Carnival: Die Jahrmarkt-Party

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
2K Play
Erscheinungsjahr
2007.08
Systeme
Wii
System im Test
Wii
Kurzbewertung
Der Jahrmarkt für Jung und Alt
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
"Carnival: Die Jahrmarkt-Party" beinhaltet das, was der Name schon sagt: Ein Jahrmarkt in virtuellen Welten, mit all den schönen, kleinen Spielen, die man vom Jahrmarkt bzw. der Kirmes her kennt. Hinzu gesellen sich andere Spielchen, die in europäischen Gefilden eher selten zu finden sind und vor allem in Nordamerika ihr Zuhause haben. Nicht zu vergessen Liebestesterautomaten, aufdringliche wie vorlaute Schausteller oder auch Wahrsagerinnen, die einem natürlich nur Positives verraten.
"Carnival" ist sicherlich nicht eines der Videospiele, auf die man in Gamer-Kreisen unablässig wartet oder die irgendeine Art von Vorfreude erzeugen. Zu kindlich ist die Optik, zu unaufdringlich die dahinter stehende Werbung. Doch "Carnival" erscheint nicht auf irgendeiner Konsole, sondern auf der Nintendo Wii, die für Innovation in Steuerung und Gameplay steht. Da machen auch geübte Spieler gerne mal eine Ausnahme. Vor allem in Sachen Steuerung wird und wirkt das Spiel um ein Vielfaches interessanter, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. 

Pädagogische Beurteilung:
Die Ablehnung von "Carnival" trat auch in den Testergruppen ein. Besonders die pubertierenden Jugendlichen unter den Testern, so in etwas zwischen 12-17 Jahren, verweigerten sich grundsätzlich dem harmlos wirkenden Spiel, dass im krassen Gegensatz zu ihren sonstigen Lieblingen steht, die entweder mit bombastischen Aufmachungen aufwarten oder sich mit kühler Statik in Szene setzen. "Carnival" hat nichts von alledem und trotzdem konnte sich nach einer Menge Überredungsversuchen und Aufforderung zum Testen ein wenig Begeisterung für dieses Videospiel einstellen, was sich vor allen Dingen in größeren Gruppenprozessen äußerte. Doch bevor diese näher beschrieben werden, wie auch die fabelhafte Integration der Wii-Steuerung, soll vor allem darauf eingegangen werden, wer hier die Zielgruppe ist und wer sie vor allen Dingen sein könnte. 
Obwohl "Carnival" in der Testergruppe letztlich zu gefallen wusste, ist klar, dass (vor allem männliche) Jugendliche in diesem Alter wahrscheinlich eher nicht zur Käuferschaft von "Carnival" gehören. Kinderzimmer oder besser Haushalte mit Kindern werden wohl eher der Ort sein, an dem man das Videospiel wiederfinden wird. Und genau da gehört es mitunter auch hin, wenn auch nicht zur freien Verfügung, denn dann wird "Carnival" mit absoluter Sicherheit in den Regalen verstauben. Die Bedingungen für Kinder erweisen sich, neben dem Offensichtlichen, als hervorragend: Auch wenn hier auf dieser Seite in vielen Testberichten für Wii-Spiele darauf hingewiesen wurde, dass gerade die Steuerung ein ausgebildetes motorisches Geschick erfordert und eher nicht von allzu jungen Kindern gespielt werden sollte, gestaltet es sich dem Fall "Carnival" etwas anders. Denn wo andere Spiele (z.B. "Rayman Raving Rabbits") vollen Körpereinsatz, der auch bei erwachsenen Personen zum nachfolgenden Muskelkater geführt hat, und komplizierte Bewegungen einfordern, setzt "Carnvial" weitaus weniger Erfordernisse. Die Wii-Steurung funktioniert, um das kurz zu erläutern, mit einer Art Fernbedienung, die Wii-Remote genannt wird und jede Bewegung des Körpers nachvollzieht und auf den Bildschirm bannt. Bei manch einem Spiel ist absolute Konzentration erforderlich, die jüngere Kinder in keinem Fall leisten können. Um "Carnival" spielen zu können, bedarf es aber nur verschiedener kurzer Bewegungen mit eben dieser Fernbedienung, um eine Aktion durchzuführen, die auch einen jüngeren Spieler nicht so schnell aus der Fassung bringen können. Doch auch wenn sich die Bedingungen als etwas günstiger für Kinder erweisen, einen wichtigen Faktor gibt es immer noch zu bedenken: Die Bewegungen müssen in den hier versammelten Minispiele müssen teilweise immer noch zeitgenau und mit ruhiger Hand ausgeführt werden! Deswegen empfiehlt es sich, "Carnival" nicht als Spiel für Kinder ab 6 Jahren zu sehen, sondern als Familienspiel, als Gemeinschaftbeschäftigung, der mit Eltern, Pädagogen oder sonstigen Mitspielern zusammen angegangen und erlernt wird. Denn nur mit der Hilfe von reiferen Personen, die sich in Grundzügen über den Inhalt und die Herangehensweise bewusst sind, kann "Carnvial" auch bei den kleinen Spielern funktionieren. Mit den Lerneffekten und dem motorischen Geschickt, das sich mit der Zeit einstellt, wird das Kind möglicherweise dazu im Stande sein, das Gameplay alleine zu handeln und Gleichaltrige einzuweisen, so dass "Carnival" auch in das soziale Erleben über den engsten Familienkreis hinaus eingebunden werden kann. Auch schweißt das gemeinsame Spiel von Erwachsenen und Kindern ungemein zusammen, wenn das Kind merkt, dass der reifere Mitspieler keine Berührungsängste oder Vorbehalte gegenüber Konsolen/Computern hat und man sich in diesem Sinne gemeinsam dem recht jungen Kulturgut Konsole bzw. Videospiel nähern kann.
Selbst wenn das Kind nicht so weit sein sollte, "Carnival" selbst und vollends mitzuspielen – in der Rolle des Zuschauers wird es sich ebenso gefallen können. Denn "Carnival" ist mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet worden. So haben die Schausteller immer einen lustigen bis sarkastischen Spruch auf den Lippen, der von unterschiedlichen Altersgenerationen unterschiedlich verstanden werden wird. Der Soundtrack entspricht einem typischen Jahrmarkttreiben und wird Kinderherzen mit Sicherheit höher schlagen lassen. Die Grafik ist überaus bunt und die Spielfiguren minimalistisch-abstrakt, so wie es Kinder auch in Zeichentrickfilmen oder Comics zu schätzen wissen. 
Das Outfit und Aussehen der Figuren ist übrigens selbst zu bestimmen und bereitet nicht nur den Jüngeren Freude. Die größte Freude dürfte (ob jung oder alt) dürften aber die Minispiele selbst bereiten, die mit Spannung angegangen werden können. Denn die Namen der Spiele sind nie selbsterklärend, so dass man nie weiß, was auf einen zukommt. Mal ist es der Fröscheweitwurf, bei dem es darum geht einen Plastikfrosch mit Feingefühl in sich umher schwimmende Seerose zu katapultieren. Dann ein Pferderennen, das funktioniert, in dem man Bälle im Sekundentakt in mit verschiedenen Punktezahlen ausgezeichnete Löcher rollt. Je höher die Zahl, desto weiter springt das Pferd in Richtung Ziellinie, ein vom Jahrmarkt hinreichend bekanntes Spielprinzip. Hinzu kommen die Klassiker: Basketballfreiwürfe, Hau den Lukas, Becherball und viele mehr.

Jugendliche wissen in der Regel vor allem den Mehrspielermodus zu schätzen. "Carnival" ist mit bis zu 4 Spielern spielbar. Der Einzelspielermodus wurde in der weit oben genannten Alterklasse grundsätzlich abgelehnt, da beim Spielen von "Carnival" vor allem die hintergründige Gemeinschaft zählt und oftmals nicht das Spiel an sich. Der Hauptgrund dafür liegt in der Steuerung, die in wenigen Sätzen schon erklärt worden ist. Die Mitspieler achten hier nicht nur darauf, was auf dem Bildschirm passiert, sondern auch wie sich der Spieler bewegt. Bei anderen Konsolen erweist sich die Steuerung mit dem Joystick/Gamepad als Selbstläufer. Man würde eher selten auf die Idee kommen, dem anderen Spieler auf die Finger zu schauen und ihn anhand dessen zu beurteilen. Hier aber kann man den Mitspieler dazu anhalten, etwas sanfter oder eben auch härter zu reagieren. Die Bewegungen wirken auch oft belustigend, was den Spaß in der Gruppe überaus steigert. Gedanken, dass das Spielen einem Mannschaftssport gleich kommt werden laut, auch wenn der Inhalt weiter davon entfernt ist. Und genau das ist es, was kindlich wirkende Spiele auch für Jugendliche interessant macht: die Verbindung von Körper und Geist und die Arbeit daran, diese Symbiose auch für sich immer weiter zu steigern. Daneben der Wettkampfcharakter oder weitere Minispiele, die erst nach gewissen Punktzahlen freigeschaltet werden können – alles Faktoren, die auch für Jugendliche ungemein motivierend wirken.  

Fazit:
"Carnival" wird trotz der motorisch genau analysierenden Wii-Steuerung auch Kindern ab 6 Jahren eine Freude bereiten. Voraussetzung hierfür ist die Teilnahme reiferer Mitspieler, die kurzeitige Frustrationen auffangen können und dem jungen Spieler zu Lerneffekten verhelfen. Die überaus bunte Gestaltung und der Spannungseffekt der Spiele eignet sich auch bestens dazu, einfach zuzuschauen und darüber zu lernen und Spaß zu haben. Jugendliche finden, trotz kindlicher Optik und Sound und dank der innovativen Steuerung, am Mehrspielermodus ihren Gefallen.

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Spieletester
Bürgerzentrum Deutz
Köln
Bewertung Spielspass