Motionsports Adrenaline

Genre
Sport
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2011.10
Systeme
Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Hinweis(e)
Kinect Sensor erforderlich
Kurzbewertung
Extremsportarten langatmig und technisch schwach umgesetzt
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Motionsports Adrenaline" ist eine weitere Mini- bzw. Sportspielesammlung für die bewegungssensitive Steuerungshardware von Microsoft Kinect und Sony Playstation Move. Der Titel widmet sich, anders als sein Vorgänger ("Motionsports Play for Real"), eher etwas exotischeren Sportarten. Die laut Herstellerangaben "sechs gefährlichsten Sportarten der Welt" tummeln sich auf der Spieledisc: Wingsuit, Kitsurfen, Kajak, Mountainbike, Bergsteigen und Extrem-Ski. Ziel jeder Disziplin ist es den jeweiligen Kurs schnellstmöglich zu meistern, dabei Stunts auszuführen, Münzen zu sammeln und/oder diversen Hürden auszuweichen. Für jede Teilaufgabe gibt es dann jeweils eine bestimmte Anzahl von so genannten ‚Adrenalin-Punkten'. Hat man nun einen bestimmten (High-)Score geknackt, wird man mit neuen Strecken, Charakteren oder mit der Möglichkeit seine Ausrüstung zu verbessern belohnt. An jeweils acht, dem Vernehmen nach Originalschauplätzen nachempfundenen, Streckenabschnitten gilt es als Einzelspieler oder mit bzw. gegen bis zu vier Personen off- wie online die jeweilige Sportart zu betreiben. Vor dem Sensor kann man jedoch meist nur alleine oder maximal zu zweit gleichzeitig den verschiedenen Spielmodi nachgehen. Wählen kann man dabei beispielsweise zwischen einem Wettkampf-, Renn-, Staffel- oder Trickmodus.

Pädagogische Beurteilung:
„Das Spiel lügt uns an!"
„Motionsports Adrenaline" reiht sich hinsichtlich seiner Steuerung und/oder Menüführung nahtlos ein in die Phalanx etlicher Kinecttitel - inklusive der entsprechenden Mängel versteht sich. Bereits die Menüführung erweist sich als, mild formuliert gewöhnungsbedürftig. Mit der eigenen Hand gilt es die entsprechenden Menüpunkte etwa 10 Sekunden lang zu markieren, um diesen auszuwählen. Klingt simpel, scheint es aber nicht zu sein, denn zumindest reagiert das Menü mitunter nur bedingt so, wie man es sich wünscht. Hat man diese Hürde dann einmal genommen, entpuppt sich auch die Steuerung der meisten Spiele als ähnlich ungenau. Beispielsweise mutiert das Klettern beim ‚Bergsteigen' zu einem regelrechten Glücksspiel, denn obwohl man mit vollem Körpereinsatz bereits entsprechende Kletterbewegungen durchführt, nimmt „die blöde Kamera die Sachen nicht an." Derartige Unzulänglichkeiten ziehen sich, mit Ausnahme der nicht ganz so ‚fehlgesteuerten' Disziplin ‚Kitsurfen', durch das gesamte Spiel und führten beim Test zu immer wiederkehrenden Frustrationen. Im Prinzip ist gegen eine bewegungssensitive Steuerung nichts einzuwenden, auch wenn sie hier und da nicht so präzise umgesetzt wird. Von einem Spiel, das ein gutes Jahr nach Erscheinen des Kinectsensors und dazu als Nachfolgertitel eines bereits für diese Steuerungsform entwickelten Spiels auf den Markt geworfen wird, kann man jedoch durchaus eine zumindest in Ansätzen gelungene Bewegungsumsetzung erwarten, denn sonst „kann man ja gleich Wii spielen, denn da ist das viel cooler". Lässt man sich, trotz aller Ungenauigkeiten, auf das Spiel ein, wird man sich dennoch nach einem nicht allzu langen Zeitabschnitt an der Steuerung des Spiels reiben. Denn bis auf das misslungene ‚Bergsteigen' macht es kaum Unterschied, ob man nun gerade Ski oder Fahrrad fährt oder ob man durch die Lüfte schwebt oder durchs Wasser paddelt, die zu vollführenden Bewegungen sind eigentlich nahezu identisch. Arme nach vorne, diese mitsamt dem Oberkörper für Richtungsänderungen oder Geschwindigkeitswechsel in alle Richtungen bewegen, ab und an springen und fertig ist das Steuerungskorsett. Dass die Steuerung vor jeder Disziplin per Texteinblendung erklärt wird, erscheint in diesem Zusammenhang nicht nur unnötig, sondern steigert auch die Frustration, da „der da vorne ja eh macht, was er will".

Zweckmäßiges Gewand
Auch audiovisuell gesellt sich der ‚Adrenalin-Titel' in die Reihe entsprechender Kinecttitel, wobei das Sehen in diesem Fall etwas gelungener erscheint, als das Hören. Grafisch präsentiert sich der „Motion Sports" durchaus ansehnlich, wenngleich erneut die HD-Fähigkeiten der Xbox-360 zu keinem Zeitpunkt ausgereizt werden. Hier und da, wie zum Beispiel beim auch steuerungstechnisch etwas ausgereifter wirkenden ‚Kitsurfen' gesellen sich zur eher zweckmäßigen Grafik gelungene Spezialeffekte in Form von kleinen Wassertropfen auf dem Bildschirm. Beim Betrachten des Spiels wird man dennoch den Eindruck nicht los, dass die Entwickler sich nicht so recht entscheiden konnten, denn die Grafik ordnet sich irgendwo zwischen Minispielüblichen, stets buntem Comicstil und eher realistischem Sportspielstil ein. Zu hören bekommt man analog einen eigentlich ordentlichen und zweckmäßigen Mix zwischen meist eher etwas schnellerem Elektrobeat und realistischen ‚Sportgeräuschen'. Problem ist dabei nur, dass man eigentlich immer dasselbe hört und „das nervt auf die Dauer tierisch". Es ist schon erstaunlich, aber geht man als ‚Adrenalinjunkie' ins Wasser oder klettert auf den Berg, bekommt man die identischen Hintergrundgeräusche zu hören und das ist in der Tat kritikwürdig und wird den jeweiligen Sportarten nicht gerecht.
„Spaßverderber"
„Die vom Spieleratgeber haben uns das bestimmt absichtlich spielen lassen!"
„Warum das denn?"
„Damit wir unseren Spaß am Zocken verlieren!"
- Ein, etwa am Ende des ersten Testtages, geäußertes Urteil über „Motionsports Adrenaline", als absoluter Spaßverderber, hört sich zunächst überhart an, aber will man zum Beispiel seinem Kind partout keinen Kinectsensor kaufen, so muss man es unter Umständen wirklich nur „Motionsports" spielen lassen und der Kaufwunsch wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gen Null tendieren. Bereits bei tadellos funktionierender Steuerungserfassung, die zu keinem Zeitpunkt gegeben ist, bleibt der Spielspaß letztendlich bereits aufgrund des dann doch wenig abwechslungsreichen und arg limitierten Spielerepertoires im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Einzig die etwas exotischere Sportauswahl und die Disziplin ‚Kitsurfen' konnte die Gruppe zum Spielen motivieren und kurzzeitig faszinieren, weshalb das Urteil in punkto Spielspaß noch recht milde ausfiel. Die Gruppe war sich recht schnell einig, dass man als „Möchtegern-Extremsportler" ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz, sprich Videospielerfahrung, mitbringen sollte, um das Spiel nicht sofort aus der Konsole zu verbannen. Deshalb und weil Lesekenntnisse letztlich von Vorteil sind, eignet sich das Spiel ab acht Jahren bzw. ab der dritten Klasse. Sieht man von allen Makeln des Spiels ab, darf darüber hinaus bezweifelt werden, ob, die Möglichkeit, sich neue Anzüge oder Strecken freizuspielen, wirklich ausreicht, um eine Langzeitmotivation zu erreichen. Einzig der Onlinemodus könnte unter Umständen für etwas Abwechslung sorgen.

Fazit:
„Motionsports Adrenaline ermöglicht Freunden an extremen Ereignissen teilzunehmen, die sie im realen Leben niemals ausprobieren würden." - diese auf der Homepage des Spiels verwendete offizielle Beschreibung entpuppt sich bei näherem Betrachten als Bumerang. Wenn die gezeigten Extremsportarten ähnlich unausgereift, ungenau, schlicht mangelhaft durchzuführen sind, sollte man in der Tat einfach auf dem Sofa sitzen bleiben. Ein technisch biederes, zweckmäßiges audiovisuelles Gewand, eine teils katastrophale und verzögerte Bewegungsumsetzung und eine zweifelhafte Langzeitmotivation, sind schlicht zu schwere Hürden auf dem Weg zu einem wie auch immer gearteten Spielspaß.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass