Test Drive Unlimited 2

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Bandai Namco
Erscheinungsjahr
2011.02
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Unglaublich umfangreiches, jedoch technisch mäßiges Autorennspiel
Gruppenleiter
Koray Çoban
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Atari, die Konsolenschmiede aus längst vergangenen Zeiten, bringt mit „Test Drive Unlimited 2" („TDU2") die nun mittlerweile 20. Fortsetzung der ‚Testfahrten'. Wie der Name schon erahnen lässt, ist „TDU2" gleichzeitig auch der zweite Teil einer ‚neuen' Reihe von Testfahrten. Die Rennsimulation ging gewissermaßen 2007 online und versuchte eine Art neues Genre zu etablieren: das M.O.O.R. (Massively Open Online Racing), bei dem im Grunde der Fokus auf Onlineaktivitäten gelegt wird. Man tritt in verschiedensten Spielmodi, beispielsweise Verfolgungsjagden oder Rennen, online gegeneinander an. Der Variantenreichtum des Fahrerlebnisses scheint dadurch grenzenlos, da man eben nicht auf die KI des Spiels angewiesen ist und sich stets mit anderen Spielern weltweit messen kann. Zudem werden automatische Updates des Inhalts in Form von zum Beispiel neuen Herausforderungen, Autos oder Funktionen nahtlos On- wie Offline integriert. Leider konnte dieser durchaus interessante, wenn auch mittlerweile nicht mehr gar so innovative Bereich des Spiels, beim Test mangels Onlinezugang nicht berücksichtigt werden. Unser Test beschränkte sich daher auf die Offlineinhalte für Einzelspieler. Letztlich lassen sich natürlich dennoch diverse Rückschlüsse auf den möglichen Mehrspielerspaß ziehen, da sich grundlegende Elemente, wie etwa audiovisuelle Präsentation, Steuerung und Fahrverhalten oder natürlich die Altersempfehlung, auch in diesem kaum verändern werden.
Die Hintergrundgeschichte von „Test Drive Unlimited 2" ist, wie es sich für ein Rennspiel fast schon gehört, schnell erzählt. Man schlüpft in die Rolle eines Einparkers, dessen Job aufgrund einiger Nachlässigkeiten auf der Kippe steht. Die Besitzerin des Hotels bietet genau diesem kleinen ‚Tellerwäscher' einen Deal an, sollte er es schaffen sie pünktlich zu ihrem PR-Termin zu kutschieren, winkt ein Startplatz beim „Solar Crown" - der Rennserie schlechthin. Der Weg zum ‚Millionär' ist nun geebnet. In klassischer Rennspiel-Manier gilt es nun sich langsam von den untersten Fahrzeugklassen Rennen für Rennen nach oben zu arbeiten. Natürlich gilt dabei: je höher die Klasse, desto höher das Preisgeld, mitunter jedoch auch der Schwierigkeitsgrad. Anschließende Partys in einem Pulk meist leicht bekleideter Mädchen mit der gleisenden Sonne im Hintergrund dürfen da selbstverständlich auch nicht fehlen. Ohnehin bietet das Spiel dem geneigten ‚Testfahrer', neben PS-starken Spielmodi, vergleichsweise viel Lifestyle-Elemente à la „SIMS". Freibegehbare Häuser, schicke Kleidung oder gar Schmuck gehören scheinbar zum Grundstock eines jeden Rennfahrers. Gefahren oder ‚gesimst' wird „TDU 2" auf Ibiza und im weiteren Spielverlauf auf der, bereits aus Teil Eins bekannten, hawaiianischen Insel Oahu.

Pädagogische Beurteilung:
Gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten
„Test Drive Unlimited 2" ordnet sich selbst irgendwo zwischen einer waschechten Simulation und einem spaßigen Arcade-Racer ein. Leider wirkt sich dieses ‚Nicht-Festlegen' auf ein Spielprinzip durchaus negativ auf das Fahrverhalten der PS-Boliden aus. Die Fahrphysik der Autos schwankt dadurch ständig zwischen realistisch und eher anspruchsvoll oder unrealistisch, spaßig und eher einfach, ohne sich dabei für eine Art des Fahrens zu entscheiden. So fährt man ab und an selbst durch engste Haarnadelkurven wie auf Schienen, nur um in der nächsten noch so kleinen Kurve die Kontrolle komplett zu verlieren. Erstaunlicherweise wirken sich hierbei ein und dieselben Fehler wie etwa zu hektische Lenk- oder Gasbewegungen jeweils unterschiedlich aus. In der Testergruppe wurde dieses Manko leicht frustriert registriert. Der ohnehin, zumindest für jüngere Spieler bis etwa zehn Jahren, etwas zu hohe Schwierigkeitsgrad gestaltete sich durch diese durchaus unausgegoren wirkende Steuerung zu einem echten Problem. Kritische Äußerungen, wie etwa „Was hab ich denn jetzt falsch gemacht?" oder „Wieso fährt der nicht, wie ich es will?", waren spätestens am zweiten Testtag an der Tagesordnung. Fraglich, ob die in drei Schwierigkeitsstufen regulierbare Steuerung, nach intensiver Nutzung des Spiels flüssiger von der Hand geht.

Biedere Präsentation
Die audiovisuelle Präsentation von „TDU 2" lässt sich mit den Worten ‚Licht und viel Schatten' umschreiben. Während am Tage hier und da so etwas wie grafische Finesse in Form von ansehnlichen Aussichten oder gekonnt in Szene gesetzten Sonnenreflektionen zu erahnen sind, ist der Anblick der Nacht dunkel, sehr dunkel. Von jedweder grafischer Finesse, die einem wenigstens in Ansätzen eine HD-Grafik vorgaukelt, ist spätestens im Dunkeln nichts mehr zu sehen. Stattdessen nur noch matschige Texturen, teils heftiges Kantenflimmern, massive Ruckler beim Nachladen der Grafik und sehr fragwürdige Eigenschaften der dargestellten Objekte. Ein Schaden am Auto ist erst nach mehreren Unfällen zu erahnen, ein mit ‚Karacho' gerammter Baum erhält nicht eine, noch so kleine Schramme, Städte ohne Einwohner, steif und hölzern wirkende Charaktere... - die grafische Mängelliste könnte problemlos einige Textseiten füllen und wirft einige Fragen auf, inwiefern die Grafik-Engine im Vergleich zu Teil Eins verbessert wurde. Unausgereift wirkt auch der Sound von „Test Drive". Auto- und Motorgeräusche aus der Konserve, standartmäßiges Elektrogedudel, zu keinem Zeitpunkt synchron wirkende Lippen bei Gesprächen und zudem eine schwache deutsche Synchronisation verschmelzen fast schon gekonnt mit der ohnehin höchstbiederen Grafik.

„Boah, hat die Titten!"
Abgesehen von der wirklich langen audiovisuellen Mängelliste, wirft die Präsentation des Spiels auch durchaus die Frage auf, inwiefern man sein Kind dem vom Spiel suggerierten ‚Lifestyle' aussetzen möchte. Nun sind Frauen als Sexobjekte und Statussymbole in Form von PS-starken Autos kein Alleinstellungsmerkmal von „TDU 2", jedoch rückt hier vor allem durch den erhöhten ‚Sims-Anteil' eben dieser mit in den Vordergrund. Natürlich sind Kinder heute massenmedial bedingt, vor allem durch das Medium Internet und das Fernsehen, mit weitaus bedenklicheren Inhalten konfrontiert, nur stellt sich die Frage, ob man als Elternteil diese Inhalte durch den Kauf eines vermeintlich harmlosen, da offiziell ab sechs freigegebenen, Spiels unterstützen will. Hat man sich, trotz dieses leicht fragwürdigen Inhalts, für einen Kauf entschieden, sollte man sich auf, aus dem Mund eines Kindes, eher ungewöhnliche Äußerungen gefasst machen - die Länge des Rockes oder die Körbchengröße der leicht bekleideten Damen sind dabei noch die eher harmloseren Themengebiete.

Unglaublich umfang- und facettenreiche Spielewelt
Die Frage, wie lang man sich mit ‚Testfahrten' beschäftigen wird, lässt nur zwei Antwortmöglichkeiten zu. Entweder man reibt sich an der unendlich lang erscheinenden technischen Mängelliste und hakt das Spiel so schnell wie möglich unter der Kategorie ‚muss man nicht gespielt haben' ab. Oder aber, man schafft es diese Mängel gekonnt zu ignorieren, und kann ein teils fasziniert großes und ideenreiches Spiel genießen. Selbst offline können dann über 3000 Kilometer befahrbare Strecken, knapp ein Drittel davon Offroad, rund 100 Originalautos, zahlreiche, durchaus unterschiedliche Rennevents, etliche ‚Lifestyle-Elemente', sowie unterschiedlichste Belohnungssysteme beispielsweise in Form von Geld für gelungene Fahrmanöver, wochen- oder gar monatelangen Spielspaß garantieren. Die Testergruppe konnte sich jedoch nur bedingt mit der etwas eigenwilligen Steuerung arrangieren, so dass selbst die Fahrt zum nächsten Rennevent meist als unerwünschte Zeitverschwendung empfunden wurde.

Fazit:
„Test Drive Unlimited 2" ist ein unglaublich umfangreiches Autorennspiel, welches sich irgendwo zwischen Arcade und Simulation einordnet. Leider befindet sich, trotz, vielleicht auch aufgrund, des gigantischen Spieleumfangs, die mit reichlich ‚Lifestyle-Elemente' garnierte Atmosphäre, die audiovisuelle Präsentation und die Steuerung technisch auf mäßigem Niveau. Das Spiel wirkt technisch unausgereift und dadurch weder besonders realistisch, noch
spaßig flott. Durch einen etwas erhöhten Schwierigkeitsgrad und durch die Zuschaustellung eines, mild formuliert, eher ‚proletenhaften' Lebensstils, ist „TDU 2" für Kinder unter zehn Jahren nur bedingt geeignet.

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Spieletester
Ü8 Elsa-Brandström-Schule Düsseldorf
Düsseldorf
Bewertung Spielspass