Stratego - Next Edition

Genre
Gesellschaftsspiele
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 8 Jahre
Vertrieb
Ubisoft
Erscheinungsjahr
2008.07
Systeme
Nintendo DS
System im Test
Nintendo DS
Kurzbewertung
Spielbrettklassiker mit einer schönen wie schlichten Umsetzung
Redaktion
Markus Wollmann
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Die Umsetzung von Brettspielklassikern für den Computer ist keine Seltenheit. Monopoly und Co. Haben längst ihren Weg in virtuelle Welten gefunden. Auch das 1958 erstmals in den Niederlanden erschienene Stratego gehört dazu und wurde für viele Spielsysteme bereits auf den Bildschirm gebannt. Nun erscheint es wie eine logische Folge, dass Stratego in neuem Gewand für die Nintendo DS veröffentlicht wird. Die kleine, tragbare Spielkonsole ist schließlich prädestiniert für den kleinen Strategiekampf für Zwischendurch, der einer nicht allzu großen, grafisch anspruchsvollen Umsetzung bedarf. So ist es ebenso kein Wunder, dass "Stratego – Next Edition" ausschließlich für die Nintendo DS lizensiert wurde. 
Gespielt wird "Stratego – Next Edition" exakt nach dem Prinzip des Brettspielklassikers. 40 Spielfiguren, die als kleine nummerierte Quadrate auf dem Konsolenbildschirm erscheinen, treten gegen 40 gegnerische Figuren an. Ziel des Spiels ist es, die Fahne des Gegners zu finden. Um diese aufspüren zu können, geht man Schritt für Schritt, Spielfeld für Spielfeld vorwärts, um dann im Einzelkampf gegen die Quadrate anzutreten, die sich einem in den Weg stellen. Die kleinen goldenen Regeln sind dabei schnell erklärt: Grundsätzlich gewinnt die höhere Zahl, nur die 1 (niedrigste Zahl) kann gegen die 10 (höchste Zahl) einen Sieg erringen, wenn sie aktiv gegen sie vorgeht. Der Verlierer der Zahlenduelle verschwindet dabei im Nichts. Neben den Grundsätzen gibt es noch ein paar wenige Besonderheiten: 3en können die verstreuten Bomben entschärfen, gegen die andere Figuren machtlos sind. 2en können, im Gegensatz zu allen anderen Figuren, weite Strecken laufen und leisten meist aufklärerische Arbeit, wenn sie dabei auch fast immer ihre Existenz verlieren. Treten zwei gleichgroße Zahlen gegeneinander an, sind beide außer Gefecht gesetzt. Das Spiel ist gewonnen, wenn einer von beiden Mannschaften die Fahne des Gegners erreicht hat, oder wenn eine Mannschaft keine aktiven Spielfiguren mehr übrig hat. Klingt komplizierter als es im Spielverlauf wirklich ist. 
Neben dem Originalprinzip gibt es "Stratego 90°" und "Stratego Duell". Bei "Stratego 90°" ist der Spielparkour um 90 Grad gedreht, so dass die Figuren auf andere Weise aufgestellt werden müssen. In "Stratego Duell" spielt man nur mit 10 anstatt 40 Figuren, was ebenso dazu führt, eine geschickte Aufstellung zu kreieren und noch mehr auf der Hut zu sein.
Zu "Stratego - Next Edition" gehört auch ein Mutilplayer-Angebot. Das Besondere an der Nintendo DS: Es reicht aus, wenn ein einzelner Spieler "Stratego – Next Edition" kauft. Ein Mitspieler kann es sich dann mit Hilfe dieser gekauften Originalversion auf seinen Nintendo DS runterladen. Dieser Service wird nicht nur für das hier besprochene Mutiplayerspiel angeboten, sondern gehört zum Standard für diese tragbare Konsole. 

Pädagogische Beurteilung:
Der Einstieg in "Stratego – Next Edition" gestaltet sich als nicht sonderlich schwer, denn die Spieler folgen einer kurzen Anleitung, die in einem Sondermenü aufgeführt sind. Normalerweise sind geschriebene Anleitungen, die nicht auf aktive Art und Weise in das Spiel integriert sind, nicht sonderlich beliebt bei unseren jungen Testern und werden oftmals ignoriert. Daraus folgt dann oft eine schnelle Unzufriedenheit, weil das dem Spiel zugrunde liegende Prinzip nicht verstanden wurde. Das ist meist keine zu beanstandende Faulheit oder Unzulänglichkeit, denn der Wunsch der Tester bzw. eines ottonormalen Videospielinteressierten ist verständlicherweise groß, direkt und ohne Umschweife in das Geschehen einzusteigen. Lange Einleitungen machen in der Hinsicht selten Spaß und werden des Öfteren als demotivierend wahrgenommen. "Stratego – Next Edition" entpuppte sich aber als vertretbares Bindeglied zwischen Lesen und Spielen, denn die Erklärungen sind kurz, kompakt und leicht verständlich, so dass auch unsere Tester ohne große Wartezeit einsteigen konnten. 

Kommen wir zu den Gegebenheiten des Spiels: Die grafischen und soundtechnischen Elemente in "Stratego – Next Edition" sind nicht wirklich der Rede wert. Man hört einerseits einen immer auf- und abflammenden Marschrhythmus, der zu keiner Zeit variiert und aus diesem Grund nach kurzer Zeit dazu animiert, den Ton auszustellen. "Da hätten die sich aber mehr einfallen lassen können. Total langweilig!" (Spieler, 13). In Sachen Grafik wurde ebenso deutlich sichtbar an der Entwicklung gespart, wobei nicht vergessen werden darf, dass die Nintendo DS im Vergleich zu anderen tragbaren Konsolen (z.B.: Playstation Portable) grundsätzlich keine hochauflösenden Bilder zu bieten hat und stattdessen ihr Hauptaugenmerk auf ein innovatives Gameplay setzt. Das wissen auch unsere Tester, die aus diesem Grund auch nicht ihren Hauptfokus auf Grafik oder Sound setzen, sondern allein auf den Spielinhalt. Das zeigt vor allem, dass es auch bei hi-tech-verwöhnnten Jugendlichen, die oftmals schon im frühen Kindesalter mit hochtechnisierten Medien konfrontiert sind, nicht immer auf Realitätsnähe und übergroßen Bombast ankommt, sondern in diesem Fall auf die Verschmelzung von Steuerung und Spielprinzip. Denn um die Spielfiguren zu lenken, benutzt man auf dem Nintendo DS einen TouchPad. Das heißt, dass der untere der beiden Bildschirme mit einem beiliegenden Stift zur Bedienung der Stratego-Quadrate dient. Tippt man mit dem Stift darauf und zieht ein Quadrat nach oben, unten, links oder rechts, so erfolgt eine Bewegung der Figur. Dieser unscheinbare Effekt hat auf die Jugendlichen mehr Wirkung, als in erster Linie offenbar wird. Der TouchPad und der Stift verleihen dieser Konsole eine gewisse Feinheit und dem Spieler mehr Ruhe und Ausgeglichenheit, als es das auf manch anderen Konsolen der Fall ist. Es kommt eben nicht darauf an, so oft wie möglich auf Tasten herum zu drücken, sondern sich überlegt und gezielt mit dem Spiel und dessen Prinzip auseinanderzusetzen. Zudem schließt die Nintendo DS die Lücke zu anderen elektronischen Medien (z.B.: Handys), die ebenfalls mit TouchPad ausgestattet sind und genau so wenig für eine Dauerbenutzung hergestellt wurden. Die Nintendo DS, insbesondere "Stratego – Next Edition", erfüllt ihren Zweck als Kurzzeitspiel und wird nur in aller Seltenheit als Hauptbeschäftigung betrieben. Das hat unter anderem den Vorteil, dass die Spieler zu ihrem Spaß kommen und doch fest mit dem Alltag eines Jugendlichen verbunden sind und sich nicht in den Spielwelten der Konsole verlieren können. 

"Stratego – Next Edition" ist in erster Linie ein Multiplayer-Spiel. Das hat den Grund, dass der Computergegner, gegen den man in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen (Leicht, Mittel, Schwer) antreten kann, nicht wirklich anspruchsvoll ist. Zwar sind alle Anfänge bekanntlich nicht einfach, doch nach kurzer Zeit kann man selbst den Gegner der Kategorie "Schwer" besiegen, da sich die taktischen Züge des Computers ständig wiederholen. Voraussetzung hierfür ist eine gewisse Reife, die die taktischen Hintergründe erkennt und dazu führt, dass man die Hintergründe zu seinen Gunsten umsetzen kann. Kinder unter 8 Jahren werden weniger Gefallen daran finden, weil die vielen Schritte und Positionen, die im gesamten Spielverlauf zu bedenken sind, überfordernd wirken können und nicht dem Denken eines gerade Eingeschulten entsprechen. Kinder unter 8 Jahren finden daher eher Gefallen an den Spielen, die auf Einzelschritten beruhen und nach und nach ablaufen.
Aus diesen ganzen Punkten ergibt sich, dass die Tester ab einem Alter von 8 Jahren mehr Gefallen daran gefunden haben, gegeneinander zu spielen und sozusagen die Unberechenbarkeit des Gegners zu schätzen wussten. Das generations- und geschlechtsübergreifende Spielprinzip könnte sogar dafür sorgen, dass man nicht nur untereinander ein schnelles Spiel pflegt, sondern auch gegen Eltern oder das andere Geschlecht antritt, soweit diese sich dazu bereit erklären, gewisse Barrieren zu übersteigen. Es wird letztlich vor allem zu einer Förderung der Verständigung untereinander führen. 
Soweit das klassische Brettspiel vorhanden ist, sei im Zuge eines grundlegenden Interesses an "Stratego – Next Edition" dazu geraten, dem kindlichen/jugendlichen Spieler auch diese Variante näher zu bringen und aufzuweisen, dass "Stratego – Next Edition", das in seiner Gestaltung schon einfach genug ist, noch einfacheren Prinzipien zugrunde liegt. So besteht die Chance, bei computerspielbegeisterten, jungen Menschen ein Interesse für Brettspiele und deren gesellschaftliche Komponenten zu wecken. Denn Brettspielumsetzungen sollen ja nicht dazu führen, dass der eigentliche Hintergrund vergessen wird. Ein bisschen Hilfe und Hingabe, dass es dazu nicht kommen wird, bedarf es allerdings. Ältere und reifere Generationen sind also aufgerufen, in dieser Hinsicht tatkräftig zu werden.

Fazit:
"Stratego – Next Edition" überzeugte als haargenaue Umsetzung des Brettspielklassikers und erfährt nur wenig Variation. Schlechte grafische und soundtechnische Elemente waren hier weniger ausschlaggebend, sondern unterliegen eindeutig dem Fokus aus der Verbindung von Steuerung und Gameplay, die zu überzeugen wussten. Der Mutiplayer-Modus wurde in jedem Fall der Einzelspielumsetzung vorgezogen, die auf Dauer demotivierte. Kinder ab 8 Jahren werden in "Stratego – Next Edition" vor allem dann ihre Freude finden, wenn die Möglichkeit besteht, den Mehrspielermodus nutzen zu können. In diesem Fall auch generations- und geschlechtsübergreifend!

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Spieletester
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Köln
Bewertung Spielspass