Need for Speed: Carbon

Genre
Rennspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2006.11
Systeme
PC, Playstation 2, Playstation 3, Xbox, Xbox 360, Mac, GameCube
System im Test
PC
Kurzbewertung
Solides Rennspiel ohne Innovationen
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Beschreibung des Spiels:
Zum Thema "illegale Autorennen" fällt vielen Spielern oft die "Need for Speed" - Reihe ein. Diese erscheint mittlerweile seit 11 Jahren für den PC. Mit "Need for Speed: Carbon" schickt der Hersteller Electronic Arts 2006 einen neuen Teil ins Rennen.
Wie schon die Vorgänger, hat auch der jüngste Title der "Need for Speed" Reihe illegale Autorennen zum Thema. Der Schauplatz für das Rennspektakel ist die fiktive Großstadt "Palmont City". In zum Teil waghalsigen Rennen durch die Vororte der Stadt gilt es, sich als Teil einer illegal operierenden Rennfahrer-Crew gegen Rivalen zu behaupten. Der Spieler startet mit einem normalen, alltäglichen Auto, wie man es auf jeder Straße in jeder Stadt zu sehen bekommt. Gewinnt der Spieler ein Rennen, erhält er ein Preisgeld. Dieses kann im Verlauf des Spiels in Tuningteile für das Auto investiert werden. Auf diese Weise wird aus dem anfänglich langweiligen Standartauto ein individuell gestalteter Rennwagen. Ziel des Spiels ist es, sich in allen fünf Stadtbezirke als bester Fahrer durchzusetzen. Um der beste Fahrer eines Bezirks zu werden, muss in jedem Bezirk eine bestimmte Anzahl an Rennen gewonnen werden. Außerdem gilt es, den amtierenden Boss des Bezirks in einem finalen Duell zu besiegen. Die möglichen Rennstrecken werden auf einer Stadtkarte angezeigt. Der Spieler hat die Möglichkeit zwischen verschiedenen Rennarten zu wählen. Zur Auswahl stehen hierbei unter Anderem Rundkurse, Sprintrennen, Zeitrennen oder Driftrennen. Hat der Spieler oder ein Mitglied seiner Crew in einem Stadtteil genügend Rennen erfolgreich absolviert, kontrolliert er die Straßen des Bezirks. Immer wieder fordern gegnerische Crews den Spieler zu Rennen heraus, um verlorene Gebiete zurückzugewinnen. Gewinnen lohnt sich: Neben Preisgeldern winken dem Sieger auch neue Rennenstrecken, Autos und zusätzliche Tuningteile. Letztere kann der Spieler in der virtuellen Werkstatt in sein Auto einbauen. Zusätzlich stehen ihm diverse Möglichkeiten zur optischen Umgestaltung seines Autos zur Verfügung.

Pädagogische Beurteilung:
Erwartungsgemäß wurden von diesem Rennspiel fast ausschließlich männliche Jugendliche angesprochen. Während der Spielphasen merkte man deutlich, dass alle Spieler über viel Erfahrung in diesem Genre verfügten. Begeisterte Unterhaltungen über die verschiedenen Autotypen und die vorhandenen Tuningmöglichkeiten unterbrachen das eigentliche Spiel immer wieder für Minuten. Fast alle Spieler kannten die "Need for Speed" Reihe und hatten mindestens einen Teil der Vorgänger gespielt. Jeder Spieler passte vor Spielbeginn routiniert Steuerung und Spielinterface an seine Bedürfnisse und Gewohnheiten an. Sowohl mit einem Konsolencontroller als auch mit der PC Tastatur lässt sich "Need for Speed: Carbon" intuitiv bedienen. Die Bedienung stellt weder Anfänger noch Könner des Genres vor Probleme. Die Rennen fordern schnelles Reaktionsvermögen und eine gute Auffassungsgabe. Die Kontrahenten müssen im Auge behalten werden und auch der "Speedbooster" zur Erhöhung der Geschwindigkeit muss mit Bedacht eingesetzt werden. Später im Spiel wird es zudem unabdinglich, die Strecken durch mehrmaliges Befahren zu trainieren. Nur so ist der Spieler in der Lage, sich ihren Verlauf ausreichend einzuprägen.

Die grafische Präsentation bewegt sich, wie schon bei den Vorgängern, auf höchstem Niveau. Der Spieler wird durch kurze Filmsequenzen in die Story eingeführt, die direkt an den Vorgänger "Need for Speed - Most Wanted" anknüpft. Nach jedem gewonnen Rennen wird eine Geschichte um einen verschwundenen Koffer ein Stück weitererzählt. Die Jugendlichen waren sich jedoch einig, dass eine Story in diesem Genre keine besonders wichtige Rolle spiele. "Die Geschichte könnten sie von mir aus ruhig weglassen, die interessiert mich sowieso nicht!" (Spieler, 13) Beobachtete man die Jugendlichen beim Spielen, wurden die Videos tatsächlich meistens weitergeklickt um möglichst schnell das nächste Rennen beginnen zu können. Länger und intensiver beschäftigten sich die Tester mit dem Tuning der Edelkarossen. Stolz präsentierten sie ihre umgebauten Rennwagen.
Die Autos und Rennstrecken sind äußerst detailliert dargestellt. Für ein flüssiges Spielen ist allerdings ein leistungsstarker Computer oder eine Konsole der neusten Generation von Nöten. Auf der Playstation 2 und dem GameCube dagegen ist der Unterschied zu leistungsstärkeren Systemen deutlich sichtbar. Die Tester bestätigten, dass die detailreiche grafische Darstellung der "Need for Speed" Reihe eine starke Faszination auf sie ausübt. "Das sieht doch mittlerweile fast aus wie echt, das ist wirklich cool!" (Spieler, 12) Im Gegensatz zum Vorgänger finden die Rennen ausschließlich bei Nacht statt. Der Sound und der Soundtrack des Spiels unterstützen den Eindruck, Teil einer illegalen Autorennszene zu sein. Passend zum jeweiligen Gegner ertönt entweder Techno, Hip-Hop oder Rockmusik. Die Umsetzung der Renngeräusche empfanden die Jugendlichen als "sehr gelungen".
Eine Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad direkt einzustellen gibt es nicht. Jedoch sind die Rennen besonders am Anfang nicht sonderlich schwer. Selbst Anfänger, die zwischendurch das ein oder andere Rennen wagten, kamen schnell zu Rennerfolgen. Die Tester, die sich intensiv mit dem Spiel auseinandersetzten, fanden "Need for Speed: Carbon" sogar zu leicht. "Eine richtige Herausforderung ist es nicht, man muss bis zur Mitte des Spiels noch nicht einmal die Wagen wechseln, um die Rennen zu gewinnen. Es könnte ruhig ein wenig schwerer sein" (Spieler, 13) Die gleiche Taktik führte auch im zwanzigsten Rennen genauso zum Erfolg wie im ersten. Bis auf ein Verfolgerrennen bietet dieser neue "Need for Speed" - Teil keine neuen Rennvarianten, was bei den Jugendlichen für Unmut sorgte. "Das kommt einem wie ein Update des letzten Teils vor, wirklich Neues gibt es eigentlich nicht." (Spieler, 13) Das Zusammenarbeiten mit Crewmitgliedern während der Rennen beschränkt sich auf das gelegentliche Drücken einer Taste und wurde von den Jugendlichen nicht als echte Neuerung bewertet.

Der Onlinepart ließ sich wegen technischer Probleme mit den Servern nicht testen. Permanente Abstürze und große Verzögerungen machten ein sinnvolles Spielen unmöglich. Einen funktionierenden Mehrspielerteil gaben jedoch alle Jugendlichen als wichtiges Kaufkriterium an. "Ich möchte schließlich nicht immer nur gegen den Computer fahren. Ich will mich mit meinen Freunden messen und ihnen meine getunten Wagen präsentieren." (Spieler, 13)
Aus pädagogischer Sicht gelten die gleichen Aussagen, die bereits im Test zu "Need for Speed - Most Wanted" gemacht wurden. Den Testern war nach eigenen Aussagen der Unterschied zwischen virtuellem Straßenrennen und alltäglichem Straßenverkehr sehr bewusst. Keiner der Tester besaß zum Testzeitpunkt einen Führerschein. Aus diesem Grund sind Aussagen der Jugendlichen über den Einfluss des Spiels auf ihr Verhalten in der Realität nur schwer möglich. Die Spieler genossen jedoch sichtlich die Möglichkeit, reale Grenzen in den virtuellen Straßenrennen zu übertreten.
Negativ fällt leider die vorhandene Schleichwerbung für einen deutschen Telekommunikationsanbieter auf, die bei jedem Handygespräch im Spiel zu sehen ist. Die Entwickler der "Need for Speed" - Reihe nutzen schon immer die Möglichkeiten der In-Game-Werbung.

Fazit:
Die Jugendlichen kamen letztendlich zu dem Fazit, dass sich ein Kauf von "Need for Speed: Carbon" nur für echte Fans der Reihe lohnt. Für einen Neueinstieg in das Genre würden sie einen der beiden kostengünstigeren Vorgänger empfehlen.