SimCity 4 Deluxe Edition

Genre
Simulation
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2003.09
Systeme
PC
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Komplexes Aufbaustrategiespiel
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:
Das zuerst auf dem C64 erschienene Spiel "SimCity" wurde bereits 1989 vom Computerspieleentwickler "Maxis" (später "Electronic Arts") für den PC portiert. Es bildet den Ausgangspunkt für viele weitere erfolgreiche Spiele, welche fortan der bekannten Sim-Reihe zugehören. Neben dem ebenfalls sehr erfolgreichen Spiel "Die Sims", in dem das Leben einzelner Personen und kleiner Personengruppen simuliert wird, ist vor allem auch SimCity das Aushängeschild der Serie. Das Spiel ist 2003 in der mittlerweile vierten vollständig überarbeiteten Version erschienen, und seit einiger Zeit sehr preisgünstig als "EA Most Wanted" Version erhältlich.

Sim City ist über die verschiedenen Versionen hinweg seinem Spielprinzip treu geblieben, wurde jedoch in jeder neuen Version um zahlreiche Features erweitert. Als Bürgermeister hat der Spieler die Aufgabe eine Stadt zu gründen, in der sich Einwohner, Gewerbe und Industrie gleichermaßen wohl fühlen. Ausgestattet mit einem vom gewählten Schwierigkeitsgrad abhängigen Anfangskapital, kann der Spieler nun ans Werk gehen. Zunächst muss Bauland für verschiedene Zwecke ausgewiesen werden. Es gibt verschiedene Arten von Bauland: Wohngebiete, Gewerbeflächen und Flächen für die Industrie. Eine Eigenheit von SimCity: Gebäude kann der Spieler nicht selber errichten. Häuser und Industrieanlagen entstehen von ganz alleine nach Bedarf auf den hierfür Ausgewiesenen Flächen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Bedingungen stimmen. Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung des Spiels: Im Schaffen möglichst idealer Bedingungen für die Bewohner einer Stadt. Hier gilt es abzuwägen. Eine gute Verkehrsanbindung wollen die Bewohner natürlich haben, zu viel Verkehr vor der Haustür jedoch nicht. Viel Industrie sorgt für gute Steuereinnahmen, belastet aber auch die Umwelt, was sich z.B. ungünstig auf das Entstehen von Wohngebieten auswirkt. Umweltfreundlichere High-Tech-Unternehmen siedeln sich in der Stadt jedoch nur dann an, wenn das Bildungsniveau der Einwohner den Erwartungen der Unternehmen entspricht. Doch Bildung kostet viel Geld und Zeit. Das Spiel berechnet eine echte demografische Entwicklung. Bis also die ersten Hochschulabsolventen fertig sind und entsprechende Jobs suchen, müssen sie erst einmal eine Grundschule und eine weiterführende Schule abgeschlossen haben. Vorausschauendes Planen ist also obligatorisch. Gleiches gilt für etliche andere Variablen, die sich allesamt stark gegenseitig beeinflussen. Da ist es gar nicht so einfach die Kontrolle zu behalten. Neben der Versorgung mit Bildungseinrichtungen, dem Katastrophenschutz und der Gas-, Wasser- und Stromversorgung, ist auch die Verkehrsplanung ein wichtiger Punkt im Spiel. Zusätzlich kommt mit der "Deluxe Edition" das Erweiterungspack "Rush Hour" dazu. Hier gilt es zusätzliche Aufgaben der Verkehrsplanung zu meistern. Teilweise muss der Spieler dabei auch die Kontrolle über einzelne Fahrzeuge übernehmen.

Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg in das komplexe Simulationsspiel wird dem Spieler durch gleich mehrere Tutorials zu unterschiedlichen Themenkomplexen erleichtert. Die Nutzung der Tutorials ist freiwillig. Die umfangreichen Erklärungen der Tutorialmissionen beziehen sowohl die Bedienung des Benutzerinterfaces als auch strategische Aspekte mit ein. Die Beschreibungen umfassen jedoch nicht alle Funktionen des Spiels. Vielmehr werden exemplarisch die Grundfunktionen erklärt. Angesichts des riesigen Funktionsumfanges des Spiels ist ein solcher an Beispielen orientierter Ansatz sinnvoll. Auch in der Anleitung wird explizit darauf hingewiesen, dass der Spieler Feinheiten selber herausarbeiten soll, da dies mit zum Spielspaß gehöre. Die Anleitung selber konzentriert sich auf die strategischen Vorgehensweisen des Spiels. Das Verständnis für die Zusammenhänge der einzelnen Kreisläufe der Wirtschaft, Steuerpolitik, Gesundheit, Bildung, Demographie, Verkehr und der Versorgung steht hier im Vordergrund. In der Most-Wanted-Edition des Spiels liegt die ca. 40-seitige Anleitung nicht in gedruckter Version vor. Sie ist als PDF-Datei auf einer der beiden CDs abgelegt und kann ausgedruckt werden.

Neu gegenüber dem Vorgängerspiel "SimCity 3000" aus dem Jahre 1999 ist die Möglichkeit, Bewohner (Sims) aus dem Spiel "Die Sims" in die Stadt zu importieren und dann ihre Tagesabläufe und ihren weiteren Werdegang in ihrer neuen Heimat zu beobachten. Für Diejenigen, die nicht über das Spiel "Die Sims" verfügen, wird eine Auswahl fertiger Sims zur Verfügung gestellt.

Neu ist auch, dass sich die einzelnen vom Spieler aufgebauten Städte gegenseitig beeinflussen, wenn diese in der gleichen Region gebaut werden. Sie können beispielsweise miteinander Handel treiben, sich gegenseitig mit Energie versorgen oder Bewohner zwischen den Städten zur Arbeit pendeln lassen. Einzelne Städte können unabhängig von der Region gespeichert und gelöscht werden. Missglückte Städte können ohne Konsequenzen aus der Region entfernt werden. Auf einer Region können Städte mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden erstellt werden. Über die genauen Unterschiede zwischen den drei verfügbaren Schwierigkeitsgeraden schweigt sich die Anleitung aus. Scheinbar beeinflusst der Schwierigkeitsgrad das Anfangskapital und die Zufriedenheit der Bürger. Ebenfalls mitverantwortlich für die Schwierigkeit ist die Spielgeschwindigkeit. Das Spiel selber kann auch auf Pause gestellt werden. Da auch während der Pause weiterhin alle Optionen zur Verfügung stehen, entsteht niemals Zeitdruck. Ein direktes Spielziel kennt SimCity nicht. Jeder Spieler kann versuchen seine Traumstadt zu erbauen. Teilziele, deren Erfüllung für das Erbauen einer großen Stadt nötig sind, ergeben sich dabei automatisch aus der Spiellogik. Wer eine absolut saubere Stadt haben möchte, der benötigt beispielsweise automatisch einen hohen Anteil an Hightech Betrieben und eine entsprechendes Bildungsniveau der Bevölkerung. Das Teilziel "Bildung" ergibt sich also automatisch. Da Bildung viel Geld kostet, ergibt sich gleich das Ziel "hohe Einnahmen" usw. Die Teilziele begleiten den Spieler somit durch einen reibungslosen Spielablauf und gewährleisten zusätzlich eine gewisse Grundstruktur.

Eine Ausnahme sind die Missionen der integrierten Spielerweiterung "Rush Hour". Neben den erweiterten Baumöglichkeiten von Verkehrsmitteln und einer Funktion zur Benennung von Straßen, Siedlungen, Plätzen und anderen Orten, bietet die Erweiterung kleine Missionen, in denen der Spieler höchst persönlich die Kontrolle über Fahrzeuge aller Art übernehmen muss. So kann es schon mal sein, dass man die Feuerwehr möglichst schnell zum Einsatzort fahren muss oder einen Bankräuber verfolgen darf. Der eigentliche Aufbau der Stadt bleibt aber immer die zentrale Aufgabe des Spielers.

Die jugendlichen Spieletester waren sich über Grafik, Sound und Steuerung einig. Hier fanden sie alles okay, vor allem wenn man das Alter des Spiels berücksichtigt. Teilweise kann man das Spiel sogar erst auf heutigen Rechnern richtig ausreizen, waren doch die beim Erscheinen des Spiels üblichen Rechner bei der Darstellung sehr großer Städte oft überfordert. Unterschiede bestanden jedoch bei der Bewertung des Spielspaßes. Hier gingen die Bewertungen quer durch alle Altersgruppen von Begeisterung bis Langeweile, unabhängig davon ob die Spieler das Spiel verstanden hatten. So unterschied sich auch die Nutzung des Spiels stark voneinander. Auffällig war besonders, dass die Freude am Spiel unabhängig vom Erfolg war. So hatten durchaus auch wenig erfolgreiche Spieler ihren Spaß. Sie bauten mit viel Freude aber ohne Erfolg immer wieder schöne Städte. "Jetzt baue ich eine noch viel schönere Stadt!" Umgekehrt hatten aber auch einige durchaus erfolgreiche Bürgermeister weniger Spaß am Spiel. "Wie kann man daran nur Spaß haben? Das ist ja Arbeit – kein Spiel!"

Fazit:
Die hohe Komplexität des Spiels macht ein sinnvolles Spielen erst ab einem Alter von etwa 12 Jahren möglich. Denkbar wäre auch ein Einsatz in der Schule, etwa im Geografieunterricht. Abhängigkeiten und Kreisläufe in urbanen Lebensräumen werden hier sehr schön illustriert. So ist "SimCity 4 Deluxe Edition" die Neuauflage eine Klassikers, der neben Spielspaß auch Lehrreiches garantiert.