Titan Quest

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
THQ
Erscheinungsjahr
2006.06
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Detailreich gestaltetes Action-Rollenspiel mit gradliniger Handlung
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:
Spielbeschreibung: Das Rollenspiel "Titan Quest" führt den Spieler in eine Welt der antiken Sagen und Mythen. Die Titanen sind aus ihrem ewigen Gefängnis entflohen und bringen nun Tod und Verderben über die Erde. Deshalb betrauen die griechischen Götter den Helden mit der Aufgabe, die Welt vor dem drohenden Untergang zu retten.
Genretypisch kämpft sich der Spieler Karte für Karte durch Horden von unterschiedlichen Gegnern, die an die griechische, ägyptische und asiatische Mythologie angelehnt sind. Die Reise führt zu berühmten Orten der Antike, wie dem Labyrinth des Knossos, den Pyramiden von Gizeh oder aber der chinesischen Mauer. Nachdem am Ende der ersten drei Karten die Telkinen (Gehilfen der Titanen) auf den Spieler warteten, trifft er dann im vierten Abschnitt auf dem Olymp, dem Sitz der griechischen Götter, im großen Endkampf auf einen Titanen.
Das Spieldesign orientiert sich stark am Spieleklassiker "Diablo 2". Der Spieler startet ohne besondere Ausrüstung und Fähigkeiten in sein Abenteuer. Jeder getötete Gegner hinterlässt jedoch Ausrüstungsgegenstände und Geld. Die anfänglich einfache Ausrüstung des Helden wird so immer weiter verbessert. Durch Handel kann der Spieler überflüssige Gegenstände verkaufen und mit dem Erlös immer bessere Gegenstände und Heiltränke erwerben.
Mit jedem getöteten Gegner wird der Held erfahrener und erlernt neue Fähigkeiten. Neben der Steigerung der üblichen Attribute wie z.B. Stärke und Intelligenz, hat der Spieler zweimal im Spiel die Möglichkeit, so genannte "Meisterschaften" zu erlernen. So ist es in "Titan Quest" z.B. möglich eine Mischung aus Kämpfer und Magier zu spielen.

Pädagogische Beurteilung:
In unseren Testgruppen fühlten sich ausnahmslos männliche Jugendliche ab 12 Jahren vom Rollenspiel "Titan Quest" angesprochen.
Die jugendlichen Tester äußerten sich schon vorab sehr positiv über den Handlungsrahmen. Die mystische Sagenwelt empfanden sie als gelungene Abwechselung zum genreüblichen Fantasy-Paradigma. "Endlich mal was anderes, da macht es von Anfang an mehr Spaß zu spielen!" (Spieler, 15) Die Geschichte wurde jedoch von den Jugendlichen als nicht besonders wichtig angesehen. "Bei dieser Art Spiel ist die Story eigentlich unwichtig, man rennt eigentlich eh nur von Quest zu Quest!" (Spieler, 13) Die grafische Umsetzung wurde von allen Spielern gleichermaßen gelobt. Besonders die vielen Details, wie das sich im Wind wiegende Gras oder die liebevoll gestalteten Gegner, wurden als besonders gelungen empfunden. Auch die sehr abwechslungsreichen Karten mit ihren unterschiedlichen Landschaften wurden von den Testern als sehr positiv bewertet.
Negativ merkten die Jugendlichen an, dass die Nichtspieler-Charaktere keine Eigenleben zu haben scheinen und immer am gleichen Ort verharrten. Der Eindruck einer lebendigen Welt würde durch ein Eigenleben der Händler und Auftraggeber unterstützt werden. Im Gegensatz zur Grafik waren die Tester vom Sound etwas enttäuscht. Der Eindruck einer lebendigen Welt wird vom Sound nur an wenigen Stellen aufgenommen. Auch die Musik empfanden sie an vielen Stellen zu unimposant. "Die Musik könnte an vielen Stellen ruhig etwas dramatischer sein." (Spieler, 14 Jahre) Die Steuerung erfolgt hauptsächlich mit der Maus. Über die Tastatur werden lediglich verschiedenen Aktionen, wie das Öffnen des Inventars oder das Verwenden eines Heiltranks, gesteuert. Die Steuerung ist leicht zugänglich und bereitete sowohl Experten wie auch Anfängern des Genres keine Schwierigkeiten. Die Einstellung eines Schwierigkeitsgrades ist im eigentlichen Sinn nicht möglich. Jedoch kann der Spieler seinen Held nach Abschluss des Spiels ein zweites und ein drittes Mal in den Kampf gegen die Titanen schicken, wobei alle Gegner in diesen Durchgängen an Kraft und Gefährlichkeit zunehmen. Zudem kann der Held sich in den beiden höheren Schwierigkeitsstufen dem Kampf mit besonders mächtigen fabelhaften Wesen, wie z.B. der Hydra, stellen. Die besten Rüstungen und Waffen lassen sich erst im höchsten Schwierigkeitsgrad erspielen. Dieser ist jedoch nicht unter 40 bis 50 Stunden Spielzeit zu erreichen. Experten und Anfängern des Genres bietet sich dadurch eine interessante Herausforderung.
Die Gewaltdarstellung im Spiel ist trotz des kampflastigen Spielprinzips zurückhaltend. Der Spieler tötet ausnahmslos fabelhafte Gegner. Zudem ist die grafische Darstellung der Kämpfe dezent und maßhaltend. Besiegte Gegner verschwinden nach einiger Zeit und hinterlassen Gegenstände, jedoch kein Blut oder Leichenreste. Das Spiel bietet bedingt durch das Spielprinzip keine Möglichkeit, ohne Gewalt zum Spielziel zu kommen. Die Tester merkten zudem an, dass die zu lösenden Aufgaben ruhig etwas mehr Abwechselung und Logikelemente hätten vertragen können. "Die Quests hören sich unterschiedlich an, sind vom Prinzip aber immer das Gleiche." (Spieler, 14)
Das Spielprinzip begeisterte unsere Tester von Spielbeginn an. Das Kombinieren zweier Berufe bietet den Spielern viele Möglichkeiten zu experimentieren. Die Jugendlichen hatten viel Spaß, indem sie auch einmal ungewöhnliche und nicht nahe liegende Kombinationen ausprobierten. Das Ausrüsten des Charakters wurde mit viel Ehrgeiz betrieben. Insbesondere im Mehrspielermodus wurde untereinander eifrig getauscht und gehandelt, um den eigenen Charakter noch besser auszurüsten. Das Spiel bietet zusätzlich die Möglichkeit, Gegenstände auf magische Weise mit besonderen Eigenschaften, wie z.B. einem Eiszauber, zu versehen. "Epische" oder "legendäre" Ausrüstungsgegenstände zu erhalten motivierte die Tester zusätzlich. "Ziel ist es einfach, dass der Charakter eine coole Ausrüstung hat!" (Spieler, 13)
Machte es den Spielern schon im Einzelspielermodus viel Spaß sich durch die epische Spielwelt zu kämpfen, konnte das Spiel die Jugendlichen im Mehrspielermodus vollends überzeugen. Im Netzwerk kooperativ gegen die Gegnermassen anzutreten, verlieh dem Spiel eine neue motivierende Komponente. Da auch in einer Mehrspielerpartie die Spieler selber für die Aufteilung der gefundenen Gegenstände verantwortlich sind, entwickelte sich nach kurzer Zeit ein reger Tauschhandel. So fragten Magier nach gefundenen Stäben und tauschten diese gegen Rüstungen, die nur dem Krieger weiterhalfen. Zu Beginn des Spiels waren die Spieler sehr darauf bedacht, im Zuge der Umverteilung der Gegenstände individuell nicht zu kurz zu kommen. Nach kurzer Zeit gingen sie jedoch dazu über, ihre Mitspieler freiwillig mit wichtigen Gegenständen zu versorgen. Sie setzten auf diese Weise die gemachte Erfahrung um, dass es nicht immer nur auf den individuellen Vorteil ankommt, sondern auch auf die Stärkung der Gruppe. Bei Mehrspielerpartien über das Internet gibt es keine bereitgestellten Server, auf denen die Spielcharaktere gespeichert und verwaltet werden. Hier herrscht ein anderes Prinzip: Jeder Spieler kann individuell einen Server auf seinem Computer erstellen, auf den dann andere Mitspieler zugreifen können. Gespielt wird mit dem Charakter, der im Einzelspielermodus aufgebaut wurde. Die Tester fanden diese Lösung nicht optimal, da nur die zentrale Lagerung der Charakterdaten beim Hersteller einen echten Schutz vor Betrügern bietet. "Ich möchte halt sicher sein, dass mein Mitspieler seine Sachen auch erspielt und nicht ercheatet [erfuscht] hat!" (Spieler, 15)
"Titan Quest" bewirkte bei allen jugendlichen Spielern, die sich auf das Spiel einließen, eine enorm hohe Motivation aus. Das Sammeln von Gegenständen und das Weiterentwickeln eines Helden faszinierte alle Tester gleichermaßen. Durch das auf Dauer doch recht einseitige Handlungsschema verloren einige Jugendliche nach einigen Stunden Spielzeit die Lust. " Irgendwann wird es einfach langweilig immer nur neue Monster zu töten. Es passiert einfach nichts Neues!" (Spieler, 15) Bei anderen Jugendlichen dagegen ließ die Motivation auch nach Wochen nicht nach. Immer wieder neue Charakterklassen auszuprobieren, noch bessere Gegenstände zu finden oder vorhandenen Helden noch einmal aufsteigen zu lassen, übte einen nicht abreißen wollenden Reiz auf sie aus.
"Titan Quest" ist empfehlenswert für männliche Jugendliche ab 12 Jahren, die Spaß daran haben, einen Helden stetig weiter zu entwickeln, und diesen durch Abenteuer in einer antiken, kampfbetonten Spielwelt zu begleiten.