Portal

Genre
Denken / Geschick
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2007.10
Systeme
PC, Playstation 3, Xbox 360, Mac, Linux
System im Test
PC
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Neuartige Spielidee, die Abenteuer, Rätsel & eine Prise Action vereint
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans von kniffligen Rätseln
Sprache
Deutsch, geschrieben und gesprochen
Grafik
realistische Grafik im futuristischen Setting
Sound
wenig Musik, realistische Geräusche

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Protagonistin Chell
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Logisches Denken, Geschick, Reaktionsfähigkeit
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
knifflige Rätsel, isolierte Atmosphäre
Redaktion
Nicola Klemenz
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Wer lässt sich nicht gerne mit einem Kuchen ködern? Im realen Leben entdeckt man dieses Phänomen im Zusammenhang mit Sonntagsspaziergängen. Angetrieben durch die Aussicht auf Kaffee und Kuchen rafft man sich dann doch gerne auf und verlässt das Haus. Bei Portal vermutet der Spieler zu Beginn diese Art von Antrieb nicht, das Spiel hat es eigentlich auch nicht nötig, mit Leckereien zu locken. Dennoch ist es ein sehr belustigender Nebeneffekt, wenn eine Computerstimme den Spieler zum Aufgeben bewegen will indem sie einen Kuchen verspricht: "Wenn du diese Aufgabe meisterst, bekommst du einen Kuchen." Oder ironischer Weise den Spieler zum Abbrechen überreden will: "Wenn du jetzt aufgibst, wartet ein Schokoladenkuchen auf dich."
Portal war bis vor kurzem nur als kleines Zusatzspiel in der Spielesammlung "The Orange Box" erhältlich. Nach einer sehr positiven Resonanz durch die Spieler, etlichen Auszeichnungen und Höchstwertungen, wird es nun auch als "eigenständiger" Titel vermarktet. Mittlerweile hat sich um das Spiel ein wahrer Fankult gebildet. So kann man T-Shirts kaufen, Fans erschaffen neue Rätselkammern für das Spiel oder backen den "darin" abgebildeten Kuchen nach.
In diesem Ego-Shooter, in dem sich Action, Adventure und Rätselelemente auf bisher unbekannte Art vereinen, unterzieht sich der Spieler einem Geschicklichkeitstest in einem Forschungszentrum. Als Testperson bewegt er sich in der Ego-Perspektive durch ein Gebäude mit 19 Stockwerken. Diese stellen gleichzeitig verschiedene Testlabore und somit die einzelnen Level dar. Mit Hilfe von zwei verschiedenen Portalen, die der Spieler "mittels eines Energiestrahlers" in Wänden öffnen kann, gelingt es ihm, sich im Spiel auch an scheinbar unzugängliche Orte zu begeben oder unpassierbare Bereiche wie Säurebecken zu überwinden. Das Prinzip dabei ist einfach: Geht der Spieler durch das eine "Portal" (Energiefeld), kommt er durch das andere heraus und umgekehrt.
In einer eher kargen wissenschaftlichen Umgebung warten unterschiedliche Geschicklichkeits- und Logiktests auf den Spieler. Eine klare Aufgabenstellung ist dabei nicht vorgegeben, es geht lediglich darum, den Ausgang der Versuchsanordnung zu erreichen, der beim Betreten des Raumes unerreichbar erscheint. Die Testperson bekommt von einer elektronischen Stimme, die den Spieler durch das gesamte Spiel begleitet, einen versteckten Hinweis, was zu tun ist. So findet man z.B. "in vielen Kammern" Würfel vor, die im Raum herumliegen und die der Spieler bewegen kann. Die zu einer solchen Situation gehörende Aufgabe wäre: Um in den nächsten Raum zu gelangen, muss ein großer Knopf heruntergedrückt und gehalten werden.
Kein Problem für den Spieler, der nach einigem Ausprobieren schnell versteht, dass ein Würfel auf den Knopf gelegt werden muss, damit die Tür zum Ausgang aufgeht und vor allem geöffnet bleibt.

Pädagogische Beurteilung:
Portal beinhaltet eine ganz neuartige Spielidee und verbindet die Genres Ego-Shooter und Denkspiel auf intelligente Art und Weise mit ausgeklügelten Rätseln.
Das Spiel führt den Spieler anhand einer Stimme aus dem Off in das Geschehen ein. Ein Übungslevel ist nicht vorhanden, denn die Aufgaben sind anfangs noch sehr einfach und überschaubar. Sie bauen aufeinander auf und bereiten den Spieler schrittweise auf die kommenden Aufgaben vor. Die Steuerung erfolgt über die bekannte Steuerung vieler Ego-Shooter: Mit der Maus bestimme ich meine Blickrichtung, mit der Tastatur bewege ich mich. Die Entwickler haben die Umgebung des Spiels eher einfach, trostlos und detailarm gestaltet. Das Spiel lebt nicht, wie viele andere Spiele des Shooter Genres, von einer opulenten Grafik, obwohl diese trotzdem den Kontrast der wissenschaftlich sterilen Umgebung zu Beginn und dem Blick hinter die heruntergekommenen Kulissen später im Spiel gut vermittelt, sondern erschafft nach und nach eine Atmosphäre die den Spieler in ihrer Gesamtheit zu fesseln vermag.

Zu Beginn fallen die Aufgaben und Rätsel eher leicht und kurz aus. Mit dem Fortschreiten im Spiel werden die einzelnen Level bzw. Aufgaben jedoch immer umfangreicher und aufwendiger. So findet die Testperson etwa einen Raum vor, in dem ein Automat eine Kugel durch die Luft wirbelt, die gegen eine Wand knallt und wieder von dem Automaten aufgenommen wird. An einer anderen Stelle im Raum gibt es jedoch ein Auffanggerät für diese Energiekugeln. Wenn diese Kugel dort hineingeleitet wird, aktiveriert sie einen Fahrstuhl oder eine Beförderungsplattform. Wie stellt die Testperson dies nun an? Ganz klar: Mit der der Erschaffung zweier Portale an den richtigen Stellen lässt sich die Kugel umlenken und gelangt an ihre Zielposition. Wie das nun funktioniert, lässt sich in etwa an einem Billardspiel mit Bandeneinsatz deutlich machen. Wer die physikalischen Gesetze verstanden hat, erfährt bei Portal schnell ein Erfolgserlebnis. Dennoch hilft dem Spieler nicht nur das logische Denken, auch Schnelligkeit und eine gute Hand-Auge-Koordination bei der Steuerung sind gefragt. Portal mag dabei wie ein Ego-Shooter aussehen, stellt jedoch die Rätselanteile ganz klar über die ansonsten in diesem Genre übliche Action. Faszinierend ist die scheinbar korrekte physikalische Ebene des Spiels. Durch die Anwendung der Spielweisheit "Was schnell hineingeht, kommt auch schnell wieder heraus" ist es dem Spieler durch geschickte Anwendung der Portale möglich Hindernisse oder Höhenunterschiede zu überwinden. Oftmals steht nach dem Lösen der Aufgaben die Frage "Warum bin ich denn da nicht gleich drauf gekommen."
Der immer anwesende wissenschaftliche Computer in Form einer weiblichen Stimme ist ein wesentliches Merkmal des Spiels und unterstützt bzw. erzeugt eine Stimmungen, die sich zwischen Bedrohung und Unterhaltung bewegt. Auf eine teils sehr amüsante Art gibt sie dem Spieler Hinweise, unterstützt und lobt ihn oder will ihn mit einer ironischen Bemerkung irreführen. Dem Spieler wird jedoch sehr schnell deutlich, dass der Computer eigene Ziele verfolgt und man lediglich Spielball in seinen Versuchsanordnungen ist. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind die ironischen Sprüche sehr witzig und lockern die Spielatmosphäre auf. Mit fortschreitendem Spielverlauf baut die Computerstimme jedoch einen psychischen Druck auf die Testperson auf, der von jüngeren Spieler falsch eingeordnet werden könnte. Dies rechtfertigt auch die Altersfreigabe von 12 Jahren. Es bedarf schon ein wenig an Lebenserfahrung, um den Zynismus der Computerstimme richtig zu verstehen, zumal er oft lebensfeindlich ist. "Gleich töte ich Sie" droht die Stimme an, aber macht es dann doch nicht.
Die Spielfigur kann sterben, indem sie in Säure fällt oder von einer der, vor allem später im Spiel auftauchenden, Selbstschussanlagen erschossen wird. Der Tod entspricht dabei jedoch mehr einem Scheitern bei der Lösung des Rätsels. Der Spieler kann am letzten Speicherpunkt mit der Lösung der Aufgabe fortfahren.

Jugendliche sollten ab ab 12 Jahren mit dem Geschehen auf dem Bildschirm in der Regel keine Probleme haben. Für jüngere Spieler ist Portal ungeeignet. Grund dafür sind die teilweise bedrohlich wirkenden Situationen, die düstere, beklemmende Stimmung und die abstrakte Darstellung von Gewalt. Abstrakt deshalb, weil der Spieler selten wie bereits oben erwähnt direkt mit Gewalt konfrontiert wird, aber diese dennoch an einigen Stellen stattfindet. Die Testperson findet in dem Labor immer wieder Orte, an denen erkennbar wird, dass es bereits schon Vorgänger gab, die sich dieser Tortur unterzogen haben. Durch zurückgebliebene Gegenstände, Schriftzeichen an den Wänden oder Blutflecken von Vorstreitern wird dem Spieler eingebläut, dass das Überleben in diesem Gebäude eher eine Glücksache ist. Oder ist es Können und Intelligenz? Die Gewalt in Portal findet also vorwiegend im Kopf des Spielers und erst in zweiter Linie auf dem Bildschirm statt. Portal entspricht dabei vor allem in seiner psychologischen Ebene Filmen mit einer Überlebensthematik wie z.B. Cube (von der FSK freigegeben ab 16 Jahren).

Das Spiel verspricht Spielspaß für die ganze Familie, denn auch Zuschauer kommen hier auf ihre Kosten. Gemeinsam lassen sich die Rätsel besser lösen und die psychologischen Spiele, die der Computer mit der Versuchsperson treibt sind auch für den Zuschauer sehr amüsant. Falls der Sonntagspaziergang also einmal wegen Regen ins Wasser fällt, wäre Portal eine nette Beschäftigung gemeinsam mit ihrem Sprössling. Und was gibt es im Anschluss? Natürlich Kaffee (Kakao) und Kuchen!

Fazit
Portal ist ein innovatives, mitreißendes und sehr intelligent gemachtes Spiel, an dem sich Kinder ab 12 Jahren, aber auch deren Eltern erfreuen können. Mit den kniffligen Aufgaben und dem ziemlich ironischen Beigeschmack kommen Spieler und Zuschauer gleichermaßen auf ihre Kosten. Daher ist es kein Zufall, dass Portal inzwischen eine große Fangemeinde aufweist.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Spieletester
Spielhaus in Bielefeld
Bielefeld
Bewertung Spielspass

Meinungen der Spieletester:
Portal bedarf Geschicklichkeit mit der Steuerung und räumliches sowie logisches Denken. Als Leitfaden und Begleiter hat der Spieler die Roboter-Stimme von GLaDOS aus dem Off, vor der man sein Können unter Beweis stellen soll. Sollte man mit der Steuerung bereits aus anderen Spielen vertraut sein, ist der Einstig in das Spiel sehr leicht gestaltet. Es wird deswegen auch auf anfängliche Einleitungen verzichtet, da sich das Prinzip der physikalischen Gegebenheiten besser auf eigene Faust erfahren lässt. Im Spielverlauf steigert sich die Schwierigkeit der Level bezüglich der Komplexität stetig. Außerdem ist nach einiger Zeit eine genauere und viel Intensivere Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten nötig, um den Lösungsweg zu erkennen.
Bereits im Alter von 12 Jahren gelangt man schnell zu Erfolgserlebnissen, doch nach dem jeweiligen Entwicklungsstand vermag es der Teamarbeit mit Freunden oder sogar Eltern, um dem Frust entgegenzuwirken, wenn man beispielweise das gefühlte tausendste Mal in einen Abgrund stürzt und von vorne beginnen muss.

Fazit:
Portal ist sicherlich etwas für diejenigen, die Spaß am Knobeln und Rätsel lösen haben. Mit ein bisschen Ehrgeiz bekommt man hier ein Spiel geliefert, das unter Berücksichtigung des Alters (2007) keinerlei an Scharm verloren hat. Es macht Spaß vielerlei Lösungsansätze auszuprobieren. Gepaart mit ironischen Bemerkungen der Off-Stimme, findet man sich in einer sogleich lockeren, als auch spannenden Spielwelt wieder. Die Idee hinter dem Spiel hat uns begeistert. Einziges Manko ist allerdings die Tatsache, dass es nur einen Singleplayer-Modus gibt, was jedoch unsere Erwartungen an die Fortsetzung steigert.