Fussball Manager 08

Genre
Simulation
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 14 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2007.11
Systeme
PC
System im Test
PC
Kurzbewertung
Detailgetreue und optionsstarke Wirtschafts- und Sportsimulation für die deutsche Bundesliga
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Einmal mitmischen dürfen, im Zirkus der Bundesliga, Uli Hoeneß auf dem internationalen Transfermarkt ein Schnippchen schlagen, Christoph Daums 1. FC Köln in Grund und Boden spielen oder das eigene Team zum Meister machen: Ein Traum vieler Kinder und Jugendlicher wird war, wenn auch nur in virtuellen Welten. Vor allem die männlichen Spieler sind erfreut, wenn ein neuer Teil eines Bundesliga-Managers auf den Markt kommt. Nicht erst seit gestern, denn Spiele wie "Fussball Manager 08" gibt es bereits seit Beginn der Neunziger Jahre. Damals in einfachen, dem damaligen Fortschritt entsprechenden Texturen gehalten, die nach dem Prinzip Videotext gestaltet waren und man selbst nur minimalen Einfluss auf das Spielgeschehen hatte. Doch die künstliche Intelligenz nahm im Laufe der Jahre zu, so dass die Spiele inzwischen auf der auf der Höhe der Zeit angekommen sind. So bieten sie heute eine ungezählte Fülle an Optionen. Aus diesem Grund sind es nicht nur die jungen Spieler, die hier entsprechendes Geld an der Ladenkasse lassen, sondern auch und vor allem ältere Generationen, denen es bisher verwehrt blieb, einen realitätsnahen Bundesliga-Manager zu spielen.

Der "Fussball Manager 08" bietet dem Spieler dabei unterschiedliche Herangehensweisen: Einmal den schnellen Einstieg als Teammanager, der sofort in den oberen Klassen trainieren und nebenbei, wenn gewünscht, auch ein hochkarätiges Nationalteam betreuen darf. Diese Variante gibt dem Spieler weniger Handlungsmöglichkeiten, seine hier mögliche Biographie selbst zu schreiben. Die Rolle des Trainers und Managers, die übernommen wird, hat eben schon gewisse Ecken und Kanten, die nur noch marginal zu verändern sind. Anders ist da der Karrieremodus, in dem der Spieler ganz von vorne beginnt. Es findet also nicht sofort ein Andocken in der in der ersten Bundesliga statt, sondern man befindet sich zum Start in unteren Klassen wieder. Der Trainer hat also noch keine Erfahrungen gemacht, hat sich noch keinen Respekt eingehandelt – kurz gesagt, er hat sich noch keinen Namen gemacht und ist ein unbeschriebenes Blatt. Privates, Soziales, Berufliches – all jene spezifischen Gegebenheiten obliegen dem Spielenden, diese eigens zu bestimmen. So muss dieser im Vorhinein einen langen Marsch an Einstellungen gehen, bevor er seine ersten taktischen Züge umsetzen kann. Wenn diese getätigt sind, kann es losgehen. Nämlich mit Saisonplanung, Training, Stadionausbau, Fanartikelverkauf, Sponsorenverträgen, Transferentscheidungen, Vertragsabbrüchen und -verlängerungen, privaten Entscheidungen, Aufstocken des Mitarbeiterstabes, Spielalltag und vielen weiteren, hunderte von Entschlüssen, Einstellungen und wirtschaftliche Kalkulationen, die durchzuführen sind. 
Gespielt wird so lange, bis der Spieler die Lust verliert. Der "Fussball Manager 08" ist ewig fortlaufend, einer Trainerkarriere entsprechend, bis der zu spielende Trainer-Charakter all seine Möglichkeiten verspielt hat oder irgendwann, altersbedingt abdanken muss.

Pädagogische Beurteilung:
Es ist nicht immer so, dass die Gruppenleiter und jungen Tester (in diesem Fall zwischen 12 und 15 Jahren), die in eigens eingerichteten Jugendgruppen diese Spiele mit großer Erfahrung testen, einer Meinung sind. Doch hilft die professionelle Distanz und Objektivität dem Gruppenleiter dabei, dass eigene Urteil nicht als wirklich entscheidend in den Raum zu stellen, so wie es eben gewünscht ist. Wenn die Meinungen, wie in diesem Fall, aber sehr weit auseinander gehen, dann ist der ein oder andere Gedankengang mehr, es wert sich zu überlegen, wieso dem denn so ist. Der "Fussball Manager 08" ist, aus der Perspektive des Gruppenleiters gesehen, dass beste Managerspiel, dass jemals auf dem Spielemarkt erschienen ist. So sahen es auch viele Fachmagazine, deren Autoren im Durchschnittsalter weit über 20 liegen dürften, und überhäuften das Spiel mit Lob und Preisen. Die Jugendlichen aus unseren Gruppen dagegen gaben dem Spiel eher mäßige bis schlechte Noten. "Es ist irgendwie immer dasselbe und wird deshalb von Spieltag zu Spieltag langweiliger." (Spieler, 13) Die Gegenfrage zu diesem Zitat bezog sich dann darauf, auf welchem Tabellenplatz man sich denn befinde. "Letzter", war die Antwort, die von Seiten des Gruppenleiters auf mehr Forschungsarbeit hinauslief. Dabei ist der hier zitierte Spieler ein Lexikon des Fußballwissens und großer Fan des nationalen wie internationalen Sports um das runde Leder.

Wie kann es also zu solch einem Gefälle kommen, zwischen Fachmagazin und fachlich hoch interessiertem Spieler? Die wirklichen Antworten auf diese vielen Gegensätze finden sich im Alter der Spieler und dem Spiel selbst. Einleitend dazu sei gesagt: Wenn geschrieben steht, der "Fussball Manager 08" habe eine Vielzahl an zu tätigenden Optionen, dann ist das sehr weit untertrieben. In den Bemühungen der Hersteller, dass Leben eines Managers und Trainers so realistisch wie möglich darzustellen, finden sich auch die Ausmaße an den hier zu leistenden Einstellungen wieder. Man vertiefe sich in das Gameplay: Jede Woche im Spiel muss trainiert werden. Nicht immer gleich, denn es hakt ja immer an anderer Stelle, so dass die erkennbaren Schwächen jedes Mal neu definiert werden können. Sei es im offensichtliche sportlichen oder im tiefgehenden emotionalen Bereich. All das und noch vieles mehr deckt der "Fussball Manager 08" ab und fordert zu weiteren Maßnahmen. Um dem Spieler nahe treten zu können, um letztlich eine erfolgreiche, harmonierende Mannschaft zu formen, muss der Trainer seine Spieler, deren Schwächen und Stärken auf das Genauste kennen. Bevor er diese kennt, muss er zu seinen Spielern Vertrauen aufgebaut haben, damit der Mannschaftsspieler sich überhaupt dazu überwindet, sein Innerstes preiszugeben. Weiter geht es im Aufgabenkarussell: Die Sponsoren machen Ärger, weil sie zu wenig in Szene gesetzt werden. Die Fans der ersten Stunden fühlen sich vernachlässigt. Ein Spielervertrag will verlängert werden, was gar nicht so einfach ist, denn der betreffende wichtige Spieler weigert sich, das als gut erachtete Angebot anzunehmen. Die Familie, die man sich virtuell erstellt hat, geht den Bach runter, weil man vergessen hat, mit ihnen einen entscheidenden Ausflug zu machen. Das letzte Spiel wurde mir Ach und Krach verloren, weil die Aufstellung sehr schwach und wenig durchdacht war. Und so weiter und so fort. 
All diese Ungereimtheiten sind zu beheben, vom Spieler selbst! Natürlich kann man Aufgaben abgeben, an teamangehörige Psychologen, Marketingmanager, Co-Trainer und viele andere. Aber diese müssen sich erstmal finden und einstellen lassen. Wenn kein Geld da ist, klappt es sowieso nicht. Wenn die Mannschaft schlecht spielt und keinen guten Ruf hat, dann wird es umso schwieriger. Eine Vielzahl an Optionen, die viele erwachsene Spieler begeistern können, weil sie in Teilen dem wahren Arbeitsumfang eines Fußballvereins der deutschen Bundesliga darstellen. Um sich diesem Spiel widmen zu können, muss man viel Zeit aufbringen und zum Teil lange auf Erfolge hinarbeiten. Oft über Monate und Jahre hinweg, dann, wenn längst schon andere Managerspiele auf dem Markt gebracht sind. 
Jede Option, die getätigt wird, muss gut überlegt sein, sonst wird sich das Spiel bzw. die harte, wirtschaftliche Realität des "Fussball Managers 08" bitter rächen. Jugendliche aber, ohne sie alle über einen Kamm scheren zu wollen, haben einen anderen, viel schnelleren Rhythmus. Wenn der Erfolg nicht in einem gewissen, meist kurzlebigen Zeitraum sicht- und spürbar ist, dann macht das Spiel für sie keinen großen Sinn. Somit scheint auch die oben beschriebene eingetretene Langweile verständlich. Gerade pubertierende Jugendliche springen von der einen zur nächsten Entwicklungsstufe, was sich auch im kulturellen Interesse niederschlägt. Eine langjährige Beschäftigung mit ein und demselben Spiel würde eine große Ausnahme bedeuten. "Fussball Manager 08" ist dabei nicht nur ein nervenaufreibendes Geduldspiel für die jungen Jugendlichen, sondern auch in seinen Grundzügen sehr kompliziert und oft überfordernd. Eine Kalkulation, die dort zu tätigen ist, setzt ein recht umfangreiches Mathematik- und Kalkulationsverständnis voraus. Zum Beispiel: Ein Transfer zu viel und schon hat man sich, wie man so schön sagt, verkalkuliert. Das Spiel verlangt neben dem großen Fußballinteresse einen Sinn für Wirtschaftlichkeit und seine Auswirkungen ab. Auf junge Menschen trifft das nur im seltensten Fall zu.
Auch der vorhandene Mehrspielermodus konnte da keine Abhilfe schaffen. Die Idee, dass man gemeinsam nicht einfach zu nehmende Hürden überwinden könne, erwies sich als Trugschluss. Es ergab sich sogar das genaue Gegenteil. Das langsame Tempo des Spiels mit seinen vielen zu tätigenden Einstellungen erwies sich für zwei Spieler als noch schleppender, die wirtschaftlich ausgelegten Komplikationen verursachten sogar Unkonzentriertheit und man lenkte sich gegenseitig ab.
Die Jugendlichen wurden eher von den abgespeckten Managermöglichkeiten der Fifa-Serie angesprochen, in der die sportlichen und nicht die finanziellen Optionen im Vordergrund stehen. Zudem können sie ihre Mannschaft hier selber spielen und erleben so die Entscheidungen unmittelbarer als im Fussball-Manager.

Fazit:
Fußballbegeisterte Jugendliche ab 14 Jahren, zumeist aus dem maskulinen Lager, die mathematischen Überlegungen und Rechnereien nicht abgeneigt sind, werden an diesem Spiel ihre große Freude finden. Dafür sprechen die grafischen Bedingungen, das realitätsgebundene Gameplay und eine Vielzahl von Optionen, die dem wissenden Fußballfan gerecht werden. Voraussetzung dafür, ist aber auch ein großes Maß an Geduld, Hingabe und das Wissen, dass es vieler Schritte bedarf, um sein Ziel von einem guten Spiel und einem höheren Tabellenplatz zu erreichen. 
Für jüngere Spieler stellt "Fussball Manager 08" ein Überangebot an Möglichkeiten und Einstellungen dar, ohne das altersgerechte Bezüge hergestellt und Angebote an den Anspruch des genannten Alters gemacht werden.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass