Weisse Bescheid!? - Das Horst Schlämmer Quiz

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
NBG EDV Handels & Verlags GmbH
Erscheinungsjahr
2007.05
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Enttäuschendes Quiz mit und ohne Horst Schlämmer
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber NRW
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Spielbeschreibung:
"Hurz!" Hape Kerkeling, der Mann mit den vielen Inkarnationen und Figuren. Sei es als nerviges Pumuckl-Gesicht Hannilein, als polnisch intellektueller Musiker der neuen Künste oder als trotteliger Schmalspur-Journalist Siggi Schwäbli - seit mehr als zwanzig Jahren weiß der inzwischen 42-jährige Rheinländer Jung und Alt zu begeistern. Medienkritische und vor allem laute Töne sind zwar inzwischen gern gepflegte Geschichte. Mit subtilem Witz zu überzeugen aber weiss Hape Kerkeling nach wie vor. Sein anhaltender Erfolg zeichnet sich aber nicht nur auf der flimmernden Mattscheibe ab, denn auch der Markt der Bücher wurde von seinem autobiografischen Reise- und Wanderbericht "Ich bin dann mal weg" anno 2006 mit großem Erfolg in Angriff genommen. Für Monate hielt sich der Kassenschlager an der Spitze der Sachbücher-Charts.

Seine bis heute bekannteste und wahrscheinlich auch beliebteste Figur trägt den Namen Horst Schlämmer. Der kauzig-drollige schwergewichtige stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tageblatts führt Kerkeling heute erstmals in den Bereich der Computerspiele. "Weisse Bescheid?! – Das Horst Schlämmer Quiz" ist ein Computerspiel in der Tradition der Computer Quizspiele. Der Klassiker unter den interaktiven Quiz-Games ist das Spiel "You don’t know Jack". "Weisse Bescheid?!" versucht auf diesen erfolgreichen Zug aufzuspringen, mit der Geheimwaffe Horst Schlämmer im Gepäck. Drei unterschiedliche Spielvarianten, mit einigen Extras versehen, sollen für Abwechslung sorgen. Für den Schnellspieler gibt es den "Kurzen Horst", ein kurzer Fragen-Schachzug gegen die Zeit. Für den oder die Spieler mit mehr Zeit im Gepäck bietet sich der "Lange Horst" an. Beide Varianten können alleine oder mit maximal vier Spielern bestritten werden. Zwei obligatorische Joker sind ebenfalls vorhanden: Der Schiebe-Joker, mit dem man eine schwierige Frage an den Gegner abgeben kann, oder den "Horst"-Joker, der einem für die Gedanken-Sackgasse prominente Hilfe verschafft. Variante Nummer Drei ist der "Best Of-Horst". Kein Quiz, nein, ein grafisch überaus schlecht animiertes Autorennspiel, in dem es darum geht, einzelne Stationen aus der Vogelperspektive in Schlämmers Heimatstadt Grevenbroich anzufahren, um auf diese Weise ein paar Bonus-Videos frei zu schalten.

Pädagogische Beurteilung:
Hape Kerkeling war auch den Spieltestern im Alter von 12 – 15 Jahren ein Begriff. Vor allem seine Figur Horst Schlämmer erfreute sich großer Beliebtheit, vor allem wegen seiner kauzigen und weltfremden Art. So wird in dem Spiel z. B. um deutsche Mark gespielt. Die Einführung des Euros hat Schlämmer bewusst verschlafen. Der Einstieg in das Quiz gestaltet sich mit einem witzigen Filmchen und unzähligen Schlämmer-Kommentaren als gelungen, sieht man mal über die hohen Anforderungen hinweg, die dieses Quiz, das eigentlich nach ziemlich wenig aussieht, dem Computer abfordert. Nach einigen Stunden Spielpraxis (natürlich aufgegliedert auf mehrere Tage) offenbaren sich leider ziemlich schnell große Schwächen. Trotz des charmanten Einstiegs werden die Anfangs beschriebenen hohen Anforderungen an die Hardware nach einiger Zeit derart gravierend, dass dies als echte Schwachstelle des sonst lustigen Quiz herauskristallisierte. Diese schwerwiegenden Software/Hardware-Problematiken nahmen den häufig ungeduldigen Jugendlichen schon nach kurzer zeit den Spaß. Nur mit einigen Motivationsversuchen (beispielsweise das Angebot einer Quizrunde mit mehreren Personen) gelang es der Leitung, das Interesse an "Weisse Bescheid?!" aufrecht zu erhalten. Und das trotz solcher Vorbehalte: "Ich hab keine Lust mehr. Das läuft doch eh nicht richtig. Ich versteh’ auch nicht, wieso man die Einstellungen nicht ändern kann!?" (Roberto, 14)

Doch auch im Fortlauf offenbarten sich leider noch mehr Probleme. Es war im Wesentlichen die mangelnde Beteiligung von Horst Schlämmer am Quizgeschehen, das die Spieletester verärgerte. Ausschließlich in den Videosequenzen gab der Grevenbroicher Proben seiner Spaßeskunst – Ein paar wenige Kommentare mal abgesehen. Die Moderation von "Weisse Bescheid?!" übernahm entgegen aller Erwartungen eine x-beliebige Stimme, die weder Reiz noch Charme versprühte. So war man gezwungen, auf teilweise ruckelnde (aber durchaus amüsante) Videoeinspielungen zu warten, die, wen wundert es, sich auch nach mehreren Durchgängen wiederholten. Nicht selten wurde der Sinn und Zweck dieser Spielproduktion in Frage gestellt: "Wieviel Geld kostet das Spiel eigentlich?", "Ca. 30 Euro.", "Echt? So viel Geld für so wenig Horst Schlämmer?" (Konversation zwischen Nils, 13 und dem Gruppenleiter)

Die Anzahl der in mehrere schrullig benannte Kategorien unterteilten Fragen beträgt gerade mal tausend Stück. So ist auch in diesem Fall zu erwarten, dass diese sich nach kurzer Zeit wiederholen. Leider ist der Zufallsgenerator so eifrig damit beschäftigt die Fragen zu mischen, dass es schon in der zweiten Runde vorkommen kann, dass eine bekannte Frage gleich wieder gestellt wird. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels sehr hoch. Selten fanden sich Fragen, auf die man in ad hoc antworten konnte. Die Leitung der Testgruppe setzte darauf, nicht beantwortete Quizfragen gemeinsam zu erarbeiten. Da sich aber selten Erfolgserlebnisse durch selbstbeantwortete Fragen der Tester einstellten, war die Lust an "Weisse Bescheid?!" schnell vergangen.

Fazit:
"Weisse Bescheid" ist ein weiteres Beispiel dafür, dass große Namen nicht in jedem Fall für Qualität stehen. Ein hoher Einkaufspreis, schlechte Voraussetzungen für ottonormale Computer, ein schnell langweilendes Gameplay und ein Übermaß an viel zu komplizierten Fragen bedeuteten für die Tester und die Leitung ein eindeutiges "Daumen nach unten". Wer Horst Schlämmer genießen will, dem sei geraten, besser den Fernher einzuschalten.

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Don-Bosco-Club
Bewertung Spielspass