Robert Ludlum`s Das Bourne Komplott

Genre
Action-Adventure
USK
keine Jugendfreigabe (?)
Pädagogisch
ab 18 Jahre
Vertrieb
Sierra
Erscheinungsjahr
2008.06
Systeme
Playstation 3, Xbox 360
System im Test
Xbox 360
Kurzbewertung
gut gemachtes Actionspiel, jedoch mit einigen spielerischen Schwächen
Autor
Matthias Reitzig
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Matt Damon hat in bisher drei Filmen dem amerikanischen Agenten Jason Bourne Leben auf der Kinoleinwand eingehaucht. Der eiskalte Regierungskiller mit Gedächtnisverlust, der auf der Buchvorlage Robert Ludlums basiert, ist damit einem Millionenpublikum bekannt geworden. Was läge näher als dem Agenten auch ein Computerspiel zu widmen. 
Der Spieler schlüpft in die Rolle Bournes, der allerdings bis auf die Synchronstimme nichts mit der aus den Filmen bekannten Figur gemeinsam hat, da Matt Damon für das Computerspiel die Freigabe seines Konterfeis verweigert hat. 
Das Spiel seinerseits baut lose auf dem ersten Teil der Trilogie "Die Bourne Identität" (FSK 12) auf. 
Zu Beginn des Spiels verpatzt Bourne einen Liquidierungsauftrag und verliert während der darauf folgenden Ereignisse sein Gedächtnis. Es ist nun die Aufgabe des Spielers, die eigene Erinnerung wieder zu erlangen und nebenbei die Angriffe der zahlreichen Agenten, die ihn für einen Verräter halten, abzuwehren.

Pädagogische Beurteilung:
Wer die Jason Bourne Filme kennt, weiß, worum es in diesem Spiel geht: Es handelt sich um ein knallhartes Actiongame. Das Spiel ist vollgestopft mit brutalsten Nahkämpfen, wilden Schießereien und halsbrecherischen Auto-Verfolgungsjagden; an nahezu jeder Ecke wartet eine neue Herausforderung dieser Art auf den Spieler. 
In spielerischer Hinsicht können insbesondere die hervorragend inszenierten Nahkämpfe überzeugen. Ähnlich wie in den Filmen ist Bourne auch hier ein überaus effizienter Kämpfer, der immer auch seine jeweilige Umgebung geschickt miteinbezieht und zu seinem Vorteil nutzt. Spieltechnisch sieht dies so aus, dass der Spieler durch erfolgreiche Angriffe einen Adrenalin-Balken füllt. Einmal gefüllt, kann dieser dann genutzt werden, um einen so genannten "Takedown" (dt. Niederwurf) auszuführen: Je nach Position im Level nutzt Bourne dann seine Umgebung, um seinen Gegner auszuschalten. So ist es beispielsweise möglich, diesen eine Treppe hinunter zu werfen, ihn mit dem Kopf auf eine Tischplatte zu schmettern (welche dann auch folgerichtig bricht) oder ihm das Knie zu brechen. An anderer Stelle greift Bourne auch nach einem Kugelschreiber, um diesen durch die Hand seines Kontrahenten zu rammen. Insgesamt gibt es über 300 solcher oftmals brutaler Moves, die in der Regel, ausgenommen hiervon sind Kämpfe gegen Endgegner, den Kampf sofort beenden. All diesen Aktionen und Darstellungen ist gemein, dass sie definitiv nichts für die Augen Kinder oder Jugendlicher sind. 
Einen weiteren großen Teil des Spiels machen die Schießereien aus. Bourne wird generell aus einer Über-die-Schulter Perspektive gesteuert, die Kamera zoomt in diesem Modus ein wenig aus dem Geschehen heraus, zusätzlich wird eine Zielmarkierung eingeblendet. Auf Knopfdruck nimmt Bourne hinter Objekten Deckung, um dann kurz daraus aufzutauchen und einige Schüsse abzugeben. Auch hier steht Bourne wieder sein Adrenalin zur Verfügung. Einmal gefüllt, lässt sich der Adrenalin-Balken für einen "Schuss-Takedown" einsetzen: Die Kamera zoomt auf einen Gegner zu und zeigt in Nahaufnahme, wie die Kugeln einschlagen und der Gegner zusammenbricht – ein weiterer Grund für die USK-Einstufung. Zu erwähnen ist auch noch der nahtlose Übergang zwischen Fern- und Nahkampf: Kommt man einem Gegner zu nahe, so wird übergangslos in den oben beschriebenen Modus gewechselt und der Kampf mit den Fäusten entschieden. Ansonsten bietet dieser Teil des Spiels konventionelle Action.
Der Teil des Spiels, in dem Bourne zusammen mit seiner Freundin Marie in einem Mini Cooper durch die Strassen von Paris rast, um seinen Verfolgern zu entkommen, ist sicherlich der schwächste. Während diese Verfolgungsjagd im ersten Film zu den Höhepunkten gehört, stellt sie im Spiel den Tiefpunkt dar. Die Fahrphysik ist schlecht und die Aufgaben des Spielers beschränken sich im Prinzip auf einfaches Gas geben und das Drücken eines Knopfes, sobald dieser auf dem Bildschirm erscheint. Glücklicherweise ist dieser Teil des Spiels jedoch recht kurz. 
Grafisch und soundtechnisch gibt es an "Robert Ludlum`s Das Bourne Komplott" wenig auszusetzen. Die Animationen sind durchweg sehr flüssig und die ständig die Perspektive wechselnde Kamera sorgt dafür, dass in optischer Hinsicht so schnell keine Langeweile aufkommt. Zudem findet man immer wieder aus dem Film bekannte Szenen wieder, was ebenfalls, zumindest bei Kennern des Films, viel zur gelungenen Atmosphäre beiträgt. Sound und Musik untermalen darüber hinaus das Geschehen sehr gut. 

Fazit:
Alles in allem ist "Robert Ludlum`s Das Bourne Komplott" ein spannendes Spiel, das einem zeitweise kaum Zeit zum Luftholen lässt; so intensiv ist die gebotene Action. Insbesondere die zahlreichen Nahkämpfe sind an Dramatik kaum zu überbieten. Die Autosequenz und in Teilen auch die Schießereien hätten jedoch auch noch ein bisschen mehr Abwechslung und Überarbeitung vertragen können. Hier zeigt sich klar, dass das, was im Kino für zwie Stunden hervorragend funktioniert, als Spielumsetzung nicht automatisch genauso spannend und packend sein muss.  
Das Spiel erzählt den Film jedoch alles in allem gut nach; anders als dieser (Freigegeben ab 12 Jahren) hat das Spiel jedoch (vollkommen zu Recht) keine Jugendfreigabe erhalten. Das Geschehen wird viel unmittelbarer erzählt, und auch die Darstellung der Gewalt ist drastischer. Erwachsene Fans der Trilogie können durchaus einen Blick riskieren, Kinder und Jugendliche jedoch sind als Publikum für dieses Spiel fehl am Platz.