Scarface: The World Is Yours

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Vivendi Games
Erscheinungsjahr
2004.09
Systeme
PC, Playstation 2, Wii
System im Test
Playstation 2
Kurzbewertung
Hartes Gangsterspiel im Drogenmilieu
Screenshot 2Screenshot 3

Spielbeschreibung
Wer den Film "Scarface" kennt, weiß, worum sich dieses Spiel dreht. Al Pacino verkörpert hier den Kleinkriminel­len Tony Montana, der im Laufe des Films zu einem der größten Drogendealer Miamis aufsteigt und am Ende in einer Massenschießerei von einem rivalisierenden Kartell getötet wird. Das Spiel "Scarface: The World Is Yours" setzt an der Stelle an, wo der Film aufhört. Der Spieler schlüpft in die Rolle Tony Montanas, der im Spiel den finalen Showdown des Films überlebt. Ansonsten verliert er jedoch alles und muss wieder ganz von vorne als kleiner Straßendealer anfangen.

Pädagogische Beurteilung
Für den Spieler bedeutet dies konkret, dass es zunächst gilt kleinere Drogendeals in die Wege zu leiten. Dazu läuft man Lieferanten ab, um hier Drogen möglichst billig ein- und anschließend möglichst teuer wieder zu verkaufen. Sobald Tony ein wenig Geld beisammen hat, ist es ihm auch möglich Leute anzuheuern. So kann er sich z.B. einen Fahrer leisten, der auf Knopfdruck mit einem fahrbaren Untersatz zur Stelle ist. Des Weiteren stehen im Spielverlauf ein Geldeintreiber sowie eine Auftragskillerin zur Verfügung. Wird der Rachefeldzug und die Drogendeals des Tony Montana zu eintönig, kann der Spieler wahlweise auch Missionen aus Sicht der Gefolgsleute absolvieren. So ist es beispielsweise möglich, in Gestalt des Fahrers Autos zu stehlen oder als Auftragskillerin für viel Geld Auftragsmorde durchzuführen. Doch Gefolgsleute sind nicht alles, für das sich in "Scarface: The World Is Yours" Geld ausgeben lässt. Man kann auch den eigenen Fuhrpark um ein paar Autos erweitern oder das eigene Domizil renovieren bzw. neu einrichten lassen. Und natürlich sind auch etliche Waffen, von der Pistole bis hin zum Sturmgewehr, käuflich zu erwerben.
Apropos Waffen: Die zahlreichen Kämpfe in "Scarface: The World Is Yours" werden, wie das gesamte Spiel, aus der Schulterperspektive gezeigt. Per Tastendruck lässt sich ein Gegner anvisieren, mit einer zweiten Taste kann man das Feuer eröffnen. Außerdem ist es dem Spieler möglich, auf Knopfdruck seine Gegner zu beleidigen und damit den eigenen "Mumm-Wert" zu erhöhen. Ist dieser vollständig gefüllt, kann der "Wut-Modus" aktiviert werden, in dem der Spieler kurzzeitig unverwundbar ist und seine Gegner mit einem einzigen Treffer ausschalten kann.
Das Spiel begeistert zunächst durch die auf den ersten Blick frei erkundbare Metropole Miami. Man kann bereits viel Zeit damit verbringen, einfach durch die Stadt zu fahren und einzelne, für die Story nicht unbedingt notwendige, Aufträge zu erfüllen. Auf den zweiten Blick jedoch fallen viele Einschränkungen auf: So können die meisten Gebäude nicht betreten werden und auch die Passanten ähneln sich sehr. Die einzige Ausnahme dieser lieblosen Darstellung ist Tony Montana selbst, der Al Pacino tatsächlich sehr ähnlich sieht.
Obwohl die deutsche Version des Spiels bereits geschnitten ist – so fehlen hier sowohl die in der englischen Version erhältliche Kettensäge als Waffe als auch eine Trefferlokalisation, die beispielsweise Beintreffer anders wirken lässt als einen Kopftreffer – wirken die Gefechte sehr brutal. Dies liegt weniger an der grafischen Darstellung, die auf Blutfontänen und ähnliche Darstellungen größtenteils verzichtet, als vielmehr an den untermalenden Soundeffekten. Die Gegner stoßen permanent Verwünschungen und Flüche aus, die sich stark der Fäkalsprache bedienen. Kaum ein Satz geht ohne Flüche oder Beleidigungen von Statten, die dabei regelmäßig unter die Gürtellinie gehen. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, einen bereits getöteten Widersacher noch zu verhöhnen und zu beleidigen. Der Spieler wird zudem für sein Verhalten mit einer Erhöhung des spielrelevanten "Mumm-Faktors" belohnt. Der Einsatz von Gewalt als Mittel zum Zweck ist problematisch. Gemeinhin stellt Gewalt den einzigen Lösungsweg innerhalb des Spiels dar, und so werden in den zahlreichen Gefechten Gegner überfahren, erschossen oder auch mit einem Rohrstück erschlagen. Negativ zu bemerken ist auch der sexistische Umgang mit Frauen in diesem Spiel. Frauen treten in der Regel sehr leicht bekleidet auf und sind faktisch nur als Sexualobjekte präsent. Nimmt man als Spieler die Möglichkeit wahr, eine solche Frau anzusprechen, drehen sich die Gespräche auch nur um Sex und werten so die Rolle der Frau ab.


Fazit
"Scarface: The World Is Yours" erzählt die Geschichte des Tony Montana im Stil des Films weiter und weiß durch die relative Handlungsfreiheit zu begeistern. Die ständigen Gefechte und Aufträge halten den Spieler bei der Stange. Permanente Gewaltdarstellung, grafisch als auch verbal, die Lokalisierung des Spiels im Milieu der Drogenhändler und der organisierten Kriminalität sowie die dauernde Thematisierung von sexuellen Themen machen dieses Spiel für Kinder und Jugendliche jedoch absolut ungeeignet.

Getestet wurde die Playstation 2-Version