Käpt'n Säbelzahn

Genre
Jump&Run
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Brain Game
Erscheinungsjahr
2006.12
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Jump&Runl für Kinder im Grundschulalter
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:

Der Spieltyp des Spiels "Käpt'n Säbelzahn" liegt irgendwo zwischen Jump'n'Run und Actionandventure. Die sehr einfach gehaltene Handlung des Spiels ist schnell erzählt: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Piratenjungen. Dieser muss seinem Kapitän alle Teile einer Schatzkarte suchen, um endgültig in dessen Mannschaft aufgenommen zu werden. Um an die Orte zu gelangen, an denen die einzelnen Teile versteckt liegen, müssen wiederum zuerst andere Utensilien gefunden werden. Zusätzlich gilt es, so viel Gold wie möglich unterwegs einzusammeln. Schafft es der Spieler sogar alle Goldstücke einzusammeln, erhält er eine ausdruckbare Seeräuberurkunde zur Belohnung.

Pädagogische Beurteilung:

Eine klare Einordnung des Spiels in ein Genre gestaltet sich bei "Käpt'n Säbelzahn" schwer, da die Anforderungen des Spiels an den Spieler insgesamt sehr gering sind. Für ein Actionadventure ist einfach zu wenig Interaktion mit anderen Figuren im Spiel enthalten. Zeitdruck ist ebenfalls keiner vorhanden und klare Aufträge sind Mangelware. Kämpferische Aspekte und einfache Geschicklichkeitspassagen gibt es zwar - für ein echtes Jump'n'Run-Spiel fehlt es jedoch an wirklich kniffeligen Herausforderungen. Über eine klare Genrezuordnung scheint sich auch der Hersteller nicht ganz im Klaren zu sein: Auf der Verpackung wird das Spiel als Jump'n'Run-Spiel geführt. Auf Braingames Homepage wird es jedoch als Actionadventure angepriesen. Die Ursache für die sehr geringen Anforderungen an den Spieler dürfte in der vom Hersteller angepeilten Alterklasse der Zielgruppe liegen. Von der USK  wurde das Spiel ohne Altersbeschränkung freigegeben, der Hersteller selber gibt auf der Packung jedoch ein empfohlenes Alter von sechs Jahren an. Die Sprachausgabe des Spiels wird für Kinder ab 4 Jahren vorgeschlagen. Ob so junge Kinder allerdings wirklich in der Lage sind ein solches Spiel zu spielen, ist zur Diskussion zu stellen. Die Altersangabe von sechs Jahren ist hingegen realistisch.

Die Jungen und Mädchen der Testgruppe im Alter von 6 bis 11 Jahren waren von dem Spiel jedenfalls begeistert und konnten sich kaum davon trennen. Im Praxistest auffallend waren besonders die extrem unterschiedlich ausfallenden Wertungen in Abhängigkeit vom Alter der Spieler. Jüngere Spieletester waren mit "Käpt'n Säbelzhan" rundum zufrieden und vergaben sowohl für die grafische Gestaltung als auch für Sound und Steuerung Bestnoten. Vor lauter Spielspaß fiel ihnen die technisch teilweise extrem schlechte Umsetzung nicht auf. Ältere Spieletester ab zwölf Jahren hatten deutlich höhere technische Ansprüche und bewerteten die Grafik und Steuerung als schlecht. Den Sound empfanden sie als Zumutung. Von Spielspaß konnte keine Rede sein. Rein objektiv betrachtet, trafen die älteren Spieletester in Bezug auf die technischen Eckdaten den Nagel auf den Kopf.

Die Grafik ist sehr schlicht gehalten. So bestehen Wälder beispielsweise aus Wänden, die im Walddesign 'angepinselt' sind. Wasser ist nicht mehr als eine platte blaue Fläche. Auch der Sound wurde schlecht abgemischt. Hintergrundgeräusche und Musik übertönen regelmäßig die Dialoge der Charaktere. Auch hinweise und das Tutorial verlieren auf diese Weise an Wirkung. Die Videosequenzen sind teilweise verrauscht und übersteuert. Die Steuerung des Spiels erfolgt über die Tastatur und die Maus, jedoch ist die Tastenbelegung dabei festgelegt und beschränkt sich auf 5 Tasten. Joysticks oder Gamepads, die für dieses Genre die übliche Steuerung darstellen, werden gar nicht erst unterstützt.

Die gesamten Einstellungsmöglichkeiten des Spiels beschränken sich auf die Auswahl der grafischen Auflösung und die Wahl eines von drei Schwierigkeitsgraden. Worin der Unterschied der verschiedenen Schwierigkeitsgerade im Detail besteht, bleibt offen und unerklärt. Eine gebundene Anleitung fehlt ebenfalls. Insgesamt entspricht das Spiel technisch betrachtet nicht im Geringsten dem Stand der Technik. Aber trotzdem spricht die Wirkung in der Praxis eine ganz eigene Sprache: Die jüngeren Spieler waren von dem Spiel begeistert. Was die älteren und anspruchsvolleren Spieletester als "primitive Grafik" bezeichneten, nahmen die jüngeren Spieletester im positiven Sinne als "sehr übersichtlich" wahr. Selbst die einfach animierten Gegner, die beispielsweise in Form schwarzer Ritter auftauchen, konnten die jüngeren Spiele im ersten Augenblick vor Anspannung in den Stuhl pressen. Langeweile kam nicht auf. Anspannende und actionreiche Passagen wechseln sich gut mit einfachen Geschicklichkeitsteilen und Sammelaufgaben ab.

Die für die Kinder so spannenden Aktionsszenen bestehen aus Kämpfen gegen Diebe, schwarze Ritter und andere Gegner. Gekämpft wird ganz Seeräubergerecht mit Dolchen und Säbel. Positiv anzumerken: Es fließt kein Blut. Besiegte Gegner gehen nicht zu Boden, sondern bleiben mit erhobenen Händen und kreisenden Sternchen über dem Kopf stehen.

Dieses Spiel richtet sich klar an Grundschulkinder und zeigte im Praxistest, wie unterschiedlich die Meinungen von Kindern zu denen Erwachsener sein können. Technische Qualität tritt zurück vor Spielspaß. Insgesamt lässt sich "Käpt´n Säbelzahn" als ein für diese Altersklasse ein zwar relativ einfaches aber dennoch überaus motivierendes Jump'n'Run-Spiel bzw. Actionadventure beschreiben.