Jade Empire

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
2K Games
Erscheinungsjahr
2005.04
Systeme
PC, Xbox
System im Test
PC
Kurzbewertung
Fernöstliches Rollenspiel mit guter Geschichte
Gruppenleiter
David Dahlmann
Bürgerzentrum Deutz
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Siehe auch

Spielbeschreibung:
In einem ostasiatischen Dorf wächst ein Waisenkind heran, das irgendwie anders ist als seine Mitschüler in der Klosterschule. Warum wird es von seinem Lehrer bevorzugt und von den anderen Kindern beneidet? Hat die Entführung einer Freundin oder der grausame Überfall auf das Dorf etwas mit seiner Anwesenheit zu tun?
Eines Tages bestätigen sich die unterschwelligen Hinweise auf ein besonderes Schicksal des Kindes. Dieses ist der letzte Überlebende eines mysteriösen Bergvolks. Seine Bestimmung: Es allein kann die kosmische Balance des ganzen Kaiserreichs wieder in Einklang bringen. Dazu gilt es alle Teile eines Drachenamuletts zu finden, die im ganzen Land verstreut sind. Keine leichte Aufgabe für einen gewöhnlichen Klosterschüler. Doch zum Glück bleibt das Kind mit der Bürde dieser Verantwortung nicht auf sich allein gestellt.

Pädagogische Beurteilung:
Der Spieler übernimmt die oben beschriebene Rolle des Kolsterschülers, und muss sich zunächst für einen männlichen oder weiblichen Avatar entscheiden. Außerdem können zu Begin des Spiels dessen Stärken und Schwächen bestimmt werden. Möchte der Spieler einen Draufgänger spielen, so wählt er seine Spezialisierung im Bereich der Kampfkünste. Ein cleverer Zauberer sollte hingegen seine Talente im Magiestil verorten. Schnell ist die Steuerung schon im Anfangskapitel erlernt, denn alle Tastenbefehle werden beim ersten Einsatz erklärt. Wie in jedem Rollenspiel ist die Verbesserung des Avatars (Spielfigur) auch ein zentrales Element von Jade Empire. Beim Zusammentragen des Drachenamulettes erhält der Spieler für jeden besiegten Gegner und jede erledigte Aufgabe Punkte und steigt nach und nach von Stufe 1 bis Stufe 15 auf. Diese Form der Weiterentwicklung ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was die Langzeitmotivation in Rollenspielen ausmacht.
Der Spieler kann für seine Spielfigur entscheiden, ob diese ihren Körper, ihren Verstand oder ihre Seele mit Hilfe von Bonuspunkten besonders trainieren möchte. Alle Entscheidungen, die der Spieler beim Weiterentwickeln seines Charakters vornimmt, haben einen Einfluss auf den Spielverlauf. Stärkt er z.B. Körper und Seele, kann er später Gesprächspartner einschüchtern. Setzt er einen Schwerpunkt auf Verstand und Seele, kann er intuitiv agieren und findet heraus, wie er sein Gegenüber für sich gewinnen kann. Auch können bestimmte Waffen mit entsprechenden Werten (Eigenschaften) den gewählten Kampfstil unterstützen. Um an derartige Waffen zu kommen, müssen meist so genannte Bossgegner, besonders starke Gegner, besiegt werden.

Im weiteren Spielverlauf trifft der Waisenjunge auf sechs Schicksalsgefährten, die ihm bei seiner hehren Aufgabe unterstützen. Einmal kennen gelernt, lassen sich diese Gefährten je nach Bedarf zur Hilfe rufen. Auch das ist in anderen Rollenspielen ähnlich, wobei in Jade Empire alle Charaktere bis auf den Hauptdarsteller computergesteuert sind. Einen Mehrspielermodus gibt es nicht. Die Grafik mit ihren schönen Landschaften und vielen Details, die an ein grünes China vor der Industrialisierung erinnern, passen ebenso in ein ostasiatisches Bild, wie die Geräuschkulisse und Musikuntermalung. Anleihen an die Ästhetik von Shaolin-Filmen und philosophische Zitate der asiatischen Kultur runden das Konzept gelungen ab. So lehren die Kampfmeister Ihre jungen Schüler etwa Worten wie "du musst zunächst lernen dein inneres Gleichgewicht zu finden, bevor du diese Waffe tragen kannst." Die Geschichte wird durch Videosequenzen vorangetrieben, die oft lustig und schön, manchmal aber auch blutig sind. Hier dürfte auch der Grund für eine USK Freigabe ab 16 liegen.

Was ist also das besondere an Jade Empire? Zum einen kann der Spieler über ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem mit den NPCs (Non Playing Charakter - Figuren im Spiel, die von Computer gesteuert werden) interagieren, um an Informationen zu gelangen. In den Gesprächen hat er immer die Wahl, ob er freundlich oder unfreundlich sein möchte, sich Zeit lassen will oder nur schnelle Informationen will, usw. Sein Verhalten hat direkten Einfluss auf den Charakter der Spielfigur. Oft stehen Entscheidungen an, ob sich der Spieler z.B. für das Schicksal anderer Menschen einsetzt oder den persönlichen Erfolg über alles stellt. Auch besiegte Gegner können verschont oder getötet werden. Der Spieler entscheidet stets, ob er einen bösen oder eine guten Charakter spielen möchte, und gibt dem Spielverlauf damit seine individuelle Ausrichtung. Auch die Spielgeschichte bleibt bis zum Ende spannend und schlüssig - ein Element, das andere Spiele oft zu Gunsten von Aktion vernachlässigen.

Fazit:
Jungen ab 16 Jahren, die sich für Rollenspiele interessieren, kommen bei Jade Empire voll auf ihre Kosten. Als handlungsmächtiger Abenteurer für ein spannende Aufgabe ausgewählt zu werden, und dabei noch Unterstützung von starken Partnern zu bekommen, ist sicher ein Traum vieler Jungen in diesem Alter. Die eigenen Stärken und Schwächen im Griff zu haben und dazu in der Lage sein, selbst Entscheidungen zu treffen, sind Fähigkeiten, die in dieser Phase des Erwachsenwerdens eine zentrale Rolle spielen und die Jugendlichen sichtlich beschäftigen. Spiele dieser Art bieten ihnen die Möglichkeit, eine klare Rolle einzunehmen und Erfolg zu haben, ohne für das eigene Handeln andauernd in Frage gestellt zu werden. Dieser Gegensatz zur Realität war den Testern in unserer Testergruppe durchaus bewusst und konnte somit als Aufhänger für Gespräche über die eigene Rolle dienen.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass