World of Chaos

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
Xider Games
Erscheinungsjahr
2007.04
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Mäßiges Rollenspiel mit hohem Schwierigkeitsgrad
Gruppenleiter
Helge Schölzel
OT St. Anna Ehrenfeld
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung:
Epische Mythen und Märchen faszinieren die Menschen schon seit Urzeiten. Daher ist das Genre der Fantasyrollenspiele auch schon seit jeher bei den Computerspielern sehr beliebt. Das Urgestein Ultima oder der Klassiker Diablo, aber auch die Computerspieladaption des Films "Der Herr der Ringe lassen immer noch die Herzen vieler Fans höher schlagen. In diese erfolgreiche Gruppe versucht sich auch das Spiel World of Chaos einzugliedern.
Die Geschichte von World of Chaos ist schnell erzählt: Der Spieler schlüpft in die Rolle des Halb-Orks Skandar Graun. Von dem Gott des Chaos beauftragt zieht er los, um ein besonders Artefakt zu finden und gleichzeitig seine Eltern zu rächen. Diese wurden vor langer Zeit von einem mächtigen Zauberer getötet. Doch bevor er jene endgültigen Prüfungen meistern kann, muss er vorher eine Menge Aufgaben lösen, meistens alleine, manchmal aber auch in der Gruppe. Die Handlung ist relativ linear angeordnet und lässt nicht besonders viel Spielraum für freies Handeln. Doch zahlreiche Nebenaufgaben, wie etwa das Beschaffen spezieller Gegenstände oder das Überwältigen kleiner Gegnerhorden, lockern dabei genretypisch das Spielgeschehen ein wenig auf.

Pädagogische Beurteilung:
In die Fantasywelt eingeführt wird der Spieler zunächst durch eine "nett präsentierte Vorgeschichte" (Spieler, 15). Gemäldeartige, bewegte Bilder und anschaulich computergenerierte Videosequenzen erklären kurz, warum man sich als halbnackter Ork vor den Toren einer mittelalterlichen Stadt wieder findet. Eine Einleitung in die Steuerung erhält der Spieler mittels kleinerer Textfenster, die jedoch ziemlich überladen sind. Denn statt in kleinen Etappen in die Steuerung und die wichtigsten Funktionen einzuleiten, wird zu schnell zu viel auf einmal erklärt. Im Endeffekt ist die Steuerung der Spielfigur jedoch sehr simpel und fast ausschließlich auf die Maus beschränkt und orientiert sich an der Steuerung bekannter Klassiker. Die linke Taste ist für die Bewegung zuständig oder um Türen zu öffnen, Passanten anzusprechen oder sonstige Aktionen auszuführen. Mit der anderen Taste lässt sich die Betrachtungsposition verändern, was sehr häufig von Nöten ist, da es leider keine automatische Kameraführung gibt und Objekte, die die Sicht versperren, nicht automatisch ausgeblendet werden.
Die Grafik entspricht dem aktuellen Genremittelmaß und kann mit aktuellen Toptiteln wie Oblivion oder Two Worlds nicht konkurrieren. Als "zu schlicht und unbelebt" (Spieler, 15) empfanden die Tester die Spielwelt. So lassen sich die meisten vom Computer gesteuerten Spielfiguren einfach nicht ansprechen und kleinere Details, wie z.B. zwitschernde Vögel, wurden komplett ausgelassen. Deshalb ist das Spiel nur schwer in der Lage, eine fesselnde Atmosphäre aufzubauen. Weder die stimmige Musik noch die markante "passende Stimme" (Spielerin, 13) des Halborks, welche eine der deutschen Synchronstimmen von Samuel L. Jackson ist, können daran etwas ändern.
Das Lösen der Rätsel ist in fast allen Fällen leider nur durch kämpferische Auseinandersetzungen möglich. Diese gehen rundenbasiert von statten. So hat der Spieler jede Runde eine gewisse Anzahl an Punkten zur Verfügung, die zur Bewegung oder zum Angriff mit Waffen oder Zaubersprüchen verwendet werden können. Während des gesamten Spiels ist kein Blut zu sehen, doch ein Spiel für eine jüngere Zielgruppe ist World of Chaos damit auf keinen Fall. Zu dominant sind die kämpferischen Auseinandersetzungen, in dieser archaischen Welt wird halt weniger diskutiert als gekämpft.
Sehr leicht kann es schon bei den ersten Gegnern zum Scheitern kommen, was die Tester als sehr frustrierend empfanden. Überlegtes Vorgehen bei den Kämpfen hat somit erste Priorität und kann junge Spieler schnell überfordern. Spieler sollten somit ein gutes Maß an Ausdauer mitbringen, wenn sie sich mit World of Chaos beschäftigen.
Hinzu kommt noch die mögliche Frustration durch unklare Auftragsziele. Zum einen stimmt manchmal die Sprachausgabe nicht mit dem geschriebenen Text überein, zum anderen ist die Formulierung schlichtweg zu ungenau. So verbringt man mehr Zeit mit dem planlosen Umherirren als mit dem Bewältigen der Aufgaben. Zwar ist eine stets aufrufbare Karte vorhanden, doch fehlen dieser jegliche Beschriftungen zur Orientierung.
Die vermittelten Werte im Spiel sind zuweilen sehr ambivalent. Auf der einen Seite rettet Skandar Graun kleine Kinder vor Wölfen, auf der anderen macht er keine Anstalten den Suizid eines anderen Halborks zu verhindern. Dieser will aufgrund der in der Spielwelt vorherrschenden Diskriminierung von Orks sein Leben beenden. Doch anstatt ihn davon abzuhalten, muss der Spieler ihm seine Jacke entlocken um voranzukommen. Solche Handlungen passen zwar zum vom Spiel gewünschten Bild des Protagonisten, sind jedoch zumindest als moralisch bedenklich anzusehen.
Die angesprochene Ausgrenzung von Orks und Halborks in der Gesellschaft bekommt der Spieler bei fast allen Kontakten zu Menschen zu spüren. Sie bezeichnen ihn als stinkend, streitlustig und unzivilisiert, wie sich im Laufe des Spiels jedoch herausstellt, zu Unrecht. Solch gesellschaftliche Differenzen findet man leider auch nicht selten in unserer Welt wieder. Möglich wäre es daher, einen Bezug herzustellen und mit den Jugendlichen die Gründe für solch ungerechtfertigte Vorurteile zu erörtern. Themen wie die Stellung von speziellen gesellschaftlichen Gruppen oder die Auswirkung des Aussehens auf das soziale Miteinander sind Teil jener Thematik. Leider wurde der Ansatz der Diskriminierung innerhalb des Spiels nicht konsequent zu Ende geführt, was World of Chaos sicherlich ein wenig von der Konkurrenz hätte abheben können.

Fazit:
World of Chaos ist ein durchschnittliches Rollenspiel mit mittelmäßiger Grafik und gutem Sound. Aufgrund der doch sehr schweren Kämpfe und der teilweise moralisch bedenklichen Handlung ist das Spiel nicht für jüngere Spieler geeignet. Jugendliche ab 12 Jahren sollten jedoch ohne Probleme das im Spiel erlebte gut verarbeiten können.

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Spieletester
OT St. Anna Ehrenfeld
Köln
Bewertung Spielspass