TMNT - Teenage Mutant Ninja Turtles

Genre
Action-Adventure
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2007.03
Systeme
PC, Playstation 2, Xbox 360, Wii, GameCube, Playstation Portable, Nintendo DS, Game Boy Advance
System im Test
PC
Kurzbewertung
Kampftechniken, Sprungkraft und Schnelligkeit stehen im Vordergrund des Geschehens
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
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Beschreibung des Spiels:
Im April diesen Jahres flimmerte der vollständig Animationsfilm "Teenage Mutant Ninja Turtles" über die Leinwände. Bei Jugendlichen populär, erzählt der Film die Geschichte vierer mutierter Schildkröten, die menschengroße Gestalt angenommen haben und sich im Grunde genommen genau wie solche verhalten. Leonardo, Donatello, Raphael und Michelangelo (benannt nach den vier italienischen Renaissancekünstler Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarotti, Raffael Santi und Donato di Niccolò di Betto Bardi) leben in der Kanalisation von New York, wo sie von Ihrem Lehrmeister Splinter, einer ebenfalls mutierten Ratte, zu Ninjas erzogen werden um so gewappnet den Schrecken dieser Welt zu trotzen. Zum Schrecken gehört unter anderem Shredder, ein ehemaliger Schüler Splinters, der vom rechten Weg abgekommen ist. Shredder hat eine Art bösartige Alternative zu dem Turtles-Clan aufgebaut, was ihn eindeutig als bösen Gegenspieler Splinters entlarvt. Jeder der vier Schildkröten unterscheidet sich in seinem Charakter, in der Farbe der Stirnbänder (blau, violett, orange, rot) und in ihrer Kampfspezialisierung. Hinzu kommt, dass jede Schildkröte seine persönliche Waffe besitzt.

Die Geschichte der Teenage Mutant Ninja Turtles reicht weiter zurück als auf die aktuelle Verfilmung. Bereits 1984 erschien in den USA ein gleichnamiger Underground-Comic, zugeschnitten auf ein eher erwachsenes Publikum. Anfangs nur als Parodie auf die damals vorherrschende Comickultur von mutierten Superhelden gedacht, entwickelte sich die Comicreihe rasch zu einem landesweiten Verkaufsschlager. Eine für Kinder gestaltete Zeichentrickserie wurde ab 1989 unter dem Namen "Teenage Mutant Hero Turtles" ausgestrahlt. Die Spitze des Booms um die Turtles wurde durch den ersten Real-Kinofilm 1990 erreicht, in dem die Turtles als Puppen zum Leben erweckt wurden. Es folgt eine Welle an Merchandisingprodukten, Computerspielen und so weiter und so fort. Mitte der Neunziger Jahre, nach zwei weiteren Kinofilmen, verlor sich das Interesse an den Ninja-Schildkröten. Die Zeichentrickserie wurde 1997 abgesetzt. Nur die Original-Comicserie lief stetig weiter und wurde erst im Jahr 2006 eingestellt. Für das nächste Jahr ist aber bereits ein Nachfolger in Arbeit

2003 wurde die Zeichentrickserie zu neuem Leben erweckt, dieses Mal unter dem Originalnamen "Teenage Mutant Ninja Turtles". Auch in der Aufmachung und Gestaltung entsprach das neue Format, wenn auch weiterhin auf Kinder zugeschnitten, eher den ersten Comics aus den 80er Jahren (ausgenommen sei der aktuelle Kinofilm). Die Turtles erfuhren wieder an Popularität - ein Phänomen, mit dem wahrlich niemand mehr gerechnet hatte. Angekommen in der Gegenwart, wird die Serie erneut vermarktet wie vor über 15 Jahren.

Auch die Entwickler auf dem Computerspielemarkt haben sich erneut Gedanken gemacht. Herausgekommen ist "TMNT - Teenage Mutant Ninja Turtles", ein Spiel, erhältlich für fast alle aktuellen Konsolen und Systeme. Das Spiel erzählt linear die Geschichte des aktuellen Films nach. Kampftechniken, Sprungkraft und Schnelligkeit stehen hierbei im Vordergrund des Geschehens. Der Spieler übernimmt die Rolle von allen vier Turtles, die nacheinander zum Zuge kommen und in späteren Levels frei auswählbar sind. Ort des Geschehens ist die Kanalisation, die Parks oder die Dächer von New York, sowie das Hochland von Mexiko.

Pädagogische Beurteilung:
Die Auswahl an neuen Computerspielen ist wahrlich groß, so dass unsere jungen Spieletester (Mädchen und Jungen im Alter von 12 - 15 Jahren) gerne mal von einem Spiel zum nächsten hüpfen, ohne wirklich konsequent bei einem Titel zu bleiben. Die Aufgabe der Gruppenleiter ist unter anderem, die wechselwilligen Jugendlichen zu bremsen, mit ihnen die teilweise komplizierten Spiele anzugehen, sie zu animieren und in kniffligen Momenten zu unterstützen. Das fördert zum einen das Durchhaltevermögen, die Ausdauer und Geduld.
Kaum ein Spieler stand bei "TMNT" nicht vor der Situation, aufgeben zu wollen und sich mit neuen Spielen zu beschäftigen. Doch niemand ist überraschenderweise wirklich bis zum Letzten gegangen. Alle Hürden wurden gemeistert. Nicht nur durch Hilfe der Gruppenleiter, die genauso wie die Tester nicht immer wissen, was auf sie zukommt. "TMNT" hielt sich über Wochen in der Testergruppe des Don-Bosco-Clubs (Köln-Mülheim), da jeder seine Chance sah, bis zum Ende vorzudringen und damit ein Spiel wirklich abzuschließen. Das passiert in den seltensten Fällen.
"Teenage Mutant Ninja Turtles" zog vor allem die Jungen voll in seinen Bann, auch wenn der Einstieg kein einfacher ist. Des erste Level überzeugt als gut strukturiertes Tutorial, das jedem Spieler zeigt, welche Tastenkombinationen wie funktioniert. Nur die Masse der verschiedenen Aktionen, die man tätigen kann, ist zu Beginn eher erschlagend. So kam es nicht selten vor, dass Spieler sich nicht mehr zu helfen wussten, da sie die eine wichtige Option der Bewegung vergessen hatten. Aber nach und nach festigte sich das Gesehene, zumal es kein Scheitern bei "TMNT" gibt. Fällt eine der Schildkröten beispielsweise in einen tiefen Abgrund, so darf sie immer wieder am zuletzt durchquerten Checkpunkt (festgesetzte Speicherort) starten. Das kann zwar ein bisschen an den Nerven kratzen, aber kein Spieler ließ es sich nehmen, dass anscheinend unüberwindbare Ziel doch noch zu durchqueren. Spieler unter 12 Jahren dürften allerdings mit dem erforderlichen Kombinationsgeschick überfordert sein.

So lernten die Tester mit der Zeit mit den Schildkröten an Wänden entlang zu laufen, sich an Vorsprüngen festzuhalten und daran entlang zu gleiten, von Wand zu Wand zu springen um von dort einen hoch gelegenen Fels zu erreichen und ihre Waffen und Sprungkünste adäquat einzusetzen, um in den Kämpfen zu bestehen. Diese Kämpfe machen in "TMNT" nur einen kleinen Teil der Geschichte aus. Der entscheidende Part besteht darin, sich mit einem großen Repertoire an Sprüngen den Weg vom Anfang zum Ende zu bahnen. Zwar wiederholten sich viele Aufgaben nach einiger Zeit, doch dies tat der Begeisterung keinen Abbruch. Es ist die Dynamik, die besonders hoch eingeschätzt wurde. Ständige Action, wenig Zeit zum Luft holen - eine Vorgabe, die viele Tester schätzen. Den unterschiedlichen Sprüngen wohnt gleichzeitig eine gewisse Ästhetik inne. Sie übertreffen das Menschliche, ohne sich allzu weit davon zu entfernen. Die Darstellung der Turtles entspricht eher ostasiatischen Kampfeskünstlern als plumpen Draufgängern mit todbringenden Waffen. Selbst die Kämpfe, die harmlos und dem Alter entsprechend gestaltet sind, zeichnen sich durch eine gewissen Grad an Schönheit aus, als dass sie sich mit Gewalt brüsten. "Das ist ja fast wie Sport. So hoch zu springen, so tolle Sachen zu machen mit seinem Körper. Ohne dabei dem anderen wirklich weh zu tun. Auch wenn man kämpft, hat man eigentlich nicht das Gefühl wirklich zu kämpfen." (Spieler, 15)
Die besiegten Gegner verschwinden nach ihrer Niederlage im Unsichtbaren. Todesassoziationen kamen zu keiner Zeit auf. Auf die Frage, was mit den Gegnern (Ninjas, Guerilla-Kämpfer) passiert sei, antwortete ein Tester (12 Jahre): "Die haben sich in Luft aufgelöst, um im nächsten Level stärker wieder zu kommen." Fragen des Gruppenleiters, ob die Tester sich auch vorstellen könnten, einem Judo- oder Karate-Verein beizutreten, wurden bejaht. Auch wenn doch viele ihn europäisch-traditionellen Sportarten, wie das allseits beliebte Fußball, eher ihre Entsprechung finden.
"TMNT" lebt von seiner Bewegung. Auch wenn die Spieler vor dem Bildschirm sitzen, gehen sie in leichten Bewegungen mit, springen auf, ahmen das Gesehene nach und ärgern sich ebenso gestenreich wenn etwas nicht geklappt hat. Getestet wurde die PC-Version.

Fazit:
"Teenage Mutant Ninja Turtles" überzeugte die Tester auch in Sachen Grafik, Steuerung und Soundtrack. Aber selbst minimale Schwächen auf der Seite der Gestaltung und Handhabung, die nicht wirklich nennenswert sind, stehen immer noch weit im Schatten, schaut man sich die Punktebewerung für den Spielspass an (diese entsprechen dem Schnitt aller Testerbewertungen, frei vom Urteil des Gruppenleiters). Ein gelungenes Gesamtpaket also, dass, auch wenn es nur allein gespielt werden kann, in einer größeren Gruppe durchaus dynamische Prozesse fördert, da nicht das Scheitern eines Spielers im Zentrum steht, sondern sein Weiterkommen.
"TMNT" positioniert sich weit entfernt von reinen Gewaltspielen. Hier stehen die Feinheiten im Vordergrund, das Sportliche, die Dynamik und vor allem die Ästhetik und der Spaß an der Bewegung, der allem zugrunde liegt. Ein Spiel also, das in seiner Art Seltenheitswert hat und aus diesem Grund auch besonders gefördert werden sollte.

Getestet wurde die PC-Version.

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Don-Bosco-Club
Bewertung Spielspass