Need for Speed: Shift

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2009.09
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Playstation Portable, iOS
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Nüchterne, aber realistische Fahrsimulation
Gruppenleiter
Benjamin Karalic
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Neubeginn einer traditionsreichen Spielserie
Mit "Need for Speed: Shift" (im Folgenden der Einfachheit halber “Shift" genannt) liegt bereits der dreizehnte Teil der erfolgreichen und gerade bei Jugendlichen besonders beliebten Rennspielserie vor. Seit 1994 setzen die Entwickler dabei auf Originalfahrzeuge in mehr oder minder illegalen Straßenrennen Doch während die vorherigen Teile "Undercover“ (Test NFS Undercover) und "Carbon“ (Test NFS Carbon) den Stil der Reihe konsequent fortsetzten und sich durch eine filmähnliche Handlung in einer frei befahrbaren Welt auszeichneten, bricht "Shift“ mit altbekannten Traditionen und versucht sich an einem realistischeren Ansatz. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines "echten“ Rennfahrers, der daran arbeitet, sich in legalen internationalen Wettbewerben einen Namen zu machen.

Vom Arcade-Racer zur Semi-Simulation
"Shift“ präsentiert sich als nahezu authentische Rennsimulation, die den Spieler durch eine Reihe von realistischen (aber nichtsdestotrotz fiktionalen) Wettbewerben auf geschlossenen Rundkursen führt. Spielerisch ist es dabei am ehesten als Spagat zwischen Arcade-Rennen (vgl. "Project Gotham Racing“) und beinharter Simulation (vgl. "Gran Turismo“) zu betrachten. Man hat die Möglichkeit, sein Können auf echten Rennstrecken, wie z.B. Silverstone, Spa oder der Nürburgring Nordschleife unter Beweis zu stellen. Dazu gibt es über 60 lizenzierte Originalfahrzeuge von namhaften Herstellern wie BMW, Audi oder Porsche. Diese können wiederum bis ins kleinste Detail aufgerüstet und mit Originalzubehör getunt werden.

Komplexer Karrieremodus
Der Aufstieg zum renommierten Rennfahrer erweist sich dank zahlreicher Parameter als ähnlich umfangreich, wie die Tuningoptionen der Fahrzeuge. So erfasst das Spiel das eigene Fahrverhalten mit einem Punktesystem, so dass man jederzeit beobachten kann, ob man als strategischer oder eher aggressiver Fahrer wahrgenommen wird. Der Rennfahreralltag gestaltet sich dabei dank vielfältiger Rennmodi überraschend abwechslungsreich. Neben Zeitrennen, Turnieren und Drift-Prüfungen erscheinen dabei die Hersteller-Wettbewerbe bzw. Wagenduelle als besonders erwähnenswert. Hier stellt der Spieler sein Talent in den Dienst eines bestimmten Autoherstellers und versucht nun, in variablen Duellsituationen die Konkurrenz zu deklassieren. Das verdiente Geld lässt sich dann in eine höhere Fahrzeugriege oder das Tuning der Alten investieren. Von Zeit zu Zeit erhält der Spieler auch die Möglichkeit, in höhere Rennklassen hinein zu schnuppern. Diese speziellen Einladungsevents zeigen dann sehr schnell, ob die eigenen Fähigkeiten schon genügend ausgereift sind, und bieten einen motivierenden Ausblick auf kommende Spielinhalte.

Abgespeckter Mehrspielermodus
Im Test stellte sich heraus, dass "Shift“ auf einen lokalen Mehrspielermodus verzichtet. D.h. es besteht keine Möglichkeit, dass zwei oder mehr Freunde auf geteiltem Bildschirm miteinander spielen können. Auch die Verbindung zweier Konsolen bzw. PCs über ein lokales Netzwerk (LAN) ist leider nicht möglich. Für Duelle im Bekanntenkreis muss man deshalb zwangsweise auf die Online-Funktion zurückgreifen. Da unserer Gruppe allerdings zum Zeitpunkt des Tests keine Internetverbindung zur Verfügung stand, konnten die Mehrspielermöglichkeiten von "Shift“ nicht getestet werden.

Pädagogische Beurteilung:
"Shift“ passt sich dem Spieler an
Während die meisten Rennsimulationen für erfahrene Fans des Genres designt werden, demonstriert "Shift“ eine gewisse Einsteigerfreundlichkeit. Ohne, dass unsere Tester sich durch aufwändige Einstellungsmenüs quälen mussten, wurden die Fähigkeiten direkt bei Spielstart in einem Trainingsrennen gemessen. Auf Basis dieser Werte schlug das Spiel daraufhin eine Reihe von Einstellungen vor, die dem Können unserer Fahrer angepasst waren. Gerade für Einsteiger und jüngere Spieler, die sich nicht mit dem Einstellen von Traktionskontrolle und Reifendruck beschäftigen wollen, erweist sich diese Form des adaptiven Tutorials als äußerst sinnvoll. So fanden unsere Spieler einen schnellen Einstieg, auch deshalb weil die grundlegenden Steuerungsmöglichkeiten bereits aus anderen Rennspielen bekannt waren.

Imagewechsel und spielerische Ähnlichkeiten
Was allerdings zu Beginn für Verwirrung sorgte, war die Abkehr von den altbekannten Straßenrennen, ein Merkmal der "Need for Speed“-Serie, welches immerhin über fünfzehn Jahre lang kultiviert wurde. So hatten einige der Tester mit der eigenen Erwartungshaltung zu kämpfen. Nachdem dieser Imagewechsel zum ernsthaften Rennspiel die Gruppe zunächst gespalten hatte, wurde jedoch nach einigen Runden klar, dass viele der Qualitäten, die die Serie so erfolgreich gemacht hatten und mittlerweile zum Standard in den meisten Rennspielen gehören auch in "Shift“ zu finden waren. Wie zuvor geht es hauptsächlich um den Aufstieg der Spielfigur und die Pflege bzw. Erweiterung des Fuhrparks. Hinzu kommt der Authentizitätsbonus der lizenzierten Fahrzeuge. Einige unsere Tester gaben zu, dass sie davon träumten, selbst einmal solch ein Gefährt fahren zu können. Es bereitete ihnen einen Heidenspaß, die Flaggschiffe ihrer Lieblingsautomarken fahren und natürlich tunen zu dürfen. In dieser Hinsicht steht "Shift“ seinen Vorgängern in nichts nach.

Atmosphäre und Erwartungshaltung
Was nach Ansicht unserer Tester allerdings fehlte, war der gewisse Touch des Coolen, des Verbotenen und des Gangster-Lifestyles. Waren die vorherigen Teile spielbare Versionen, der besonders bei jugendlichen Autofans sehr populären "The Fast & the Furious“ Filmreihe, so wurde im Falle von "Shift“ der Schurkencharme von Vin Diesel durch die professionell-biedere Gerissenheit von Michael Schumacher ersetzt. In puncto Atmosphäre richtet sich der Titel deshalb eher an ein erwachsenes Publikum und konnte unsere Gruppe nicht in dem Maße faszinieren, wie der Vorgänger. "Schade, dass man nicht vor der Polizei abhauen kann“, brachte ein Tester (12) seinen Unmut auf den Punkt. Ein anderer bemerkte, dass die Musik des Spiels sich verändert hätte und viel weniger Hip-Hop-Musik zu hören wäre. Auch die grafische Aufmachung beschrieben die Tester als "erwachsener“, ergänzten aber, dass es zu dem neuen Spiel passen würde. Letzten Endes konnte sich die Gruppe jedoch relativ schnell von ihrer Erwartungshaltung bzgl. Handlung und Spielbarkeit befreien und gab sich schließlich auch mit dem "gewöhnlichen“ Rennfahreralltag zufrieden.

Komplexe Steuerung und Immersion
Trotz der Einstellungsmöglichkeiten, die die Handhabung der Fahrzeuge erleichtern, zeigt "Shift“ mit steigender Spielzeit, in der immer neue, "bockigere“ Fahrzeuge frei geschaltet werden, eine überraschend steile Schwierigkeitskurve. Ab einem bestimmten Zeitpunkt gelangten die weniger erfahrenen Spieler in unserer Gruppe an ihre Grenzen. "Shift“ ist als Simulation ausgelegt und verzeiht nicht, wenn einem das Heck ausbricht und man sich kurz darauf im Kies wieder findet. Hier trennten sich die Wege der Rennspielfans, die einfach nur mal drauflos rasen wollten, und denen, die bereit waren, die Rennstrecken und ihre Eigenheiten Stück für Stück auswendig zu lernen. Doch die Spieler, die sich für diese Form des "präzisen Gamings“ begeistern konnten, wurden mit einem aufregenden Rennerlebnis belohnt. Im Rahmen seines realistischen Ansatzes geizt "Shift“ nämlich nicht mit beeindruckenden Effekten. Besonders die Cockpitansicht hatte es unseren Spielern auf Grund ihrer Detailverliebtheit angetan. Hier kommt es schließlich auch zu verblüffend intensiver Immersion (Wikipedia), wenn das Spiel mittels Unschärfefilter den Tunnelblick bei extrem hohen Geschwindigkeiten simuliert, oder wenn in kritischen Situationen der Herzschlag des Fahrers samt aufgeregten Atemgeräuschen zu hören ist. Ein Spieler gab später zu Protokoll, dass er manche Beinahe-Crashs in "Shift“ aufregender fand, als die Verfolgungsjagden und Karambolage-Orgien in den Vorgängerspielen.

Motivation und teure Addons
Einen Großteil der Langzeitmotivation bezieht "Shift“ aus seinem extrem breit angelegten Fuhrpark und der schier unerschöpflichen Tuningmöglichkeiten. Im Verlauf des Spiels wurden unsere Tester regelmäßig mit neuer Ware belohnt und dadurch zum Weiterspielen motiviert. Doch diese Gewöhnung an stetige Upgrades hat eine ernst zu nehmende Schattenseite. In den letzten fünf Jahren, in denen Microsoft und Sony ihre Online Netzwerke, XBOX Live und PSN, immer weiter ausbauen konnten, haben die Hersteller den Addon-Markt (siehe den Artikel zum Playstation Store) neu entdeckt. Gerade Autorennspiele sind prädestiniert dafür, Einnahmen zu generieren, die weit über den Kaufpreis des eigentlichen Spiels hinausgehen. Auch "Shift“ reiht sich in die Riege der Spiele ein, für die echte oder eben unbedarfte Fans Unsummen an Geld ausgeben können. Neue Wagen, Strecken und Tuningteile gibt es wie Sand am Meer. Und da die einzelnen Spielinhalte zunächst preiswert erscheinen, wird der Einkaufswagen schnell gefüllt. Hinzu kommt, dass sich die "Need for Speed“-Reihe über die Jahre hinweg eine entsprechend große Community geschaffen hat. Im Rahmen der verschiedenen Online-Rennställe kann es so schnell zu den bekannten Peer-Pressure-Phänomenen (http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_pressure) kommen, die Spieler dazu bringen unverhältnismäßig viel Geld auszugeben, nur um in der Gruppe mithalten zu können. Hier scheint es unbedingt angebracht, ältere Spieler für dieses Problem zu sensibilisieren und jüngeren den Zugang zu den Shoppingportalen der jeweiligen Netzwerke, wenn überhaupt, nur unter Aufsicht zu gestatten. Auf Konsolen, die der ganzen Familie zugänglich sind, sollten deshalb - trotz aller Bequemlichkeit für den eigenen Gebrauch -  keine Kreditkarteninformationen gespeichert werden (siehe dazu auch unseren Test zu "Need for Speed Undercover“).

Fazit:
"Need for Speed: Shift“ ist eine grafisch beeindruckende Mischung aus Rennsimulation und Arcade-Racer. Auf Grund der anspruchsvollen Steuerung, der realistischen Atmosphäre und der lokalen Beschränkung auf Einzelspielerrennen ist es allerdings erst für frusterprobte Rennspielfans ab 12 Jahren geeignet. Zusätzlich sollte spätestens jetzt überprüft werden, inwiefern die heimische Konsole an die Online-Einkaufsportale von Microsoft bzw. Sony angebunden ist. Zu beachten ist auch die Möglichkeit, sich mit anderen Spielern online via Headset auszutauschen. Dies kann zur Folge haben, dass Kinder und Jugendliche evtl. an Erwachsenenunterhaltungen teilnehmen. (siehe dazu auch unseren Test zu Project Gotham Racing 4).

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass