Soulcalibur Legends

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2008.08
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Schwertschwingen mit Stil, aber wenig Abwechslung.
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Die Soulcalibur-Serie gilt seit Jahren als Garant für das tiefer gehende Kampfspiel. Ein simples und doch sehr anspruchsvolles Kampfsystem, originelle Charaktere mit verrückten Waffen und eine faszinierende Hintergrundgeschichte brachten der Soulcalibur-Reihe eine beträchtliche Fangemeinde ein. Dabei blieb die Formel stets die selbe. Man kämpft sich mit einer der vielen Figuren in feinster Beat’em Up - Manier von Gegner zu Gegner. Für die Wii wurde mit "Soulcalibur Legends" dieses Konzept nun sehr stark verändert. Anstatt einzeln gegen starke Gegner anzutreten, muss man sich nun in verschiedensten Levels durch ganze Horden von Feinden kämpfen und simple Aufgaben erledigen. Ob die neue Spielidee den Erfolg der Serie gerecht wird, haben wir versucht mit unseren Testern herauszufinden.
Wie in allen Soulcalibur-Titeln, handelt die Geschichte von den zwei mächtigen, beseelten Schwertern "Soul Edge" und "Soul Calibur". Durch Gerüchte und Legenden wurden dem im Grunde bösen "Soul Edge" heilende, positive Kräfte nachgesagt. Quasi als Gegenpol zu dem bösen Schwert steht "Soul Calibur" für die Reinheit und das Licht. Auf der Suche nach der Macht stößt der Held der Geschichte, Siegfried, auf das böse "Soul Edge". Er nimmt es an sich und entlässt dabei "das Böse" in die Welt. Monster überfluten die Städte und Siegfried muss nun versuchen seinen Fehler wieder gut zu machen. Zusammen mit seinen Gefährten denen er im Verlauf der Reise begegnet, sucht er verstreute Splitter des "Soul Edges" um das Böse zu besiegen.

Der Spielverlauf ist sehr linear. Zunächst nur mit Siegfried, dann im Fortschreiten des Spiels auch mit diversen anderen Charakteren der Soulcalibur-Serie, kämpft der Spieler sich durch ein fiktives Europa des 16.Jahrhunderts. In Höhlen, in mit Fallen gespickten Häusern, in Kathedralen oder ägyptischen Palästen erfüllt der Held verschiedene Aufgaben. Diese variieren von "Finde den Schwertsplitter" bis zu "Befreie deinen Verbündeten." Je nach Level kämpft man gegen Horden von Skeletten, Wölfen, verhexten Ninjas und anderen Monstern. Nach erledigter Aufgabe, bewertet ein Noten- und Punktesystem die Ausführung des Quests. War die Leistung gut, steigt die Figur eine Sprosse auf der fiktiven Rangordnung nach oben. Zu Beginn der Reise ist man noch ein "Neuling", kann aber schnell zu Kristallkämpfer, bis hin zum finalen "Legendärer Held" aufsteigen. Mit steigender Erfahrung sind neue Waffen und Spielmodi freischaltbar. 
Der Held wird in der Third-Person-Perspektive mit Hilfe der Wiimote und dem Nun-Chuk gesteuert. Während Fortbewegung und Blocken vom Nun-Chuk übernommen werden, ist die Wiimote, neben dem Springen, einzig und allein zum Schlagen, Stoßen und Stechen gedacht. Kurzum sie mutiert zur Waffe. So können horizontale und vertikale Streiche, sowie ein Stoß nach vorne ausgeführt werden. Dies geschieht nur durch eine entsprechende Bewegung mit der Wiimote. Neben "Siegfried" stehen noch sieben weitere Charaktere aus der "Soul Calibur"-Reihe zur Auswahl. Die Figuren unterscheiden sich voneinander in Attributen wie etwa Schnelligkeit, Reichweite und Schaden. Während "Siegfried" mit seinem riesigen Schwert langsamere Schläge ausführt, ist die kleine "Sophitia" mit ihrem Kurzschwert wendig und flink im Angriff. Vor jedem Level werden zwei der Helden ausgesucht. In der Spielhandlung kann dann per Knopfdruck schnell zwischen den beiden hin und her geschaltet werden. Nicht nur stehen dem Spieler somit zwei volle Energieleisten zur Verfügung, auch kommt eine kleine taktische Note hinzu, da manche Gegner eher mit Schnelligkeit, andere besser mit bloßer Kraft besiegt werden können. Neben der Energieleiste verfügt jeder Kämpfer über eine Lebensgeist-Anzeige. Diese Lebensgeistenergie wird von besiegten Gegner aufgesogen und ermöglicht besonders starke Angriffe.

Pädagogische Beurteilung:

Von Dennis Rubel

Das Spiel beginnt damit, dass "Siegfried" von "Soul Edge" verführt wird und dieses an sich nimmt. Ein paar kurze Einblendungen erklären die äußert unkomplizierte Steuerung. Unseren Testern ist dies sofort besonders positiv aufgefallen: "Die Steuerung ist so leicht, man versteht die ja auch ohne Tutorial" (Tester 14J.) Führt man die Bewegungen präzise aus, entsteht tatsächlich ein sehr befriedigendes Gefühl der Kontrolle. Hat man gerade einen Gegner mit einem Aufwärtsschwung in die Höhe katapultiert, um ihm mit einem seitlichen Streich den Gar aus zu machen, kann der Spieler nicht anders, als eine Art Genugtuung zu verspüren. Nicht an der Mordlust und dem Vernichten der Gegner, sondern schlicht und ergreifend an der gelungen ausgeführten Bewegung. Leider verkommt das elegante Schwingen des Schwertes spätestens beim zweiten Raum voller Gegner zu einem wahrlosen Schütteln der Wiimote. Diese Phänomen ist bei vielen Wii-Spielen zu beobachten. Häufig ist die Bewegungsabfrage der Spiele so schwammig, dass eine unwillkürliche Bewegung reicht um die Aufgabe zu erfüllen. Zumindest in der ersten Hälfte des Spiels ist dies auch bei "Soulcalibur Legends" der Fall. Hier bringen die Feinde kaum Gegenwehr auf und sind mit ein paar Schlägen schnell im Pixeljenseits. Das ändert sich auch im Fortschreiten der Geschichte nicht sonderlich. Ein paar Gegner sind zwar leichter mit bestimmten Techniken zu besiegen, aber alles in allem sind die Massen von Gegner kein größeres Problem. So mühelos, wie die Bösewichter in die Flucht geschlagen werden, war wohl auch die Gestaltung eben dieser. Die Heerscharen von grob animierten und mit wenig Liebe zum Detail in Szene gesetzten Widersachern missfielen auch den Testern. So einer unserer Tester (14 Jahre): "[...]da kommen die ganze Zeit nur Skelette!"
Im Gegensatz zu dem Einheitsbrei der kleinen Feinde, stehen die imposanten Levelendgegner. Ein bildschirmfüllender Drache verursachte diverse Respektbekundungen wie "Boah!" und "Voll das Megavieh!" 
In der Tat sind die Endgegnerkämpfe eine erfrischende Abwechslung in der Schwertschwingerei. Sie erfordern ein gewisses Maß an taktischem Denken und das Einprägen von Bewegungsmustern der manchmal riesigen Höllenbrut. Ähnlich der schönen Endgegnercharaktere sind die steuerbaren Helden ebenfalls sehr detailliert gestaltet und animiert. Hier fällt nur die, zwar für die Soulcalibur -Reihe typische, aber nichtsdestotrotz übertriebene Zeichnung der weiblichen Charaktere negativ ins Gewicht. So erinnert die äußerst vollbusige "Ivy" eher an eine Dame aus der Lack- und Lederbranche, als an eine Kriegerin des Mittelalters. Ob der übertriebenen Darstellung, werden Frauen zu jeder Zeit im Spiel als ebenbürtige und mächtige Gegner/Verbündete erlebt bzw. gesteuert. In punkto Gewaltdarstellung verzichtet das Spiel völlig auf Blut oder Sterbeanimationen. Alle Gegner sind abstrakte Fantasiewesen und bleiben nach dem Dahinscheiden nicht liegen, sondern lösen sich sofort in Luft auf. Bei den Massen an den ewig gleichen Widersachern, wäre Boden sonst auch schnell mit Pixelleichen übersät.  
Dies führt uns zu dem größten Manko von "Soul Calibur Legends": Mit Ausnahme der Endgegnerkämpfe passiert immer das Selbe! Gehe in einen Raum mit Feinden, mache alle Feinde nieder, löse ein überaus simples Schalterrätsel, gehe in den nächsten Raum, mache alle Feinde nieder usw. Alle unsere Tester haben diese "Eintönigkeit" vehement bemängelt. Manchmal übertrifft das Spiel sich selber und integriert ein Zeitlimit in den Raum-Feinde-Raum-Rhythmus. Dann heißt es: Schnell in einen Raum, schnell die Feinde nieder machen usw. 
Vielleicht könnte man über das minimalistische Wegesystem hinwegsehen, wenn es eine tolle Umgebung zu bestaunen gäbe. Leider ist das Leveldesign, gelinde gesagt, als "lieblos" zu bezeichnen. Leere Korridore mit nichts außer schäbigen Wänden und ein paar Fässern, werden abgelöst von Räumen mit exakt den selben Texturen. Zwar kann man sich schlecht bei der Gradlinigkeit des Weges verlaufen, doch möglich wäre es schon, da sich die meisten Räume sehr stark ähneln. Wahrscheinlich um Zeit und Geld zu sparen, schicken die Entwickler den Spieler auch öfters in einen bereits besuchten Level zurück. Hierbei verändern sich dann lediglich die Laufwege. Level, welche sich wirklich voneinander unterscheiden kann man an 10 Fingern abzählen. Thematisch passt die Gestaltung aber relativ gut in das fiktive mittelalterliche Setting des Spiels. Seien es alte Kathedralen, Schlachtfelder oder tatsächlich das Haus von Leonardo da Vinci, jeder Ort wirkt laut eines Testers (14) " kalt und düster." Untermalt wird die kriegerische Atmosphäre durch einen passenden Soundtrack voller orchestraler Arrangements.  

Trotz der vielen kleinen Versuche der Motivationssteigerung (wie das Rangsystem, freispielbarer Charakter, Waffen und Level) kann "Soul Calibur Legends" den einzelnen Spieler nicht übermäßig lange fesseln. Bei der ewig selben Levelstruktur bleibt der Ehrgeiz irgendwann doch auf der Strecke. Die im Grunde solide Story um die zwei beseelten Schwerter und den einsamen Krieger Siegfried, kann zu Beginn mit sehr stilvoll animierten Videosequenzen punkten, wird aber schnell in Form von langatmigen Textdialogen zur absoluten Nebensache. Somit bleibt zur letzten Rettung des Spielspaßes nur der Multiplayermodus: Dieser besteht aus drei Teilen. Mit einem Freund kann man einzelne Quests bestreiten, im Wettkampf Feinde um die Wette aus dem Weg räumen oder im Duellmodus gegeneinander antreten. Wie so oft, kann man eher über gröbere Spielfehler hinwegsehen, wenn ein oder mehrere Freunde mit in den Kampf ziehen.  
Im Kooperationsmodus werden Quests aus dem Singleplayermodus noch einmal mit einem zweiten Spieler angegangen. Der Bildschirm wird geteilt und zusammen wird gegen die bösen Horden gekämpft. Die einst so unspektakulären Welten wirken in Kooperation viel spannender. Schnell entwickelten sich bei unseren Testern team-technische Dialoge wie: "Nimm du den Heiltrank, ich habe noch mehr Energie!" oder "Ich mach das schon, du bist schon zu geschwächt." Zu unserem Unverständnis sind nur einzelne Quests mit einem Partner spielbar. Dabei wäre es doch eine Leichtes gewesen einen Kooperationsmodus für die gesamte Geschichte zu integrieren. 

Fazit:
"Soul Calibur Legends" vermag für kurze Zeit den Spieler in seinen Bann zu ziehen. Dabei schlägt es nicht nach seinen brillanten Serienvorgängern, welche mit genialer Steuerung und fantasievollem Design begeisterten. Die nette Steuerung und kurzen Quests sind zwar optimal für 10 Minuten "an Skeletten abreagieren," hingegen für eine längeres Eintauchen in das Soulcalibur-Universum sind Story und Gameplay einfach zu dürftig. Spieler ab 14 Jahren sollten auf Grund der comicartigen Darstellung gut mit dem Gesehenen umgehen können. Trotzdem bleibt die Grundaussage des Spiels diskussionswürdig: Ein Held, der sich mit einem dämonischen Schwert durch die Welt kämpft um des Schwertes Kraft zu vergrößern.
Die Frage ist, was wird er noch in Kauf nehmen um seine Ziele zu verwirklichen.

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Spieletester
OT St. Anna Ehrenfeld
Köln
Bewertung Spielspass