Shrek der Dritte

Genre
Jump&Run
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
NBG EDV Handels & Verlags GmbH
Erscheinungsjahr
2007.06
Systeme
PC, Playstation 2, Xbox 360, Wii, Playstation Portable, Nintendo DS, Game Boy Advance
System im Test
Playstation 2
Kurzbewertung
Ambitionsloses Spiel ohne Herausforderungen
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Jeder Film braucht seine Spielumsetzung. Das ist ein eisernes Gesetz in der Vermarktungsbranche und wird entsprechend angewendet. Die Hersteller wissen, dass Spiele mit bekannten wie imposanten Titeln die Käufer anlocken und brauchen sich in Sachen Verkaufszahlen selten Sorgen zu machen. Da bedarf es auch nicht immer eines gelungenen Spielkonzepts, damit die Geldbörsen der Käuferschar etwas lockerer sitzt. Und so ist der Ruf unter Kennern der sogenannten Lizenzspiele, nicht gerade der allerbeste. Aber die Kenner sind halt immer nur ein kleiner Teil des Kuchens, auf den sich Herstellerfirmen und vor allem die Vertriebe mit reklame-klugen Schachzügen stürzen.

"Shrek der Dritte" heißt das neuste Jump&Run-Abenteuer, das der dritten filmischen Vorlage um den grünen, herzlichen Oger Shrek, nachempfunden und natürlich auf allen wichtigen Systemen erschienen ist. Die Geschichte, die dem Spiel als Hintergrund dient, ist schnell erzähl. Shrek muss das Königreich "Weit Weit Weg" retten, und schreitet auf dieser Mission durch insgesamt zwanzig Level. In diesen Leveln begegnet er immer wieder menschlichen Gegnern, die er mit gekonnten Schlägen den Garaus machen muss. Des Weiteren finden sich in Kisten, Kästen und Tonnen versteckte Schätze, deren Finden zur Erfüllung von Missionen beiträgt und zum Ende jeden Levels die belohnende Kasse klingeln lässt. Zum Schluss einer jeden Mission wartet zusätzlich der Endgegner, der mit ein wenig mehr Mühe zu schlagen ist.
Zu den Handlungsmöglichkeiten mit dem Gamepad gehören schnelle wie harte Schläge, ein mittlerer und ein darauf aufbauender Doppelsprung, sowie eine daraus kombinierte Sprungattacke. Mit Hilfe von blau glänzendem Feenstaub, die Shrek immer und immer wieder aufsammeln muss, kann er Spezialattacken vollziehen, die dem Gegner auf besondere intensive Art und Weise schaden. Hat er besonders viel Feenstaub zusammengetragen, kann er zusätzlich die Geschwindigkeit der Spiels verringern und in sichtbarer Zeitlupe den Gegner gezielt und besonders hart treffen. Der Feenstaub entspringt aus besiegten Gegnern und ist in zertrümmerten Kisten und Kästen zu findet. Um dem Spiel ein wenig mehr Abwechslung zu verleihen, wechselt man in seltenen Momenten die Spielfigur, so dass auch der Esel oder der gestiefelte Kater zu steuern sind. Steuerungsunterschiede gibt es dabei überraschenderweise nicht. Zusammenfassend kann man sagen: Ein altbekanntes Spielprinzip ohne Überraschungen.

In Grundzügen ist "Shrek der Dritte" auch seiner Vorlage nachempfunden, wenn auch mit einigen Abwandlungen, wahrscheinlich um das Computerspiel nicht mit zu vielen Videos zu überladen.

Pädagogische Beurteilung:
Wie oben beschrieben wissen Kenner meistens, was auf sie zukommt, wenn eine filmische Vorlage als Computerspiel vorliegt. Kritisch wird das Ergebnis erstmal von Außen über zum Beispiel Spielemagazine beäugt und selten greift man wirklich zu. Auch unsere jungen Experten in den Testergruppenn haben nach vielen ähnlichen Lizenzspielen den Dreh raus und verlieren oft schon im Vorhinein die Lust, wenn ein solches Spiel ihr Gruppengeschehen beeinflusst und zur analytischen Begutachtung ansteht. Aber bevor hier an dieser Stelle alles über einen Kamm geschert wird, muss gesagt werden, dass einige Ausnahmen sehr wohl zu finden sind. Sogar in den eigenen Reihen. So war "Shrek Smash 'n Crash Racing", das passende Spiel zum zweiten Shrek-Film, keine standardtypische Umsetzung des Spielfilms, sondern eine Rennspiel in der Märchenwelt des grünen groben Klotzes Shrek, das viele der Jugendlichen und Kinder in unseren Reihen begeistern konnte. Doch leider ist das auch eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Auch im Falle von "Shrek der Dritte", dass sich als sehr eintöniges und innovationsloses Spiel entpuppt hat: Shrek ist Massengut, dass ist in jedem Falle klar. Auch hat er in seiner Unschuldigkeit und liebevollen Art schon mal einen Platz sicher, um auf dem Einkaufszettel fachfremder Käufer zu landen. Mit der Absicht dem Kind etwas Gutes tun zu wollen, werden Eltern und Pädagogen letztlich aber nur mit einem unzufriedenen Kind umgehen müssen, das sich von "Shrek der Dritte" unterfordert sieht und nach einem Mehr an Abwechslung verlangt.

Das liegt zum einen an einer Grafik, die "von vorgestern" (Spieler, 10) ist und nicht gerade Lust auf Mehr schafft. Einleitende Videos, wie sie des Öfteren zu finden sind, lenken die Aufmerksamkeit der Kinder zuallererst auf die grafischen Gegebenheiten, die dann, ohne dabei selbst tätig zu werden begutachtet werden können. Gerade im Falle von Filmumsetzungen erhält die Grafik einen besonders hohen Stellenwert. Kinder wünschen sich eine haargenaue Umsetzung des Films, den sie oft sehr zu schätzen wissen. Ist das nicht der Fall, so wie bei "Shrek der Dritte", verliert sich nach kurzer Zeit schon der Bezug zu dem, was die Vorfreude auf das Spiel ausgemacht hat. Man betrachte es wie eine Waagschale. Auf der einen Seite steht Shrek, der das Kind bzw. den Jugendlichen schon im Kino begeistern konnte. Auf der anderen Seite, die Unausgewogenheiten des Videospiels, die auch hier zahlreich vorhanden ist. Es ist beizeiten erstaunlich, aber Kinder schaffen, vor allen in jungen Jahren, sehr lange an diesem Vorbild festzuhalten, ohne an der mangelhaften Umsetzung Kritik zu nehmen. Fehlt aber der entsprechende Bezug, der hier durch platte Gesichter, ruckelnde Bilder und eine kümmerliche Farbpalette abstrahiert wird, wird diese Wagschale zur Seite der negativen Aspekte sinken.

Zu den negativen Aspekten gehören nicht nur, die eben beschriebenen grafischen Elemente, sondern auch die Hintergrundstory. Hier hakt es bei "Shrek der Dritte" auf ganz besondere Art und Weise. Allgemein kann man festhalten (das bestätigt eine gruppeninterne Umfrage), dass es dem Wunsch der Kinder entspricht, wenn ein Film im Spiel einerseits sehr originalgetreu umgesetzt wird, anderseits eine ganz andere, völlig neue Geschichte dargeboten wird. Alles, was sich im nicht wirklich gut durchdachten mittleren Bereich wieder findet, wird von den testenden Kindern und Jugendlichen eher unter Blödsinn abgestempelt. "Denen ist wohl nix eingefallen. Was macht denn der Pirat da im Spiel. Ich kann mich gar nicht erinnern, dass da irgendein Pirat im Film 'ne Hauptrolle hatte!" (Spieler, 13) "Shrek der Dritte" tappt, wie hier anschaulich beschrieben, leider mitten rein in die Falle. Es werden Figuren eingebaut, die im Film niemals zu sehen waren und Gegner zu Gegnern gemacht, gegen die man eigentlich gar keine Lust hat zu kämpfen, weil sie Allerweltsgesichtern entsprechen. Zudem besteht zwischen den einzelnen Leveln, die jeweils immer durch ein Video eingeleitet werden, kein spürbarer Zusammenhang. Auch das ist für die Tester wichtig, dass man weiß, wofür man spielt. Kein Spieler spielt grundlos, sondern erhofft sich eingebunden zu sein in einen klar strukturierten Sachverhalt. Ein Sachverhalt, der es dem Kind oder Jugendlichen erlaubt, sich fallen zu lassen und ein wenig Vertrauen in das Spiel zu haben. "Shrek der Dritte" enttäuscht dieses Vertrauen, da man als Spieler selbst dazu gezwungen ist, der undynamischen Geschichte durch Gespräche mit anderen Spielern einen Sinn abzugewinnen. Das fördert zwar Austausch und Gruppendynamik, ist aber gerade für Jugendliche auf die Dauer einfach zu eintönig und frustrierend.

Neben grafischen Elementen und der Hintergrundgeschichte sind es bei diesem Spiel vor allen Dingen die stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten, die wirklichen Spaß am Spiel und damit daraus eventuell resultierenden pädagogischen Nutzen verhindern. Man rennt linear gezeichnete Wege entlang, ohne große Handlungsfreiheit. Mit der Zeit kommen Gegner, die man mit einem schnellen oder gezielten Schlag vernichten muss. Ist das geschehen, verwandeln sie sich in den erwähnten Feenstaub, den man aufsammelt um einen, einzigen Spezialschlag ausführen zu können. Das sind sehr dürftige Möglichkeiten, die dem Spieler geboten werden. Zumal es von Level zu Level in der Schwierigkeit keine wirkliche Steigerung zu spüren ist. Kinder, seien sie noch so jung, wollen durch Spiele nicht nur abgelenkt oder in eine gute Story eingebunden werden. Nein, sie suchen die Herausforderung. Nach zwei gespielten Leveln von "Skrek der Dritte", die durch schnelles Tempo und rasante Action noch halbwegs überzeugen konnten, machte sich schon bei den Jüngsten in den Testergruppen Langeweile breit, weil es immer nur Schlag, Sprung und Feenstaub sammeln hieß. Ohne jegliche Variationen. Die Spitze des Eisberges bzw. die Krönung der Langeweile zeigt sich besonders in dem Moment, indem man die Rolle des Esels oder des gestiefelten Katers übernahm. Gewöhnlicherweise erwartet man, dass jeder neu zu spielende Charakter neue Funktionen mit sich bringt, was sich positiv auf die Motivation niederschlägt. Nicht aber hier. Der Doppelsprung von Shrek bedeutet auch beim gestiefelten Kater einen Doppelsprung. Vielleicht eleganter, durch die schlankere Figur, aber ohne große Veränderungen in der Wirkung. So kommt der Spieler irgendwann in Level Fünfzehn an und sieht sich mit den gleichen Gegebenheiten konfrontiert, die ihn schon mehrere Missionen zuvor beschäftigt haben. Selbst die Endgegner, waren mit einfachen Tastenkombinationen, die in immer angegeben waren, schnell und einfach zu besiegen. Das schafft leider weder Herausforderung noch Motivation.

Fazit:
"Shrek der Dritte" enttäuschte die Testergruppe auf ganzer Linie. Ist das Bestreben der Gruppenleiter die Spieler solange bei der Stange zu halten, normalerweise groß, war die Einsicht in diesem Fall größer, als die meisten Kinder und Jugendliche nach nicht mal der Hälfte des Spiels um Abbruch baten. Dem Spiel zugute zu halten ist, dass trotz der geforderten Gewaltausübung mit Shreks Fäusten oder dem Schwert des gestiefelten Katers, keine Aggressionen oder Gewalttätigkeiten geschürt oder gefördert werden. Dafür ist die märchenhafte Welt des Shrek (auch für die Jüngsten) zu abstrakt und phantasievoll, als das die Gewalt im Vordergrund stehen würde.
Kinder ab 8 Jahren sollten somit keine Probleme haben, die Anforderungen, die dieses Jump&Run an sie stellt zu meistern und das Gesehene angemessen zu verkraften.

Getestet wurde die Playstation2-Version.

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Don-Bosco-Club-Mülheim
Bewertung Spielspass