Speedball 2 - Tournament

Genre
Sport
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Frogster
Erscheinungsjahr
2007.11
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Unterdurchschnittliches Sportspiel mit wenigen Höhepunkten
Gruppenleiter
Helge Schölzel
OT St. Anna Ehrenfeld
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Beschreibung:
Anfang der 90er Jahre hat das Spiel "Speedball 2" auf diversen Systemen wie dem bekannten Amiga 500 für Furore gesorgt. Fast zwei Jahrzehnte später ist nun der offizielle Nachfolger namens "Speedball 2 – Tournament" erschienen. Inspiriert wurde die Serie durch den Film Rollerball, ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1975, der auf einer Kurzgeschichte von William Harrison beruht. 2002 kam einen Neuverfilmung dieses Films in die Kinos.
Auch wenn sich die Grafik inzwischen komplett gewandelt hat, blieben das Spielprinzip und die Geschichte von Speedball unangetastet.
Wir schreiben das Jahr 2326. Menschen bevölkern zusammen mit Robotern, sogenannten Cyborgs, die Erde. In den Großstädten haben sich rivalisierende Straßengangs gebildet, doch diese tragen ihre Konflikte fortan auf dem Spielfeld und nicht in den dunklen Gassen der Großstädte aus. In einer futuristischen Arena treten sie gegeneinander an und versuchen eine Metallkugel von der Größe eines Handballs in das gegnerische Tor zu befördern. Dabei gibt es allerdings keine festen Regeln. Und so darf bzw. muss der Gegner mit sehr körperbetontem und oft brutalem Einsatz gestoppt werden.
In dem Spiel gibt es drei verschiedene Spielerklassen, die auch in gemischten Teams antreten können. Zum einen wären da die Männer zu erwähnen. Sie sind besonders stark und können dadurch sowohl in der Verteidigung, als auch im Angriff punkten. Die Frauen finden ihr Talent in der Schnelligkeit und sind somit in der Lage, die Gegner auszutricksen. Die dritte Gruppe bilden die Cyborgs. Sie können sehr gut passen und haben bei Würfen auf das Tor eine sehr hohe Trefferquote. Am besten stehen mischt der Spieler daher seine Teams mit diesen Spielfiguren, denn nur so kann er die unterschiedlichen Fähigkeiten kombinieren.
Damit das Spiel mehr ist als nur ein futuristisches Handball mit Vollkörperkontakt, haben sich die Entwickler ein paar kleine Besonderheiten einfallen lassen. So liegen auf dem Spielfeld kleine Extras (Power-Ups) herum, die eingesammelt werden können. Sie stärken die eigene oder schwächen die gegnerische Mannschaft, erhöhen z.B. die Spielgeschwindigkeit, oder teleportieren die Spielkugel zu einem der eigenen Mitspieler. Mit diesen temporären Beeinflussungen des Spielgeschehens können leicht spielerische Defizite der eigenen Mannschaft wieder wett gemacht werden.

Pädagogische Beurteilung:
Ausgleichen können diese Items jedoch nicht den Nachteil, der durch die unpräzise Steuerung entsteht. "Viel zu häufig passt man daneben" (Spieler, 14) und der Ball gerät in gegnerische Hände. Mit der Tastatur zu spielen ist aus diesem Grund weniger empfehlenswert. Vorziehen sollte man daher eher die Benutzung eines Gamepads als Eingabegerät. Mit diesem gehen nämlich die Bewegungen deutlich flüssiger von der Hand.
Die Atmosphäre, die in den vier unterschiedlichen Arenen herrscht, lässt sich als dunkel und kalt bezeichnen. Gespielt wird nämlich in einem fast komplett mit Metall verkleideten Stadion. Grafisch wurde dies gut umgesetzt. Besonders die Bewegungen der Spieler sind sehr gelungen. Jedoch muss gesagt werden, dass das Spiel auch auf den eigentlich schnellen Testrechnern nicht ruckelfrei lief. Zusammen mit der ungenauen Steuerung sorgte dies bei den Jugendlichen gelegentlich für Unmut und Frustrationsmomente.
Wirklich überzeugen konnte das Spiel keinen der Tester. "Zu wenig Abwechslung" (Spieler, 14) ließ im Einzelspielermodus schnell Langeweile aufkommen. Der Ligamodus konnte daher ebenso wenig begeistern wie das Spielen von einzelnen Turnieren. Es fehlte wohl auch schlichtweg der Bezug zu realen Sportarten und damit zu Spielern und Vereinen, der bei den meisten anderen Sportspielen vorhanden ist. Macht es Jugendlichen sonst häufig Spaß, aktuelle Fußballspiele auf der Konsole oder am PC nachzuspielen, so ist dies bei Speedball schlichtweg nicht möglich. Bekannte Spieler oder Vereine sucht man in einem fiktiven Sportspiel logischerweise vergeblich.
Hinzu kommt noch die mangelnde Stadionatmosphäre. Fangesänge wurden weggelassen und "die Musik ist eintönig und wiederholt sich oft" (Spieler, 14). Somit richtet sich das Spiel wohl eher an Nostalgiker, die alte Erinnerungen bezüglich des Vorgängers aufleben lassen wollen.
Wenigstens für kurze Zeit begeistern konnte die Tester einzig und allein der Mehrspielermodus. Bis zu vier Personen sind in der Lage an einem PC gegeneinander anzutreten. Dabei kann jedoch nur ein Spieler die Tastatur benutzen, so dass die weiteren Gamepads verwenden müssen. Zusätzlich zu dem Spiel an einem PC und über das Netzwerk gibt es noch die Möglichkeit, per Internet gegen Spieler aus der ganzen Welt anzutreten. Dazu hat jeder Besitzer von Speedball 2 – Tournament die Gelegenheit, da eine Internetverbindung schon für die Installation des Spiels vorhanden sein muss und somit Pflicht ist.
Pädagogisch gesehen ist das Spiel nur eingeschränkt zu empfehlen. Dass die verfeindeten Banden ihre Streitigkeiten lieber auf dem Spielfeld als auf der Straße austragen, ist lobenswert. Aber das komplette Fehlen von jeglichen Regeln und der betonte Einsatz von sonstigen unfairen Aktionen ist wiederum bedenklich. Fair-Play und die Bestrafung von Fouls durch einen Schiedsrichter fehlen vollständig. Kinder könnten sich dieses Verhalten zum Vorbild nehmen. Doch ab einem Alter von 10 Jahren sollten Kinder in der Lage sein, dass Geschehen auf dem Bildschirm als Fiktion zu begreifen. Um die düstere Stimmung richtig deuten zu können und aus ihr eine zusätzliche Motivation zu ziehen ist jedoch ein Alter von 12 Jahren notwendig. 
Ein Vergleich von verschiedenen Sportarten mit dem futuristischen Speedball ist als pädagogischer Ansatz sehr sinnvoll. Was unterscheidet zum Beispiel das bei uns immer populärer werdende American Football oder Rugby von dem futuristischen Spiel und seinen Regeln? Die Regeln jener beiden Sportarten könnten besprochen und erörtert werden. Denn auch wenn sie für uns oft brutal wirken, so spielt Fairness dort trotzdem eine sehr große Rolle. Die "Fair-Play-Initiative im deutschen Sport" (besonders unterstützt durch die Deutsche Olympische Gesellschaft) versucht seit Jahren mit dem Slogan "Fair geht vor" den Fair-Play-Gedanken populär zu machen. Spitzensportler werben für diese Idee und es wird jährlich ein Fair-Play-Preis vergeben. Fair Play im Sport heißt auch gleichzeitig, Achtung vor dem Gegenüber im Alltag zu üben.
 
Fazit:
"Speedball 2 – Tournament" ist ein eher unterdurchschnittliches Sportspiel mit Mängeln bei der Steuerung und der Langzeitmotivation. Interessant ist der Titel im Mehrspielermodus oder für nostalgische Fans des Vorgängers aus den 90er Jahren.
Die brutalen Spielweisen der fiktiven Sportart und die Missachtung jeglicher Fairness könnten von jüngeren Kindern falsch gedeutet werden. Spieler ab 10 Jahren sollten jedoch in der Regel mit dem fiktiven Inhalt umgehen können.

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Spieletester
OT St. Anna Ehrenfeld
Köln
Bewertung Spielspass