Dawn of Magic

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Deep Silver
Erscheinungsjahr
2007.04
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Kampforientiertes Rollenspiel mit eintöniger Handlung
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Der Untote Modo wird als Konsequenz für sein egoistisches Verhalten zurück in die Welt der Sterblichen verbannt. Dort soll er nun ein 100-jähiriges Dasein fristen und im Anschluss zu sterben. Doch Modo sieht das anders. Er hat den Plan gefasst, sich seine einstige Macht zurückzuerobern und die Welt zu zerstören. Auf diese Weise erhofft sich der Ex-Untote zukünftig auf Nummer sicher zu gehen, was derartige Strafen angeht. "Dawn of Magic" ist ein so genanntes Hack & Slay – Spiel, was sich als Subgenre unter die Rollenspiele eingliedern lässt. Wie der Name schon sagt steht der Aspekt des Kämpfens bei derartigen Spielen klar im Vordergrund.
Der Spieler steigt als Ablosvent einer namhaften Zauberschule in die Geschichte ein. Er kann zu Begin des Spiels zwischen vier Charakteren wählen, die allesamt nicht gerade dem Stereotyp eines Helden entsprechen. Er hat die Wahl zwischen einem Jüngling, einer Zigeunerin, einem dicken Mönch oder einer Bäckersfrau. Vor Spielbeginn gilt es festzulegen, ob der gewählte Charakter gut, böse oder neutral gesinnt sein soll. Das bedeutet konkret, ob man die Welt vor Modo rettet will, ihm bei seinem Plan helfen möchte, oder lieber parteilos bleibt, um nicht direkt für oder gegen Modo kämpfen zu müssen.
Das Spiel beginnt, indem der Spieler mit seinem Helden in die Fantasy-Welt hinauszieht, und hier zunächst gegen Riesenskorpione, Kolibris und andere Kreaturen kämpft. Auf diese Weise kann er verschiedene Questen (kleinere Aufträge) erfüllen und nach und nach Fronterfahrung sammeln. Das Besondere an "Dawn of Magic" ist, dass man seine Feinde fast ausschließlich mit Zaubersprüchen bekämpft, statt wie sonst oft üblich, durch Schlagen oder Schießen. Diese Form der kriegerischen Auseinandersetzung ist nicht nur fiktionaler, sondern auch kreativer. Man kann Zauber mit etwas kombinieren, z.B. einen Kettenblitz mit herabstürzenden Felsbrocken, um sie noch schlagkräftiger zu machen. Im Laufe des Spiels können die Zauberfähigkeiten weiter ausgebaut werden, indem man durch erfolgreich absolvierte Questen in höhere Erfahrungsstufen aufsteigt. Über Geschäfte mit Händler, die man in den Städten antrifft, können ebenfalls individuelle Stärken und Fähigkeiten ergänzt und ausgebaut werden.

Pädagogische Beurteilung:

Von Moritz Fingerhut

Ein etwa halbstündiges Tutorial führt den Spieler bei Bedarf in die Spielsteuerung ein. Die Spieletester hatten daher keine großen Schwierigkeiten in das Spiel einzusteigen. Die Menüführung gestaltet sich grafisch zwar etwas unübersichtlich, die Tester konnten jedoch alle Optionen, wie z.B. die Karten, die Charakter-Fähigkeiten und das Inventar, nach kurzer Eingewöhnung intuitiv nutzen. Die Steuerung über Maus und Tastatur erscheint im ersten Moment sehr komplex,
die Tester fanden sich in den Hauptfunktionen aber schnell zurecht.
Zu Anfangs war die Gruppe von den bedrohlich bis düster anmutenden Einführungssequenzen begeistert. Diese führten sie gelungen in die Fantasy-Atmosphäre des Spiels ein. Hierbei überzeugte in erster Linie die grafische Umsetzung. Auch im weiteren Spielverlauf lief alles flüssig und erschien liebevoll und detailreich animiert. Dies schlägt jedoch im ereignisreichen Schlachtgetümmel schnell ins Negative um. Hier kann es vor lauter kombinierten Zaubersprüchen und den dazugehörigen Blitzen, Rauchschwaden und Feuerbällen schnell unübersichtlich werden. An dieser Stelle wäre ein bisschen Weniger mehr gewesen. Einen großen Spielanreiz stellte für die Spieletester die Möglichkeit zur Individualisierung des Spielcharakters dar. Schon mit den heldenuntypischen Charakteren, die ein wenig so wirken wie die Frau oder der Mann von nebenan, konnten sich die Jugendlichen besser identifizieren als mit unerreichbaren Heldenfiguren. Auf unterschiedliche Weise kann der Spieler seinem Avatar zusätzlich eine persönliche Note verleihen. Durch Tattoos oder den Gebrauch verschiedenartiger Naturmagien erhält der Charakter nicht nur weitere neue Fähigkeiten, sondern verändert sich auch äußerlich. Zum Beispiel wird die Spielfigur durch das "Totenbeschwören" langsam aber stetig selbst zu einer Art Leiche.
Eine Schwachstelle des Spiels sind die Questen, die den Spielspaß in den Testergruppen erheblich gemindert haben. Diese waren häufig so schlecht beschrieben, dass es zu Frustration kam. Zudem waren die Questen wenig kreativ gestaltet aber dafür umso schwerer zu lösen: "Da rennt man die ganze Zeit bloß rum um Monster zu töten." (Spieletester, 17 Jahre). So geschah es, dass einzelne Tester zum Erfüllen einer Queste stundenlang umherirren mussten, ohne das in dieser Zeit etwas Nennenswertes geschah. Außerdem war, wie bereits angedeutet, der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Missionen oft sehr hoch, was in Kombination mit der Einfallslosigkeit der Aufträge einen erheblichen Einfluss auf den Spielspass hatte. Leider zieht sich dieser Kritikpunkt wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Der narrative Inhalt lässt sich somit auf den Kampf gegen verschiedene Monster reduzieren. Die Spieler hätten sich z.B. über mehr Möglichkeiten für das Einbringen von strategischen Ideen gefreut, wie es in anderen Spielen dieses Genres üblich ist.

Wie sich aus dem oben beschriebenen Inhalt des Spiels bereits ableiten lässt, ist "Dawn Of Magic" ist ein Spiel, welches keinen Hehl aus einer gewalttätigen Darstellung macht. Gewalttätige Handlungen finden zwar ausschließlich gegen Fantasy-Figuren statt, jedoch spritzt hierbei reichlich Blut. Insbesondere in Bezug auf dieses Genre stellt sich offensichtlich die Frage nach dem Sinn einer derartig detailreich dargestellten Brutalität, da das Spiel ohnehin keinen Anspruch auf Authentizität erhebt. Doch die Praxis zeigt auch in diesem Fall, dass letztlich andere inhaltliche Komponenten darüber entscheiden, ob ein Spiel der Zielgruppe gefällt oder nicht. In unseren Teste wurde das Spiel den Testern schnell langweilig und schlussendlich in die Ecke gelegt.
Der Multiplayermodus verspricht hier Besseres. Bis zu 16 Spieler können sich gemeinsam durch die die Fantasy-Welt kämpfen – eine Alternative, die das Spiel mit einer gemeinschaftlichen Komponente anreichert. Spieler können sich über LAN- oder Internetnetzwerke zusammenschließen und in verschiedenen Modi für- oder gegeneinander antreten. Zur Auswahl stehen die Spielvarianten Capture The Flag (Die feindliche Flagge stehlen), Team-Deathmatch (Team gegen Team) oder einen Handlungsmodus, bei dem nicht gekämpft wird, sondern die Spieler durch geschicktes Handeln miteinander interagieren müssen. Das Spiel stellt an dieser Stelle zumindest im Kleinen eine gewaltfreie Alternative zur Verfügung. Diese erweiterten Möglichkeiten geben Dawn of Magic durchaus einen Mehrwert, denn der Mehrspielermodus fordert dem Spieler Teamfähigkeit und strategisches Denken ab.

Fazit:
Trotz des Anfangs guten Eindrucks verliert das Spiel im weiteren Verlauf schnell an Spielspaß. Die vielen unterschiedlichen Zaubermöglichkeiten, die Option zur individuellen Gestaltung des Charakters und das gelungene Szenario reichten auf Dauer nicht aus, die Langzeitmotivation der Spieletester aufrecht zu erhalten. Die Spielgeschichte und die Quest-Anforderungen kommen insgesamt etwas lieb- und einfallslos daher. Dadurch verloren sowohl Genrekenner als auch -Neulinge bald das Interesse am Spiel. Zudem ist das Spiel relativ brutal, was insbesondere deshalb hervorzuheben ist, weil die dargestellte Gewalt ganz offensichtlich rein den Nutzen eines Showeffekts hat.