Germany's Next Topmodel

Genre
Simulation
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
dtp entertainment AG
Erscheinungsjahr
2007.12
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Für alle, die gerne mit Barbiepuppen gespielt haben
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das Computerspiel zur gleichnamigen Castingshow richtet sich in erster Linie an weibliche Jugendliche, die auch Anhänger dieser TV-Serie sind. Obwohl Bruce Darnell, der berühmte Laufstegtrainer und Jurymitglied in der Show, auf dem Cover abgebildet ist, hat das Spiel recht wenig mit der Show zu tun.
Hauptfigur des Spiels ist Stella, eine 17-jährige Studentin einer Modeakademie, die sich in verschiedenen Bereichen beweisen und verbessern muss. Ihre Hauptfächer sind Design, Make-up, Fotoshooting und Modeschau. Zu den Aufgaben des Spielers gehören das Schminken der Mannequins, die Zusammenstellung der Kleidung, Haarestylen, Aussuchen von Accessoires, Maniküre, Schmuckdesign, Catwalktraining und Fotosessions.
Abgesehen von diesen simulationsartigen Schwerpunkten des Spiels geht es auch um Elemente aus dem Genre der Adventure-Spiele. Der Avatar muss Informationen sammeln, mit anderen Figuren kommunizieren und einen Intriganten entlarven, der Stella das Leben schwer macht und ihren Akademiealltag stört.

Pädagogische Beurteilung:

Von Barbara Stöwe

Die weiblichen Spieletester waren anfangs sehr begeistert, da sie große Erwartungen an das Spiel hatten. Viele von ihnen waren Fans der TV-Show und fühlten sich von dem Thema angesprochen. Meist saßen sie zu zweit oder zu dritt vor dem PC und fachsimpelten über die perfekte Lidschattennuance, den besten Platz einer Applikation, die Kombination der Sonnenbrillen zur Handtaschenfarbe und viele weitere modische Details. In den seitlich angelegten rosa- bis pinkfarbenen Schaltflächen befinden sich die jeweiligen Auswahlmöglichkeiten für Make-up-Utensilien oder Kleidungsstücke. Leider sind die kreativen Möglichkeiten an dieser Stelle mehr als eingeschränkt. Z.B. kann man keine Hosen umkrempeln, Löcher in die Garderobe schneiden, Kragen hochklappen, Batiktechniken anwenden oder Ähnliches. Echte Kreativität ist demnach nicht gefordert – Hier geht es eher um das Verwenden vorhandener Module.

Im Abenteuermodus durchläuft der Avatar verschiedene Seminare, die meistens ein bestimmtes Arbeitsziel haben. Jedes abgelieferte Arbeitsergebnis wird von den Dozenten benotet. Meist geht es darum, Vorlagen zu kopieren und diese perfekt nachzustylen. Mit den vier im Spiel vorkommenden Modestilen (Manga, Ethno, Streetwear und Glamour) konnten die Testerinnen wenig anfangen. Einige Make-up-Begriffe, wie z.B. "Foundation", waren ihnen ebenfalls nicht bekannt. Probleme machte auch die Steuerung: Das Führen eines virtuellen Kayalstiftes ist mit der Maussteuerung sehr viel schwieriger als in der Realität.

Am meisten begeisterten sich die Spielerinnen für die Fotoshootings und die Auftritte auf den größeren Modeschauen in Mailand, New York oder Paris. Diese unterschieden sich aber im Prinzip nur im Namen. Bei den Fotoaufnahmen muss der Spieler sich für eine Hintergrundkulisse und die passende Pose der Models entscheiden. Im richtigen Moment ausgelöst, entstehen Bilder für die Fotosammelmappe. Zu bemängeln ist auch hier die Einfallslosigkeit. Dabei wäre es so einfach gewesen, sich Ideen aus der Fernsehshow abzuschauen. Hier gab es Windmaschinen als Effektverstärker, Unterwasseraufnahmen, Schlangen und Spinnen als Accessoires oder Schaufensterpuppen als komplementäre ausdruckslose Gegenpole.

Der Spieler hat auch die Aufgabe, sich einen eigenen Stundenplan zu erstellen und dabei persönliche Stärken und Schwachpunkte zu berücksichtigen. Als Belohnung für gute Noten erhält Stella sogenannte "Token", das Zahlungsmittel der Akademie, mit denen weitere Modeartikel erworben werden können. Da dieses Business bekanntlich nicht ohne Konkurrenzkampf, Neid und Intrigen auskommt, muss der Spieler herausfinden, welcher der Mitstreiter Kleidung zerstört, Feuer legt, Gerüchte verbreitet und dem Ruf der Akademie schadet. Abgesehen vom Abenteuermodus gibt es noch den freien Spielmodus, in dem der Spieler ganz nach eigenem Geschmack experimentieren kann. Der Sound des Spiels ist ebenfalls einfallslos und wiederholt sich schnell. Einige der Spieletester bemängelten diesen Punkt nachdrücklich. Da alle Anweisungen und Gespräche lautsprachlich wiedergegeben werden, ist das flüssige Lesen keine Voraussetzung um dem Spielverlauf folgen zu können. Die Steuerung ist leicht verständlich und dem Zielgruppenalter des Spiels angepasst.

Aus pädagogischer Sicht ist darauf hinzuweisen, dass das Spiel die derzeit ohnehin umstrittenen Schönheitsideale der Zeit zusätzlich übertrieben darstellt. Alle Models besitzen einen makellosen Körper. Das Spiel verstärkt den Eindruck, dass Äußerlichkeiten einen überaus wichtigen Stellenwert im Leben einer Frau einnehmen sollten. Dem gegenüber kann der Spieler nicht durch Kreativität und Einfallsreichtum punkten. Das Spiel funktioniert nur nach bestimmten Mustern. Es geht in erster Linie darum, Vorlagen zu kopieren und bestehenden, vorgegebenen Trends nachzueifern. Abweichungen werden negativ bewertet und der Spieler wird mit Punkteabzug bestraft. Die Motivation und der Spielspaß sanken aus genannten Gründen schnell. Am Ende waren die Testerinnen von dem Spiel enttäuscht.

Fazit:
Das Spiel "Germany´s Next Topmodel" hat wenig mit der Fernsehserie gemeinsam und funktioniert allenfalls als Zwischenbeschäftigung. Die Ideen sind wenig kreativ und die Tester verloren schnell die Lust aufgrund der fehlenden Abwechslung. Zusätzlich verstärkt das Spiel ein Idealbild von Schönheit, Schlankheit und Glammer, welches sicher in Frage zu stellen ist.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
OT St. Anna Ehrenfeld
Köln
Bewertung Spielspass