Hellgate: London

Genre
Rollenspiele
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2007.10
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Motivierende Monstermetzelei mit einigen Schwächen
Autor
Matthias Reitzig
Einzeltest
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Spielbeschreibung
Was kommt dabei heraus, wenn man das Spielprinzip des Klassikers "Diablo 2" mit den Zutaten eines Ego-Shooters würzt und das ganze in einem postapokalyptischen London ansiedelt? Genau: "Hellgate: London"! In einer nahen, düsteren Zukunft ist London von plötzlich aufgetauchten Dämonenhorden überrannt worden. Nur wenige Überlebende stellen sich in den Ruinen der Stadt den Monstern noch zum Kampf und versuchen, die Stadt aus ihren Klauen zu befreien.
Als Spieler schlüpft man in "Hellgate: London" nun in die Rolle eines solchen Widerstandskämpfers. Wahlweise kann man als Schwerter schwingender Nahkämpfer, als mit modernsten Feuerwaffen ausgerüsteter Soldat oder als futuristischer Kampfmagier auf die Monsterjagd gehen. Denn genau darum geht es in "Hellgate: London": Stets ist es das Ziel, möglichst viele Monster zu töten, denn das gibt Erfahrungspunkte, die wiederum dann und wann für einen Stufenaufstieg sorgen. Steigt man eine Stufe auf, kann man die eigenen Fähigkeiten verbessern, um so noch kampfstärker zu werden. Außerdem lassen getötete Dämonen häufig Gegenstände wie neue Waffen oder Rüstungen fallen, die ebenfalls zu einer Verbesserung der eigenen Fähigkeiten beitragen.

Pädagogische Beurteilung
Wie bei den anderen Titeln des Rollenspiel Genres ist es auch hier das Sammel- und Ausbauprinzip, das "Hellgate: London" seinen Reiz verleiht. Stets ist man darauf aus, noch eine Stufe aufzusteigen oder noch einen tollen Gegenstand zu finden; das Prinzip des Kämpfens und Sammelns ist durchaus motivierend.
Ein weiterer Motivationspunkt sind die Aufgaben (Quest) , die man im Spiel erhält. Immer wieder trifft man andere Überlebende, die die eine oder andere Aufgabe für den Spieler bereithalten. So wird man beispielsweise damit beauftragt, bestimmte Gegenstände zu besorgen oder eine bestimmte Anzahl Dämonen zu töten. Das Erledigen einer solchen Aufgabe wird dann mit seltenen Gegenständen und zusätzlichen Erfahrungspunkten belohnt.
"Hellgate: London" wird wahlweise aus der Ego-Perspektive oder aus der Verfolgeransicht heraus gespielt. Hierbei bietet es sich an, Fernkämpfer aus ersterer und Nahkämpfer aus letzterer Ansicht zu spielen, da so eine bessere Spielübersicht entsteht. Gesteuert wird das Spiel mit Maus und Tastatur. Die Tastatur dient hierbei, wie in solchen Spielen allgemein üblich, der Bewegung. Die Maus ist für die Sichtsteuerung und die Aktionen innerhalb der Spielwelt verantwortlich.
Grafisch wirkt "Hellgate: London" solide, aber nicht sonderlich bemerkenswert. Viele Umgebungen ähneln einander stark, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass das Spiel die einzelnen Spielabschnitte immer wieder neu kombiniert und damit bei wiederholtem Spielen für mehr Abwechslung sorgen will. Dennoch geht dies zu Lasten der grafischen Gestaltung und erzeugt beim Spieler häufig das Gefühl, eine neue Umgebung so oder so ähnlich schon einmal gesehen zu haben.
Auch der Sound vermag keine Begeisterungsstürme auszulösen. Zwar sind sowohl Musik als auch die Geräuscheffekte der einzelnen Monster und Waffen durchaus gut gemacht, aber nichts, was länger im Gedächtnis bleiben würde.
Leider bietet die Story von "Hellgate: London" wenig Spannung. Abgesehen von einem gut gemachten und auch durchaus packenden Intro wird die Geschichte des Dämonenangriffs auf die britische Hauptstadt nicht weiter erläutert, von nun an steht nur noch der Kampf gegen diesen übermächtigen Gegner auf dem Programm. Auch die Unterhaltungen mit den zahlreichen Nichtspielercharakteren wirken oft sehr unpassend. Oftmals ist der Charakter dieser Gespräche einfach nur albern und stört damit die eigentlich sehr düstere Atmosphäre des Spiels nachhaltig. Letztendlich dienen die Gespräche nur dazu, neue Aufträge für den Spieler bereitzustellen.
Genauso wie sein Vorbild, setzt Hellgate London auf einen ausgeklügelten Mehrspielermodus, der die Spieler langfristig an das Spiel binden soll. Zusätzliche Spielinhalte sollen in Zukunft ähnlich wie in einem Online-Rollenspiel von den Entwicklern bereitgestellt werden, um die Spielwelt permanent zu erweitern.
Die düstere postapokalyptische Atmosphäre im Zusammenspiel mit einer sehr gewaltlastigen Handlung hat dazu geführt, dass das Spiel von der USK keine Jugendfreigabe bekommen hat. Genreüblich besteht der Großteil der Aufgaben in der Bekämpfung verschiedener Gegnertypen, alternative Lösungsmöglichkeiten sind nicht vorhanden. In der entschärften deutschen Version fließt kein Blut und besiegte Monster fallen letztlich einfach um, dadurch ist "Hellgate London" sehr viel weniger brutal als viele seiner Genrekollegen. Trotzdem ist diese "Getötet oder getötet werden" Thematik nichts für Kinder und Jugendliche. Das der Konflikt zwischen Gut und Böse, der natürlich auch für Jugendliche eine große Faszination darstellt, in diesem Titel mit modernen Schusswaffen aus der Egoperspektive ausgetragen werden kann, trägt zusätzlich zu seiner mangelnden Eignung für Minderjährige bei.

Fazit
"Hellgate: London" ist ein Spiel, das zunächst durchaus Spaß macht. Das Sammeln neuer Gegenstände und das Aufsteigen der eigenen Spielfigur motivieren anfänglich sehr. Nach und nach wird dies jedoch langweilig; wirklich Neues sucht man nach einigen Stunden im Spiel vergeblich. Hinzu kommt noch die Atmosphäre, die zunächst dem Setting entsprechend düster aufgebaut, aber immer wieder durch alberne Details schlichtweg zerstört wird.
All dies führt dazu, dass "Hellgate: London" zwar einige nette Ideen bietet, auf Dauer aber viel von seinem anfänglichen Charme einbüßt und die Motivation des Spielers deutlich nachlässt.
Die Präsentation und die Spielinhalte sind für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.