Meinungen aus der Redaktion zu Pokémon Go

Manche hassen es, manche lieben es - Pokémon Go polarisiert. Wie die Meinungen in unserer Redaktion zu dem jungen Phänomen sind, lesen Sie hier.

Torben Kohring, Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW

Ohne Frage, Pokémon Go bringt Menschen an Orte, an denen sie vorher noch nie waren. In der Hoffnung auf ein seltenes Pokémon, werden Umwege und Hindernisse in Kauf genommen. Die Marke Pokémon scheint noch dazu junge und alte Menschen zu Spieler_innen zu machen, die vorher noch nie gespielt haben. Doch für mich bleibt Pokémon Go trotz allem unter der Oberfläche nur ein Sammelalbum mit mageren Spielelementen, das gerade bei jungen Spielern_innen sehr viel Zeit frisst und noch dazu mit hohen Kaufanreizen versehen ist.

 

 

 

 

 

Daniel Heinz, Projektleitung Spieleratgeber-NRW

Für die einen ist es die erste faszinierende Berührung mit einem Location-based Game. Für die anderen (meist die Nicht-Spieler) sind Risiken beim Daten-, Verbraucherschutz und im Verkehr besorgniserregend. Die Wahrheit über Pokémon Go ist weder schwarz noch weiß und muss subjektiv bewertet werden. Ich selbst bin weder Pokémon-affin, noch finde ich in meinem kleinen Dorf im Sauerland Mitspieler - geschweige denn eine Arena. Daher lasse ich mein Handy beim Spaziergang zu Hause. Aber jeder so, wie er es mag. Deals mit Unternehmen wie McDonalds sehe ich allerdings kritisch. 

 

 

 

 

Linda Scholz, Projekt Spieleratgeber-NRW

Interessiert habe ich die Veröffentlichung der App erwartet und habe auch seitdem einige Pokémon gefangen. Den Reiz des Spiels kann ich durchaus nachvollziehen, da hier die einfachsten Sammelinstinkte des Menschen erfüllt werden. Man spielt gemeinsam, vergleicht die Pokémon mit seinen Freunden und ist stolz, wenn man ein seltenes Pokémon gefangen hat. Überrascht hat es mich auch, wie viele Menschen in meinem Bekanntenkreis Pokémon Go spielen (auch von denen man es nicht erwartete) und wie viele Menschen man unterwegs sieht, die fleißig PokéStops besuchen und Pokémon fangen. Ich  wohne neben einem PokéStop und da beobachtet man einiges. Natürlich sollte man die App auch kritisch betrachten und junge Spieler für Themen wie Kaufanreize und Datenschutz sensibilisieren. Es bleibt spannend abzuwarten, wohin die Reise mit Pokémon Go noch geht und wie lange der Trend anhält.

 

 

Alexander Hundenborn, Projekt PowerUp

Pokémon Go verbindet Menschen. Gamer_Innen gehen raus, um Taschenmonster ihrer Jugend zu fangen. Sie verabreden sich, um gemeinsam auf die Jagd zu gehen und gegen andere Teams anzutreten. Grundsätzlich ist das ein positiver Effekt, den wenige Spiele in diesem Ausmaß erreichen konnten. Das Auflebenlassen der Faszination aus Kindheit oder Jugend trägt hier maßgeblich zur Spielmotivation bei. Dass die momentane Spielmechanik, die Benutzerführung und die bisher wenigen Features einen faden Beigeschmack in Sachen Langzeitmotivation aufkommen lassen, darf in der Berichterstattung jedoch nicht unerwähnt bleiben. Hauptsächlich das übergeordnete Ziel, alle erhältlichen Pokémon zu fangen und/oder die stärksten Arenen im Umkreis zu halten, wird viele Spieler auf dem bisherigen Stand des Spiels nicht auf Dauer halten können. Die sozialen Dynamiken, die durch Selbstorganisation der Spieler entstehen können, werden das ausschlaggebende Zünglein an der Waage sein, ob und wie lange Pokémon Go erfolgreich sein wird.

 

Karolina Albrich, Studentische Aushilfskraft

Als Pokémonfan der ersten Stunde war ich natürlich besonders gespannt auf Pokémon Go. Nun sehe ich das Spiel sehr ambivalent. Mich erreicht es nur teilweise. Auf der einen Seite ist es ein Highlight, bekannte Pokémoncharaktere (durch das Smartphone möglich gemacht) im Umfeld meines alltäglichen Lebens sichtbar zu machen. Welcher Fan der Reihe hat nicht bereits lange davon geträumt, endlich seine Pokémonreise anzutreten? Diesen Wunsch erfüllt Pokémon Go durchaus. Auf der anderen Seite jedoch ist das, was ich an der Spieleserie so sehr schätze (nämlich den komplexen strategischen Charakter) kaum in Pokémon Go zu finden. Ich vermisse das komplexe Kampfsystem, die Möglichkeit gezielt strategische Teams zu planen und zu realisieren und diese aktiv im Kampf zu lenken.

 

Jan Scheurer, Studentische Aushilfskraft

Viel mit dem Hype anfangen kann ich nicht, obwohl ich seit meiner Kindheit sehr Pokémon-affin bin. Mobil spiele ich allerdings kaum etwas und genau das ist der Grund, weswegen ich auch mit Pokémon Go nicht warm werde. Dazu kommen (zunächst) katastrophale AGBs und ein ungeheurer Akku- und Datenhunger, der mich abschreckt. Positiv sehe ich aber die soziale Komponente, die Spieler auch außerhalb der eigenen vier Wände zusammenführt und ihr Hobby ausleben lässt.