Pro Evolution Soccer 2009

Genre
Sport
USK
ohne Altersbeschränkung (?)
Pädagogisch
ab 6 Jahre
Vertrieb
Konami
Erscheinungsjahr
2008.10
Systeme
PC, Playstation 2, Playstation 3, Xbox 360, Wii, Playstation Portable
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Solides Fußballspiel mit Champions-League-Lizenz
Gruppenleiter
Max Fischer
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Alle Jahre wieder beglückt Konami seine eingeschworene Fangemeinde mit einem brandneuen Teil der Pro-Evolution-Soccer-Reihe. Der mittlerweile achte Ableger der Fußballsimulation wird auch in diesem Jahr den traditionell wiederkehrenden Glaubenskrieg zwischen Anhängern der FIFA-Reihe von EA Sports und dem Po-Evolution-Soccer-Lager neu entfachen. Wogegen der Titel aus dem Hause Electronic Arts (EA) seit jeher mit seinem umfangreichen Lizenzpaket inklusive aller Bundesliga-Mannschaften zu gefallen wusste, begeistert PES die Spieler bis dato mit hoher Spieltiefe und sehr realistischen Spielabläufen. Letzteres führte dazu, dass das Konami-Game in den letzten Jahren nach einhelliger Expertenmeinung als das bessere Fußballspiel angesehen wurde. Nun trat dieses Jahr die Situation ein, dass EA Sports mit FIFA 09 einen Titel auf den Markt warf, welcher auch spielerisch die Lücke zu den letztjährigen PES-Ablegern schließen konnte und damit erstmalig als hauchdünner Favorit ins Rennen um den Fußballthron geht. 
Konami überraschte in diesem Jahr wenige Monate vor dem Release mit der Ankündigung sich für vier Jahre die Rechte an der UEFA-Champions-League gesichert zu haben. Diese neu erworbene Lizenz drückt sich im Spiel im "UEFA Champions League Modus" aus, in welchem dem Spieler die Möglichkeit eröffnet wird sich mit seiner Lieblingsmannschaft die begehrteste Vereinstrophäe der Welt zu holen. Eine weitere Neuerung der diesjährigen PES-Version ist der "Become a Legend"-Modus, der eng angelehnt an den aus FIFA 08 bekannten "Be-a-pro"-Modus die Aufgabe beinhaltet, einen einzigen selbst erstellten virtuellen Kicker von der zweiten Mannschaft eines Mittelklasseteams in Ruhmeshalle des internationalen Fußballs zu führen. Schon bekannt aus den vorherigen Teilen ist der Meisterligamodus. Hier soll der Spieler aus einem Profiteam aus unbekannten Akteuren ein internationales Spitzenteam formen. Neben der spielerischen Komponente muss hier auch die Rolle des Managers übernommen werden, der Verträge aushandelt und das Team gezielt mit neuen Akteuren verstärkt ohne dabei das Budget des Vereins aus den Augen zu verlieren.
Bei aller neuen Vielfalt heißt die Essenz immer noch ganz klar: Fußball. Einfach gesagt geht es immer noch darum das Runde möglichst oft und am besten noch möglichst spektakulär (für diejenigen, die auch Online oder bei ihren Freunden für staunende Gesichter sorgen wollen) ins Eckige zu schießen. Damit dies möglichst gut gelingt, hat Konami noch einmal die bei PES 2008 ungewöhnlich schwache KI (Künstliche Intelligenz) überarbeitet und allen brasilianisch angehauchten Sofazauberern neue Tricks und Finten mit auf den Weg gegeben.

Pädagogische Beurteilung:
Die Vorfreude in der Spielertestergruppe auf den "Pro Evolution Soccer" 2009 Test war groß. Alle Jugendliche hatten schon einmal etwas von der populären Sportspielreihe gehört und für einige gehörten die Vorgängerversionen seit Jahren zu den absoluten Lieblingstiteln. Auf die Nachfrage, warum "Pro Evolution Soccer" für die Jugendlichen eine so große Faszination ausübe antwortete ein Spieler (12): "Ich spiele selber im Verein Fußball und finde, dass sich das Spiel fast so realistisch anfühlt, als würde man selber auf dem Platz stehen. Passen, Schießen, Tricks. Alles stimmt irgendwie."

Nachdem das Spiel eingelegt wurde, fiel die Aufmerksamkeit der Tester als erstes auf den brandneuen "UEFA Champions-League Modus". Im Menu fiel den Jugendlichen sofort die allseits bekannte Champions-League-Hymne als Hintergrundmelodie auf und auch der Einlauf der Spieler erinnerte sehr stark an eine Fernsehübertragung. Dieser Eindruck wurde ebenfalls durch die original Werbebanden und die Einblendungen der Spieler und Taktiken im klassischen "Champions-League"-Look bestätigt. Diese Details erzeugten gerade bei den fußballinteressierten Spieletestern für einen hohen Realitätsbezug, was wiederum in der Gruppe für ein "richtig gutes Fußballfeeling!" (Spieler 12) sorgte. Allerdings waren unter den ersten Eindrücken auch enttäuschte Gesichter zu finden. Wer erwartet hatte, dass man durch das neue Lizenzpaket die in der Champions League vertretenen deutschen Vereine Bayern München, Werder Bremen und die in der Qualifikation gescheiterten Gelsenkirchener von Schalke 04 im Spielgeschehen wiederfinden könne, wurde einmal mehr bitter enttäuscht. Nicht mal die in den Vorgängerversionen vertretenen Bayern aus München fanden den Weg in PES 2009. Das dämpfte die hohe Erwartungshaltung und ein Spieler (13) bemerkte treffend, dass "er es sich sehr gewünscht hätte, einmal mit seinem Lieblingsverein Werder Bremen die Champions League zu gewinnen. In echt wird das ja wohl kaum klappen! Des weiteren ist auch die spanische Liga, welche in den letzten Jahren regelmäßig volllizensiert auftauchte, nur noch mit einigen wenigen Vereinen vertreten. Eine ganz klare Enttäuschung auch unter dem Aspekt, dass der einzige nennenswerte Nachteil der Pro-Evolution-Reihe gegenüber dem Konkurrenzprodukt FIFA bisher immer die wenigen Lizenzen waren. Das drückt nicht nur auf den Spielspaß, sondern schmälert auch den gerade bei Fußballspielen eminent wichtige Realitätsbezug ungemein.

Spielerisch bietet der Titel zweifelsohne wieder die gewohnt hohe Qualitäten. Nach der zuletzt sehr actionlastig und einfach ausgefallenen Vorgängerversion versucht Konami offensichtlich wieder an das realistische Spielgefühl von "Pro Evolution Soccer 6" (vorletzte Version) anzuknüpfen. Allerdings sind die Unterschiede eher im Detail zu suchen. In den ersten Spielen bemerkten die arrivierten PES-Spieler "kaum ein Unterschied zu den vorherigen Versionen" (Spieler 12). Nach einigen Matches erkennt man allerdings, dass das Kräfteverhältnis von Stürmern zu Verteidigern wieder etwas ausgeglichener zu sein scheint. War es bei PES 2008 noch möglich mit Weltklassespielern a là Christiano Ronaldo jeden Verteidiger in Grund und Boden zu rennen, kann man jetzt durch geschicktes Verteidigen die ein oder andere Torchance mehr vereiteln. Auch die computergesteuerten Mitspieler denken besser mit, laufen sich intelligenter frei und heben sogar den Arm um zu signalisieren, dass sie sich in anspielbereiter Position befinden. Diese Aspekte führen zu einem sehr wirklichkeitsgetreuen Spielverlauf, dass wiederum zu mehr Spielmotivation führt. 

Der Spieler wird die Möglichkeit gegeben, zwischen fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden von Anfänger bis Top-Spieler zu wählen und so das Spielgeschehen je nach Können und Erfahrung individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die Abstufung ist sinnvoll, so dass es auch für Anfänger relativ schnell Erfolgserlebnisse geben wird, was des weiteren durch die sehr eingängige Steuerung unterstützt wird. Für Grundaktionen wie Schießen, Passen, Flanken, Schnelles Laufen und Spielerwechsel steht jeweils ein Button auf dem Gamepad zur Verfügung. Wer etwas tiefer in die Materie eintauchen will kann durch die Kombination der Knöpfe kompliziertere Aktionen wie Doppelpässe, Übersteiger oder Heber ausführen. Wem selbst das noch nicht genug ist, dem stehen noch unzählige je nach Spielsituation mehr oder weniger passenden Taktikeinstellungen zur Verfügung, was dem Geschehen eine schier unendliche Spieltiefe verleiht und gleichzeitig Einsteigern einen unkomplizierten Zugang zum Spiel bietet. In der Spieletestergruppe hatte das die Auswirkungen, dass zwar Anfänger gegen geübte Spieler regelmäßig verloren, aber gleichzeitig frei nach dem Motto "Learning-by-Doing" sich direkt nach den besten Tricks bei den Experten erkundigten. So fühlte sich eine Spielerin (12) nach einigen Spielen schon wie "ne richtige Fußballexpertin".
An einer Konsole können bis zu vier Spieler ihr fußballerisches Geschick austesten. Die Spielmodi "Be a Legend" und "Meisterliga" können nur als Einzelspieler durchlaufen werden. Als besonders spaßig erwies sich das Spiel 2 gegen 2, bei dem die Jugendlichen untereinander während des Spiels Laufwege absprachen und Verteidigungsaktionen aufeinander abstimmten. Das führte zu einer Atmosphäre, die der in einem Fußballstadion in Nichts nachsteht und sorgte für einen positiven Gruppenzusammenhalt.

Grafisch stieß Pro Evolution Soccer 2009 auf geteilte Meinungen. Für positive Resonanz sorgte die Darstellung der Fußballspieler. Die Gesichter der Akteure warten mit einem Detailreichtum auf, der fast schon an Fotorealismus grenzt. Neu ist, dass dies nicht nur bei den bekanntesten Spielern der Fall ist. Auch weniger bekannte Kicker konnten von den Jugendlichen ohne Probleme ihren realen Vorbildern zugeordnet werden. Des weiteren wurden die typischen Bewegungen einiger Stars der Szene wie z. B. Christiano Ronaldo mittels Motion Capture Technologie ins Spiel übertragen. So freute sich ein Spieler (13) darüber, dass "Christiano Ronaldo genauso breitbeinig beim Freistoß steht wie in echt. Sehr realistisch." Dieser Umstand sorgte bei den Jugendlichen für einen hohen Wiedererkennungswert. 
Offensichtliche grafische Schwächen offenbart PES 2009 der Darstellung des Stadions und den Fans. Wer sich erhofft hatte, dass Konami mit dem Wechsel zu den Next-Generation-Konsolen Playstation 3 und X-Box 360 auch außerhalb des Platzes sich endlich mal der Liebe zum Detail hingeben würde, wurde einmal mehr enttäuscht. Die monotonen Pappkameraden im Zuschauerbereich kommen einem aus den guten alten PS2 Zeiten seltsam bekannt vor mit ihren sich ständig wiederholenden, eintönigen Jubelgesten. Alles in allem wirkt die ganze Kulisse wie schon in den vorherigen Versionen seltsam farblos. Sicher könnte man damit argumentieren, dass das wirklich entscheidende bei Fußballspielen sich auf dem Platz ereignen sollte, allerdings ist graphische Eintönigkeit von solch uninspirierter Sorte in Zeiten von leistungsstarken Konsolen mit HD-Bildtechnologie einfach nicht mehr zeitgemäß und wird von realitätsverliebten Spielern auch entsprechend gewertet. Außerdem macht EA-Sports mit der FIFA-Reihe Jahr für Jahr vor, wie atmosphärisch auch das Drumherum bei einem Fußballspiel ausfallen kann.

Der gleichen Kritik muss sich Konami auch bei der Soundkulisse stellen. Ein Spieler (13) beschrieb die Soundatmosphäre im Stadion als "irgendwie blechern". Die Stadiongesänge sind genau wie die Zuschauerkulisse sehr monoton und im Klang sehr hohl. Es fehlen die Momente, die jedem Fußballfan eiskalte Schauer über den Rücken jagen. So wünschten sich die Tester beispielsweise, dass ihre Heimmannschaft bei einem Rückstand hemmungslos von einer tobenden Menge nach vorne gepeitscht wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Kommentator Hansi Küpper, welcher durch seine oft unbeholfenen Sprüche anfangs für viel Gelächter sorgte, mit der Zeit aber eher als nervtötend empfunden wird. Dass in diesem Bereich die durch die Champions-League-Lizenz guten Voraussetzungen für eine packende Fußballatmossphäre durch liebloses Programmieren nicht besser genutzt wurden, empfanden die Spieler durchgehend als ärgerlich.

Fazit:
Pro Evolution Soccer 2009 ist ein gute Fußballspiel. Mehr allerdings leider auch nicht mehr. Die Zeiten in denen sich videospielverrückte Fußballpuristen auf das Veröffentlichungsdatum der neuesten Version wie kleine Kinder auf den Weihnachtsmann freuen konnten sind mittlerweile passé. Sicherlich sucht die intuitive, aber gleichzeitig unheimlich komplexe Steuerung und die hohe Spieltiefe nach wie vor nach seines gleichen, allerdings können das mangelhafte Lizenzpaket, die teils lieblos gestaltete Grafik und der blecherne Sound nicht mehr mit den heutzutage von der FIFA-Serie gesetzten Standards mithalten. Wer die Vorgängerversion noch nicht besitzt und eine ausgeprägte Affinität zur Champions League besitzt kann sich durchaus mit dem Gedanken eines Kaufs befassen. Alle anderen Fußballfreunden sollten allerdings noch ein Jahr warten und darauf hoffen, dass Konami dann anstatt einer weiteren Evolution mal wieder eine echte Revolution auf den Markt bringt. Dass sie das Zeug dazu haben, steht außer Zweifel und wurde in der Vergangenheit schon des öfteren bewiesen.
Kinder ab 6 Jahren können sich guten Gewissens mit dem Titel auseinander setzten, da die Steuerung sehr einsteigerfreundlich ausfällt und keine bedenklichen Spielinhalte oder Gewaltdarstellung jeglicher Art vorhanden sind.

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Spieletester
Ü12 Lise-Meitner-Gesamtschule
Köln
Bewertung Spielspass