Die Stämme

Genre
Onlinespiele
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
InnoGames
Erscheinungsjahr
2003.06
Systeme
PC, iOS, Android
System im Test
PC
Kurzbewertung
Technisch einfaches Strategie-Browsergame
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
"Die Stämme" ist ein Browsergame das zurzeit über 670000 Spielern auf 27 Spielwelten eine virtuelle Heimat bietet. Das ergibt eine durchschnittliche Anzahl von rund 25000 Spielern die auf jeder dieser Welten mit- und gegeneinander spielen. Eine Rahmenhandlung ist nicht vorhanden da die mittelalterliche Szenerie lediglich dazu dient das Spielprinzip zu verorten. In zeitgemäßer Manier baut der Spieler ein Dorf auf, erwirtschaftet Ressourcen wie Holz, Lehm und Eisen. Er baut damit neue Gebäude und Palisaden um seine wachsende Bewohnerschar vor Angriffen zu schützen. Seinerseits versucht er, mit Hilfe von militärischen Truppen die Dörfer anderer Mitspieler zu plündern oder zu erobern, um seinen Punktestand und Einflussbereich zu vergrößern. Dazu organisiert er sich mit Mitspielern aus seiner virtuellen Nachbarschaft zu so genannten Stämmen, die als Allianz gemeinsam Handel betreiben und sich in Angriff und Verteidigung gegenseitig unterstützen. Die Funktionsweisen und Handlungsmöglichkeiten sind dabei dem Genre der Strategiespiele entsprechend. Maßgeblich für den Charakter von Browser-Games wie "Die Stämme" ist die Persistenz der Spielwelt. Das bedeutet, dass die Welt dauerhaft existiert und das Leben, d.h. der Handel und die Kämpfe der Spieler untereinander, in ihr weiterläuft, unabhängig davon ob der einzelne Spieler aktiv daran teilnimmt oder seinen Computer ausschaltet und sich anderen Dingen widmet.
Browsergames sind Spiele die ohne Software-Installationen einfach im Internetbrowser gespielt werden können. Das bedeutet, man ruft die Internetseite des Spielanbieters auf, im hier beschriebenen www.diestaemme.de, registriert sich dort mit einem Spielernamen ähnlich wie in einem Internetforum, loggt sich ein und bekommt alle teilnahmerelevanten Angaben und Funktionen in seinem Browser angezeigt. Das Spiel ist grundsätzlich kostenlos. Es ist aber möglich durch den Erwerb eines Premiumaccounts (2,90 Euro im Monat) eine verbesserte Steuerung zu erkaufen.

Pädagogische Beurteilung:

Von Dennis Andrzejewski

"Die Stämme" ist ein Strategiespiel. Der Startbildschirm präsentiert einem dazu ein unspektakuläres Bild auf dem einige wenige Gebäude, der aktuelle Rohstoffbestand und eine Menüleiste zu sehen sind. Alternativ kann man eine graphische Ansicht wählen die einem die Gebäudeanordnungen und kleine Animationen anzeigt, wenn beispielsweise Soldaten miteinander trainieren, oder aber eine tabellarische Ansicht in der die Gebäude und ihre Ausbaustufen lediglich in einer Liste angegeben werden. Zunächst hat der Spieler die Aufgabe die Gebäude seines Dorfes in Stufen auszubauen (von Stufe 1 bis maximal 30) und somit ihre Funktion zu verbessern. Eine Eisenmine erhöht mit jeder Ausbaustufe ihre Förderleistung. Ein Haupthaus, in dem die Bauaufträge für Gebäude verwaltet werden, bietet mit höheren Stufen kürzere Bauzeiten und zudem neue Optionen für weitere Bauten wie Kasernen oder Schmieden. Mit Kasernen können dann im Verlauf Truppen rekrutiert und in den Schmieden die dazugehörigen Waffen erstellt werden. So baut sich das Spiel Stück für Stück auf, gewinnt an Komplexität und mit jedem erreichten Spielziel ergeben sich neue Handlungsmöglichkeiten. Die fortschreitende Entwicklung motiviert den Spieler in der Anfangsphase den Ausbau seines Dorfes und somit seinen Punktestand voranzutreiben. Wie er dabei im Vergleich zu seinen Spielnachbarn steht kann er in der anwählbaren Rangliste und der Umgebungskarte beobachten. Die bereits angesprochene Persistenz der Spielwelt erhöht diesen motivierenden Effekt maßgeblich. Denn in der Konsequenz bedeutet es, dass die Dörfer der Nachbarn weiter wachsen während man selbst nicht aktiv ist und das eigene Dorf jederzeit Ziel eines Angriffs werden kann, ohne dass eine Möglichkeiten zum Eingreifen besteht sofern man nicht im Spiel eingeloggt ist. Dieser Umstand stellt für den Spieler, negativ betrachtet, eine gefährliche Zeitprovokation dar. Denn in jeder Stunde in der er nicht einen Blick auf sein Dorf wirft kann er Opfer eines Angriffs werden und wertvolle Ressourcen oder noch schlimmer das ganze Dorf mit seinem entsprechenden Punktestand verlieren, egal ob es Tag ist oder Nacht. Um vor solchen Attacken sicher zu sein und seinerseits Angriffe zu unmöglichen Zeiten zu führen um Gegner wehrlos zu erwischen, hat schon so mancher Spieler seinen Wecker nachts um vier Uhr gestellt, um Truppen auf ihren Weg zu schicken. Nach einigen Wochen Spielzeit kann ein Account über mehr als einhundert Dörfer und dementsprechende Truppenkontingente verfügen was vom Spieler ein enormes Organisationstalent und einen hohen Zeitaufwand fordert. Da das Spiel in Echtzeit verläuft dauern Bauaufträge je nach Ausbaustufe zwischen 10 Minuten und 36 Stunden. Genauso laufen Armeebewegungen je nach Entfernung des Feinddorfes und Art der Truppengattung (Reiter sind schneller als Fußsoldaten)zwischen einigen Minuten und mehreren Tagen. Dies hat den Effekt, dass der Spieler selbst in Zeiten in denen er nicht am Computer sitzt und seine Dörfer verwaltet darüber nachdenkt wann gerade seine Truppen irgendwo eintreffen oder wann ein Bauauftrag beendet ist und er sich in das Spiel begeben muss um entsprechende Nachjustierungen vorzunehmen. Für einen Schüler der sich während des Mathematikunterrichts fragt ob seine Verteidigung den feindlichen Truppen standgehalten hat, die heute um 10.32 Uhr sein Dorf erreicht haben, kann die Gefahr bestehen seine Prioritäten falsch zu setzen. Auch so mancher erwachsene Spieler hat sich schon während der Arbeitszeit über die firmeneigene Internetleitung ins Spiel eingeloggt um schnell ein paar Einstellungen vorzunehmen. Einer der Hauptgründe für alle diese verführerischen Reize sein knappes Zeitkontingent zu verplanen, ist die Gruppendynamik die eine Stammesmitgliedschaft mit sich bringt und ohne die ein Überleben im Spiel nur schwer möglich ist. "Die Stämme" lebt von der Spielgemeinschaft, von der Kommunikation und der Zusammenarbeit mit anderen Gleichgesinnten. Das bringt einen nicht zu unterschätzenden Druck mit sich, um den Anforderungen dieser Gemeinschaft zu entsprechen. Die meisten Stämme fordern von ihren Mitgliedern sich mindestens täglich ins Spiel einzuloggen um im Verteidigungsfall den Gruppenmitgliedern oder den Bündnispartnern Hilfe durch Truppen oder Ressourcen zu leisten. Wenn man diesen Ansprüchen nicht genügt folgt der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Eltern sollten diesen Umstand unbedingt bedenken.
Auch, dass Kinder beziehungsweise Jugendliche sich bei "Die Stämme" in einer stark von Erwachsenen besetzten Welt bewegen und der Umgangston dort dementsprechend sein kann, sollte Eltern bewusst sein. Da die Kommunikation im Spiel in erster Linie über Textnachrichten stattfindet, stellt sie auch nichts anderes als einen Chatroom innerhalb eines Spiels dar, der sowohl von Kindern wie Erwachsenen benutzt wird.
Durch das Fehlen grafischer Effekte und Soundeinlagen kommt das Spiel ohne entsprechende Gewaltdarstellungen aus. Kämpfe werden lediglich in sich verändernden Zahlenwerten dargestellt und bekommen dadurch einen Charakter, der dem eines Schachspieles ähnelt.
Der nüchterne Charakter des Spiels, der in vielen Facetten eher einem Buchhaltungsprogramm gleicht, als einem aktuellen Computerspiel, macht "Die Stämme" für jüngere Spieler schnell unattraktiv. Zu wenig passiert auf dem Bildschirm und zu abstrakt ist das Geschehen. Auch die sozialen Bindungen, die, wie bereits erwähnt, den Hauptreiz des Spiels ausmachen, überfordern jüngere Spieler schnell.

Fazit:
"Die Stämme" ist ein Onlinestrategiespiel aus der Browsergame-Riege, das durch die Interaktion der Spieler untereinander und gerade durch seine Einfachheit fasziniert und langfristigen Spielspaß bietet. Es stellt aber durch die dargestellten Aspekte gerade für Jugendliche eine nicht zu unterschätzende Zeitprovokation dar, die Eltern bewusst sein sollte. Da das Spiel nicht als Datenträger vorliegt existiert keine Alterseinstufung durch die USK. Wir würden das Spiel aufgrund seiner kriegerischen Grundmuster, die allerdings ohne Gewaltdarstellungen auskommen und dem erheblichen Zeitaufwand, den ein erfolgreiches Spielen verlangt, Spielern unter 12 Jahren nicht  empfehlen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Dossier "Online-Browsergames".