Spore Helden

Genre
Action-Adventure
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2009.10
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Solides Actionabenteuer mit ungemein kreativem und spaßigem Monstereditor
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
EA wirft mit "Spore Helden" im Herbst 2009 eine abgespeckte Konsolen-Version seiner, vom SIMS-Entwicklerstudio Maxis ursprünglich für den PC produzierten, Monsterevolution auf den Markt.
Meteoritenabstürze verändern das Leben auf einem uns unbekannten friedlichen Planeten. Das Wesen der Ureinwohner verwandelt sich dabei immens - blaue Meteoritenteile befördern die Evolution der Kreaturen, rote hingegen lassen die eigentlich friedlichen Bewohner entgegen ihrem Naturell handeln. In einem der blauen Gesteinsbrocken befindet sich jedoch ein Ei, aus dem der Held schlüpft, der die Ordnung auf dem fernen Planeten wiederherstellen soll. Unser vermeintlicher Held ist zunächst recht minimalistisch gestaltet - eine Kugel als Körper, zwei riesige Glubschaugen sowie ein Paar klobige Treter. Es liegt nun am Spielenden nicht nur dem Helden, sondern auch der Geschichte eine Kontur zu geben.
Darüber hinaus lassen sich im Monster-Editor weitere Lebensformen kreieren, um diese offline im Zweispielermodus gegeneinander kämpfen zu lassen.

Pädagogische Beurteilung:
Am Anfang war das Lesen
Kaum ist unser ‚Spartaner’ geboren und macht seine ersten Schritte aus dem Nest, erklärt uns ein Monster unter blauem, sprich friedlichem, Einfluss das Spielgeschehen. Es gilt nun Kämpfe zu bestreiten, Rennen zu absolvieren, das Rhythmus-Gefühl unter Beweis zu stellen oder ähnlich kurzweilige Quests zu lösen, um einerseits das eigene Monster ‚aufzumotzen’ und andererseits bestimmte Meteoritenteile zu sammeln, um die Ordnung der Welt wiederherzustellen. Gemeinhin sagt man, dass Satzlängen mit beispielsweise 40, auch mal etwas längeren, Wörtern (s. oben) den Lesefluss nur bedingt unterstützen. Gemeinhin sagt man aber auch, dass Ingame-Videos bzw. Einleitungen in reiner Textform bei vermeintlichen ‚Kinderspielen’ als suboptimal gelten. Die Macher von "Spore Helden" scheinen sich daran nicht gestört zu haben. So waren die Tester schnell von dem langatmigen Texterklärungen frustriert. Die schriftliche Erklärung des Spielprinzips wird dann auch noch durch ein „nach spätestens einer Minute krass nerviges“ „geheimsprachenmäßiges Monstergebrabbel“ torpediert.

Kurze Erkundungstour
„Klick das weg!“ „Geht nicht ... ah jetzt!“ - sobald sich den Kindern der Testergruppe die Möglichkeit bot, wurden die ‚Erklärvideotexte’ übersprungen - „Ich kann auch selbst herausfinden, was ich machen muss!“ So stellten die ersten Schritte wie auch die ersten Quests auf dem neuen Planeten in der Tat keinerlei Hürde dar. Und in der Tat war es kein Problem herauszufinden, was bei den einzelnen, jeweils recht kurzen Aufgabenstellungen gefordert war. Auch das Belohnungssystem, für jeden erfolgreich absolvierten Lauf, Tanz oder Kampf ein weiteres ‚Gimmick’ wie etwa Flügel, ein Horn oder neue Gelenke für unser eigenes Monster zu erhalten, wurde schnell verinnerlicht. Wozu man das alles allerdings genau machen soll, erschloss sich der Gruppe nicht in Gänze.

Fehler (Mehrzahl) im System
Das lag an der Tatsache, dass die Gruppe nur in Teilen willens war, die ‚Videotexteinblendungen’ durchzulesen. Das Problem an dieser These ist, dass es im Grunde egal ist, ob man die Geschichte erfasst oder eben nicht, da die eigentliche Hintergrundgeschichte den weiteren Verlauf des Spiels nur am Rande tangiert und dadurch belanglos erscheint.
Unter Umständen lag es eher daran, dass schlicht zu viele Hürden auf dem ‚Motivationspfad’ zu meistern waren. So macht beispielsweise die quietschbunte, mit exotischen Weltraumpflanzen und Riesenpilzen überwucherte Welt auf den ersten Blick einen hübschen Eindruck. Sobald man das Monster allerdings in Bewegung setzt, ruckelt alles und wirkt selbst in Wii-Maßstäben so flüssig wie Nougatcreme. Auch die eigentlich schön anzusehenden, verschnörkelten Pflanzen wirken auf den zweiten Blick arg pixelig und dadurch verwaschen. "Spore Helden" ist wahrlich kein Augen- und leider auch kein Ohrenschmaus. Die gesamte akustische Untermalung hört sich zeitweise leicht blechern an und wirkt an einigen Stellen lieblos. Musikalisch ist dabei zwar nicht nur Fahrstuhlmusik zu hören, aber leider wirkt das Spiel an einigen Stellen zu pathetisch. Schließt man die Augen und lauscht ein oder zwei Minuten dem Spielgeschehen, kann man schnell den Eindruck bekommen, dass im 30-Sekundentakt etwas Bahnbrechendes geschieht, was dann doch recht weit von der Spielrealität entfernt ist. Abgesehen von diesen teils gravierenden audiovisuellen Mängeln motiviert auch die, zumindest bei Kampfszenen immanent wichtige aber leider hakelige, Bewegungssteuerung via Wii-Remote eher nicht.

Am zweiten Tag schuf ...
„Lass mal lieber kämpfen!“ - die Gruppe entschied sich am zweiten Testtag einstimmig dafür, dem Story-Modus den Rücken zu kehren und sich dem Mehrspielerbereich zuzuwenden. Es blieb beim Entschluss. Das Betreten der Arena beinhaltet die Möglichkeit, eigene Monster zu kreieren. Halbmondkörper, Giraffenbeine, Ziegenmaul, Bienenstachel oder Feenflügel - intuitiv und begeistert bastelten die Kinder an ungemein fantasiereichen, teils auch skurrilen Kreaturen. Es musste also ein weiterer Testtag herhalten, um den Zweispielerbereich zu testen, da so ein „Monsterchen“ nicht so schnell erschaffen ist. Dass der eigentlich Kampftag dann wiederum mau verlief, unter anderem bedingt durch die hakelige Steuerung, ließ die unverhofft aufgekeimte Motivation wieder schwinden. „Häh? Die Figur kann ja gar nichts!“ - auch die Tatsache, dass das Spiel in diesem Modus Elemente von Beat ’em ups aufgreift, sie aber ihren Standards beraubt, wirkte hier und da demotivierend.

Fazit:
Technisch ist "Spore Helden" wahrlich kein Meilenstein und wurde innerhalb der Testergruppe mit sehr gemischten Gefühlen wahrgenommen. Als Action-Adventure mit Beat ’em up-Elementen funktionierte es nur zeitweise. Zu groß wogen neben technischen Mängeln der Lesezwang und die Belanglosigkeit der Story. Eindeutig besser kam der Monstereditor an, in dem man dem Spiel die Erfahrung des Entwicklerstudios Maxis aus zahlreichen SIMS-Lebenssimulationen anmerkt.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass