Wartech - Senko no ronde

Genre
Beat 'em Up
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2007.07
Systeme
Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
Einfach gehaltenes Beat ´em up ohne Höhen und Tiefen
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Wartech Senko no ronde" führt uns in eine futuristische Vision in der die Erde nach einem nicht näher benannten Unglück unbewohnbar geworden ist und nur noch als Rohstofflieferant genutzt wird. Die Menschheit hat sich im Weltall angesiedelt und drei Fraktionen bekämpfen sich vor diesem Hintergrund um ihre Interessen durchzusetzen. Das Spiel stellt die Konsolenvariante eines Spielhallenklassikers dar und ist im japanischen Anime-Stil gezeichnet. Sowohl die elektronische Musikuntermalung als auch die Synchronstimmen der Charaktere erscheinen in einer für dieses Comic-Genre typischen Art.
Der Spieler hat die Möglichkeit sich einen von acht Charakteren, die den drei Fraktionen angehören, auszusuchen und mit diesem wiederum zwischen jeweils zwei hochgerüsteten Kampfroboteranzügen – im Spielejargon auch Mech oder Rounder genannt – zu wählen. So ausgerüstet begibt er sich dann in Duellsituationen mit den übrigen Spielcharakteren die im klassischen Beat ´em up-Modus durchlaufen werden. Das bedeutet die Kontrahenten stehen sich auf dem Bildschirm gegenüber und versuchen den Rounder des Gegners mit einem Arsenal unterschiedlicher Waffen und Nahkampftechniken zu zerstören. Dabei bietet das Spiel keine Möglichkeit sich aus dem Kampf zurückzuziehen oder Deckung zu suchen. Das Spielprinzip ist der offene Schlagabtausch bis zur Niederlage eines Kampfteilnehmers.
Jeder Rounder verfügt über eine Vielzahl von Waffensystemen. Die Bandbreite reicht dabei von Strahlen- und Maschinenkanonen über Lenkraketen und Minen bis zu unabhängigen Drohnen, die den Gegner eigenständig bekämpfen. Darüber hinaus stehen jedem Roboter Nahkampftechniken wie Schlag- und Trittkombinationen zur Verfügung, die teilweise größere Schäden verursachen als die Kanonen- und Raketensalven. Der Spieler hat die Möglichkeit einen Schutzschirm um seinen Roboter herum aufzubauen um sich vor gegnerischen Attacken zu schützen und in einem so genannten B.O.S.S.–Modus kurzfristig zu einer übermächtigen Kampfmaschine zu mutieren. Diese beiden letztgenannten Fähigkeiten stehen jedoch nur begrenzt und in Abhängigkeit von einer Energieleiste zur Verfügung, welche im Bildschirm angezeigt wird. Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Funktionen die das Kampf- und Bewegungssystem verfeinern.
Jeder Mech wird von einem inneren und einem äußeren Kreis umgeben, die zum einen die Distanz kennzeichnen, in der bestimmte Waffen effektiv zum Einsatz kommen und zum anderen den Nachladevorgang sichtbar machen, indem sie rot leuchten solange die entsprechende Waffe nicht feuerbereit ist.
Spielt man das Spiel im Storymodus, durchläuft man sieben Duelle (mit den übrig gebliebenen Charakteren die ursprünglich zur Auswahl standen) bis man auf seinen Endgegner trifft. Die Duellgegner werden hierbei vom Computer gesteuert. Sind alle Kontrahenten besiegt präsentiert sich dem erfolgreichen Kämpfer eine eher unspektakuläre Endsequenz, die ihm mit Technomusik unterlegte Standbilder aus dem Lebenslauf seiner Spielfigur zeigt.
Des Weiteren steht ein Mehrspielermodus zur Auswahl, in dem zwei Spieler an einer Konsole gegeneinander antreten können und es gibt zusätzlich die Möglichkeit im Internet zu kämpfen und seine Spielerfolge in Online-Ranglisten einzutragen.
Um die Spielfertigkeiten und Tastenkombinationen zu üben stellt das Spiel zusätzlich ein Trainingslevel bereit.

Pädagogische Beurteilung:

Von Dennis Andrzejewski

Grundsätzlich erfreut sich das Spielgenre der Beat ´em ups, welches "Wartech Senko no ronde" repräsentiert, durch die dargestellten Duellsituationen gerade bei männlichen Jugendlichen einer großen Beliebtheit. Es stellt für sie einen großen Reiz dar, hier risikolos ihre Fertigkeiten auf die Probe stellen zu können.
Der angebotene Mehrspielermodus bietet die Möglichkeit sich im direkten Kampf zweier Roboter miteinander zu messen.
Beat ´em ups erscheinen dabei für Mädchen auf den ersten Blick weniger attraktiv. Von den acht wählbaren Charakteren ist jedoch die Hälfte weiblich, so dass zumindest davon ausgegangen werden kann, dass das Spiel auch Mädchen ansprechen soll. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich die wenigsten Mädchen von diesen stark kampf- und konkurrenzbetonten Inhalten angezogen fühlen und sich mit diesen in ihrer Freizeit beschäftigen.
Wartech verzichtet auf übertriebene Gewaltdarstellung. So sind keine Bluteffekte zu sehen oder Schmerzensschreie zu hören und auch die Umsetzung der Waffenwirkungen ist sehr abstrakt und comichaft in Szene gesetzt. Wartech bietet keinerlei Effekthascherei oder Bezüge zur Realität die das Gezeigte für Jugendliche über 12 Jahren bedenklich erscheinen lassen. Hier bildet dieses Spiel im Genre der Beat ´em ups eine der wenigen Ausnahmen, da die meisten Spiele für Kinder und Jugendliche durch ihre sehr realen und gewaltbetonten Inhalte nicht geeignet sind.
Für eine junge Zielgruppe spricht auch, dass die geforderten Fertigkeiten wenig komplex und schnell erlernbar sind und Erfolge somit auch von jüngeren Spielern und Anfängern des Genres schnell erzielt werden können.
Ebenso enthält Wartech ein hohes Potential sich mit den wählbaren Spielcharakteren zu identifizieren da diese fast alle im Alter zwischen 14 und 19 Jahren sind und jeder eine im Handbuch kurz dargestellte Hintergrundstory mitbringt. Ein Punkt der gerade für Jugendliche durchaus positiven Einfluss auf die Spielmotivation nehmen kann, wenngleich auch die Anime-Welt in der sich Wartech präsentiert natürlich nicht jeden Spieler anspricht.
Gerade Eltern oder Lehrer haben oft Probleme die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen für die überzeichneten, bunten und oftmals skurrilen Animewelten zu verstehen. Hier hilft es sich, die Spielwelt von den Kindern und Jugendlichen einmal erklären zu lassen, da Vieles mit entsprechendem Hintergrundwissen weniger befremdlich erscheint.
Was ein Problem für das junge Publikum darstellen könnte ist die Tatsache, dass das Spiel lediglich in der Japanischen Originalversion mit englischen Untertiteln verkauft wird. Da die gesamte Handlung grundsätzlich nur während der Duelle erzählt wird und es kaum möglich ist gleichzeitig die Kämpfe zu bestreiten und den Untertiteln zu folgen, wird das Erfassen der ohnehin nicht gerade durchsichtigen Story selbst für ältere, des Englischen mächtige Spieler schwer bis unmöglich gemacht. Ohne das Verständnis der Hintergrundgeschichte wird das Spiel jedoch auf die Kampfsequenzen reduziert.
Umgekehrt stellt sich die Frage ob gerade das einfach gehaltene Spielprinzip für ältere und erfahrenere Spieler überhaupt reizvoll ist. Viel Herausforderung hält Wartech nämlich nicht bereit. Die Duelle laufen immer nach gleichem Schema ab, die überschaubare Menge an Gegnern bietet wenig Abwechslung und der Storymodus ist von Experten in zwanzig bis dreißig Minuten das erste Mal durchgespielt. Auch ein Spannungsbogen oder eine packende Atmosphäre sind im Verlauf des Spiels kaum spürbar, so dass am Ende lediglich der Mehrspielermodus als eventuell dauerhafte Spielmotivation bleibt. Ob dieser Umfang den Kauf eines Vollpreisspieles rechtfertig erscheint doch recht zweifelhaft.

Fazit:
"Wartech Senko no ronde" ist ein einfach gehaltenes Beat ´em up das von seiner graphischen Darstellung, seiner moderaten Gewaltdarstellung und seinen Steuerungsanforderungen für Jugendliche ab 12 Jahren geeignet scheint. Die Tatsache, dass das komplette Spiel jedoch ausschließlich in japanischer Sprache mit englischen Untertiteln angeboten wird und auch das Handbuch lediglich in Englisch vorliegt schränkt diese Eignung nach Meinung des Verfassers ein.
Fraglich ist ob der zu erwartende Spielspaß bei einem Storymodus von maximal dreißig Minuten Dauer lange anhält und einen Preis von über 60,- Euro rechtfertigt. Dazu kommt, dass sich das Spiel graphisch, sound- und steuerungstechnisch nicht auf der Höhe anderer aktueller Titel des Genres befindet.