Gothic 3

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
JoWooD
Erscheinungsjahr
2006.10
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Komplexes Rollenspiel mit riesiger Spielwelt
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Im Jahr 2001 erschien mit dem ersten Teil der Gothic-Reihe eine wirkliche Überraschung auf dem deutschen Spielmarkt. Die neuartige Verbindung aus herkömmlichen Rollenspiel- und Actionelementen faszinierte und machte die ersten beiden Gothic-Teile zu einem weltweiten kommerziellen Erfolg. Noch heute, fast sechs Jahren nach der Veröffentlichung von Gothic, pflegt der deutsche Rollenspielklassiker eine riesige Fangemeinde. Gothic 3 ist somit die logische Konsequenz, und knüpft auch mit seiner Handlung direkt an die Ereignisse des zweiten Teils an.
Der Spieler schlüpft in die Rolle des "namenlosen Helden". Schon in den beiden ersten Teilen spielte die Geschichte immer wieder mit dieser geheimnisvollen Anonymität und offenbart nur bisweilen Hinweise auf Herkunft und Autobiografie des Protagonisten. In der riesigen und detailreichen Fantasywelt steuert der Spieler den Helden mit Maus und Tastatur aus einer Third-Person- oder wahlweise First-Person-Perspektive heraus durch das Abenteuer. In einem Krieg zwischen Menschen und Orks muss sich der Spieler zunächst für eine der beiden Seite entscheiden und fortan Aufträge für seine Partei ausführen. Neben diesen für die Handlung wichtigen Aufgaben, kann der Spieler auch kleinere Aufträge annehmen, so genannte Questen. Diese müssen nicht obligatorisch erledigt werden, verschaffen dem Spieler aber gewisse Vorteile in Form von Fähigkeiten, Tauschwaren oder Gold. Das Erlegen von Hirschen oder das Sammeln einer bestimmten Menge Brennholz wären Beispiele für diese Art der Nebenhandlungen. Für absolvierte Aufgaben und besiegte Gegner erhält der Spieler Lernpunkte, mit denen er bei Lehrmeistern seine Fähigkeiten (in Form von Werten in einer Fähigkeitentabelle) im Laufe des Spiels immer weiter ausbauen kann. Verbesserte Fähigkeitswerte verschaffen dem Helden die Möglichkeit, z.B. bessere und mächtigere Waffen oder Ausrüstungsgegenstände zu benutzen. Ziel des Spiels ist es den Magier Xardas zu finden, da dieser für den Aufstand der Orks verantwortlich zu sein scheint.

Pädagogische Beurteilung:
Vom Action-Rollenspiel "Gothic 3" fühlten sich ausnahmslos männliche Jugendliche angesprochen. Viele kannten bereits die beiden Vorgänger. Schon bei der Installation fiel der technisch unvollständige Zustand des Spiels auf. Auf einigen unserer Testrechner wollte Gothic 3 sich nicht problemlos installieren lassen. Auf anderen Rechnern wurde der notwendige Patch nicht automatisch geladen, so dass er von Hand heruntergeladen und installiert werden musste.
Während des Spielens hatten unsere Tester zudem mit verschiedensten Problemen zu kämpfen. Zerstörte Speicherstände, Fehler in der Geschichte oder komplette Abstürze der Computer machten ein Weiterspielen stellenweise unmöglich. Zudem benötigt "Gothic 3" eine enorme Hardwareanforderung, die das Spielen auf Mittelklasserechnern nur mit einer niedrigen Auflösung und reduzierten Details überhaupt spielbar werden lässt. Die jugendlichen Tester waren sehr darüber enttäuscht, dass sie das Spiel auf ihren eigenen Computern zuhause nur mit großen Einschränkungen auf Kosten des Spielspaßes spielen konnten.
Auch zum jetzigen Zeitpunkt, nach dem Erscheinen des dritten Patches, scheinen noch nicht alle Fehler behoben. Jedoch treten vor allem die technischen Probleme deutlich seltener auf als zum Erscheinungszeitpunkt. Viele der Jugendlichen hatten durch die massiv auftretenden Probleme schon nach kurzer Zeit keine Lust mehr das Spiel zu testen. "Wenn das Spiel alle 20 Minuten abstürzt, habe ich einfach keine Lust das weiterzuspielen!" (Spieler, 13 Jahre)

Nach einem kurzen Einführungsvideo steht der Spieler unvermittelt in einem kleinen Dorf und befindet sich in Mitten eines Kampfes mit Orks. Nachdem diese besiegt sind, kann der Spieler fortan selber entscheiden was er als Nächstes tut. Das Spiel bietet so gut wie keine Hilfen beim Einstieg. Viele der unerfahreneren Spieler waren mit der Handlungsfrei vollkommen überfordert. Ein Tutorial vermissten die Spieler ebenso wie Hilfen innerhalb des Spiels. Für eine riesige, frei begehbare Fantasywelt bietet Gothic 3 dem Spieler zu wenig Anhaltspunkte und Hinweise darauf, welche Schritte er weiter unternehmen soll, um in der Handlung sinnvoll voran zu kommen. Aussagen wie "Ich weiß nicht wo ich hin muss" oder "Wenn ich nicht die beiden ersten Teile gespielt hätte, wüsste ich gar nicht worum es hier überhaupt geht" bezeugten schon zu Beginn die Orientierungslosigkeit vieler Tester. Jugendliche mit wenig Geduld brachen deshalb bereits nach kurzer Spieldauer den Test ab.
Die Steuerung des Spiels erfolgt über eine Kombination aus Maus und Tastatur. Sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene kamen mit dieser Form der Steuerung problemlos zurecht. Lediglich in den Kämpfen erfordert die Kombination beider Steuergeräte eine gewisse Übung. Die Spielwelt wurde von den Testern fast ausschließlich gelobt. Das riesige Szenario mit seinen vielen kleinen Details wirkt äußerst belebt. Es bietet auch den Spielern, die sich gerne fernab der Hauptgeschichte bewegen, viele Orte zum Entdecken. Die Tester merkten jedoch an, dass sie einige Dinge bei den Vorgängerteilen besser gelöst fanden. "Vieles wirkt einfach wie durch Zufall platziert. Dies Gefühl hatte ich in den beiden Teilen vorher nie!" (Spieler, 14) Zudem zerstörten viele technische Fehler, wie z.B. übermächtige Wildschweine, den Eindruck einer korrekt funktionierenden Spielwelt.

Die grafische Umsetzung der Fantasy-Umgebung fanden alle Tester sehr gelungen. Die Spielwelt bietet unheimlich viele Details und besonders die Gestalt der Landschaft verblüffte. Es gibt Wälder, Berge und Wüsten, die allesamt stimmig und farbenprächtig komponiert wurden. Die Charaktere sind sehr gut animiert und mit ihren Individuellen Gesichtszügen gut voneinander zu unterscheiden. "Es ist super, dass man so weit schauen kann und es so viele Kleinigkeiten zu sehen gibt!" (Spieler, 14) Der Sound spielte in der Bewertung eher eine untergeordnete Rolle und wurde von den Jugendlichen weder als besonders gut noch als besonders schlecht wahrgenommen.
"Gothic 3" setzt beim Spielprinzip voll und ganz auf Altbekanntes. Den Helden durch das Sammeln von Erfahrungspunkten mächtiger werden zu lassen, übt besonders auf männliche Jugendliche einen sehr großen Reiz aus. Die besten Waffen und Rüstungen zu tragen sind das eigentliche Ziel das die Tester verfolgten. Das Ziel der Geschichte rückte dabei oft in den Hintergrund oder wurde bewusst vernachlässigt. Leider wurde das Spielprinzip nicht konsequent umgesetzt. Es macht fast keinen Unterschied, ob man mit einer minderwertigen Waffe kämpft oder z.B. mit einem besonders guten Schwert. Zudem sind die guten Waffen recht schnell zu bekommen, so dass die Motivation nach weiteren Waffen oder Ausrüstungsgegenständen zu suchen recht schnell abnimmt. "Warum soll ich denn andere Waffen ausprobieren, wenn ich mit der Standardwaffe gut klarkomme?" (Spieler, 14) Auch in Bezug auf verschiedenen Rüstungen und Schilde hatten die Tester das Gefühl, beim Tragen keinen wirklichen Unterschied zu bemerken. Hier vermutete die Testergruppe, dass das Spiel vor der Veröffentlich nicht ausgiebig genug hinsichtlich der Spieldynamik getestet wurde. Durch diese Fehler machte auch das Steigern einiger Charakterattribute des Helden wenig Sinn. Wenn die Gegenstände in einer Spielwelt sich gegenseitig beeinflussen sollen, muss sichergestellt sein, dass diese verschiedenen Einflüsse auch einen spieldynamischen Sinn ergeben. Diesen konnten die Tester in der vorliegenden Version oft nicht erkennen.
"Gothic 3" schafft es im Bereich der Spielaufgaben nicht, die Abwechslung und den Einfallsreichtum der beiden Vorgänger zu erreichen. Oft bestehen Aufgaben nur darin, eine bestimmte Menge Gegner zu töten oder eine bestimmte Anzahl Gegenständen zu beschaffen. Nach kurzer Zeit fiel den Jugendlichen die Abnahme der Qualität der Rätsel deutlich auf. "Eigentlich hat das die Gothic-Reihe immer ausgemacht!", war die Kernaussage der Tester. "Dann doch lieber eine kleinere Welt, dafür aber mit mehr Liebe gestaltet!" merkten die Jugendlichen zudem an. Zu selten ist es möglich, Aufgaben auf verschiedenem Wege zu lösen. In den meisten Fällen ist der gewaltsame Konflikt die einzige Möglichkeit weiterzukommen. Die Kämpfe sind in ihrer grafischen Gestaltung zurückhaltend. Es gibt kein Blut, und auch das Abtrennen von Körperteilen ist nicht möglich. Durch den massiven Einsatz von Gewalt, auch gegen wehrlos am Boden liegende Gegner, kommt die "Pan-European Game Information"[1] zu einer "ab 16 Jahren" - Empfehlung, die USK dagegen erteilt "Gothic 3" eine Freigabe ab 12 Jahren. Die Jugendlichen in unseren Testergruppen konnten sehr gut zwischen realer und der im Spiel dargestellten Gewalt differenzieren. Ältere Spieler hatten keine Probleme, die Gewalt in Gothic 3 als Teil eines Spiels zu verstehen, dessen mittelalterliches Flair diese Art der körperlichen Auseinandersetzung fordert. Besonders Eltern jüngerer Spieler sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass es in diesem Spiel vorwiegend um Gewalt gegen Menschen geht. Es sollte für den individuellen Fall entscheiden werden, ob das Kind in der Lage ist, hiermit vernünftig umzugehen.
Das Gesamtfazit der Tester viel negativer aus, als viele der Jugendlichen es zu Beginn des Testes erwartet hatten. Die Vorfreude auf das Spiel war groß und wurde schnell von den vielen technischen Fehlern getrübt. Die riesige Spielwelt wurde mit einem Qualitätsverlust erkauft, und die Charakterentwicklung wirkt letztlich nicht ausgereift. Trotz all dieser Kritikpunkte wirkt Gothic 3 doch nach wie vor einen beständigen Reiz auf die Jugendlichen aus. In nachfolgenden Testsitzungen wurde das Spiel immer wieder gestartet, um einen weiteren Teil der riesigen Spielwelt erforschen zu können und den Helden weiterzuentwickeln. Fans der Gothic-Reihe und Spieler mit einer langen Ausdauer konnten die negativen Aspekte nicht an einem Weiterspielen hindern. "Wer die ersten beiden Teile jedoch nie gespielt hat, sollte lieber die spielen, sie sind es trotz der alten Grafik wert!" (Spieler, 14)

[1] zur Info: Pan-European Game Information (kurz PEGI) ist das erste europaweite Alterseinstufungssystem für Computerspiele und wird von der Interaktiven Softwareföderation Europas (ISFE) verwaltet. Für die praktische Umsetzung des PEGI-Systems ist das niederländische Institut für die Klassifizierung audiovisueller Medien (NICAM) zuständig. –Quelle: Wikipedia http://www.pegi.info/pegi/index.do -