Boom Blox

Genre
Denken / Geschick
USK
ab 6 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts GmbH
Erscheinungsjahr
2008.05
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
intelligent umgesetzte digitale Jenga-Variante
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Wer den Namen Steven Spielberg hört, denkt mit Sicherheit nicht an seelenlose Holzklötze und kleine, rechteckige Tierfiguren, die süß und putzig in die Gegend starren. Bombastische Produktionen sind da schon eher passendere Assoziationen, bei dem weltbekannten Regisseur. Doch mit der Veröffentlichung von "Boom Blox" sollte man seine Ansprüche in Sachen Produktionsaufwand ein Stück weit herunterschrauben, denn Spielberg hat als ausführender Produzent bei diesem Titel seine Finger mit im Spiel. 
"Boom Blox" erinnert in erster Linie an den Klassiker "Jenga", auch wenn er das immer noch beliebte und einfache Spielprinzip doch übertrifft und komplexere Szenarien zu bieten hat. Es geht hier grundsätzlich auch um Holzklötze, die übereinander gestapelt sind. Selten aber in einem kompakten, rechteckigen Turm, sondern in vielen, fantasievoll gestalteten Formationen. Ziel des Spiels ist es diese Klötze zu Boden fallen zu lassen, möglichst mit so wenig Würfen wie möglich. Dies geschieht, in dem man einen virtuellen Baseball auf die Formationen schnellen lässt oder mit Hilfe der Wii-Fernbedienung Teile entfernt, damit die wichtigen Klötze, frei von Barrieren, den Boden erreichen.
Dies geschieht in anfänglichen Trainingsmissionen oder späteren Abenteuern, in dem das anfänglich gelernte in vielfacher Hinsicht gemischt wird. 

Pädagogische Beurteilung:
Hört sich erst einmal einfach an, ist es aber nicht. Denn dem Spieler stehen jede Menge Barrieren im Weg, bevor er letztlich sein Ziel erreicht. Um einige Beispiele zu nennen: Mal sind es Minus-Steine, die, wenn sie zu Boden fallen, Abzüge in der Gesamtnote zur Folge haben, dann die komplizierte Anordnung, der man noch keine Aufmerksamkeit beigemessen hat. Es ist, um in "Boom Blox" zu bestehen, ein gutes bis sehr gutes geometrisches Geschick und auch Interesse von Nöten, um überhaupt Klötze fallen zu sehen. Trifft der Spieler mit seinem Baseball die falsche Stelle, so hat dies zur Folge, dass z.B. nur die Hälfte der Blöcke zu Boden schnellen oder, das ist in den Testergruppen auch schon vor gekommen, gar kein Klotz sein Ziel erreicht und man seinen Wurf noch mal überdenken muss. Wie etwas fällt und ob es überhaupt fällt, bedarf also einer etwas längeren Planung und gescheiten wie geschickten Überlegungen. Und damit ist man noch nicht am Ende mit dem zu tätigenden Denksport. Denn neben der einfachen Geometrie und den schlichten Holzklötzen gibt es in "Boom Blox" noch weitere, ganz besondere Steine, die alle mit entscheidenden Eigenschaften dienen und anstrengen. Man nehme zum Beispiel die Chemieblöcke, die, wenn sie mit einem anderen Chemieklotz in Berührung kommen, eine chemische Explosion auslösen. Geschieht dies an der richtigen Stelle, so ist das Ziel oft schon erreicht oder zumindest in die Nähe gerückt. Des Weiteren gibt es die Bombenblöcke, die ebenfalls explodieren, wenn sie -in diesem Fall- mit einem x-beliebigen Stein getroffen werden. Allerdings sind auch die goldenen Regeln zu beachten, die das Spiel mit sich bringt: Überlegen, überlegen, überlegen. Nur so kann es zu den gewünschten Kettenreaktionen führen, die vorher völlig offen sind und sich oft auch nur in einer Gemeinschaft entschlüsseln lassen. 
Neben den Explosionsgaranten, die zur Freude der Spieler mit einem lauten Knall und vielen positiven Auswirkungen funktionieren, gibt es auch sogenannte Multiplikatoren. Ein einfaches Beispiel: trifft ein 10er Block auf einen weiteren 10er Block, so bekommt der Spieler 100 Punkte. Aber Achtung: wird der Baseball zu schnell in die Blockformation geschmissen, so kann es sein, dass der 10er Block nur auf einen einfachen Klotz trifft und man somit nur 10 Punkte erhält. Der Spieler ist also in mehrfacher Hinsicht gefordert. Zu beobachten war, dass trotz mancher Fehlschläge niemals der Punkt erreicht war, der zur Aufgabe führt. Das simple Spielprinzip von fallenden Blöcken forderte die Tester immer wieder dazu auf, nochmal in sich zu gehen und zu überlegen. "Das kann doch nicht so schwer sein" (Spieler, 14) war des Öfteren zu hören. Und auch wenn es gerade das Gegenteil von Einfach ist, war die Motivation dank des einfachen und schön in Szene gesetzten Spielprinzips immer so groß, noch mal nachzudenken und seine Fehler zu reflektieren. 
Wer hier also achtlos und kraftstrotzend die Wii-Remote (das Steuerungselement der Nintendo Wii) bedient, der wird nicht viel erreichen. 
Gerade im Mehrspielermodus, der bei den testenden Jugendlichen sehr gut ankam und eine starke kommunikative Auseinandersetzung forderte, war zu beobachten, dass sonst eher dominierende Jugendliche, die auf Grund ihrer Statur und ihres Status im Gruppengeschehen oftmals den Ton angeben, bei "Boom Blox" nicht unbedingt immer die Nase vorn haben. "Boom Blox" hat neben seiner Denk- und Geschicklichkeitskomponente auch einen entscheidenden sozialen Faktor, der hier des Öfteren "schwach" und "stark" zusammenführte, so dass beide voneinander profitieren. Das heißt nicht zwangsläufig, dass Grenzen damit überwunden werden, aber wachsender Respekt untereinander war schon zu verzeichnen, wenn der "Schwächere" dem "Stärkeren" die Lösung offenbaren konnte. Das zeigt vor allen Dingen, dass "Boom Blox" nicht nur als schlichter Spaß zu verstehen ist, dem man allein auferlegen ist und der von jedem x-beliebigen Benutzer zu spielen und zu lösen ist, sondern das sich dahinter Aufgaben verstecken, die ein großes Maß an präzisen Leistungen erfordern. Werden diese erfüllt, so erntet man Respekt und für sich selbst ein nicht zu unterschätzendes Erfolgsgefühl. Werden sie nicht erfüllt, dann besteht die Chance sich untereinander zu helfen (wie es in den Testergruppen immer wieder vorgekommen ist), um selbst weiterzukommen und in dem Mitspieler einen geeigneten Konkurrenten zu finden.  
Dies trifft aber nicht auf jede Altersgruppe zu, auch wenn "Boom Blox" von der USK ab 6 Jahren freigegeben wurde. Gerade im jungen Alter fehlt oft ein Verständnis für das Große, Ganze und den umliegenden Raum. Zwar kann "Boom Blox" dazu führen, dass Kindern ein ganz neues Verständnis für Geometrie vermittelt wird, was ihnen vorher in der Komplexität noch nicht offenbart wurde, aber Frustrationen, weil mit dem schnell ausgeführten Baseball-Wurf doch nichts erreicht wurde, kann möglicherweise eine Folge dessen sein. Aus diesem Grund kommen Kinder, Jungen und Mädchen gleichermaßen, mit "Boom Blox" erst ab einem Alter von 10 Jahren gut zurecht, weil sich erst in dieser Zeit ein wirkliches geometrisches Wissen und Verständnis festigt und, das ist kein unwichtiger Fakt, dieses räumliche Denken/Wissen erstmals in der Schule vermittelt wird. 
Aber es gibt noch einen weiteren, entscheidenden Punkt, unsere pädagogische Einschätzung auf das Alter von 10 Jahren festzulegen: Neben geometrischen Einschränkungen ist vor allen Dingen zu beachten, dass Spieler in jungen Jahren oftmals Probleme mit der Wii-Steuerung haben. Denn diese ist das A und O von "Boom Blox". Um beispielsweise den Baseball zu werfen, muss das Ziel präzise anvisiert werden. Auf der anderen Seite die Steine, die mit viel Feingefühl aus dem großen Holzturm entfernt werden müssen. Die Wii-Remote reagiert dabei absolut empfindlich – ein Stoß zu viel, einen kleinen Dreher in die falsche Richtung, schon fallen die falschen Klötze zu Boden und das Spiel ist schnell verloren. Was für ältere Spieler absolut begeisternd ist und futuristischen Charakter hat, weil es erstmals so "lebensecht" (Spieler, 16) wirkt, kann auf Kinder sehr frustrierend wirken, weil sie das Feingefühl und das motorische Geschick noch nicht in vollen Zügen auskosten können. Gerade in den späteren Abenteuer-Missionen werden zeitlich abgegrenzte Kombinationsleistungen erfordert, die von einem Kind im Alter von 6 Jahren nur in Außnahmen zu leisten sind. 

Eine weitere motivierende Komponente von "Boom Blox" sind die grafischen Gegebenheiten und das hintergründige Spielgeschehen. Rechteckig gestaltete, als lustig empfundene Tierfiguren, die dem Spiel aus dem Hintergrund zuschauen und später in den Missionen und Abenteuern passiv beteiligt bzw. betroffen sind, verleihen "Boom Blox" zusätzlichen Spielwitz und verbinden nebenbei auch Generationen, so dass Jung und Alt ihre Interessen gleichermaßen vertreten sehen. 

Abschließend ein paar Worte zum Schwierigkeitsgrad von "Boom Blox": Der Einstieg erweist sich als geradezu hervorragend. Denn vorzufinden ist ein großes Tutorial, dass dem Spieler in langsamen und gut erklärten Schritten jede wichtige Spielkomponente beibringt. Und damit ist nicht genug. Es gibt weiterhin Trainingsmissionen, die jeden Spezialstein einführen, und das in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die absolut repräsentativ für den weiteren Spielverlauf sind. 

Fazit:
"Boom Blox" ist ein liebevoll und intelligent wie anspruchsvoll gestaltetes Spiel, das die motorischen Vorteile der Wii-Steuerung und Denk- und Geschicklichkeitsanforderungen sehr gut miteinander vereint. Jungen und Mädchen ab 10 Jahren werden an "Boom Blox" gleichermaßen ihre Freude haben. Eltern und Pädagogen sind aber ebenso dazu aufgerufen, weil "Boom Blox" in jeder Hinsicht einen generationsübergreifenden Charakter hat und geschickt die Interessen von Jung und Alt bündelt.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass