GSR - German Street Racing

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Bhv Software GmbH & Co KG
Erscheinungsjahr
2006.10
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Unaufregendes Rennspiel mit ungezwungenem Bildungs- und Sozialauftrag
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Spielbeschreibung:
Autorennen sind seit eh und je des Spielers liebstes Kind. Und dabei ist das Prinzip immer noch so simpel gestrickt, wie es schon in den Anfängen der Computerspiele war. So heißt es auch im Jahre 2007: Hauptsache ankommen und die ungeliebte Gegnerschaft hinter sich lassen. Natürlich hat der Fortschritt auch hier Einzug gehalten. Aus dem etwas aus der Mode gekommenen "Im Kreis rumfahren" ist im Laufe der Jahre ein immenses Meer an Mehr geworden. Heute gilt es z.B. ganze Rennfahrerkarrieren aufzubauen. Egal ob im professionellen Lager des Rennfahrsports, im verrucht illegalen Kriminalmilieu oder außerhalb der Erdumlaufbahn – für jeden Geschmack ist sicher ein passendes Rennspiel dabei. Im Grunde ist ein Rennspiel aber dann ein gutes, wenn es Spaß macht. Und manchmal braucht es einen zweiten Blick, um das zu erkennen.

Mit GSR – German Street Racing fand sich in diesen Tagen in den Spieletestergruppen ein Computerspiel ein, das zunächst einmal für anhaltendes Gähnen sorgte. Kein Wunder, denn die Tester im Alter von 12 bis 15 Jahren haben seit Beginn der Gruppe das Glück, die neusten Neuigkeiten aus dem Spielemarkt unter die pädagogisch angeleitete Lupe zu nehmen. Und so gehören zum perfekten Spieletesteralltag realitätsnahe Grafik, beeindruckende Soundtracks und natürlich ein abenteuerliches wie anspruchsvolles Grundprinzip. GSR bietet augenscheinlich nichts von alle dem. Man fährt mit seinem futuristisch anmutenden und schlecht in Szene gesetzten No-Name-Fahrzeug durch große deutsche Innenstädte. Die grafische Umsetzung dessen wirkt schon beim bloßen Überfliegen des Spiels antiquiert. Die Realitätsgenauigkeit lässt in jeglicher Hinsicht zu wünschen übrig und der Sound konnte wirklich niemanden begeistern (denn man ist in den heutigen Computerspielen einen musikalischen Aufwand gewöhnt, der mit Tonträger-Veröffentlichungen im Kreise der Popkultur gleichzusetzen ist). "Ich habe keine Lust den Mist da zu spielen. Ist doch voll alt und öde", (Kevin, 14) hieß es da schon mal überaus kritisch.

GSR bietet im Einzelspieler-Modus mit Karrieremodus und Schnelles Rennen zwei alternative Herangehensweisen. Zuerst ist aber der Schwierigkeitsgrad zwischen Einfach, Mittel und Schwierig zu bestimmen. Des Weiteren sind drei verschieden Extreme in der Rennform zu unterscheiden: Es gibt das "Drag-Race" (lange gerade Strecken ohne Kurven), das "Drift Race" (schwieriger Renn-Typus mit schnelle Kurven) und das "City Race" (wilde Rennen von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt). Trotz ihrer differenten Beschreibungen unterscheiden sich die drei Formen in ihrem Anspruch nicht wesentlich voneinander. Das Wichtigste für den Spieler ist und bleibt die Wahl des eigentlichen Hauptdarstellers: des Fahrzeugs. Hier stehen zwölf unterschiedliche Fahrzeuge zur Auswahl.
Nicht zu vergessen zu guter letzt die Multispieler-Optionen. Ob über lokales Netzwerk oder Internet: Das Spielen mit Mehreren ist in beiden Fällen möglich, und das ohne monatliche Zusatzkosten.

Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg in das Spiel gestaltete sich für jeden Spieler aus der Testergruppe sehr einfach, da nichts zu beachten war außer Gas, Bremse, Rechts und Links. Ausgefeiltes motorisches Geschick ist nur bedingt von Nöten, um im German Street Racing den Thron des Siegers zu besteigen. Als kleines Schmankerl, um die niedrigen Anforderungen mit ein wenig Überraschung auszugleichen, gibt es das flügelverleihende Nitro, mit dessen Einsatz das Auto zu Höchstleistungen in Sachen Tachostand angespornt wird. Probleme bereitete GSR den jüngeren Testern vor allem in einem Teilbereich. Das relativ offene gestaltete City Race brachte nicht nur ein Mal einen Orientierungsverlust mit sich. So kam es dazu, dass Einzelne Spieler minutenlang nach dem nächsten Checkpoint Ausschau hielten, der auf den breiten Straßen, irgendwo zwischen Parks und Straßenbahnen, schwer auszumachen war. Ziellos irrten die Tester mit ihren virtuellen Autos durch die Gegend. Aber keiner der Anwesenden ließ sich von dieser schwierigen Suche vom Spiel abbringen, sondern schaffte sich Stück für Stück Orientierung im Großstadtdschungel.

Wie bereits beschrieben, war anfänglich kein reges Interesse an GSR vorhanden. Und was den, von allen Spieletestern als langweilig empfundenen, Einzelspielermodus angeht, hielt sich dieses Desinteresse auch bis zum Schluss. Dass letztlich doch noch große Begeisterung für GSR aufkeimen konnte, ist dem Multiplayer-Modus zu verdanken.
Die Herausforderung, gegen andere Spieler anzutreten und sich mit diesen in einem kleinen Duell zu messen, faszinierte die Spieletester widererwartend und sorgte für viel Spaß in der Gruppe. Nun könnte man behaupten, dass jedes andere Rennspiel einen derartigen Mehrspielermodus ebenso mitliefert – vielleicht sogar im Rahmen besserer grafischer und soundtechnischer Gegebenheiten. Doch gibt es Etwas, das GSR zu etwas Besonderem macht: Das Fahren durch deutsche Großstädte. Auch wenn es an Detailtreue fehlt, werden die Innenstädte in groben Zügen gut wiedergegeben. Die Spieler fanden sich im Zentrum von Berlin, Hamburg, Düsseldorf und anderen Städten überraschen gut zurecht, was auch zu Diskussionen untereinander führte. "Guck mal, da ist die Brücke die nach Neuss rüber geht" (Dominik, 12). "Quatsch, die doch nicht. Da auf der anderen Seite ist immer noch Düsseldorf" (Jeremy, 14)

Fazit:
Die wahre Stärke von "German Street Racing" liegt nicht im Simulieren von Autorennen, sondern im Wiedergeben deutscher Städte. Der Spieler erfährt eine zum Teil faszinierende Raumerfahrung, wenn er sich mit dem Rennwagen durch bekannte Kulissen bewegt. Grafisch wie Soundtechnisch ist GSR sicher nicht mehr zeitgemäß. In den Tests zeigte sich aber, dass das Spiel dazu verhalf, soziale Bindungen zu knüpfen und viel Spaß zu haben: Die wichtigste Wirkung die ein Spiel haben kann. Positiv hervorzuheben: German Street Racing liefert außerdem keine gewaltverherrlichenden Details oder Möglichkeiten zur übertriebenen Aggressionsbewältigung.