Need for Speed: Undercover

Genre
Rennspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2008.10
Systeme
PC, Playstation 2, Playstation 3, Xbox 360, Wii, Playstation Portable, Nintendo DS, iOS, Windows Phone
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Streetracing mit Atmosphäre und guter Grafik
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Spielbeschreibung:
Wie sprengt man einen Autoschieberring? Am besten von innen - als Undercover-Agent. Und wie kommt man an die nötigen Informationen? In dem man sich Anerkennung in der Streetracing-Szene erarbeitet und dort Kontakte knüpft. Klingt nach der Serie "Alarm für Cobra 11" ist aber die Spielgeschichte des neusten Ablegers der "Need für Speed"-Reihe. 
Als Streetracing werden illegale Autorennen innerhalb des normalen Straßennetzes bezeichnet. In dem Spiel "Need for Speed: Undercover" nimmt der Spieler in seiner Rolle als Undercover-Agent regelmäßig an diesen Rennen teil. Der verdeckte Ermittler soll sich dadurch die Anerkennung und das Vertrauen in der Szene erarbeiten und Informationen über einen Autoschieberring liefern, der mit der Szene eng verwoben ist.
Grundprinzip des Spiels ist es, durch Siege bei den Autorennen und das Erledigen von verschiedenen Aufträgen Anerkennung, finanzielle Mittel und weitere Sportwagen zu erwerben, um sich weiter in der Streetracing-Szene hochzuarbeiten und die Hintergrundgeschichte damit voranzutreiben.

Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg in das Rennspiel gelang unseren jugendlichen Testern mühelos, denn die Steuerung unterscheidet sich nicht maßgeblich von vergleichbaren Spielen. Wir testeten "Need for Speed: Undercover" auf der Xbox 360, die Rennwagen werden hier mit den herkömmlichen Controllern gesteuert. 
Die Spielgrafik wurde von unseren jugendlichen Testern positiv beurteilt: die Umgebung sei "sehr detailreich und realistisch" lobte ein Tester (15); ein anderer äußerte Gefallen an den Lichteffekten. Kritisiert wurden lediglich die etwas übertriebene Funkenproduktion, wenn ein Vehikel die Leitplanke streift (Tester, 15). Darüber hinaus beurteilten die Tester die Zwischensequenzen des Spieles als besonders gelungen, weil hier "echte Schauspieler" zum Einsatz gekommen seien.
Die Hintergrundmusik ist sehr abwechslungsreich reicht von eher ruhigen House-ähnlichen Klängen, bis hin zu hektischem Drum and Bass und aggressivem Metal. Ruhige Musik wird auch während der Rennen eingespielt, weswegen ein Tester (15) zu dem Urteil kam, dass die musikalische Untermalung wenig zur Atmosphäre beigetragen habe. Hier waren die Testermeinungen jedoch geteilt - ein weiterer Tester (15) äußerte nämlich seine Begeisterung darüber, dass die Soundkulisse ein Renn-Feeling aufkommen lasse.

Trotz der guten Bewertungen bei Grafik und Sound gaben die Spieler eine recht harte Bewertung des Spielspaßes ab. Das Spiel sei gut, beinhalte jedoch nichts neues, kritisierte einer der Tester (15) ein anderer meinte: "ein grafisch gutes Spiel, aber für Spieler die Abwechslung haben wollen, ist es nichts" (15). Die Tester äußerten einhellig, dass sie sich schon nach einigen Rennen gelangweilt hätten. Herausfordernd und interessant empfanden sie jedoch "das Abhauen vor den Cops" (Tester 15), also der Polizei. Diese Verfolgungsjagden sind tatsächlich recht spannend umgesetzt: Dem Fahrer ist es nämlich möglich, Polizeifunk abzuhören. Die Einsatzwagen der Polizei tauschen beispielsweise Informationen über das Fahrzeugmodell und die Wagenfarbe des Gefährts aus, das der Spieler im Moment steuert. Oder es wird weitere Verstärkung angefordert, z. B. in Form eines Helikopters, der die Jagd aus der Luft koordiniert. Derartige Details leisten einen wesentlichen Beitrag zur Spielatmosphäre. 

Außer den üblichen Rennen und der Flucht vor Polizeieinheiten werden auch noch einige weitere Spielmodi geboten. Vor dem Hintergrund, dass die Tester das Spiel als wenig abwechslungsreich bezeichneten, ist es fraglich, ob sie sich wirklich einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten des Spiels gemacht haben.

Rennspiele am PC und Spielekonsolen haben nicht nur in technischer Hinsicht Fortschritte gemacht. Während in früheren Zeiten konventionelle Autorennen vorherrschten (zum Beispiel Formel-1-Simulatoren) in denen sich der Spieler an eine genau vorgegebene Strecke halten musste, ist heute ein deutlicher Trend zu einem größeren Handlungsspielraum zu verzeichnen. Dabei wird das Geschehen nicht selten von "sterilen" Rennstrecken an einen Ort verschoben, der wesentlich mehr Komplexität, Realitätsnähe und Detailreichtum bietet: die Großstadt. Der besondere Reiz dieser Verlagerung liegt jedoch nicht nur in der größeren Alltagsnähe. Während monotone Rennstrecken schon beinahe im Schlaf durchfahren werden können, ist beim Großstadt-Setting schon mehr Geschicklichkeit gefragt: die Strecken sind nicht mehr eindeutig gekennzeichnet, es ist mit Gegenverkehr zu rechnen, das Abschütteln von Verfolgern verlangt Köpfchen. Es ist also kein Wunder, dass der Trend im Rennspielgenre von der roboterhaften Monotonie konventioneller Rennspiele hin zum anarchischen "Finde deinen Weg selbst" geht: die Spieler fühlen sich in diesen Situationen selbstbestimmter gefordert.

In dem Spiel geht jedoch auch ein weiterer Aspekt einher. Obwohl der Hauptcharakter nur als verdeckter Ermittler in die Szene eingeschleust wurde und somit als außenstehende Identifikationsfigur dient, kann sich das Spiel nicht von dem Vorwurf freimachen, besonders in Videosequenzen eine unkritische Ästhetisierung des Gangster-Images zu betreiben.
Eine Welt mit eigenen Regeln, die sich jedoch schnell (und etwas überspitzt formuliert) folgendermaßen zusammenfassen lassen: "Sei ein cooler Gangster, vertraue niemandem und kämpfe für dich alleine, lass die Reifen glühen und dominiere (Wer ein Rennen gewinnt, wird mit dem Spruch "Du hast dominiert" belohnt). Wenn du dies schaffst winken dreierlei Belohnungen auf dich: Anerkennung, Geld und die "heißesten Bräute". Denn die heißesten Bräute reservieren sich natürlich dem, der dominiert.". Das Traumbild eines machistisch-dominanten Rollenverständnisses. Eine derartige Konstruktion von "Männlichkeit" muss - nicht nur aus pädagogischer Sicht - scharf zurückgewiesen werden. Medien, die solche Stereotypeninhalte transportieren, bedürfen einer pädagogischen Reflexion, vor allem der vermittelten Geschlechterrollen. Dieser Kritikpunkt betrifft freilich nicht nur das hier besprochene Spiel, sondern auch andere Titel des Genres.

Problematisch erscheint uns die Möglichkeit, Fahrzeugkomponenten und ganze Rennwagen, auf die der Spieler zum Anfang des Spiels noch nicht verfügt, mit Hilfe von Microsoft-Points freischalten zu können. Diese können mit landesüblicher Währung (z.B. dem Euro) erworben werden, es handelt sich also um tatsächliches Geld. Die Beträge sind zwar nur im einstelligen Euro-Bereich angesiedelt, doch gerade dies macht den Kauf natürlich um so verführerischer. Kinder ab 7 Jahren sind beschränkt geschäftsfähig und können somit diese Microsoft-Points eingeschränkt erwerben, wenn die Vertragssummer im Rahmen des zur Verfügung gestellten Taschengeldes liegt. Derartige Vertragsabschlüsse können jedoch auch "schwebend ungültig" sein, von den Erziehungsberechtigten also wieder rückgängig gemacht werden. Microsoft Points können, ähnlich einem Pre-Paid-Guthaben für das Handy, im Fachhandel erworben werden oder mit einer Kreditkarte über das Internet erworben werden.

Fazit:
"Need for Speed: Undercover" ist ein Rennspiel, in dem der Spieler an sogenanntem Streetracing teilnimmt. Das Spiel ist grafisch gelungen umgesetzt und bietet spannende Rennszenarien. Unsere jugendlichen Tester schienen sich jedoch nach gewisser Zeit zu langweilen. Problematisch erscheint uns die Ästhetisierung eines machistischen Rollenbilds und die verführerische Möglichkeit, direkt im Spiel Fahrzeugkomponeten etc. mit realem Geld zu erwerben.