Pimp My Ride

Genre
Rennspiele
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Activision
Erscheinungsjahr
2007.04
Systeme
Playstation 2, Xbox 360, PSP
System im Test
Playstation 2
Kurzbewertung
Schwaches Rennspiel mit anspruchslosen Aufgaben
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung des Spiels:
"Pimp My Ride" ist eine Erfolgshow des Musiksnders MTV, erstmals ausgestrahlt im März 2004. "To pimp" ist Umgangssprache und heißt so viel wie aufpäppeln oder aufmotzen und beschreibt in einem Wort ganz wunderbar worum es in der Show geht. "Aufgemotzt" werden Autos junger Besitzer, deren Fortbewegungsmittel sich in einem z.T. desolaten Zustand befinden. Um die Sendung so jugendlich wie möglich zu halten, wurde der US-Rapmusiker Xzibit als Moderator verpflichtet. Dieser spielt sozusagen die Glücksfee der Realityshow und hat zur Aufgabe, die halbwegs funktionierenden Schrotthaufen der freudestrahlenden Gewinner abzuholen und den Händen einer verrückten KFZ-Schmiede zu übergeben. Die Stammwerkstatt kommt jedoch weniger wie der Meisterbetrieb um die Ecke daher, sondern unterhält ein großes Team eher unkonventioneller Mechaniker. Zugeschnitten auf die persönlichen Interessen des Besitzers, motzen diese das Auto in der Regel derart auf, dass es nach der Schönheitskur kaum wiederzuerkennen ist. Was herauskommt ist meist bombastisch und bunt. Die Autos entsprechen zu keiner Zeit standardtypischen Vorstellungen. Fernseher, Aquarien, Espressomaschinen, Spielkonsolen – alles findet Platz in den strahlend lackierten Karren. Das Bemerkenswerte an "Pimp my Ride" der Show ist jedoch nicht nur die außergewöhnliche Konzeptidee, sondern auch der Einfluss, den die Sendung auf die Jugendkultur hat. Besonders markant: Das Wort "pimpen" ist, nicht zuletzt aufgrund der Popularität der Fernsehsendung, heute fest in den Sprachgebrauch Jugendlicher eingeflossen.

Bis dass ein Spiel zur Serie erscheint, war nur eine Frage der Zeit. Ziel ist es auch im Spiel zur Serie Autos junger Menschen zu "pimpen". Bevor der Spieler, der im Dienste einer Werkstatt steht, aber dies in die Tat umsetzen kann, muss er sich Geld für den Umbau besorgen. Dies geschieht im sogenannten Geldmodus. Über ein Stadtkartensystem, das dem Spieler immer zur freien Verfügung steht, erfährt man, wo bestimmte "Events" zu finden sind, die einem das nötige Zahlungsmittel verschaffen. Nach Auswahl des entsprechenden Events fährt man mit dem Auto von Xzibit und dem helfenden Richtungspfeil am oberen Bildschirmrand durch die fiktive Stadt Pimp-City.
Die zu bestehenden Events teilen sich auf in: "Ghost Ride", "Cruise Event" und "Hot Steppin’". Der "Gost Ride" und "Hot Steppin’" unterscheiden sich nicht wirklich voneinander, lediglich in Punkto Präzision und Schnelligkeit. Die Spielfigur tanzt automatisch und ohne Einwirkung neben dem langsamen rollenden Auto vor sich hin. Die Aufgabe des Spielers besteht darin, zu einer bestimmten Zeit die Tasten des Joysticks zu drücken, woraufhin die Spielfigur besonders eindrucksvolle Tanzbewegungen ausführt – eine eher einfache Aufgabe. Der "Cruise Event" ist genauso simpel gehalten. Man fährt an einem Haufen wartender Leute vorbei und muss einer dreistelligen Tastenkombination so schnell wie möglich folgen. Ist die Aufgabe erfolgreich bewerkstelligt, nimmt die Spielfigur währende der Fahrt die Hände vom Lenkrad und winkt mit den Händen auf und ab. Die drei Events, für die es nach erfolgreichem Bestehen Geld gibt, sind keine Fiktion. Es sind alles bekannte Rituale der Rap- und Hip-Hop-Kultur in den USA. Diese Form von Mutprobe und Selbstdarstellung findet sich vor allem in den Stadtteilen der amerikanischen Städte, deren Bild hauptsächlich von jungen Afroamerikanern geprägt ist. Hat man den Geldmodus hinter sich gebracht, startet auch schon der Pimp-Modus. Zwei Minuten hat der Spieler nun Zeit, das Auto des jungen Kandidaten aufzumotzen, indem er quer durch die Stadt rast und bei verschiedenen Händlern die erforderlichen Ersatzteile besorgt. Letztlich muss der/die junge Kandidat/in die Auswahl zwischen dem eigens gepimpten Auto und einer weiteren Version der Konkurrenz-Werkstatt treffen. Hat der Spieler den Zuschlag bekommen, werden weitere zu pimpende Autos frei geschaltet.

Pädagogische Beurteilung:
Der immens große Erfolg der Sendung "Pimp My Ride" ist letztlich nicht auf die Konzeption zurück zu führen, sondern auf die Atmosphäre der Show und die Anleihen an eine amerikanische Jugendkultur. Moderator und Kultfigur Xzibit stellt ein Aushängeschild für Männlichkeit, Erfolg und Selbstbewusstsein dar. Ein Vorbild für Jugendliche, die in der Lebensphase des Erwachsenwerdens nach Methoden zum Erreichen solcher Idealbilder suchen. Xzibits Metier ist der Rap, genauer gesagt der Rap auf abseitigen Wegen (genannt: Gangsta-Rap). Diese Musikkultur erzählt von Schießereien, dem Leben im Ghetto, Drogen und Alkohol, schnellem Sex und leichten Mädchen. Xzibits Anerkennung und Erfolg liegt in seiner Oberflächlichkeit, heißt: seiner Sprache, seinem Auftreten und auch seiner Kleidung. Diese strahlt Gefahr aus, hat etwas Verruchtes und nicht Greifbares. Stärke und Unnahbarkeit gehen hiermit ebenso einher wie Unabhängigkeit und Härte. Ein Individuum, das scheinbar nur sich selbst braucht. Im Fernsehen aber bleibt er charmant und somit massen- und verkaufstauglich. Die Mechaniker, welche die Autos aufpäppeln, sind aus dem gleichem Holz geschnitzt: allesamt tätowiert und/oder muskulös. Insbesondere für männliche Jugendliche sind Xzibit und seine Crew echte Vorbilder. Auch wenn bewiesen wurde, dass die Show und die entstandenen Automobile allesamt Fälschungen sind, ist der Kultstatus der Sendung ungebrochen. Viele Ableger (u.a. das satirische deutsche Format "Pimp my Fahhrad") bestätigen das.

So ist es kein Wunder, dass "Pimp my ride" in den Spieltestergruppen vor allem bei den männlichen Jugendlichen im Alter von 12-15 Jahren sehr großen Zuspruch erhielt, schon bevor überhaupt eine Sekunde gespielt worden ist. Interessant ist noch zu vermerken, dass Spieler, denen die TV-Sendung und der auch im Spiel integrierte Xzibit unbekannt waren, nur sehr wenig Interesse an dem Spiel zeigten. Der Zuspruch der Fans hielt jedoch nicht lange an. Schnell wurde entlarvt, dass hinter der Spielidee keine wirklich ausgereifte steckt. Der Einstieg gestaltete sich als wahre Katastrophe. Man steht praktisch vor dem Nichts und hat zur Aufgabe, die Gegebenheiten und Aufgaben des Spiels über das beiliegende Heft zu erlernen. Was früher Gang und Gäbe war, ist heutzutage eher ungewöhnlich. Spielanleitungen werden heute in das Spiel integriert, z.B. in Form eines einleitenden Spiels, genannt Tutorial. Dies ist in "Pimp My Ride" leider nicht der Fall, was bei den Jugendlichen vor allem zu Frustrationen führte. Verständlich, man will in diesem Alter schließlich spielen und nicht lesen. Dass diese Form des autodidaktischen Spieleinstiegs ausgerechnet bei einem Spiel Anwendung findet, in dem es um coole Typen und die Gangster-Rap-Kultur geht, entbehrt nicht einer gewissen Skurrilität. Zusammen mit der Gruppenleitung wurde dann also das Begleitheft studiert. Auch hier stellte man grobe Mängel fest. Der Aufbau der Anleitung entpuppte sich nämlich als vollkommen unstrukturiert, so dass von vorne nach hinten, von der Mitte nach vorne und umgekehrt gelesen werden musste. Nur mit Mühe und Not erschlossen sich Regeln und Aufbau von "Pimp My Ride".
Auch wenn sich so langsam Gewissheit einschlich, was überhaupt in "Pimp my Ride" von statten geht, trat sehr schnell Ernüchterung auf. Die oben beschriebenen "Events" sind anspruchslos und entlockten den meisten Spielern der Testergruppen nur müdes Gelächter. Denn gerade diese, wie heutzutage fast alle computer- und konsolenbegeisterte Jugendliche, sind in der Lage, perfekt mit ihrem Spielegerät (in dem Fall mit der Playstation2) umzugehen. Wenn die einzige Aufgabe in den Events "Hot Steppin’" "Cruise-Event" und "Ghost Ride" aber dann darin besteht, ein paar Tasten zu drücken, dann fühlen sich die Spieler nicht nur unterfordert, sondern auch an der Nase herumgeführt. Dem Erfolg des Geldeintreibens geht kein wirklicher Arbeits- bzw. Anstrengungsprozess voraus. Auch Computerspielen hat etwas mit Leistung zu tun. Und für diese Leistung wollen die Jugendlichen innerhalb einer Gruppe, eines Freundeskreises, etc., anerkannt, beglückwünscht und gelobt werden. Im Falle von "Pimp My Ride" fällt dieses Prinzip unter den Tisch, weil jeder weiß, dass der Weg zum Ziel einer simplen Fingerübung entspricht. Der nachfolgende "Pimp-Modus" bot zwar mit einer zweiminütigen Jagd nach Ersatzteilen etwas mehr Aufregung, aber selbst dieser Part beinhaltet außer dem stumpfen Herumfahren keine wirkliche Abwechslung. Letztlich wurde der "Pimp-Modus" sogar negativ bewertet, da die zwei Minuten niemals ausreichten um die gegnerische Werkstatt zu schlagen. So folgte auf eine Niederlage auch keine Motivation es noch mal zu versuchen. Nur die anerkannten Fans von Xzibit und der weiterreichenden Glanz-und-Glamour-Hip-Hop-Kultur vermochten nicht gleich zu behaupten, dass "Pimp My Ride" wirklich ein schlechtes Spiel ist. Auf Standardbefragungen der Betreuer folgte ein ungewöhnlich ausweichendes Verhalten. Auch wenn ihnen das Spiel sichtlich wenig bis keinen Spaß bereitete, hielten sie in Momenten von Sticheleien anderer Gruppenmitglieder an "Pimp My Ride" fest. Die Enttäuschung über das Spiel konnte erst in Gesprächen und im Kontext anderer Spielalternativen, die in der Gesamtgruppe bestritten wurden, aufgefangen werden. "Wieso gibt sich Xzibit für so einen Scheiß’ her? Die Serie ist viel besser. Und die Musik sowieso!" (Spieler, 15)

Fazit:
"Pimp My Ride" ist, trotz einer Alterseinstufung ab 6 Jahren, aus pädagogischer Sicht nicht zu empfehlen. Die Aufgaben, die den Jugendlichen gestellt wurde, sind anspruchslos und fördern weder motorisches Geschick noch kognitive Prozesse. "Pimp My Ride" ist, wie sein TV-Vorbild, nur ein Mittel zur konsequenten Darstellung einer amerikanischen Jugendkultur, transportiert aber leider nicht mehr als eine große Masse an Oberflächlichkeit.

Getestet wurde die PS2-Version.