Rayman Raving Rabbids

Genre
Denken / Geschick
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2006.12
Systeme
PC, Playstation 2, Xbox 360, Wii, Nintendo DS, Game Boy Advance
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Partyspiel mit ausgeflippten Hasen und schwarzem Humor
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Rayman ist ein kleiner Kauz, mit dicker Knubbelnase und zu Berge stehenden Haaren. Ein symphatische Fantasiefigur, allerdings mit einigen Ecken und Kanten. Denn Rayman hat weder Arme noch Beine. Die Fortbewegung ist dadurch nicht im Geringsten eingeschränkt, denn trotz des Fehlens der Extremitäten, sind ihm Hände und Füße gegeben. Dazwischen tut sich ein Leerraum auf, so dass Rayman Bewegungen genauso absurd wie witzig wirken. Eine Phantasiefigur, wie Kinder ihn lieben. Darüber hinaus aber auch viele ältere Semester.
Denn Rayman wurde nicht erst vor kurzem aus der Taufe gehoben. 1992 erfunden, war er anfangs nur als Maskottchen des Spielherstellers Ubisoft gedacht. Doch schon 1995 fand Rayman sich für seinen ersten Auftritt auf Video- und PC-Bildschirmen wieder. Zu der damaligen Zeit lag das Genre des Jump&Run brach. Es mangelte an wirklich guten Spielen, nachdem der Genre-Held Super Mario nach einer, für die damaligen Verhältnisse unnormalen Spieleflut, ausruhte. "Rayman", 1995 auf allen wichtigen Systemen veröffentlicht, brach das Eis und wurde von anerkannten Fachmagazinen zu einem der wichtigsten Spiele des Jahres gewählt. Auch wenn Mario noch immer dominierte, fand man sich in "Rayman" mit einer weitaus bunteren und abstrakteren Welt konfrontiert. Auch war der Schwierigkeitsgrad für die Spieler weitaus höher, als man das von Super-Mario-Spielen in Erinnerung hatte.
Die Beliebtheit von Rayman zog sich, wie bei Mario über mehrere Spiele, bis er irgendwann aus dem Jump-and-Run-Genre ausbrach und auch andere Stilrichtungen mit seiner Figur konfrontierte.

Nach einer längeren Pause, gab Rayman Ende 2006 sein Comeback mit "Rayman Raving Rabbids". Ein Spiel, das auf der seinerzeit frisch auf den Markt gebrachten Konsole Wii veröffentlicht werden sollte. Auch in diesem Fall ist "Rayman Raving Rabbids" weit entfernt von der Fixierung auf die Grundzutaten eines Jump&Run-Spieles der frühen Jahre. Zwar wird dieser Vorgang im Spiel berücksichtigt, ist er aber nur einer von vielen Handlungsweisen. "Rayman Raving Rabbids" besteht zum allergrößten Teil aus Minispielen, die den Spieler in Sachen Geschicklichkeit, Körperbeherrschung und Denkfähigkeit testen. Darum gestrickt ist eine Geschichte, die während des Spielens mehr als stark in den Hintergrund rückt. Um es kurz anzureißen: Rayman wird während eines beschaulichen Picknicks von Riesenhasen gekidnappt und in eine Zelle geworfen. Von hier aus wird er Mal für Mal in ein Stadion gebracht, das von ausgeflippten, kleineren weißen Hasen besetzt ist. Rayman muss in jeder Runde, in der er das Stadion betritt in vier verschiedenen Minispielen gegen die zum Teil furchteinflößenden Hasen antreten, um dann in einer letzten, großen Prüfung die Runde zu beenden. Unterdessen ergibt sich mit jeder Runde eine Möglichkeit der Flucht, die man aber nur als Zuschauer wahrnimmt und nicht selbst erspielen kann.

Pädagogische Beurteilung:
Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste. Auch auf dem Spielemarkt greifen sie zu dem, was sie für geeignet halten und verzichten auf das, was ihre Kinder verstören, überfordern oder verängstigen könnte. Doch nicht immer ist das, was auf einer Spielpackung zu sehen ist, gleichbedeutend mit dem Inhalt. Eltern lassen sich im Computerspielbereich, wenn sie auf dem Gebiet keinen wirklichen Durchblick haben, gerne und oft von einer kindlichen wie comichaften Optik leiten. Gerade im Genre der Adventures, die auf schwierigen Rätsel basieren, findet man des Öfteren Spiele, die vor allem durch ihren Bezug zu Comics kindgerecht in Szenen gesetzt sind. Aber es zeigt sich immer wieder: Kinder werden durch den Schwierigkeitsgrad dieser Adventures, die manchmal sogar 16-jährige überfordern, unnötigen Frustrationen ausgesetzt. Auch im Falle von "Rayman Raving Rabbids" sollten Eltern sich nicht von dem lustigen, fast süßen Frontcover blenden lassen. In diesem Falle betrifft das zwar auch den Schwierigkeitsgrad, aber dazu sei später mehr gesagt. Was im Zentrum der Kritk an "Rayman Raving Rabbids" steht, sind die schwarzhumorigen, zum Teil sehr verstörend ausgestalteten Minispiele. Sie mögen auf manchen erwachsenen Menschen wie ein Bugs-Bunny-Cartoon wirken, in dem sich auch jederzeit mit Flinten und Bomben bekriegt wird. In diesem Falle finden sich Hasen wieder, die bitterböse Fratzen schneiden und lautstark umher brüllen. Dies kann Kinder verschrecken und ängstigen. Man muss in diesem Fall unterscheiden: Auf Jugendliche und Erwachsenen, die zwischen Realität und Fiktion ganz klar unterscheiden können, kann dieses Spiel witzig wie intelligent wirken. Jüngeren Kindern aber fehlt ein Sinn für Abstraktion und das Verständnis für eine bewusst gewählte Überzeichnung. Der Hase, der da auf dem Bildschirm läuft und sich von einem Hammer bedroht sieht, denn man selbst nach unten schnellen lassen muss, kann für ein Kind gleichbedeutend mit dem Hasen, den es vorher verträumt durch den Park hat hoppeln sehen. Besonders schneeweiße Hasen stehen als Sinnbild für Unschuldigkeit, was "Rayman Raving Rabbids" mit jeder Aktion seiner Protagonisten widerlegt. Diese Hasen zeichnen sich aus durch übergroße Augen, unheilvolle, giftige Blicke, absonderlichen Gesten und Mimiken. Für Jugendliche ein großer Spaß, zumal ohne wirkliche Waffengewalt vorgegangen wird. Aber nichts, mit dem Kinder unter acht Jahren konfrontiert werden sollten.

Ein weiterer Grund, der "Rayman Raving Rabbids" für allzu junge Kinder nicht geeignet erscheinen lässt, ist der schon oben angesprochene Schwierigkeitsgrad. Das Spiel wird, wie fast alle Spiele der futuristischen Konsole Wii, mit der Wii-Remote gespielt, einer Art Fernbedienung, die jede Bewegung des Spielers wahrnimmt und sie auf den Bildschirm transportiert. "Rayman Raving Rabbids" führt den Spieler mit dieser Technik zu sportlichen Höchstleistungen. So muss man in einigen Fällen die Arme wie wild hin- und herschwenken, um Rayman in einem Zeitlimit das Ziel erreichen zu lassen. Muskelkater ist da garantiert. Auch andere Minispiele, in dem man zum Beispiel mit einem ausrangierten Goldminenwagen über eine Barriere krachen muss, die Rayman unvermittelt rauskatapultiert, um im Zuge dessen eine bestimmte Weite zu überschreiten, bedienen sich des Prinzips fast unkontrollierter Verausgabungen. Die Spieletestergruppe des Don-Bosco-Clubs in Köln-Mülheim zeichnet sich durch ein Durchschnittsalter von 13 Jahren aus. Und selbst in diesem Alter war es für die betreffenden Spieler ein Problem, den Vorraussetzungen des Spiels in jedem Falle gerecht zu werden. Aber Jugendliche können diese kurzzeitig empfundenen Frustrationen ablegen und noch mal von vorne starten. Kinder sind in diesem Falle sich selbst überlassen und das kratzt auf Dauer am Selbstwertgefühl.
Neben der hohen Verausgabung finden sich auch Aufgaben wieder, die dem Spieler Konzentration und Geschicklichkeit abverlangen, was zu einem Höchstmaß an Anspannung führt. Zum Beispiel in dem immer wiederkehrenden Disco-Spiel, in dem man den Rhythmus eines bestimmten Liedes folgen muss. Einmal daneben, schon gibt es Punktabzug. Im äußersten Falle ist das Spiel gar zu Ende und man muss von vorne anfangen. Es ist keine Formel, die immer wieder zum gleichen Ergebnis führt, aber man kann annehmen, das junge Spieler mehr Frustration als positives Glücksgefühl erleiden.

Fazit:
"Rayman Raving Rabbids" ist ein völlig durchgeknallter Spielebauskasten, der einem lustigen Party-Abend für Jugendliche und Erwachsenen den nötigen Pfiff und Witz verleihen wird. Spieler, die zwischen Fiktion und Realität zutreffend unterscheiden können und sich an Frustrationen, die das Spiel zwangsläufig mit sich bringt, nicht wirklich stören. Hier trifft sportliche Verausgabung auf absolute Konzentration. Eine unglaubliche hohe Ideenvielfalt trifft auf den allerschwärzesten Humor. Das alles abgerundet mit einer wunderbar arrangierten Steuerung, die neben dem Spielspaß ganz nebenbei motorische Geschicklichkeiten aufpäppelt und den Spaß an der Bewegung fördert. Jugendliche ab 12 Jahren waren von diesem Prinzip begeistert. Zwar müssen auch hier Abstriche gemacht werden, weil die Hintergrundstory mehr zwanghaft als lohnend eingebaut wurde, aber das tut der Freude an "Rayman Raving Rabbids" letztlich keinen Abbruch, da viele weitere positive Faktoren das Spiel beleben. So ist der Sound, Mimik und Gestik von herumkrakeelenden Hasen und biestigen kleinen Monstern perfekt in Szene gesetzt, was zusätzliche für Motivation und Spielspaß sorgte.

Beurteilung der Spieletester zuklappen
Don-Bosco-Club, Köln-Mülheim
Bewertung Spielspass