Kororinpa

Genre
Denken / Geschick
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Nintendo
Erscheinungsjahr
2007.02
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Murmelspaß für die ganze Familie
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Mit Hilfe des bewegungssensitiven Wii-Controllers (eine Art kabellose Fernbedienung, mit der das Geschehen auf dem Bildschirm vom Spieler beeinflusst werden kann) wird eine Murmel über eine Murmelbahn gesteuert – ein im Grunde altbekanntes Spielprinzip. Der Spieler bewegt dabei allerdings nicht die Kugel selbst. Neigt der Spieler den Controller nach vorne, hinten, rechts oder links, bewegt er nicht die Murmel, sondern die Murmelbahn entsprechend zu seinen Bewegungen mit dem Controller. So rollt die Murmel bei entsprechendem Fingerspitzengefühl an Hindernissen vorbei, überwindet schmale Stege und gelangt schlussendlich sicher ins Ziel. Der jeweilige Level ist dann komplett, wenn auf dem Weg alle orangefarbenen Kristalle eingesammelt wurden. Sammelt man zusätzlich noch die schwer zu erreichenden grünen Kristalle ein, gibt es einen Bonus. Wer es schafft, seine Murmel in Bestzeit über die Bahn rollen zu lassen, sichert sich einen Platz in der Highscore-Liste und erhält zur Belohnung eine Trophäe. Gute Leistungen werden überdies damit belohnt, dass der Spieler Bonus-Level oder Murmeln mit besonderen Eigenschaften freispielen kann. Eine so erspielte Schweinchenmurmel sieht nicht nur witzig aus (nämlich in etwa wie ein mit Luft aufgeblasenes Schweinchen), sie macht auch Grunzgeräusche und bewegt sich zudem ganz anderes als beispielsweise eine Fußballmurmel oder ein rundlicher kleiner Panda.
Dem Einzelspieler erwarten in fünf Themenwelten insgesamt 50 ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Im Zuckerbäckerland setzt sich der Parcours aus verschiedensten Süßigkeiten zusammen. Andere Welten stellen den einen oder anderen Spieler mit Höhenangst wohlmöglich vor eine zusätzliche Herausforderung. Hier gilt es, die Kugel auf einer Murmelbahn entlang zu rollen, die den Straßen einer Stadt nachempfunden wurde. Diese schwebt in windiger Höhe über einer darunterliegenden Stadt.
Kanonen, Scheren oder Löcher sind nur einige der Hindernisse, die den Weg ins Ziel erschweren. Richtig verdreht kann es werden, wenn der Spieler den Controller auch einmal um 180° drehen muss, um Stufen hinauf zu rollen oder die Murmel mit einer schnellen Bewegung des Controllers über einen Abgrund zu befördern.
Einer Partie zu zweit steht bei "Kororinpa" auch nichts im Wege. Jedes Level kann auch von zwei Spielern gleichzeitig absolviert werden. Auf einem geteilten Bildschirm können beide Spieler ihre Kugel verfolgen und schauen, ob sie es schneller ins Ziel schaffen als der Konkurrent.

Pädagogische Beurteilung:

Von Jürgen Sleegers

Das einfache und leicht zugängliche Spielprinzip von "Kororinpa" bietet beste Voraussetzungen für ein absolut familientaugliches Spielvergnügen. Eigentlich braucht es keinerlei Einweisung in das Spiel. Selbst ungeübte Spieler verstehen im Handumdrehen wie das Spiel funktioniert. Die unterschiedlich schwierigen Level, die dennoch alle mit etwas Geduld und Übung zu meistern sind, sorgen für längeren Spielspaß. Die Tatsache, dass man bereits absolvierte Level mit immer neuen Kugeln und ihren individuellen Eigenschaften ausprobieren kann, erhöht die Langzeitmotivation.
Eine Besonderheit liegt auch darin, wie dieses Spiel gespielt werden kann. Beim ersten Versuch, einen noch unbekannten Level mit all seinen Hindernissen und Fallen zu meistern, schickten die meisten Spieler ihre Murmel sehr behutsam und vorsichtig ins Rennen. Auch wenn die Anspannung und Konzentration hoch war, so zwang das Spiel einen förmlich dazu, stärker zur Ruhe zu kommen. Hierin unterscheidet sich das Spielprinzip von anderen oft sehr actionreichen Spielen. Wenn allerdings ein Level geschafft wurde, machten sich viele Spieler auch daran, die dafür benötigte Zeit zu unterbieten. Es folgten nicht selten sehr waghalsige und actionreiche Rennen.
Dem einen oder anderen Vielspieler mag dies auf Dauer nicht genügen. Er würde sich vielleicht weitere Herausforderungen wünschen oder auch die Möglichkeit, Murmelbahnen im Team mit einem weiteren Spieler kooperativ zu lösen oder eigene Bahnen selbst zu gestalten. Es bleibt abzuwarten, welche Ideen den Spieleprogrammieren hierzu noch einfallen werden. Andere Spiele dieser Art, wie "Ballance", "Mercury Meltdown Remix" oder "Super Monkey Ball", welches es auch für Nintendos Wii gibt, zeigen, dass es in Punkto Murmeln viel Potential gibt. Kein Wunder, gehört doch das Murmelspiel zu einem der klassischen Spiele, dass seit 3000 v.Ch. überliefert ist.

Ein dem Wii-Spiel sehr ähnliches Spielprinzip dürfte Vielen vielleicht noch aus eigenen Kindertagen bekannt sein: Das gute alte Holz-Labyrinth der Firma "Brio". Auch dieses Spiel hat den Einen oder Anderen schon in seinen Bann gezogen oder auch zur Verzweiflung gebracht.

Auf der diesjährigen "Games Convention 2007", der weltgrößten Computer- und Videospielemesse, war das "ComputerProjekt Köln" zusammen mit den Kollegen des Instituts "Spielraum" von der Fachhochschule Köln und der "Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW" in Leipzig mit einem Stand vertreten. Unter dem Slogan "Medienkompetenz aus NRW" haben wir dort nicht nur Eltern und Lehrer über unsere medienpädagogische Arbeit informiert, sondern auch zum Spielen aufgefordert. Zur Verfügung standen der virtuelle Murmelspaß in Form von "Kororinpa" und das "analoge" Holz-Labyrinth. Interessant war zu beobachten, wie Erwachsene, Kinder und Jugendliche gleichermaßen Spaß an den Spielen hatten. Das Erstaunliche: Die Frage nach dem Namen des Wii-Spiels fiel ebenso oft, wie die Frage, wo man das Holzlabyrinth kaufen könne. Ein für eine Computerspielemesse überraschendes Ergebnis, wie wir finden.
Zum einen zeigt dies, dass ein einfaches und für alle sehr zugängliches Spielprinzip gepaart mit leicht erlernbarer Handhabung gute Voraussetzungen schaffen, ein breites Publikum zu begeistern. Hier punktet die Wii natürlich auch aufgrund der tollen Steuerungsmöglichkeit. Zum anderen zeigt der parallele Einsatz beider Spielformen ein einfaches medienpädagogisches Angebot, welches einen prima Anlass bietet, sich mit den Spielern über ihr Spielerleben zu unterhalten. In diese Richtung ließen sich auch andere virtuelle Spiele gut nutzen. Wieso nicht einmal ein Partyspiel wie SingStar oder BUZZ! nutzen, um die Verwandtschaft zu anderen, nicht computerbasierten Spielen aufzuzeigen. Dass dies auch mit einem Brettspiel möglich ist, wissen viele Kinder und Jugendliche teilweise aufgrund fehlender eigener Erfahrungen gar nicht. Und einem bunten Spieleabend, an dem Kinder den Erwachsenen "ihre" Spiele zeigen dürfen und Erwachsene danach einmal zu einem Brettspiel einladen, steht doch nichts entgegen.

Fazit:
Kororinpa ist ein Spiel für Jung und Alt, für spielerfahrene aber auch für ungeübte Spieler. Das Spiel eignet sich ausgezeichnet zur Jugendarbeit, bringt aber auch alles mit, was man von einem familientauglichen Spielvergnügen erwartet: Eine interessante Idee, einen leichten Einstieg, eine intuitive Bedienung, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, überschaubare Level, kurze Spielzeiten, Highscorelisten, einen Wettkampfmodus und einiges mehr. Das Spiel erhielt von der USK eine Freigabe ohne Altersbeschränkung. Wir empfehlen aufgrund der motorischen Anforderungen ein Alter ab 6 Jahren. Inhaltlich ist das Spiel jedoch absolut unbedenklich.