beim Spielen und nach jedem Event bekommt man einen kleinen Zusammenschnitt seiner Aktionen im Stile eines ‚Best of - Videos’ serviert. Kinect hat dabei ein ungemein gutes Gespür dafür, welche Posen besonders amüsant oder schräg sind. Via XBox Live kann man die einzelnen Clips dann, bei Bedarf sogar direkt im meistgenutzten sozialen Netzwerk, mit der ganzen Welt teilen.

Fazit:
"Kinects Sports" stellt bis dato eines der Highlights für Microsofts Kinect dar und ist dank der Anzahl an vorhandenen Minispielen und Sportdisziplinen als abendfüllend zu betrachten. Von den Konkurrenzkonsolen wurde dabei einiges zwar mehr oder weniger übernommen, zum Teil sogar wesentlich unpräziser, doch alles in allem wirkt das Sportprogamm mit Kinect schlicht realistischer. Spielt man es tatsächlich auch wie vorgesehen, so kommt man schnell aus der Puste und wird das eine oder andere Pfund los. Hervorzuheben ist zudem die wirklich tolle spielerische Atmosphäre.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Ü12 Gemeinschaftshauptschule Bernburger Straße Düsseldorf
Bewertung Spielspass