Saints Row

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
THQ
Erscheinungsjahr
2007.09
Systeme
Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
rasantes Actionspektakel mit problematischer Moral
Autor
Matthias Reitzig
Einzeltest
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Spielbeschreibung
Stilwater ist ein rauer Ort. Die Stadt wird quasi von Gangs regiert, die sich in den Straßenschluchten blutige Kämpfe liefern. Und hier passiert es dann auch: Das Alter Ego des Spielers gerät in eine wilde Schießerei zwischen verfeindeten Gangs und kommt nur so eben mit dem Leben davon und das auch nur, weil Julius, der Anführer der "Stilwater Saints" eingreift und ihn zu einem Mitglied der aufstrebenden Gang macht. Im folgenden Spiel muss sich der Spieler nun Respekt verdienen, um sich der Gang zu beweisen und in ihren Rängen aufzusteigen.

Pädagogische Beurteilung
"Saints Row" behandelt die Geschichte einer gewalttätigen Gang in den Straßen der fiktiven Großstadt Stilwater. Als frischgebackenes Mitglied dieser Gruppe ist es zunächst von großem Interesse für den Spieler, sich den Saints zu beweisen und sich ihrer würdig zu zeigen. Dazu dienen die Primärmissionen des Spiels. Im Auftrag reist man, zu Fuß oder mit einem beliebigen fahrbaren Untersatz, durch die Stadt und erfüllt Missionen im Auftrag der Saints. Erfolgreich absolvierte Missionen führen dazu, dass die Saints immer mehr Gebiete der Stadt übernehmen und so ihrem ultimativen Ziel, der Übernahme der Metropole, näher kommen. Jedoch lassen sich nicht alle Missionen einfach so der Reihe nach erledigen – es gibt noch einen Faktor, der beachtet werden muss: Respekt. Denn erst, wenn genügend Respekt gesammelt wurde, werden die nächsten Primärmissionen freigeschaltet. Um dieses kostbare Gut zu verdienen, lassen sich zahlreiche Nebenmissionen absolvieren. Hierzu zählt das Abwerben von Prostituierten von gegnerischen Zuhältern, Bodyguard-Dienste für Drogendealer oder auch Versicherungsbetrug. Letzteres bedeutet, dass man sich in den Straßenverkehr der Stadt stürzt um möglichst spektakulär angefahren zu werden – und dafür gibt es dann Geld von einem zwielichtigen Anwalt. In all diesen Missionen ist auch bereits deutlich der gewalthaltige und moralisch fragwürdige Charakter des Spiels erkennbar. Um ans Ziel zu kommen, ist jedes Mittel recht: Da wird auch schon mal ein Zuhälter erschossen, um sich die Dienste seiner Prostituierten zu sichern; um an ein Auto zu kommen, wird der Fahrer einfach mit Gewalt aus seinem Fahrzeug entfernt und so weiter. "Saints Row" ist dadurch definitiv kein Spiel, das in Kinderhände gehört. Die deutsche Fassung unterscheidet sich im Grad der Gewaltdarstellung zwar von der internationalen Fassung. So verschwinden Leichen nach ein paar Sekunden. Das physikalisch und anatomisch korrekte Verhalten der Leichen, dass so genannte Ragdoll, wurde entfernt und einige Missionen wurden aufgrund der drastischen Darstellung für den deutschen Markt entnommen. Trotzdem sind die moralischen und ethischen Werte, die in diesem Spiel vermittelt werden fragwürdig. Das Spielen mit der Grenzüberschreitung ist hier wie beim Vorbild GTA Programm. Erwachsenen Spielern wird hier im Computerspiel die Möglichkeit geboten ohne Konsequenzen über die Stränge zu schlagen und moralische Grenzen zu übertreten. Besonders jüngere Jugendliche können mit dieser überzeichneten Darstellung von Grenzübertretungen nicht umgehen und laufen dabei Gefahr, diese fragwürdigen moralischen und ethischen Inhalte ernst zu nehmen und sich an ihnen zu orientieren.
Gesteuert wird das Spiel aus der dritten Person; die Kamera schwebt dabei über und hinter dem Spieler. Dadurch ist die Übersicht meist gewährleistet, nur beim Rückwärtsfahren kommt es manchmal zu Sichtproblemen. Im Laufe des Spiels kann der Spieler auf ein umfangreiches Waffenarsenal zurückgreifen; von der Pistole über Sturmgewehre bis hin zum Raketenwerfer ist alles vorhanden. Dies führt auch dazu, dass es in den Straßen von Stilwater häufig zu überaus beeindruckenden Explosionen kommt, diese gehören zum eindruckvollsten, was das Spiel grafisch zu bieten hat. Aber auch die restliche Grafik ist durchaus ansehnlich gestaltet, die Stadt kommt realistisch daher, überall sind Passanten unterwegs und auch die einzelnen Stadtviertel unterscheiden sich deutlich voneinander. Die Soundkulisse ist ebenfalls gut gelungen. Ein frei wählbares Radioprogramm bietet, sobald man in einem Auto sitzt, unterschiedlichste Musiksendungen oder auch ironisches Talkradio. Aber auch sonst klingt die Stadt lebendig, Passanten rufen einem Beleidigungen hinterher, wenn man sie beinahe überfahren hat und auch die restlichen Geräusche einer Metropole, wie Motorenlärm, wurden von den Entwicklern gut getroffen.

Fazit
"Saints Row" erinnert sehr stark an die erfolgreiche "Grand Theft Auto"-Reihe aus dem Hause Rockstar Games. Spielprinzip und Steuerung sowie Präsentation sind sehr ähnlich, dennoch schafft es "Saints Row" einen eigenen Charme zu entwickeln. Insbesondere der Respekt-Aspekt des Spiels hebt es von dem großen Vorbild GTA ab. Die Missionen sind abwechslungsreich gestaltet. Die zahlreichen Nebenmissionen und andere Aktivitäten, wie beispielsweise der Versicherungsbetrug, sorgen für Abwechslung; Langeweile kommt dabei für den erwachsenen Spieler so schnell nicht auf. Ein hohes moralisches Empfinden sollte man jedoch beim Spielen dieses Titels nicht haben, zu brutal und skrupellos sind die Aufgaben, die man hier zu erfüllen hat. Erwachsenen Spielern mit ausreichend Sinn für Abstraktion und Distanz zum Spielgeschehen sei der Spaß gegönnt, in die Hände von Kindern und Jugendlichen sollte der Titel aber auf keinen Fall geraten.

Getestet wurde die Xbox360-Version.